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1913 – Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies schwingt deutlich nach in unseren Herzen. Viele Ansichtskarten haben wir euch von unserer Reise in dieses mehr als faszinierende Jahr geschickt. Und von unseren Erinnerungen zehren wir noch jetzt. Besonders heute.

Eine dieser Karten machte uns zu Blauen Reitern auf Blauen Pferden. Sie war an Else Lasker-Schüler adressiert und stammte von ihrem guten Freund Franz Marc. Else selbst war 1913 fast mittellos und auf die Unterstützung der Menschen angewiesen, die ihr am nächsten standen. Allesamt Künstler – allesamt später weltbekannt. Marc, Kandinsky, Kokoschka, Kirchner und ganz besonders Gottfried Benn.

1913 trafen wir auf eine Frau, die als die bedeutendste Expressionistin ihrer Zeit galt und mehrere große Künstler durch ihre Gedichte inspirierte. Die Kunst des 21. Jahrhunderts wäre ohne sie nicht dort, wo sie heute steht. Franz Marcs Pyramide der blauen Pferde, die er auf die Karte an sie malte, ist das einzige originale Zeugnis für das später verschollene legendäre Gemälde.

Florian Illies vertraute uns in seinem Buch (inzwischen auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerlisten) ein großes Geheimnis zum Leben von Else Lasker-Schüler an. Wir werden es hier nicht verraten – nur soviel: Wenn wir wirklich durch die Zeit reisen könnten, dann würden wir versuchen, am 17. Februar 1913 im Münchner „Neuen Kunstsalon“ anwesend zu sein. Freunde der großen Dichterin versteigerten an diesem Tag zu ihren Gunsten einige gestiftete Ölgemälde. Wenn man jetzt aber weiß, wer zu ihren Freunden zählte, dann kann man ermessen, dass der Erlös von 1600 Reichsmark schon damals einen kläglichen Betrag darstellte. Die versteigerten Werke würden heute einen Wert von 200 Millionen Euro erzielen…. Aber auch das ist Geschichte… Vergangenheit… Nur noch Gedanken…

Heute vor 68 Jahren, am 22. Januar 1945 starb Else Lasker-Schüler in Jerusalem. Als deutsch-jüdische Schriftstellerin für staaten- und schriftenlos erklärt, emigriert – exiliert. Ruhe fand sie nie, da ihr Grab im Zuge des Sechstagekrieges zerstört und verlegt wurde. Ihr Grabstein befindet sich heute wieder dort, wo sie einst die letzte Ruhe finden wollte – auf dem Ölberg zu Jerusalem.

Ihr großer Wunsch erfüllte sich jedoch nie:

„Ich suche allerlanden eine Stadt, 
Die einen Engel vor der Pforte hat. 
Ich trage seinen großen Flügel 
Gebrochen schwer am Schulterblatt 
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel!“ 

Literatwo verneigt sich…

Franz Marc hat uns zu „Blauen Reitern“ gemacht und Florian Illies war hierbei mehr als ein Steigbügelhalter. Uns haben diese Gedanken nachhaltig beschäftigt und der Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit diesem grandiosen Buch war unser Besuch im Münchner Lenbachhaus. Wir begegneten dem „Blauen Pferd“ und hatten ein Buch dabei… Welches wohl… 😉

Ein Klick genügt... mit Literatwo zum Blauen Pferd
Ein Klick genügt… mit Literatwo zum Blauen Pferd

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Vorhang auf für eure Worte...