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Alex Capus berührt…und wie er berührt. Mehrere Worte, nein ganze Zeilen, sogar ganz Seiten kann ich mit dem guten Literatwofüller unterschreiben, denn was Capus schreibt, kommt mir mehr als bekannt vor. Hachja…seufz…ohne Worte…

Leise lese ich die ersten Wörter des Romans, denn ich befinde mich in der Kathedrale Notre Dame, in Paris. Ich atme kaum, sitze inmitten der Großfamilie Le Gall und schaue auf den offenen Sarg in dem Leon Le Gall liegt. Das Klingeln einer Fahrradklingel stört die Ruhe, eine Frau tritt an den Sarg und legt diese hinein. Erst nachdem sie jedem der Trauernden einen Blick zugeworfen hat, verschwindet sie genauso schnell, wie sie gekommen war.

Wer war diese Frau und was für eine Bedeutung hatte dieser Gegenstand zwischen ihr und ihm?

Frankreich im Jahr 1918. Ein Mädchen mit einer rot-weiß gepunkteten Bluse auf einem Fahrrad hat Leons komplette Aufmerksamkeit erregt. Zwei Mal hat er sie nur gesehen und dennoch war er hin und weg. Louise, die Überbringerin der Gefallenennachrichten an die Bewohner in einem Dorf in Frankreich. Leon und Louise finden sich und werden ein Liebespaar, allerdings nur von kurzer Dauer, der Krieg holt sie ein und sie werden voneinander getrennt. Eine Trennung, die endgültig scheint, denn beide halten sich für tot. Ein Fliegerangriff beendet die noch nicht richtig begonnene Beziehung.

Leon zieht von Saint-Luc nach Paris, um dort zu in einem Labor zu arbeiten und um eine Familie mit seiner Ehefrau Yvonne zu gründen. Sie ist nicht seine Lebensliebe, aber trotz Fremdheit und Distanz haben sie ein tragbares Zusammenleben und er hat das Glück in seinen Kindern gefunden, die sein Leben bereichern. Leon denkt immer wieder an seine Louise, was Yvonne weiß und merkt. Nach 10 Jahren sieht er sie endlich, wenn auch nur flüchtig wieder. Als er mit der Metro fährt, sieht er sie in einem Waggon sitzen.

Die Flamme der Liebe zu ihr, die nie erloschen ist, fängt gewaltiges Feuer. Seit diesem Tag beginnt er sie zu suchen, hält sich länger am Bahnhof auf und kann kaum noch andere Gedanken denken, so groß ist seine Sehnsucht und die Vorfreude auf ein richtiges Wiedersehen. Er sieht Louise wieder, genau einen Tag. Mehr Glück gönnt sich Louise nicht, sie möchte, dass er so weiter lebt wie bisher und trifft ein Abkommen mit ihm, dass er sich nicht melden soll. Zudem bricht der  zweite Weltkrieg aus und beide Leben verändern sich erneut.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, Leon kann sich kein Leben, ohne Louise noch einmal gesehen zu haben, vorstellen.

„So vergeht kein Tag und keine Stunde, da ich Dir nicht dieses oder jenes erzählen möchte und mir nicht wünschte, dass Du hier wärst und sehen könntest, was ich sehe, und das ich hören könnte, was Du zu alldem hier zu sagen hättest.“

Alex Capus schreibt über ein Liebeslebensband, was sich über mehrere Jahre lang hält. Eine Liebesgeschichte, die tragisch ist und doch so klar und plausibel. Der Autor hat eindringliche Charaktere geschaffen, zwei Menschen, die er sehr intensiv zeichnet und beschreibt. Leon ist ein zärtlicher, emotionaler Mensch, der im Laufe seines Lebens nach und nach seine Gefühle versteckt und vergräbt. Louise ist frech und vorlaut und zeigt zu Beginn wenig ihrer tiefen Gefühle, welche sich aber in den Jahren wie die Knospe einer Blüte entfalten.

Auch die Nebencharaktere sind alle besonders und ausgezeichnet dargestellt. Alex Capus hat absolutes schriftstellerisches Talent, indem er neben dem Hauptplot kleine rote Fäden zieht, die ständige Handlungen im Buch hervorrufen und plausibel zwischen den beiden Hauptprotagonisten einen wertvollen Platz finden.

Eine Liebesbeziehung in einer Leichtigkeit erzählt, die dem Leser Flügel schenkt.

Es brennt der Wunsch auf der Seele, dass die beiden zueinander finden sollen. Capus schweift keine Sekunde lang ins kitschige oder klischeebeladene ab, er schreibt mit hohem Niveau über das Thema Liebe, Sehnsuchts- und Trennungsschmerz in einer Beziehung. Oftmals lässt er damit bewusst das Leserherz schwer werden, was sich wünscht, dass die beiden einfach so schnell wie möglich glücklich werden.

Ein starkes Buch, geprägt durch das Glück und das Pech zwischen zwei Menschen, denen ein ganzes Leben, jede Sekunde Zweisamkeit, zugestanden hätte!

literatwoische Empfehlung:

Leon und Louise

Hardcover – 320 Seiten

19,90€

Carl Hanser Verlag

0 comments on “Alex Capus berührt mit Leon und Louise”

  1. Ja der Einstieg in die Geschichte war sehr gut (vor allem, wenn man sie von Alex Capus selbst hört) aber irgendwie verblasste danach alles. Bei sprang der Funke leider nicht über, irgendetwas fehtle, etwas Besonderes.

  2. Was ich über dieses Buch hier lese (das Buch selber habe ich nicht gelesen), erinnert mich weitgehend an Doktor Schiwago. Sogar das Wiedersehen aus einem Fenster in der Metro…
    Es ist halt schwierig, einen wirklich eigenständigen, echten Stoff zu finden.
    Clara Luisa Demar

  3. Schon wieder ein gemeinsames Buch. So was… Ich habe vorhin eine Rezension dazu auf unserem Blog eingestellt – irgendwie wurde ich mal wieder auf Euren Blog verwiesen. 🙂
    Eure Bildgestaltung gefällt mir wirklich sehr gut, ist echt etwas Besonderes.

    Liebe Grüße, Anne

    • Das ist ja lustig – unser Lesegeschmack deckt sich wohl hin und wieder – schön!

      Danke fürs Bilderlob – wir geben uns die größte Mühe und haben viel Spaß daran.

      Muss gleich mal bei dir gucken gehen.

      LG von uns

Vorhang auf für eure Worte...