Party
Die Party ~ Elizabeth Day

Ich bin nichts ohne dich (Seite 348)

„Die Party“ (Dumont) – das klingt schon förmlich nach einem Roman der ganz zu meinem Lesegeschmack passt. Es darf wild sein, es darf außergewöhnlich und andersartig sein. Das Cover deutet schon daraufhin, denn so ein Gurt hängt ja nicht serienmäßig aus der Autotür, es muss etwas passiert sein.

party [´pa:(r)ti], s., pl.: parties

Wir bekommen erklärt, was Party bedeutet, bevor wir uns auf einer wiederfinden. Vorerst sitzen wir in einem weiß-grauen Vernehmungsraum. Martin wird von zwei Beamten zum Hergang der letzten Party befragt. Sein bester Freund Ben feierte seinen 40. Geburtstag. Ganz nobel und schillernd mit vorwiegend bekannten Gästen der Oberschicht. Martin durfte mit seiner Frau Lucy bis zum Ende der Veranstaltung dabei sein. Es ging hoch und feuchtfröhlich, anschließend recht bitter her und nun schwebt eine Brise Rache über Martins Kopf.

Bis auf seine recht unherzliche Kindheit und das er vielleicht nicht der schönste Mann auf Erden ist, hat Martin auf der Welt nichts auszustehen. Er ist klug, er meistert Schule und Berufsleben und er ist inzwischen verheiratet. Finanziell steht er nicht so gut wie sein bester Freund Ben da, aber er gehört mit zur Familie und kann dadurch nicht klagen. Martin und Ben sind beste Freunde seit der Schulzeit und Martin kann nicht ohne Ben. Er vergöttert ihn regelrecht gnadenlos, durch und durch. Ben ist für Martin wie die Luft zu atmen, er wäre gern er, er kann nicht ohne ihn. Martin ist Bens kleiner Schatten.

Glamour und Macht

Aus Kindern werden Jugendliche, aus Jugendlichen werden Erwachsene und Ben zieht sich nach dem was passiert ist zurück. Das was damals geschah, hat Spuren hinterlassen, auch wenn es nie groß ein Thema war. Ben und seine Ehefrau wollen auf der Party endlich einen Schlussstrich.

Zufriedenheit mit kurzen Glücksmomenten ist das Beste, worauf wir hoffen können. (Seite 314)

Party
Die Party ~ Elizabeth Day

Der Roman startet wie die meisten Partys. Es geht los, die Musik wird lauter, man lernt sein Umfeld kennen, tastet es mit Blicken ab und die Stimmung wird besser und besser, bis der Höhepunkt erreicht ist. Schon ab der ersten Seite erzeugt Autorin Elizabeth Day ein bestimmtes Brodeln was von Seite zu Seite stärker wird. Finden wir uns zu Beginn in einem Vernehmungsraum, tanzen wir auf den nächsten Seiten schon fast auf der Party. Wiederum ein paar Seiten später lernen wir Martin als Kind kennen und kurz darauf lesen wir im Notizbuch von Lucy, Martins Ehefrau. Diese geschickten Sprünge sind Days Kniffe, um uns Leser im Buch zu halten und verleihen dem Roman kriminalistische Züge.

Psychologisch geschickt!

Doch sag mal, wie gut kennst du eigentlich deinen besten Freund? Hast du darüber schon nachgedacht? In jeder Beziehung sollte ein ausgeglichenes Nehmen und Geben existieren.

Der Roman ist in mehrere Teile gegliedert und die Kapitel sind ganz unterschiedlich lang. Mal recht ausschweifend und tiefgründig und dann kürzer und voller knackiger Handlungen. Die Charaktere sind eindringlich beschrieben, es fehlt nicht an Emotionen und der Kampf zwischen der Ober- und Unterschicht wird während der 400 Seiten immer deutlicher. Spannung kann so unblutig, sogar schillernd sein, wenn sie auf psychologischer Ebene erfolgt. Liebe, grenzenlose Hingabe und Freundschaft sorgen für gute Unterhaltung, Ernüchterung und regen zum Nachdenken an. Wir erleben eine vielschichtige Party aus zwischenmenschlichen Beziehungen und erleben was Geld neben dem Verändern noch alles kann.

Lasst euch auf die Party ein, auf die Welt der Reichen und Schönen und gebt euch einem Machtkampf hin, der brodelt und brodelt, bis er am Ende richtig ausbricht. Psychologisch geschickt, spannend und am Ende sind die Nebenwirkungen eines Katers spürbar.

Eure
Party

Vorhang auf für eure Worte...