Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer
Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer

Habt ihr schon gesehen, dass der Zirkus in der Stadt ist? Auch buchig hat er Einzug in Dresden gehalten.  Allerdings handelt es sich um keinen normalen Zirkus, sondern um Der Zirkus der Stille (Atlantik) von Peter Goldammer. Vorhang auf? Manege frei? Seid ihr bereit?

Achtung, bitte nicht so drängeln, denn ganz so, wie ihr euch den Zirkus vorstellt, wird es nicht. Verabschiedet euch ganz schnell von den trubeligen Zirkusgedanken, denn wir ihr am Titel schon erkennen könnt, wird es eher still, als laut. Doch geht das überhaupt? Wird es Peter Goldammer schaffen, still zu faszinieren?

Im Mittelpunkt der Manege steht Thaïs Leblanc. Doch genau aus dieser Manege will sie ausbrechen. Ihr Ziel ist es, Abstand von der Großmutter Victoria zu bekommen, ihr Ziel ist die Normalität. Sie erhofft sich diese zu finden und zwar in der Großstadt Paris. Thaïs möchte ihre Liebe leben, Geld verdienen und genießen. Schon lange hat sie keine Eltern mehr und kommt gut in ihrem Leben klar. Die Nachricht, dass ihre Oma nun gestorben ist und sie verantwortlich für die Bestattung und den Nachlass ist, bringt den Takt ihres Lebens durcheinander. Lange hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihrem einzigen noch lebenden Familienmitglied und nun ist auch kein Kontakt mehr möglich, außer an den Ort zu fahren, an dem sie die letzten Lebenszeiten verbrachte.

„Ich war so versessen darauf gewesen, ein normales Leben zu führen, dass ich mich nie gefragt hatte, ob ein normales Leben auch ein gutes Leben war.“ (Seite 58)

Und plötzlich gibt es den „Cirque perdu“…

Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer
Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer

Cirque perdu

Ein Zirkuszelt, merkwürdige Gestalten und eine außergewöhnliche Beerdigung – mit diesen Dingen wird Thaïs konfrontiert. Will sie nicht eigentlich überhaupt nichts über ihre Vergangenheit, über ihre Familie, vor allem über ihre Oma wissen? Geheimnisse wachsen plötzlich aus dem Boden wie die Pilze aus fruchtbarem Waldboden. Thaïs beginnt sich auf die Suche ihres Lebens zu machen, auf eine Suche die völlig anders ist, als man sie sich vorstellen kann.

„Verlust ist die andere Seite der Liebe“ (Seite 215)

Laufen wir vor unseren Gefühlen weg? Haben wir genug Mut uns auf eine unbekannte Zukunft einzulassen? Finden wir uns selbst oder irren wir immer mehr in einer schmerzvollen Lebensmanege umher? Gibt es Herrn Schicksal? Ziehen uns Lebensereignisse den Boden unter den Füßen weg und lassen uns feste Wege verlassen?

Peter Goldammer erzeugt in uns Fragen, die uns mit fortschreitenden Seitenzahlen immer mehr beschäftigen. Bewusst und unterbewusst. Währenddessen begleiten wir seine Protagonistin mit der wir uns schnell identifizieren und anfreunden können. Und wir halten eine Trauerschnur mit Knoten in der Hand, die gleichzeitig eine neue Zeitrechnung ausmachen…

Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer
Der Zirkus der Stille ~ Peter Goldammer

Stille

„Leben ist, wenn etwas dazwischen kommt.“ (Seite 246)

Viele solche Zitate könnte ich in diesen Artikel einbauen, denn Goldammer schöpft mit tiefen Worten, um uns Leser zu erreichen. Ganze Absätze könnte ich hier zitieren. Sätze die mich bewegt haben, die so voller Liebe und gleichzeitig voller Schmerz stecken und trotzdem nach vorne blicken lassen und Kraft geben. Sätze die uns milder machen, die uns bremsen und zeigen, was wirklich zählt. Wir sind wir und haben unser Lebenszepter selbst in der Hand. Es bringt nichts die Vergangenheit in die Zukunft zu holen und sich an Ersatz wie Geld, Hass und Drogen festzuhalten. Leben…vergeben…

Obwohl ich das Buch nun schon vor längerer Zeit gelesen habe, steht mir der Mund immer noch offen. Der Grund? Das Ende. Ich werde es wohl nie in Worte fassen können. Vielleicht findest du Worte dafür, dann lasse sie mich gern wissen. Bis dahin behalte ich meinen Mund offen und schwelge im Gefühl der Faszination von diesem Kunstgriff auf Seite 254…

„Wir sind alle so viel mehr“ (Seite 181)

Eure
literatwo_banner

Vorhang auf für eure Worte...