Bittterzart - Schokoladiges Lesen
Bittterzart – Schokoladiges Lesen

Bücher und Schokolade, welch tödliche Mischung. Kennt ihr das auch?

Ihr lest ein wahnsinnig spannendes Buch und schon ist die Tafel Schokolade, die ihr euch soeben erst geholt habt, auf einmal alle? Für uns kein Problem, denn wir holen uns einfach eine neue, aber was ist oder was wäre, wenn es keine Schokolade mehr gäbe? Was wäre, wenn Schokolade verboten wäre?

Nicht auszudenken. Viel schlimmer wäre es noch, wenn das Wasser knapp wäre, Kaffee verboten und auch am Papier gespart werden müsste. Und wenn genau dies alles eintritt? Was dann?

Dann klingt es nach einem dystopisch angehauchten Roman, bei dem es die Protagonisten sicher nicht so einfach haben werden und für den Leser spannende Zeiten bevor stehen.

Beim ersten Blick hinter das absolut retro-stylische Cover, was ich sehr schön finde, da es viel darauf zu entdecken gibt und ein Ausschnitt davon einige Seiten im inneren des Romans ziert, begegnet mir ein Charles Dickens Zitat, welches meine Leselust gleich anfachte. Die darauf folgende Inhaltsübersicht, hätte ich nicht benötigt und doch verlieh diese den Eindruck, in einem Tagebuch zu lesen.

Vorfreudig begann ich zu lesen…

Bitterzart - Blick zwischen die Zeilen
Bitterzart – Blick zwischen die Zeilen

Bitterzart

Ich verteidige meine Ehre

Am Abend bevor ich in die elfte Klasse kam – ich war so gerade sechszehn -, sagte Gable Arsley, er wolle mit mir schlafen. Nicht in ferner oder absehbarer Zukunft. Nein, sofort. Zugegebenermaßen hatte ich keinen bsinders guten Geschmack, was Jungen anging. Ich fühlte mich zu denen hingezogen, die es nicht…

Gerade im Roman angekommen, klingelte es an der Tür. Psst…Schmuggelpost, flüsterte mir der Postbote zu und drückte mir eine kleine Schachtel in die Hand. In dieser befand sich ein großes Stück Schokolade mit den folgenden Worten:

„Deine Dusche läuft nur 90 Sekunden, Papierbesitz ist illegal und Schokolade ein verbotenes Rauschmittel. Willkommen im Jahr 2083, in der Welt von „Bitterzart“. Dumm nur, wenn deine Familie den illegalen Schokohandel in New York anführt – und du den Chefsessel erbst. Da braucht man schon ein Stück kostbarer Schokolade für die Nerven.“

Nach diesen Worten und dieser gelungenen Aktion, musste ich mich umgehend in den Roman stürzen und lernte die Hauptprotagonistin Anya kennen und diese nahm mich sofort an ihre Seite, um an ihrem Leben  teilzunehmen.

Bitterzart - Schmuggelpost
Bitterzart – Schmuggelpost

Sie selbst ist eher kühl und ihre Emotionen wie Traurigkeit, Sorge und Angst, lässt sie in Wutanfällen raus. Direkt abweisend ist sie nicht, aber auf Abstand geprägt, seit ihrem 9. Lebensjahr, als ihre Eltern bei einem Anschlag umkamen. Ihr Vater war ihr großes Vorbild, von ihm hat sie die meisten Lebensgrundlagen und viele wichtige Worte für ihr Leben mitbekommen. Diese Worte trägt sie in ihrem Herzen und erinnert sich ständig an diese, genau wie an ihren Vater.

Anya hat die volle Verantwortung für ihre Großmutter Nana und für ihre zwei Geschwister Leo und Natti. Leo ist ein besonderer Junge mit einem Handicap und Nana ist alt und ans Bett gefesselt. Richtig entspannen kann Anya eher wenig und die Trennung von ihrem Freund Gable Arsley bringt sie in Schwierigkeiten. Einzig Freundin Scarlet hat jederzeit ein Ohr für sie, welches Anya oftmals nur für negative Nachrichten und Probleme in Anspruch nimmt.

Anyas nicht einfaches Leben beginnt sich weiter zu verkomplizieren, denn ihre Mafiafamilie drängt sich immer weiter an sie heran und das Thema Schokolade drängt sich ebenso gefährlich und unangenehm in den Vordergrund. Zudem taucht ein Junge namens Win auf, der Anyas abgekühltes Herz um einiges erwärmt.

Bitterzart - Edelherb
Bitterzart – Edelherb

Bitterzart hat sich für mich leider nicht als richtige Dystopie geoutet und auch die darin enthaltene Liebe ist keine Liebe wie zwischen Romeo und Julia. Und doch hat der Roman einen besonderen Sog und ich bereue nicht, ihn gelesen zu haben. Ich mag Charaktere wie Anya, die etwas kühler und zurückhaltender sind. Durch den jugendlichen Slang ist Anya dennoch nahbar und durch die gewählte Erzählperspektive läuft man mit ihr im Gleichschritt. Der wohl spannendste Charakter war für mich auf jeden Fall Großmutter Nana, denn sie ist Jahrgang 1995.

Für Leser die im Jahr 1995 geboren sind, muss die Identifikation mit ihr noch größer sein, denn viele Dinge und Geschehnisse aus ihrem Leben kommen uns so bekannt vor, da diese genau jetzt gelebt und bis jetzt verlebt wurden. 2083 – in diesem Jahr würde ich 98 Jahre zählen und der Gedanke daran, dass ich so gebrechlich wie Nana sein würde, hat mich durch den Roman begleitet.

An Spannung hätte Gabrielle Zevin noch einiges hinzufügen können und doch habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Der besondere Kniff genau in dem Moment, wenn die Gedanken der Leser abschweifen könnten, einige wachrüttelnde Zeilen einzufügen, ist grandios. Denn ebendiese Zeilen sind mir an besagten Stellen durch den Kopf gegangen.

Am Ende des Romans kann bereits über 10 Seiten in den nächsten Band mit dem Titel „Edelherb“ eingetaucht werden. Dieser erscheint noch in diesem Jahr und auch wenn ich von „Bitterzart“ nicht durchweg schwärme, freue ich mich auf den zweiten Teil.

Eine bittere Familiengeschichte mit zartem Gefühlsband durchwirkt, unterhält dystopisch und lässt beim Lesen heimlich zu Schokolade greifen!

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