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Eigentlich ist und sollte es nicht schwer sein, den richtigen Lesestoff in unserem großen Bücherkosmos zu finden. Nur manchmal ist der besagte Kosmos so groß, dass man vor Bücherwald die einzelnen Bücher nicht mehr sieht oder besser zu viele Bücher sieht. Das Leben bestimmt, mit welchem Buch die eigene Lesezeit beginnt und mit welchem sie enden wird. Aber was ist mit der Leselebensmitte? In dieser haben wir die Qual der Wahl und unsere Lesefreunde haben auf diese oftmals großen Einfluss. Man kann sagen, wir kamen über die Qual der Wahl, die eigentlich keine ist, zur Auswahl. Humanist und Claudia-Marina haben uns keine Wahl gelassen, uns täglich von „Der Auswahl“ von Ally Condie erzählt und den finalen Stoß gab uns Die Buchkolumnistin, in dem sie uns die Bücher mehr oder weniger in die Hand drückte. Für uns beide Literatwo´s hieß es also: keine Wahl, keine Qual, sondern die Auswahl 😉

Zu Anfang sei gesagt, dies war genau der richtige Schritt, die richtige Beeinflussung und wir beiden haben die Zeit genossen, auch in dem Wissen – es geht weiter… Band zwei und Band drei werden folgen. Danke an unsere Bücherfreunde – ihr habt uns im Griff und daher gibt es für alle unsere „Auswahl“. Cassia ist die Protagonistin, das Mädchen um die sich bisher der erste Band der Trilogie dreht. Sie ist der Mittelpunkt, hat wenig „Wahl“, viel „Qual“ und dies ist die Zusammensetzung der „Auswahl“. Rechts und links von ihr stehen an dieser Stelle wir beide, als leidenschaftliche – begeisterte – emotionale Leser und Rezensenten.

BINEA

„Geh nicht gelassen“

Mich zieht es, mich zieht es sehr. Mich zieht es in die ruhige „Leseblase“, in der ich innerlich verbunden bin und in der ich eine ganze Weile bleiben möchte, manchmal länger, als es Bücher hergeben. Ich lese nicht mit zwei Augen, ich lese mit vier Augen und genau das macht das Magische in der Leseblase aus. Dieser Leseblase. Der Leseblase der zwei Leben.

Und dann treffe ich Cassia. Sie hatte nie eine Wahl. Nie. Aber sie hatte Glück, dachte sie jedenfalls eine lange Zeit. Mit 17 Jahren ist es dann soweit. Die Paarung steht an. Die Funktionäre und das System haben für sie ihren idealen Lebenspartner ausgewählt. Gemeinsam mit Xander, ihrem Freund, mit dem sie aufgewachsen ist, sowie ihrer und seiner Familie fahren sie zum Paarungsbankett, um dort zu erfahren, mit welchem Partner sie an ihrer Seite das Leben verbringen werden. Beide sind nervös und haben ihre ganz eigenen Wünsche und Hoffnungsgedanken, wen sie mit 21 Jahren heiraten werden. Und dann flackert auf dem dunklen Bildschirm endlich der Kandidat auf, der für Cassia bestimmt wurde.

Alle halten die Luft an, denn es ist Xander. Eigentlich ist es fast unmöglich, dass der Lebenspartner aus der näheren Umgebung stammt und auch noch ausgerechnet derjenige ist, mit dem Cassia fast jeden Tag zusammen ist. Ihr Herz springt, Xanders Herz springt, besser hätte es nicht kommen können. Beide haben, ohne es sich zu vorher zu gestehen, Liebe füreinander entwickelt und empfunden und nun können sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Wie es üblich ist, bekommen beide einen Mikrochip mit, auf denen die Daten ihrer Partner sind, damit sie sich vor dem ersten beaufsichtigten Treffen ein Bild voneinander machen können und erfahren, welcher Charakter hinter ihrem zukünftigen Lebenspartner steht. Beide benötigen diesen nicht wirklich und Cassia legt den Chip erst mal beiseite. Doch dann beschließt sie sich, obwohl sie Xander kennt, doch sein Foto anzusehen. Sie erstarrt, denn auf dem Bild ist nicht er, sondern Ky zu sehen, ein Außenseiter, aber ein auch nicht wirklich Unbekannter für sie. Dann sieht Cassia nichts mehr und ist verwirrt. Ihre Gefühle fahren Achterbahn, sie ist verwirrt und hat viele Fragen, die ihr nur ein Funktionär beantworten könnte. Gibt es im sonst so geordneten Lebenssystem doch Fehler? Scheint ein anderer Mann für ihr Leben bestimmt zu sein? Cassia muss es herausfinden, wobei dies nicht einfach werden wird und keine Fehler erlaubt sind und erst recht keine Rebellion.

„Denn mit jeder Minute, die man mit jemanden anderem verbringt, schenkt man ihm einen Teil des eigenen Lebens und nimmt dafür einen Teil von seinem.“

Ally Condie hat eine Welt erschaffen, in der alles vorprogrammiert ist. Der Tag, an dem man sterben wird, ist bekannt, das Essen wird zugeteilt, je nachdem wie viele Kalorien für ein gesundes Leben benötigt werden, es gibt drei verschiedene Notfalltabletten, die Kleidung ist vorgeschrieben und der Tag wird für jeden individuell gestaltet und geplant. Krankheiten gibt es nicht mehr, keine Arbeitslosigkeit, kein Fehlen von irgendwas, jeder Bewohner soll sich wohl fühlen und ein Leben, in dem es ihm gut geht, führen. Eine Welt, die sich komplett von unserer unterscheidet und ganz besonders macht. Ein Jugendbuch, ein Buch für Erwachsene, ein Buch für Menschen mit Gefühl, tiefen Gefühlen. Wer hier hinter dem aufwendig gestalteten Buchdeckel eine abgedroschene Geschichte erwartet mit Charakteren, die er überall findet, und vielleicht noch mit einer vorhersehbaren Liebesgeschichte ohne Besonderheiten rechnet, ist hier auf dem Holzweg. Auch wer denkt, Ally Condie kann nicht mit Spannung oder zu wenig Handlung überzeugen, wird eines besseren belehrt. Sie schaffte es mich absolut zu überzeugen, vor allem hat sie in ihrem Roman neben dem vorhandenen Spannungsbogen die Gefühle und Emotionen nicht zu kurz kommen lassen. Die Gefühle, die in mir ausgelöst wurden, waren übermächtig, nicht vergleichbar mit meinen Gefühlen, die ich gegenüber anderen Romanen aus dem Genre Dystopie hatte.

„Zwei Leben.“

Für mich ein Buch, das bei mir im Herzen und nicht nur bei mir, wie ich es beim Lesen ganz persönlich fühlen konnte, einen Ehrenplatz bekommen wird. Ein Buch, das mit vier Augen gelesen wurde, ein Buch, das Emotionen auslöst und immer wieder meine Augen zum Tränen brachte. Ein Buch, das für mich über den Buchdeckel hinausgeht, weil viele Charakterzüge, Worte, Denkweisen und Gefühle auch in der Realität vorhanden sind. So geht es sicher auch Ally Condie und ich möchte wissen, was sie noch alles zu erzählen hat. Xander, Cassia und vor allem auch Ky möchte ich bald wieder treffen, ihre Geschichte bis zum Schluss kennen.

Diese Zeilen gehören für mich persönlich zur „Auswahl“ dazu. „Schau in den blauen Himmel, siehst du den Schmetterling? Er fliegt deinen Namen, genau wie die Schmetterlinge in meinem Bauch.“

MR. RAIL

Idyllisch kommt es daher. Das perfekte Gesellschaftssystem der nahen Zukunft. Mehr als vorteilhaft für die Menschen, die sich ihm unterwerfen. Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand sind die Garantien von denen man profitiert, wenn man zu dem ein oder anderen kleinen Zugeständnis in der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bereit ist.

Kleine Zugeständnisse wie gesagt – nichts Besonderes, wirklich nicht. Die Gesundheit der Bevölkerung ist das wichtigste Gut der Gesellschaft. Zentral angeliefertes Essen, überwachte sportliche Betätigungen und ein wenig Offenheit in privaten Belangen – naja – es könnte schlimmer sein.

Der programmierte Tod mit 80 – dafür jedoch die Garantie, bis zu diesem Tag nicht zum Pflegefall zu werden – echt – kein großes Thema, kann man sich doch gediegen von seinen Freunden und Verwandten verabschieden. Wirklich unproblematisch.

Die zentral arrangierte Partnerschaft mit irgendjemandem aus dem Land, der aufgrund intensiver wissenschaftlicher Analysen am Besten zu einem selbst passt. Na, da wird das Erbmaterial wenigstens nicht zufällig verschleudert, sondern zum Wohle des Systems und der Zukunft einer gesunden Menschheit eingesetzt. Und Liebe? Na – die ist eher sekundär, wird sich aber ganz bestimmt einstellen, da die „Auswahl“ einfach perfekt ist. Nichts ist dem Zufall überlassen und an den Partnerschaften im eigenen Umfeld sieht man ja, wie gut das alles funktioniert. Das System macht ja keine Fehler.

Mehr oder weniger jedenfalls.

Die Zeremonie der Paarung hat große Tradition im Land und Mädchen und Jungen im paarungsfähigen Alter können es kaum erwarten, ihren Lebenspartner präsentiert zu bekommen. Inklusive eines kleinen Computer-chips mit den wissenswerten Informationen über den baldigen Lebensgefährten.

Kassia ist aufgeregt. Auch ihr großer Tag ist gekommen. Nervosität vor dem Unbekannten, dem Wagnis und all den Risiken, jedoch fasziniert vom Gedanken einen Partner zu finden, sitzt sie mit ihren Eltern und ihrem besten Freund in der Zeremoniehalle und wartet auf ihr Urteil. Ach wie romantisch…

Doch dann beginnt das Rad des Systems zu schlingern. Eine kaum spürbare Unwucht bringt den traditionellen Ablauf aus dem Gleichgewicht. Kassias Partner ist kein Unbekannter. Ausgerechnet mit ihrem besten Freund Xander soll sie ihr Leben teilen. Ein Traum – blindes Verständnis und keine Unbekannte in der Gleichung. Was will man mehr? Kein Umzug und kein verordnetes Kennenlernen – nichts! Außer der Tatsache, dass so etwas noch nie zuvor passiert ist, kommen die zukünftigen Gefährten doch ausschließlich aus anderen Orten. Vorheriges Kennen ausgeschlossen.

Was soll’s! Der Spatz in der Hand wird reichen für das Leben und die Liebe zur bestehenden Freundschaft hinzuzufügen, scheint unproblematisch. Kassia erhält den Chip mit den wichtigen Informationen zu einem Menschen den sie besser kennt als das System – und nur aus reiner Neugier wirft sie einen Blick auf die Informationen.

Doch sie sieht einen anderen Jungen. Für den Bruchteil einer Sekunde nur, sieht sie ein anderes ebenso bekanntes Gesicht. Was, wenn das System sich geirrt hat? Was wenn ihr Freund doch nicht ihr idealer Partner ist? Was, wenn das System tatsächlich Fehler macht?

In Kassia erwachen längst unterdrückte Instinkte. Hoffnung, Sehnsucht, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein bahnen sich ihren Weg und sie begibt sich auf die Suche nach dem Jungen, der mehr sein muss als ein Irrtum.

Ky… magische Anziehungskraft besitzt der Name, das Bild und der Mensch. Kassia kann nicht anders und sitzt unversehens zwischen allen Stühlen. Ihr Konflikt: Sicherheit im System gegen inneren Aufruhr und die offene Herausforderung einer dunklen Seite, die sie in ihrer Gesellschaft noch nie am eigenen Leib erfahren hat. Sie ahnt nur, dass es sie gibt – wie in jedem System.

Emotion pur…. Gesellschaftsutopie pur…. Dystopie pur… Unter-haltung pur… und es geht weiter….

Ein kleiner Schuss dieser Gefühlswelten zwischen Menschen hätte den „Tributen von Panem“ sehr gut getan. Ein kleiner Schuss dieser nachvollziehbaren inneren Konflikte nur hätte Wunder gewirkt. In der „Auswahl“ wirkt diese Emotion wie ein Wunder.

„Mein Herz wird immer deinen Namen fliegen. Ich werde einen Weg finden, um mich in die Lüfte zu erheben,… und ich werde dich finden.“

Die Auswahl ist groß, die Entscheidung wird fallen – das System entscheidet!

„Das System sagt wen du lieben sollst – aber was sagt dein Herz?“

0 comments on “Die Auswahl ~ Ally Condie”

  1. Bisher hat mich der rosa Schriftzug vom Kauf abgehalten. Immerzu bin ich am überlegen, ob ich den ersten Band von Ally Condie kaufen soll, oder nicht. Kathrin von „Phantasienreisen“ hat vor einer Weile ebenfalls eine wundervolle Rezension geschrieben und meinte, dass diese Geschichte keinesfalls kitschig daherkommt. Danke für Deinen schönen Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Tanja

  2. Hallo Ihr Beiden,

    da nehme ich gern die Schuld auf mich, habe das Buch ja wirklich auch sehr gern gelesen. Nur fies, dass es noch solange bis zum Nachfolger dauert, das Ende fiel mir schon schwer. Aber ist wirklich ein toller Jugendroman, der sehr kritisch aber auch emotional zum Hinterfragen einlädt und dennoch unterhält, klasse! 🙂
    Dann freu ich mich schon, wenn wir alle zusammen den zweiten Band lesen können!!!

    LG Karla

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