dermagierPaulo Coelho´s Biografie gibt es seit einiger Zeit unter dem Titel „Der Magier“ in den Buchläden zu kaufen. Endlich! –  oder auch nicht? Ich habe mich darauf gefreut und war stolz, das wohl von vielen heiß ersehnte Buch auch in den Händen zu halten. Meinen Erwartungen waren groß, genau wie die von Bri – Lovelybooksuserin. Wir haben wohl gleichzeitig angefangen zu lesen und uns auf das große Werk gestürzt. Gemeinsam haben wir mit 93 weiteren Lovelybooksusern in der Gruppe „Diskussionsgruppe zu Paulo Coelho“ diskutiert. Viele hauchdünne Seiten, vollgepackt mit Worten in kleiner Schrift.

Auf ging es in das Coelho-Leseabenteuer. Seite um Seite tiefer in Coelhos Leben blicken, Seite um Seite mehr von dem weltbekannten Schriftsteller erfahren, Seite um Seite ganz persönlich das bisherige Bild von Coelho in unseren Köpfen ausbauen oder verändern.

Coelhomania – oder eher doch nicht.

Zwei unterschiedliche Rezensionen zu einem großen Werk.

Bri´s und Binea´s Stimmen zu Paulo Coelho: „Der Magier“

BRI:

Vorab: ich habe mich auf dieses Buch sehr gefreut und noch mehr, als ich es zum Testlesen bekam.

Lange ist das her. Zu lange vielleicht, dass ich mit dem Buch begonnen habe? Zu lange Pausen in der Lektüre vielleicht? Ich weiß nicht woran es lag, aber ich strecke bei Seite 155 endgültig die Waffen. Ich werde es nicht zu Ende lesen.

Warum?

Dafür gibt es viele Gründe, der ausschlaggebende aber ist: dieses Buch ist mir zu detailgetreu und zu intim. Ich will nicht wirklich wissen, was Paolo Coelho zum Frühstück isst, oder wen genau er während welcher Lesereise wo trifft und was diese Person genau gesagt hat. Vielleicht interessiert das manche Leser, mich tut es das nicht.
Ich möchte mich nicht durch ein Buch qualen, das mir den Eindruck vermittelt, Dinge aufzuzählen und trotzdem wirr zu sein. Ich möchte auch nicht Zeit „gezwungenermaßen“ mit der Lektüre eines Buches verbringen. Es tut mir Leid darum, aber es ist so.
Vielleicht werde ich es irgendwann einmal doch wieder zur Hand nehmen und das darin entdecken, was andere Leser darin entdeckt haben. Jetzt ist allerdings nicht die Zeit dazu.
Eines kann man allerdings auch von dem Buch sagen: es schönt nichts und es ist mutig von Coelho diese Biographie zu autorisieren und dafür hat er meine Achtung.
Genauso wie der Diogenes Verlag, der sich daran gewagt hat, diese so schön gestaltete Biographie herauszugeben. Denn ob sie positive Auswirkungen auf die Leserzahlen der anderen Coelho Bücher haben wird, wage ich zu bezweifeln. Aber Paolo Coelho wird das verfolgen, das zumindest weiß ich jetzt … auch schon nach nur 155 Seiten.

BINEA:

Coelhomania

Eine Biografie lesen? Nicht mit mir.

Stopp und genau das ist falsch. Coelhos Biografie liest sich wie ein Roman. Meine Vorstellung war, dass ich über sein Leben lese, aber in einer trocken geschriebenen Form, langweilig und voller Fakten. Fernando Morais erzählt frisch und in 30 Kapiteln über Coelhos aufregendes Leben, nichts Langweiliges ist darin zu finden, eher ein neues Buch, zwar nicht von, aber mit Coelho, sozusagen.
Als Fan seiner Bücher ein Muss für mich, absolut. Ich wollte wissen, wer Paulo Coelho ist, wer hinter diesen Werken steckt, wer der berühmte Mensch ist und vor allem, wie er zu dem heutigen Paulo Coelho geworden ist.
Seite um Seiten gingen mir die Augen auf, das Buch spricht zu mir und auch mit und durch Coelhos Werke, und zwar eine sehr eindeutige Sprache. Es entschlüsseln sich Hintergründe und Beweggründe, die ihn zu Büchern wie „Veronika beschließt zu sterben“ oder „Der Alchimist“ bewegt haben. War seine Kindheit mehr als sehr schwer, seine Jugend turbulent und sein Lebenstraum, später Autor zu sein, war oft durch ihn selbst in Gefahr.

„Ich möchte ein Schriftsteller werden, den man in der ganzen Welt liest und achtet.“

Diese Biografie hat viel in mir bewegt. Vor allem das erste Kapitel hat bei mir meine Coelho-Vorstellung komplett zerstört. Arrogant, egoistisch, unsympathisch kommt er mir vor. Ein ganz anderes Bild wird mir anfangs gezeichnet, was ich nie erwartet hätte. Meinen Lieblingsautor habe ich mir in ganz anderen Farben ausgemalt. Das ist Coelho heute, doch dann kommt die Rückblende, die Biografie beginnt in Kapitel zwei mit seiner Kindheit.

„Wenn es schmerzhaft wird, tritt die Flucht nach vorn an, dann ist der Schmerz schnell vorbei.“

Mein Bild von Coelho kommt langsam wieder hervor, ich streife alle Vorstellungen ab und lese mich durch sein Leben. Erfahre über seine Beziehung zu seinen Eltern, seine Verhaltensweisen, seine Buchsucht, seine Leidenschaft täglich zu schreiben, auch wenn es nur der Tagebuchbeintrag ist. Seine Aussehen, seine Sicht über sich selbst, seine Gefühle und Empfindungen, seine Einsamkeit, seine anfängliche, andauernde Erfolgslosigkeit. Seine sexuellen Begierden, der Umgang mit seinen Frauen und Liebschaften, seine Krankheit, seine Religion und über seine dunklen Seiten. Seine Wünsche und Träume und seine Unruhe und Unzufriedenheit in sich selbst. Drogen, Magie und Sünde. Paulo Coelho hat in seinem Leben nichts ausgelassen, eher alles bis an die Grenzen ausgelebt.

„Ich bin wie ein Krieger, der auf den entscheidenden Moment wartet, die Szene zu betreten und der Erfolg ist mir vom Schicksal bestimmt. Mein großes Talent besteht darin, dafür zu kämpfen.“

Paulo Coelho ist für mich ein wandelnder Roman und trotz der unschönen Seiten dieses Menschen, bleibt er für mich so, wie ich ihn mir vorgestellt habe, zumindest etwas. Auch bildlich wird im Roman, anhand von 95 Fotos, Einblick gegeben. „Der Magier“ hat mich selten innehalten lassen, aber es gab ein paar Stellen im Buch, die es mir einfach gemacht haben, es wegzulegen. Im Nachhinhein war das falsch, dies hat der Roman aus meiner Sicht nicht verdient und ohne längere Lesepause hätte er mich noch mehr an sich gebunden.

„Niemand ist eine Insel, in sich selbst vollständig…“ „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die wird euch frei machen…“

Für mich ein außergewöhnliches Buch über einen außergewöhnlichen, erfolgreichen und heute sehr angesehenen Autor. Bildhaft und sprachlich wunderbar geschrieben, vor allem haben mich viele Zitate sehr berührt.
Wer Paulo Coelhos Bücher kennt, widr in seiner Biografie einige vielleicht noch fehlende Puzzleteile finden, wer Coelhos Bücher nicht kennt, wird sie in Ausschnitten kennen lernen und wird dann in seinen Büchern noch mehr berührt.

„Manchmal geschehen in unserem Leben Dinge, damit wir auf den wahren Weg unseres Lebenstraums zurückfinden. Andere tauchen auf, damit wir all das anwenden können, was wir gelernt haben. Und schließlich kommen welche, um uns etwas beizubringen.“

Weiter Meinungen und Stimmen zum Buch „Der Magier“ findet ihr bei Lovelybooks, wenn ihr das Buchcover anklickt.

1 comment on “Coelhomania oder eher doch nicht…”

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Vorhang auf für eure Worte...