Myk Jung mischt Mittelerde auf…

Myk Jung und DIE deutsche Tolkien-Parodie

Es ist landauf, landab – ja sogar hügelhoch und bergan, vielleicht auch flussauf- und -abwärts mehr als bekannt, dass ich bekennender Anhänger der fantastischen Werke von J.R.R. Tolkien bin. Auenländer darf man mich nennen, Elbenfreund oder Gandalfianer gar. Den „Herrn der Ringe“ habe ich einst verschlungen, als sei es das erste und letzte Buch auf Erden zugleich und im „Hobbit“ lebe ich in meinen Träumen und Gedanken noch immer.

In tiefer und aufrichtiger Zuneigung habe ich hier über die Werke des großen Schriftstellers berichtet und freue mir bereits jetzt Helms Klamm auf die polierte Rüstung, weil am Ende des Jahres endlich der „Hobbit“ in der lange erwarteten filmischen Adaption von Peter Jackson die Kinosäle erobern wird.

Der eine Film, sie alle zu knechten…. Wahrlich… so wird es kommen.

Nur ernsthaft kann ich mit meinem „Schaaaatzzzz“ umgehen, nur in absoluter Demut lesen und im nie enden wollenden Gemälde der Tolkien`schen Welt umherwandern. Man mache alles mit mir… aber eines mache man nicht…! Man mache sich nicht über Frodo, Herrn Bilbo und Aragorn lustig… nicht in meiner Anwesenheit! Das käme einem Sakrileg gleich! Also Vorsicht mit mir… ich bin da empfindlich….

Öhm… dachte ich!

Myk Jung beim Literaturfest Meißen 2012

Bis wir nach Meißen kamen. Eigentlich waren wir mit Freunden vom Dresdner Buchverlag zu einer Lesung verabredet, aber leider saß dort noch jemand auf dem „Lesethron“ und erschreckt stellte ich fest dass dieser Autor so gar nicht in mein Weltbild passte. Äußerlich nicht gerade das Ebenbild eines seriösen Schreiberlings und inhaltlich keimte sofort ein schrecklicher Verdacht in mir, als ich dann seine Stimme vernahm, die mein Tolkienherz in Wallung versetzte. Ich hörte die folgenden Sätze wie im Traum und aus weiter Ferne:

„Als dann, gegen Ende des Drittletzten Zeitalters, SAURUM der Dunkle Herrscher wieder eine hässliche Gestalt angenommen hatte, die NAZGULASHS abermals kreischend übers Firmament zirkulierten und letztendlich offenbar geworden war, dass FAHRDUMANN, der Weiße Zauberer auf der Suche nach dem Einen Ohrring in seinem Ohr-Tank tatsächlich abgerissene Ohren sammelte, da waren die Nerven der zurückgebliebenen Albernen zum Zerreißen gespannt.“

Als ich dann noch Namensfragmente, wie „GANZHALB der Graue, FROHDOOF und GARD ARIEL“ vernahm, war mir schlagartig alles klar. Hier hatte sich jemand an meinem „Herrn der Ringe“ vergriffen und parodierte lachend und scheinbar völlig unbeeindruckt von meinem Erschrecken die heiligste aller Fantasygeschichten.

Der Mann muss vom Lesethron geschubst und mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt werden. Anders konnte man auf diese literarische Provokation nicht reagieren. Und ich selbst war im Zustand höchster Aufregung. Gänsehaut überzog meinen Körper und alle Nackenhärchen hatten sich zur Schlachtformation aufgestellt.

Doch irgendetwas hielt mich zurück – ja, schien mich fast zu lähmen. Und in einem Moment der tiefsten Erschütterung musste ich feststellen, dass mir eine kleine Träne die Wange herunter lief. Und es war zu meinem Entsetzen eine Träne des Lachens. Die Gänsehaut war kein Protest gegen jene Lesung – nein, im Gegenteil. Sie war äußeres Zeichen innerer Begeisterung und die Nackenhaare hatten sich nur hochgestellt, weil meine Ohren so etwas bisher noch nie gehört hatten.

Myk Jung – Der Herr der Ohrringe

Da saß er nun:

Myk Jung – studierter Germanist und Politologe, Independent-Musiker, Frontman verschiedener Bands, Autor und Kolumnist…. Und – ja man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – bekennender Liebhaber des „Herrn der Ringe“.

Nur wer „so“ liebt, kann „so“ parodieren. Nur wer so tief im originalen Text steckt, kann so weit davon abweichen und doch im Herzen Tolkinianer bleiben. Und nur wer so liest, wie Myk Jung, vermag es, sein Publikum mit Stimme und Text so sehr an sich zu binden… an den Einen, sie alle zu fesseln.

Und er las, wie der Teufel – er las mit einer so unverwechselbaren Stimme, dass Bianca und ich uns sofort einig waren. So eine Stimme hatten wir in einer Lesung noch nicht gehört. Vielleicht in den großen PIXAR Filmen im Kino. Da kann man ab und an eine solche Synchronstimme vernehmen. Aber doch nicht bei einem Schriftsteller selbst.

Ungewöhnlich… seine Präsenz, seine Nuancierung und seine Lautstärke, wenn er die Mittelmäßige Welt vor den KNORKS zu warnen versucht. Und Meißen lauschte…

Literatwo konnte nicht widerstehen. Unmittelbar nach der Lesung knüpften wir den ersten Kontakt und waren dann doch länger als geplant im tiefen Gespräch versunken. Wir werden das komplette Buch lesen. Wir werden uns den Herrn der Ohrringe zu Gemüte führen. Wir können nicht anders, als auch in dem „Einen“ Hörbuch zum Roman zu versinken und dann mit gebanntem Blick darauf zu warten, was mit uns geschieht, wenn dann im Herbst auch noch der „Hobknick“ erscheint. Auch am „Hobbit“ hat Myk Jung seine persiflierende Autorenhand angelegt…

Eine Parodie ist eine Parodie, ist eine Parodie… möchte man meinen. Hier haben wir es wohl eher mit einem mehr als interessanten Gesamtkunstwerk zu tun. Sein Name: Myk Jung.

Unglaublich?… Na einfach mal zuhören… Augen schließen, konzentrieren, wieder hinschauen, wieder Augen schließen und dann einfach die Gänsehaut wegbügeln und sich auf mehr von Myk Jung freuen. Hier bei Literatwo.

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Ein Gedanke zu “Myk Jung mischt Mittelerde auf…

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