Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones
Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones

Literatwo goes Westeros – die literatwoische Villa wird zum Heimkino

Lange, lange habe ich mich gegen den George R.R. Martin – Hype gewehrt. Mainstream hab ich mir gedacht, R.R. wie Tolkien –wie anmaßend, das kann ja nichts Gutes sein.

Für Binea stand ebenfalls fest: George R.R. Martin – „Fantasygedöns“ – das ist nichts für mich.

Tja, da waren wir also, wir zwei Schlauen, die dachten, sie wüssten es besser, die dachten, sie könnten widerstehen……. falsch gedacht.

Irgendwann sagte ich mir, reinlesen kann ja nicht schaden. Man muss ja zumindest über das, was man ablehnt, Bescheid wissen. Gesagt, getan. Das erste Buch, „Die Herren von Winterfell“, war schnell besorgt und das kritische, naserümpfende Lesen konnte beginnen, schließlich war ich ja bestrebt, das Werk Martins auf jeden Fall schlecht zu finden. Doch aus dem Naserümpfen wurde schnell ein Nägelkauen, aus dem kritischen Stirnrunzeln ein fassungsloses und atemloses über die Seiten Fliegen, denn George R.R. Martin verdient das R.R. mehr als zu Recht.

Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones
Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones

Bereits in seinem ersten Buch, welches im Deutschen in 2 Bänden erscheint, entfaltet er ein episches Panorama. Mit archaischer Wucht und einer unglaublichen psychologischen Tiefe erzählt er von Liebe und Leid, von Hass, Mord und von dem tief verzweigten Intrigenspiel um die Macht des Eisernen Throns. Da prallen die fein gesponnen Ränke der Lennisters auf die Standhaftigkeit der Starks, da findet das Mädchen Daenerys unter der Hitzeglut der Sonne ihre Bestimmung in einem wiederauferstandenen Mythos und ein Junge namens John Schnee im tiefen Eis sein Schicksal.

Schonungslos lässt Martin den Leser in die Seelen seiner Figuren eintauchen, bei ihm gibt es kein Schwarz – Weiß, nicht Den Helden oder Den Bösewicht. Und gerade das macht den Reiz dieses Meisterwerks aus: Martins Figuren sind echt mit all ihren Fehlern. Man liebt sie und hasst sie, man lernt ihnen zu verzeihen oder sie zu verdammen. Und auch die Welt, die der Autor zeichnet, ist mehr als authentisch. Der Krieg tobt in Westeros und er wird als solcher dargestellt in all seiner Brutalität und Grausamkeit und es ist nicht gesagt, dass am Ende der Held in den Sonnenuntergang reitet.

Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones
Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones

Will man Martins Stil beschreiben, dann ist wohl das Attribut „ realistische Fantasy“ am geeignetsten. Ja, „Das Lied von Eis und Feuer“ ist dem Fantasygenre zugehörig und dennoch werden magische oder übernatürliche Elemente vor allem zu Beginn recht spärlich eingesetzt. Man begegnet nicht dem Klischeevampir oder dem edlen Elben, Martins Fantasygestalten sind wie sein gesamter Stil: archaisch, brachial und einzigartig. Wenn auch der Fokus auf der Psychologie der Figuren liegt, so ist dennoch die Welt von Westeros detailliert ausgearbeitet, Stück für Stück wird der Mythos um diesen Kontinent ausgebreitet.

Ja, nach zwei Büchern muss ich zugeben, ich bin infiziert von dieser epischen Wucht, dieser meisterhaften Figurenzeichnung.

Und Binea? Fast hätte sie es geschafft, fast wäre sie entkommen, denn sie ist in diesen Fantasygefilden nun wirklich nicht heimisch, doch leider, leider gibt es da ja eine Serie namens „Game of Thrones“. Und was soll ich sagen….das Schicksal nahm seinen Lauf, es kam so, wie es kommen musste. Hatte sie die erste Folge noch mit dem kritischen Ziel verfolgt, sich zu überzeugen, wie schlecht dieses „Gedöns“ nun ist, so ist sie jetzt nebst Göttergatten in Westeros verschwunden, aufgesogen von der mehr als genialen Verfilmung dieses Meisterwerkes. Abend für Abend verfolgen wir nun gemeinsam auf dem heimischen Sofa die Geschehnisse in der Martinschen Welt. So manche Chipstüte wurde verschlungen, manche verzweifelten Ausrufe wurden gen Fernseher gebrüllt.

Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones
Das Lied von Eis und Feuer ~ Game of Thrones

Und da gab es diesen einen Abend, an dem Binea vor Fassungslosigkeit verstummte und auf den Abspann starrte, weil sie hoffte, dass da noch etwas käme. Ein Schwert sauste an diesem Abend nieder und George R.R. Martin zeigte mal wieder schonungslos, dass bei ihm jederzeit mit allem zu rechnen ist, seine Welt ist nicht „heidideidi“, sondern real und echt. Und wir alle waren echt geschockt. Doch zum Glück gibt es noch mehr, viel mehr….Bücher….Staffeln, sodass die Literatwoische Villa noch für eine geraume Zeit im Westeros-Taumel bleiben kann.

Und nicht vergessen: der Winter naht!!

7 comments on “[GoT] Der Winter naht – Westeros erobert Literatwo!”

  1. Hey,
    an die Bücher habe ich mich bisher nicht rangetraut, aber die Serie hat mich (nachdem ich mich überwinden konnte, die gruseligen Reiter anzuschauen) auch blitzschnell infiziert! Ich warte schon ganz gespannt auf die Staffel 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

    • Liebe Anna, wo bist du gerade? Wir haben gestern die letzten drei Episoden der zweiten Staffel geguckt – wuhuuu – nun kommt Staffel drei…waaaahhhaaaaa – es bleibt spannend und ich glaube, jetzt wird es noch viel heftiger…

      • Hey, ich warte zurzeit auf die neue Staffel, also auf die 5. 🙂 In 2 Monaten geht´s endlich weiter!
        Dir noch viel Spaß beim Weiterschauen, es wird immer spannender und spannender 😉

  2. Witzig, ich habe seit bestimmt 10 Jahren vor, „Die Herren von Winterfell“ zu lesen. So lange steht das Buch nämlich hier im Regal, in irgendeiner Uralt-Ausgabe, ein Geschenk von einem Rollenspielfreund, der das hier hoffentlich nicht liest. Ich habe das Buch ehrlich gesagt vergessen, dann kam der Serienhype und ich wusste erst mal gar nicht, worum es geht. Als ich dann feststellte, dass es doch um dieses Buch geht, was ich da schon ewig stehen habe, dachte ich: Erst lesen, dann gucken!
    Nun steht es immer noch einsam und ungelesen herum und schaut mich vorwurfsvoll an. Inzwischen schreckt mich ja ab, dass es so viele Bände sind, dann komme ich ja nie dazu, noch etwas anderes zu lesen. Was mache ich nur?
    Kennst Du übrigens dieses Fan-Video? Ich finde es göttlich! Da hat man es als Autor doch geschafft, oder? http://youtu.be/j7lp3RhzfgI

    Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen und Gucken! Irgendwann schaff ich es auch!

  3. Ich schleiche auch schon seit einiger Zeit um die Bücher. Habe mich aber bis jetzt nicht rangetraut weil ich auch nicht unbedingt der Fantasy Fan bin. Aber nach dem Lesen dieses Artikels, werde ich mich nun doch heranwagen. Ich werde berichten ob es mich auch so flasht.

    • Also Lesebienchen schwärmt von den Büchern und ich muss echt aufpassen, dass ich nicht auch noch lese. Ohja, berichte bitte unbedingt. Ich bin total von der Serie infiziert – einfach nur wahnsinnig stark.

  4. Ein toller Artikel 🙂 und mich hast du ja erfolgreich auch mit infiziert – wahnsinn, nieeee hätt ich es gedacht und jetzt bin ich so dankbar dafür! Ich bin auch immer bissl am um die Bücher rumhibbeln *lach* Ganz groß!

Vorhang auf für eure Worte...