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In der Weltliteratur gibt es einen Jungen, der beschloss nicht mehr zu wachsen, um dem Irrsinn der Welt zu entfliehen. Mit einer Trommel aus Blech bewaffnet wird er zum Symbol der Verweigerungshaltung gegenüber dem Unabwendbaren. Oskar Matzerath beschloss ein Kind zu bleiben. Die Blechtrommel gelangte zu Weltruhm.

Jacob beschließt zu lieben

Ungewöhnlich mutet der Titel des Romans von Catalin Dorian Florescu an. Rational eine emotionale Ebene anzustreben scheint ebenso unmöglich, wie sich dem Wachstum zu verweigern. Assoziativ gehen Jacob und Oskar Hand in Hand durch die gleiche Epoche der Weltgeschichte – jeder auf seine Weise, unverwechselbar – in meinem Herzen jedoch eng miteinander verbunden. Nicht nur der gemeinsame Geburtszeitpunkt Anfang der zwanziger Jahre und die Erzählperspektive Anfang der fünfziger Jahre, auch die näheren Umstände der Geburten lassen mich die Nähe der beiden Protagonisten zueinander fühlen.

In einem monumentalen Gemälde beschreibt Florescu nicht nur das Leben des Banater Deutschen Jacob Obertin, sondern entführt uns in die generationsübergreifende Geschichte seiner ganzen Familie. Hierbei spannt er den Bogen vom Dreißigjährigen Krieg bis in die frühen fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Jedes Kapitel muss beschrieben werden, um die Auswirkungen zu begreifen – jede Seite ist wichtig um Verstehen zu können, warum Menschen handeln und warum manchmal eben nicht. Der Roman zeigt gerade durch diese epochale Klammerbewegung auf, woran es liegen mag, dass man zum falschen Zeitpunkt einfach am falschen Ort ist.

Jacobs Vorfahren glaubten an eine neue Welt, verließen im 18. Jahrhundert die Enge und zunehmende Armut eines kleinen Dorfes in Lothringen und führten viele Gleichgesinnte nach Rumänien. Dem Versprechen des österreichischen Monarchen folgend, im Banat als Siedler ein Leben jenseits des Hungers führen zu können. Deutsch musste man sein, katholisch und möglichst verheiratet. Dem entsprachen die Obertins und der große Sprung in die Fremde gelang.

Sie gründeten Siedlungen und etablierten sich in einer nicht immer freundlichen Umgebung. Triebswetter – diesen Namen gaben sie ihrer neuen Heimat, in der sie doch immer Fremde bleiben sollten. Als Banater Schwaben schrieben sie Geschichte.

Die Weltgeschichte machte es ihnen nicht leicht. Als Deutsche in Rumänien zu leben war problematisch genug. Dies an der Schwelle des Zweiten Weltkrieges zu überleben war schier unmöglich.

Jacob wächst in einer Umgebung auf, die durch einen ungeschönten Überlebenskampf gekennzeichnet ist. Gewalt- und Opferbereitschaft gehen Hand in Hand und die Besitznahme von Land und Menschen ist eine Lebensversicherung und gehört zum kargen täglichen Brot.

Jacob ist schwächlich, unbegabt und entspricht in keiner Weise den Vorstellungen seines Vaters. Dieser hatte vorgemacht, wie man überlebt, sich Besitz und eine Frau aneignet und durch gelebte Stärke den Fortbestand seines Hofes sichert. Keine Zugeständnisse und wo erforderlich, selbstlose Gewalt als erstes Mittel – nur so war das Überleben kein Spiel, sondern eine Chance.

Die Opfer sind schnell gefunden – Einheimische, Juden und Zigeuner – einfach jeder, der dem Zweck nicht dient, ist ein Feind.

Und Jacob erfüllt keinen Zweck. Nicht den Geringsten.

Während des Krieges nehmen die Zufälle des geschichtlichen Irrsinns unkontrollierbare Formen an. Selbst für Jacobs Vater. Deportationen, Unterdrückung und drohender Genozid – all dies richtet sich nicht mehr nur gegen die „üblichen“ Verdächtigen sondern im Zuge der siegreichen russischen Armee nun auch gegen die Banater Deutschen. Überleben wird zum Zufall. Kommunismus zum Rahmen – Besitzlosigkeit zum Programm.

In dieser Umwelt wächst Jacob über alle Dimensionen hinaus. Er hat der Gewalt und der Vernichtung nichts entgegenzusetzen als sein reines Herz und den Willen, lieben zu können. Unbefangen in der Lage, das Gute zu sehen, es zu fühlen und ohne Vorbehalte einfach Wärme leben zu können. Unbewusst und mit wahrem Gefühl. Auch noch, als ihn sein Vater ans Messer liefert!

Es wird sich zeigen, welcher Weg derjenige ist, der das eigene Überleben sichert – wie viele Verletzungen überstanden werden können und wie schwer der erlebte Verrat des eigenen Vaters wiegt. Wie viel Verlust kann ein liebender Mensch ertragen? Vergebung und Zuneigung sind die einzigen Waffen Jacob Obertins – und er führt sie meisterlich gegen die erdrückende Übermacht der rohen Gewalt.

Jacob Obertins Geschichte macht Mut – sie ist eine Ballade vom gewaltlosen Kampf und dem Mut, sich zu seinen Schwächen zu bekennen. Gerade darin liegt die Stärke.

Oskar Matzeraths Schwäche war seine körperliche Größe – Jacob Obertins Schwäche ist die Größe seines Herzens – zwei Schwächen in der Weltliteratur. Die Größe.

Jacob beschließt zu lieben 
Catalin Dorian Florescu
erschienen im C.H Beck Verlag
408 Seiten - gebunden

Diese Rezension ist mein geistiges Eigentum – keinesfalls ein Plagiat – und doch entstand sie durch die Verschmelzung zweier Büchergeister im Dialog über diesen großen Roman. Danke Bianca für jeden Impuls und jedes Wort, das nur entstand, weil…

17 comments on “Jacob beschließt zu lieben”

  1. Weil…genau darum.

    Ein großes Buch, eine große Geschichte, große Bilder, große Gefühle, ein großer Protagonist namens Jacob und ein großes gemeinsames Leseerlebnis.

    Große Empfehlung!!! Danke – „Großer“ ;o)

  2. Am ersten Erscheinungstag von „Jacob beschliesst zu lieben“, haben Sie uns sehr glücklich gemacht mit Ihren schönen und genauen Gedanken und Empfindungen zu dem Roman. Wir, das sind: Catalin D. Florescu & Svenja Herrmann. Solche Leser/innen wünschen wir dem „Jacob“ natürlich sehr.
    Wir grüssen Sie ganz herzlich aus Baden-Baden, wo C.D. Florescu derzeit als Stadtschreiber weilt!
    Svenja & Catalin

  3. Ich hatte das Pech in Triebswetter geboren zu sein und konnte mehr als
    25 Jahre unter Rumänen, Ungarn, Serben, Deutschen, u.s.w. leben,
    zusammen lernen, studieren und arbeiten. Als Sportler konnte ich das
    ganze Land (Rumänien) bereisen und ich hatte Freunde in Bukarest,
    Ploiesti, Craiova, Bacau, Constanta, Temeswar und Arad. In dieser Zeit
    ist mir KEIN RUMÄNE, vom Schlage des Herrn Florescu untergekommen,
    der in seinem Roman, der authentisch sein soll, Lebensgewohnheiten
    zweier Volksgruppen dermaßen miteinander durchmischt und verwechselt,
    dass man nicht „so viel fressen kann“, wie man „kotzen möchte“ .
    Nur einige Kleinigkeiten, die beweisen, dass nicht die ganze Handlung sich
    in Triebswetter abspielt sondern , dass Florescu eigene Lebensgewohn-heiten und Erfahrungen beschreibt: die Triebswetterer und auch die
    Banater Schwaben teilten sich ihr Wohnzimmer N ICHT mit Ziegen und
    Schweinen, (betr. „animalische Kopulation“) schliefen nicht unter
    „Strohdecken“ (betr. „den ebenso übelriechenden Körper des anderen“)
    und haben sich regelmäßig gewaschen. Die Triebswetterer aßen keinen
    Maisbrei und rissen nicht den Teig aus dem Brot (wie unzivilisiert).
    Wenn Essensreste bei einer Mahlzeit übriggeblieben sind, wurden diese
    sofort an die Schweine und Hühner verfüttert. Diese hatten entweder
    einen EIGENEN Stall oder konnten im Hof frei herumlaufen. Niemand in
    Triebswetterer hat sich mit „Bruder“ und „Schwester“ angesprochen,
    das waren eventuell im deutschsprachigen Raum Klosterbrüder und
    Klosterschwestern. Die Nachtwache (Nachtswächter) wurde nicht
    organisiert, weil die Habsburger und Ungarn durch das Land streiften,
    sondern weil andere Personen über die Karpaten kamen, die dann
    auch dafür sorgten dass die Banater Schwaben in einer Nacht- und Nebel-
    aktion in Viehwaggons gepackt und 8OO km entfernt auf freier Steppe
    wieder frei gelassen wurden. Da waren sie „zur falschen Zeit am
    falschen Ort- über ihnen nur der Himmel“ . Was die für „Glück“ hatten!…
    Und diese Menschen diskriminiert, verleumndet und verunglimpft
    Herr Florescu in seinem Roman und verwendet dazu auch noch die Namen
    real existierender Personen und deren Verwandten.
    Ein Zitat aus einem Kommentar hier:
    „Die Opfer sind schnell gefunden – Einheimische, Juden und Zigeuner – einfach jeder, der dem Zweck nicht dient, ist ein Feind.“ Wer sind hier die
    Einheimischen? Blick ich nicht genau. Und was Juden angeht: in
    Triebswetter gab es in den 20-er Jahren einen einzigen Juden, der als
    Arzt sehr geschätzt war. Wer eine Kurzgeschichte der Triebswetterer
    lesen will, kann http://www.hog-triebswetter.de/triebswe.htm anwählen
    und wird „Bauklötze“ staunen, dass das was Florescu in seinem Roman
    über Triebswetterer und Banater Schwaben beschreibt, nicht stimmt.
    Mein Tip für lesegeile Buchratten: „Endlich erfahren wir Mal etwas aus
    dieser dunklen Ecke Europas, wir haben es ja schon immer vermutet…“
    Zitat aus einem Kommentar im Internet. Und Florescu räumt jetzt auf!…

  4. Sehr geehrter Herr Balzer,

    danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Vorab möchte ich nur klarstellen dass ich mich hier nicht als Sprachrohr des Autors, sondern als Übermittler meiner Lesegefühle verstehe. Das war auch der Grund für die umfangreiche Besprechung des Buches von Catalin Florescu.

    Und zu diesen Leseempfindungen und Bildern kann und werde ich hier Stellung nehmen. Gerne sogar.

    Dass Sie den Autor in Ihrem Kommentar als „RUMÄNEN, vom Schlage…“ bezeichnen, macht es mir nicht sonderlich leicht, auf die Sachebene zu kommen, da Sie mit dieser Einleitung weite Teile Ihres Kommentars abwerten. Ich bewerte Autoren nicht nach ihrer Herkunft, sondern dem Inhalt.

    Lassen Sie uns über das Buch reden. Ich hatte vor dem Lesen keinen fundierten Hintergrund zum Leben der Banater Deutschen. Ich behaupte auch nicht, diesen Überblick jetzt zu besitzen. Ich betrachte den Roman (und nicht das Tatsachenbuch) als fiktionale Grundlage, mich wie in vielen historischen Romanen mit einer besonderen Periode der Geschichte auseinanderzusetzen. Das ist dem Buch gelungen. Es hat mein Interesse geweckt.

    Es hat Bilder in mir erzeugt, die gerade die Volksgruppe der Banater nicht in das schlechte Licht rücken, das sie beim Lesen empfunden haben. Ich sehe in Triebswetter eine verteidigenswerte Insel mit Menschen, deren Charaktereigenschaften nicht nach ethnischer Zugehörigkeit verteilt sind. Gut und Böse sind individuell gezeichnet. Es gibt nicht die Rumänen, die Zigeuner, die Deutschen, die Banater – nein – für mich ist das Bild sehr differenziert angelegt.

    Der böse Einzelne ist jedoch immer in der Lage zu allumfassenden Feindbildern.

    So bitte ich auch meinen Satz zu verstehen „Die Opfer sind schnell gefunden, Einheimische, Juden und Zigeuner einfach jeder, der dem Zweck nicht dient, ist ein Feind.“ Sie sind alle Opfer derer, die sich Stärke erlauben können und ideologische Mäntel über das Unrecht der Welt hängen können. In der Opferrolle wird aus Einzelnen immer wieder eine Gruppe – das hat die Weltgeschichte bewiesen. Deportierte. Unglückliche.

    Ich sehe Triebswetter nicht in Dreck erstarrt und in wilder Kopulation. Aber ich sehe eben auch keine Villengegend, die vor Reichtum strotzt. Ich sehe Menschen, die um ihre Existenz kämpfen und dies vor dem Hintergrund der Zufälle der Weltgeschichte. Ich sehe heimatverbundene Menschen mit Stolz auf das was sie der Geschichte abgetrotzt haben.

    In Jacob selbst sehe ich eine mehr als liebenswerte Persönlichkeit, gesteuert von der Gabe zu lieben und zu verzeihen. Und Jacob ist Banater – diese Bilder sind hängengeblieben. Sie haben sich gefestigt. Verbunden mit dem Verständnis für Vertriebene und deren Heimatlosigkeit, wo immer sie auch stranden.

    Eine Diskriminierung oder Verleumdung habe ich nicht gelesen und glauben Sie mir – ich bin da sensibel genug um zu spüren, ob ich vom Inhalt eines Buches instrumentalisiert werden soll.

    Ich liebe diesen Roman, ich habe Bilder im Herzen, die Ihren Empfindungen nicht entsprechen und ich fühle Zuneigung zu den beschriebenen Charakteren.

    Dies sind meine Empfindungen.

    Und diese Empfindungen stehen nicht alleine. In Unterhaltungen über das Buch mit Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft fühle ich, das nicht nur ich so empfinde!

  5. Redaktioneller Hinweis in eigener Sache:

    Unabhängig vom Inhalt der Kommentare prüft Literatwo die mit dem Absendernamen verbundenen Verlinkungen zu anderen Internetseiten.

    Hierbei ist aufgefallen, dass zum aktuellen Artikel von Literatwo durch einen Kommentar eine Verlinkung zu einer Seite erzeugt wurde, auf der gezielt dazu aufgerufen wird, Catalin Florescu bei seinen Lesungen aufzusuchen und bloßzustellen.

    Diese Verlinkung wurde von uns entfernt. Der Kommentar wurde inhaltlich umfangreich beantwortet.

    Literatwo

  6. Ein großartiger Roman. Mit Betonung auf Roman, was man nicht vergessen sollte. Das reale Triebswetter mit dem fiktiven gleichzusetzen, das ist nicht möglich, denn das fiktive lebt von der subjektiven Empfindung des Erzählers Jacobs, durch seine Augen erleben wir es. Und nur das zählt hier! Ich kann außerdem auch keine diskriminierenden Aussagen lesen, wirklich nicht. Ich lese nur eine Geschichte von Liebe und Verrat und Verzeihen, von Vetreibung und neuem-zuhause-finden. Europäische Geschichte eben – die sicherlich auch aus anderen Augen betrachtet werden kann. Hier erzählt aber Jacob. Von seinem Triebswetter.

  7. Sehr geehrte Kommentatoren,
    Wieviel muss man sich gefallen lassen, bis sich manche
    von Gewalt, Mobbing und Sex abgestumpfte Geschöpfe
    in irgendeiner Weise angesprochen fühlen? Reicht es
    noch nicht mit den Worten: „animalische Kopulation,
    sie und der Schnaps, der Beischlaf vor Sonnenaufgang,
    Stallgeruch, Kot, Gestank dreckverkrusteter Füße und
    ungewaschener Körper, rutschten sie unter der
    Strohdecke herüber und fanden schnell den ebenso
    übel riechenden Körper des anderen.“ Dabei wird die
    ganze deutschsprachige Bevölkerung eines Dorfes
    und nicht nur der Hauptheld angesprochen. Dabei werden
    auch die Namen von Personen verwendet, die es heute
    noch gibt. REAL EXISTIERENDE Menschen. Ich glaube,
    da hat man vorher etwas nicht ganz genau verstanden.
    Ich zitere aus einem Kommentar eines jungen Schriftstellers:
    „Hallo, ich habe mittlerweile mein siebentes Buch veröffentlicht
    und mich ausgiebig damit beschäftigt. Grundsätzlich gilt
    Folgendes: Wenn du eine wahre Person beschreibst und
    den wahren Namen nimmst, dann musst du die Genehmigung
    dieser Person haben. Grundsätzlich gilt auch Folgendes:
    Wenn du die Geschichte einer Person beschreibst und
    einen anderen Namen vergibst, dann musst du das
    Einverständnis der Person haben, wenn sie sich selbst oder
    wenn andere Leser/ Leserinnen diese Person erkennt/ erkennen.
    Wenn du über eine Person schreibst, die mehr als 70 Jahre tot ist,
    dann kannst du den Namen verwenden, es sei denn, es gibt
    Familienangehörige, dann musst du auch sie um Genehmigung
    befragen.“ Grüße Kh. Ja was denn? Gilt das für Florescu
    nicht? Ich habe vorher „real existierende“ Personen und nicht
    „wahre“ Personen verwendet. Florescu ist also etwas Besonderes.

    Zum Zitat von Mr. Rail:
    „Ich sehe in Triebswetter eine verteidigenswerte Insel mit Menschen,
    deren Charaktereigenschaften nicht nach ethnischer Zugehörigkeit
    verteilt sind. Gut und Böse sind individuell gezeichnet. Es gibt
    nicht die Rumänen, die Zigeuner, die Deutschen, die Banater–
    nein– für mich ist das Bild sehr differenziert angelegt.“
    Irgendwie widerspricht sich der letzte Satz. Aber das macht
    nichts. Ich stelle bloß fest, dass es Florescu gelungen ist, bei
    Ihnen den Eindruck zu erwecken, dass Rumänen, Zigeuner,
    Deutsche, Banater als ein einziges gemeinsames Ganzes
    anzusehen sind. Dem war/ist leider nicht so, alle hatten ihre
    EIGENE Kultur. Wie sagt doch Florescu so schön in einem Interview,
    bei „Kafehaus Kultur“ in Temeswar auf die Frage, warum er
    nicht die Schweiz beschreibt: „die Schweiz gibt viel zu wenig
    her… das ist eine andere Kultur… da bleib ich doch Rumäne!“
    Ja und die Banater Schwaben in Triebswetter, Herr Florescu?
    Aus dem Kommentar eines Treibswetterers: „Ihre Zitate und
    Beispiele bestärken aber meine Befürchtung, dass eine
    historische Betrachtung von einem Außenstehenden kaum
    akkurat möglich ist.“

    Ausschnitte/Zitate aus einem Interview im Thüringer Anzeiger.
    Frage: „Erzählen Sie von der Suche nach Identität?“
    Florescu: „Ich spiele damit, dass Identität etwas Vielschichtiges ist. Und
    wie wenig es eigentlich braucht, seine eigene Identität zu verlieren…
    Manchmal ist es nur ein Buchstabe im Namen, der über das weitere
    Leben entscheidet….“ Schreiben wir statt Jakob (Deutsch) eben
    Jacob (Rumänisch) und schon haben wir seine Identität verändert.
    Frage: „Sie wurden in Rumänien geboren, … Steckt etwas von
    Ihrer Biografie in diesem Buch?“
    Florescu: „Sehr wenig, … Ich bin kein Banater Schwabe, teile diese
    Geschichte nicht. Insofern konnte ich mir für den Roman mehr
    Freiheiten herausnehmen und Risiken eingehen…. Ich möchte
    den Roman verstanden wissen als Plädoyer für Menschlichkeit
    und Liebesfähigkeit. Und für Selbstverantwortung.“ Als erfolgreicher
    Schriftsteller sollte man eine gewisse Verantwortug haben, sollte
    man das Vertrauen der Leser nicht enttäuschen und sich an gewisse
    Regeln halten. Das gilt sowohl für die verwendeten Namen als auch für
    die Identität der Volksgruppe, die hier beschrieben wird.
    MfG. bfr

    • Der Beginn Ihres Kommentars lässt mich wieder ein wenig zusammenzucken. Trotzdem geben wir ihn hier gerne, wie alle Kommentare frei – Meinungsfreiheit, auch die von Autoren ist ein hohes Gut.

      Aufrufe gegen Autoren finden wir grenzwertig – vor Allem, wenn sie mehr als ausschließlich den Hintergrund der Nationalität des Schriftstellers als Grundlage aufweisen.

      Das Zitat aus meiner Buchbesprechung bewerten Sie falsch. Ich habe eine andere Sprache gesprochen und eine andere Aussage gewählt. Unmissverständlich.

      Im Übrigen verweise ich gerne auf die Bewertungen der bisherigen Kommentare zu diesem Artikel. (Daumen hoch / runter) Sie sprechen eine deutliche Sprache bei der großen Anzahl an Lesern.

      Ich bespreche einen Roman – ich habe ihn nicht geschrieben und ich setze mich auch gerne mit Romanen über das alte Rom, das Mittelalter auseinander. Das regt an zu Recherchieren und das habe ich getan. Dieses Bild ist differenziert. Das unterscheidet diesen Literaturblog von ihrem Forum, in dem zu gezielten Aktionen gegen den Autor aufgerufen wird. Grundlage: 15 seitige Leseproben. Ich habe das gesamte Buch gelesen und lebe nicht fortwährend mit dem einen Zitat, das Sie aufführen!

      Mit freundlichen Grüßen!

  8. Ich habe das Buch * Jacob beschließt zu lieben * von Catalin Dorian Florescu gelesen und auch eine kleine Notiz auf meiner Blogseite dazu geschrieben.
    Ein packender fesselnder Roman vor einem historischen Hintergrund. Ich wieder hole noch einmal .
    ES IST EIN ROMAN. Herr Floresco hält keine Geschichtsstunde , die irgendeine Volksgruppe, Minderheit oder einzelne Personen missachtet beleidigt, beschimpt oder verunglimpft.
    Ich kann die negative Aufregung um dieses beeindruckende Buch überhaupt nicht nachvollziehen.
    Herzliche Grüsse
    Angie*

  9. Ich kann mich meinen Vorrednern hier nur anschließen.

    Die ist ein Roman, darauf liegt im ersten Schritt die Betonung. Um mir persönlich andere Meinungen einzuholen habe ich eine Rumänin, meine Oma befragt und sie hat das Buch gelesen und sie hat die gleichen Ansichten. Auch ihr Freund – Banater Deutscher – hat die gleichen Ansichten und liebt das Buch von Florescu. Er betont auch die Sichtweise es als Roman zu sehen und betont weiterhin zu verinnerlichen in welcher Zeit es spielt. Ich denke, wenn nicht nur Textausschnitte oder einzelne Seiten gelesen werden, ergibt sich ein rundes Bild und die Botschaft kommt zum Vorschein.
    Ein Roman um – wie Claudia-Marina ganz richtig sagt – Liebe und Verrat und Verzeihen, von Vetreibung und neuem-zuhause-finden. Europäische Geschichte eben – die sicherlich auch aus anderen Augen betrachtet werden kann. Hier erzählt aber Jacob. Von seinem Triebswetter.

    • Das meine ich mit differenziertem Blick – wir haben uns diesen Artikel nicht leicht gemacht. Wir haben lange gesprochen und unsere Meinung nicht zum Maß aller Dinge erhoben. Wir sind Außenstehend – wir haben eine Fiktion gelesen und lieben gelernt und bei der Beschäftigung mit der Realität ein Bild gewonnen, das der damaligen Realität entspricht.

      Dank an Bineas Oma, die uns so viele Aspekte öffnen konnte!

  10. Unter dem Artikel Oben steht:
    „Diese Rezension ist mein geistiges Eigentum – keinesfalls ein Plagiat – und doch entstand sie durch die Verschmelzung zweier Büchergeister im Dialog über diesen großen Roman. Danke Bianca für jeden Impuls und jedes Wort, das nur entstand, weil…“
    Das mag bei dem Text stimmen, oder auch nicht.
    Die Herkunft der Bilder ist nicht geklärt-
    Entweder wird die Herkunft geklärt (Webseiten von banater Ortschaften).
    oder die Bilder sollten entfernt werden, um eventuellen Klagen vorzubeugen.
    Es ist eine Zumutung, in einem Beitrag, der einem Roman Loblieder singt ohne ein kritisches Wort, Bilder von Webseiten zu kopieren, deren Autoren im Roman direkt, oder indirekt verhöhnt werden.
    Ich schließe mich derr Meinung von Herr Balzer an.

    • Sehr geehrte( r) GK!

      Das mag nicht nur stimmen – das stimmt in vollem Umfang. Und mein geistiges Eigentum muss keine kritischen Passagen enthalten, wenn ich von einem Buch überzeugt bin. Das Loblied auf einen Roman haben Sie richtig verstanden. Vielen Dank dafür.

      Den Artikel von Bildern zu entfachten ist unproblematisch für mich. Der Text lebt nicht durch die Bilder sondern von meinen Lesegefühlen. Ich hoffe damit, die Zumutung ein wenig gemildert zu haben.

      Allein die Tatsache, dass Bilder von Webseiten kopiert werden besagt übrigens nicht, dass der Betreiber der Webseite selbst Inhaber des Urheberrechtes ist. Deshalb wurde im Beitrag auch auf ein Buch zurückgegriffen, das in München herausgegeben wurde. Den Titel habe ich Ihnen in einer Mail zukommen lassen.

      Darüber hinaus standen die Bilder nicht im Kontext zum Roman, sondern zu meinem Text.

      Auf sehr bekannten Webseiten zum Leben der Banater Schwaben (siehe http://kulturraum-banat.de) sind übrigens umfangreiche Literaturempfehlungen zu finden. Unter ihnen auch das Werk von Catalin Dorian Floresu. Das hat mich sehr gefreut!

      Auch wurde vor Kurzem in einem sehr populären Banater Blog geschrieben, dass sich “Triebswetter jetzt auf der Landkarte der Weltliteratur befindet.” Und auch folgendes:

      „Ich sah gerade auf Catalins Homepage…
      Herr Balzer hat ihm geschrieben!
      Noch immer nicht zu Ruhe gekommen der Herr?
      Man kann seine Meinung in Würde vertreten und man kann auch wie ein “wiedicher” Hund auftreten.
      Gibt es Jacob wirklich???
      Dann könnte der sich doch wehren!
      Ansonsten finde ich, Herr Balzer macht sich lächerlich.“

      Auch diese Äußerungen liegen jenseits aller Zumutung, stammen sie doch von Banater Schwaben.

      Dieses differenzierte Bild genieße ich gerade. Vielleicht haben wir es geschafft, doch noch einer Klage gegen diese Buchbesprechung zu entgehen – da hätten wir aber noch mal Glück gehabt.

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Vorhang auf für eure Worte...