Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

LeserINNEN – es ist wieder Lagerfeuerzeit bei Literatwo!

Lagerfeuer? Hallo? Es sind 30 Grad im Juni, es ist wunderbar sommerlich und Frau Binea macht ein Lagerfeuer mit Jule? Aber klaro doch, für ausgefallene und verrückte Abenteuer sind Buchmädels doch immer zu haben. Richtig? Also überlegt nicht lange und setzt euch zu uns, denn ihr werdet nicht verbrennen, aber vielleicht ertrinken?

Bevor ihr runter zu Atlantia (Fischer FJB) taucht, guckt doch vorher bei Julia auf ihrem Blog Ruby´s Cinnamon Dreams vorbei, denn dort gibt es weitere atlantische Worte. Oder nach dem Auftauchen 🙂

Wir hoffen, dass ihr schwimmern könnt. 🙂

Julia fragt ~ Binea antwortet

Oben oder Unten – wo würdest du lieber leben und warum?

Unten. Keine Frage. Schon als ich die ersten Seiten las wusste ich, dass ich nicht nach oben möchte. Mein Bauchgefühl sagte mir das so. Eine richtige Begründung gibt es nicht. Mir wurde aber während des Lesens immer klarer, dass ich nie oben leben wollen würde, wobei es eigentlich auf der Hand liegt, dass jeder von uns nach oben will. Wir kommen schleßlich von oben. Ich fühle mich dort verankert, wo der Haupthandlungsort ist. Protagonistin Rio wohnt schon immer unten und aus diesem Grund habe ich mich dort auch niedergelassen. Zudem ist der Fluch, der auf den Oben Lebenden liegt, einfach zu grausam.

„Ein kurzes Leben, Krankheit, Schwäche und Elend.“ (Seite 9)

Maire ist eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Wie erging es dir, als du ihr das erste Mal begegnet bist? Konntest du ihr vertrauen oder ist da eher Abneigung dagewesen?

Oh, du fragst nach Maire. Irgendwie habe ich es geahnt oder gehofft. Maire – ja, also ganz ehrlich? Ich habe sie gehasst. Falsch. Ich habe sie hassen wollen. Ich fühlte mich komisch, als ich ihr das erste Mal begegnete. Ich war misstrauisch, keine Frage. Aber irgendwie wollte ich ihr vertrauen. Eine gefährliche Mischung und ich bin doch irgendwie froh, ihr nicht selbst gegenüber gestanden zu haben. Ich habe mich sozusagen hinter Rios Rücken versteckt. Bei jedem Aufeinandertreffen, bei jedem Blick in ihre Augen, bei jedem Wort von ihr, habe ich versucht dahinter zu sehen. Eine schillernder Charakter, der mir sehr gut gefällt. Auf jeden Fall eine starke Persönlichkeit. Ambivalen – auf jeden Fall.

Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

Nevio der Hohepriester: Kannst du verstehen, dass er Rio aus dem Tempel, ihrem Zuhause, verstoßen hat?

Rios und Bays Mutter war die Priesterin des Tempels – auch wenn Rio nie so tiefgläubig war wie ihre Mutter und ihre Schwester – sie hatte lebenslanges Wohnrecht. Natürlich kann ich es nicht verstehen. Vor allem als er zu ihr sagte, dass sie nie richtig in den Tempel gepasst hat, platzte ich innerlich vor Wut. Bereits als ich seinen Namen zum ersten Mal las, war er mir mehr als unsympathisch. Ich wüsste nicht, was ich getan hätte, wenn er mir das so gesagt hätte. Kurz nach dem Verlust von Mutter und Schwester.

Bay hat Rio verraten, indem sie nach Oben ging. Hättest du nach diesem Verrat trotzdem versucht, deine Schwester wiederzusehen? Trotz aller Risiken?

Bei dieser Szene tat mir alles weh. Ich habe keine Schwester, aber ich habe einen Bruder und ich glaube jeder der ein Geschwisterkind hat, hätte den Grund erfahren wollen. Warum? Ich habe mich so oft gefragt, warum, warum, warum? Aber ein Roman braucht einen Ausgangspunkt und es war klar, dass Rio es versuchen würde und auch ich hätte es versucht. Bei Geschwisterliebe stehen die Risiken außer Frage. Blut ist dicker als Wasser – oder wie sagt man so schön?

Gibt es einen Charakter, der dir besonders ans Herz gewachsen ist? Warum?

Ehrlich gesagt – nein. Klingt das jetzt komisch? Ich mochte Rio, ich mochte Bay und ich fand Maire ausgesprochen interessant. Aber richtig ans Herz ist mir irgendwie keine Figur gewachsen. Seltsam, jetzt wo ich intensiv über die Charaktere nachdenke. Nein, aber ich mag sie. Aber mir ist es nicht schwer gefallen, am Ende wieder aus Atlantia aufzutauchen.

Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

Binea fragt ~ Julia antwortet

Auf Seite 163 heißt es „Es ist schön und schrecklich zugleich, eine Sirene zu sein.“ Würdest du gern eine Sirene sein oder lieber nicht?

Puh, gleich eine schwierige Frage. Würde ich gern eine Sirene sein? Je mehr ich darüber nachdenke, desto unentschlossener werde ich. Sirenen sind ja von einer immensen Macht gesegnet. Schon in den alten Legenden locken die schönen Wesen aus dem Meer mit ihren wohlklingenden Stimmen die armen Seefahrer ins Meer und führen sie so ins Verderben. Ähnlich war es ja hier: Ein Streit zweier Sirenen führte zur großen Katastrophe. Die Macht ist natürlich schon sehr beeindruckend. Nur mit der Stimme jedem Wesen seinen Willen “aufzwingen” zu können. Doch muss diese sehr bewusst und kontrolliert angewendet werden. Denn: Diese Macht schreit ja förmlich nach Missbrauch. Mit nur einem Satz kann man sich sämtliche Vorteile beschaffen und Geschehnisse in die gewünschte – wenn auch sicher nicht immer richtige – Richtung lenken.

Ist man stark genug, dem zu widerstehen und die Macht wirklich nur für die guten Dinge zu verwenden? Sind die Dinge, die man als gut empfindet auch gut für die Allgemeinheit oder wären es doch egoistische Dinge, die man beeinflussen würde? Wäre der Charakter stark genug, um den Verlockungen zu widerstehen? Es ist schwierig und ich tendiere eher zu NEIN. Man könnte viel Gutes vollbringen, aber eben auch viel Schlechtes. Und was wäre erst, wenn man die Macht nicht verborgen halten könnte und somit zum Spielball der “Mächtigen” werden würde, die einen für die eigenen Ziele missbrauchen wollen? Ich denke, man könnte es nicht ewig geheim halten und würde dann nicht nur sich, sondern auch die gesamte Menschheit in Gefahr bringen (siehe Buch.)

Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

Die Bäume haben Blätter aus Metall und in den Luftströmen klingen sie wie Glockenspiele. Könntest du in einer Welt mit unechten Bäumen leben?

Nein, nein, auf keinen Fall. Gerade heute war ich wieder ein paar Stunden im Garten und habe dem Rauschen der Bäume gelauscht, den Duft des Flieders genossen und mich an den ersten Knospen der Pfingstrosen und an den ersten Blüten des Rhododendron erfreut. Wenn man sich dann vorstellt, das wäre alles aus Metall und nicht echt – gruselig. Die Natur ist das kostbarste Gut auf Erden, das man unbedingt bewahren muss. Eine Welt mit Metallblättern und Bäumen ist für mich erschreckend und erweckt das Gefühl in einem schrägen Steampunkroman gefangen zu sein. Unter Wasser gibt es ja bekanntlich keine Bäume, von daher ist das für die Bewohner von Atlantia sicher eine gute Möglichkeit, um dem Leben “Oben” nahe zu kommen, doch hier oben hätte ich es dann doch lieber in echt außerdem sind die Blätter doch auch Spiegel des Lebens. Von ersten zarten Knospen über die Blüten bis hin zum Laub hat doch jede Jahreszeit ihre Besonderheiten und ihre Schönheit, die aus Metall so nie existieren kann.

Rio sieht den Ring ihrer Mutter in einem Stand, als sie über den Tiefmarkt spaziert. Sie bekommt ihn nicht von der Verkäuferin, obwohl die Verkäuferin weiß, dass ihr der Ring zusteht und ihr Schicksal kennt. Wenn du die Verkäuferin wärst, hättest du ihr den Ring gegeben?

Auch hier fällt mir die Antwort nicht wirklich leicht. Einerseits steht der Ring, wie du schon sagst, Rio zu, aber andererseits kann ich die Verkäuferin gut verstehen. Wenn Rio den Ring hat, ist er zwar bei seiner rechtmäßigen Besitzerin, bewirkt aber nicht das, was er im Besitz der Verkäuferin kann: Hoffnung geben. Rios Mutter war die Hohepriesterin, die bei (fast) allen Bewohnern Atlantias sehr beliebt war und deren Tod nur schwer verschmerzt werden kann. Am Stand sehen die vielen Menschen nun ein Schmuckstück, das ihrer Priesterin gehört hatte und wichtig war. Eine Berührung reicht dabei aus, um an die guten Zeiten zu erinnern, Hoffnung und Kraft zu geben. Ich denke, ich hätte in diesem Fall wie die Verkäuferin gehandelt und den Schmuck auch behalten, um ihn in gewisser Weise mit der Allgemeinheit zu teilen.

Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

True hat das gleiche Schicksal wie Rio, beiden schmerzt das Herz. Hast du True ins Herz geschlossen oder bist du eher skeptisch auf ihn zugegangen?

True habe ich wirklich vom ersten Moment an fest in mein Herz geschlossen. So einen Freund an der Seite kann man sich nur wünschen! Bedingungslos hilft er Rio, um ihr Ziel zu erreichen, egal wie aussichtslos dieses auch scheint. Er steht ihr in allen Momenten bei, hilft ihr zu trainieren, versucht sie zu schützen, ganz ohne wirklich etwas dafür zu erwarten. Ein wirklich toller und treuer Gefährte, der dazu noch charakterlich einfach Bombe ist! Ich finde, jeder sollte einen True im Leben haben!

Welches Zitat ist dein Lieblingszitat und warum?

Oh je, oh je, nun wird es etwas schwierig, ist ja schon eine Weile her, als ich das Buch gelesen habe. *lach* Aber es gibt eines, dass sich fest in mir verankert hat, ohne dass ich dir genau sagen kann warum:

“Nach dem Verlust meiner Mutter und meiner Schwester glaubte ich, dass ich nichts mehr zu verlieren hätte, doch ich habe mich geirrt. Man hat immer etwas zu verlieren. Solange man lebt jedenfalls.”

Es steckt viel Wahres darin. Die Verluste der geliebten Menschen wiegen dabei sicher und zu 100 Prozent am schwersten, aber auch sonst gibt es immer wieder Sachen, die einen Menschen aus dem Gleichgewicht bringen können. Das ganze Leben besteht in gewisser Weise aus einem Geben und Nehmen. Das was dir gegeben wird, egal in welcher Situation oder Lebenslage, kann dir genauso schnell wieder genommen werden. Drum sollte man wirklich versuchen, jeden Tag als etwas ganz Besonderes anzusehen und ihn in vollen Zügen zu genießen.

4 comments on “Atlantia ~ Ally Condie”

  1. Ach Das war ein schönes Lagerfeuer mit dir und ich hoffe, es war nicht das letzte 🙂 So gespannt war ich auf deine Meinungen und Antworten und finde es wunderbar, wie ähnlich die Gedanken stellenweise sind 🙂 drück dich dolle und bleib gern noch eine Weile hier am Feuer mit dir sitzen!

    • Hast du den Roman noch nicht gelesen? Verwirrung ist gut – dabei solltest du doch nur eine schöne Lagerfeuerzeit haben *grins: Wässer dich mal, tauch eine Runde und dann wird die Sicht vielleicht klarer.

      Freu mich über deinen Besuch. Bini

Vorhang auf für eure Worte...