Das exklusive „Kein-Interview“ mit Karl Hohenthal…

Im März haben wir euch einen Roman vorgestellt, der aus der Feder des großen deutschen Erzählers Karl May hätte stammen können oder sogar müssen.Hadschi Halef Omar im Wilden Westenist eine literarische Hommage eines ambitionierten Schriftstellers, der seine Identität bis zum heutigen Tag nicht preisgegeben hat.

Wir schrieben damals über jenen Karl Hohenthal:

„Wir werden jenen Schriftsteller in Leipzig treffen – keine Ahnung, wer er ist, keine Ahnung, ob er als Westmann oder Araber vor uns steht – keine Ahnung ob er den Henrystutzen bei sich hat oder ob gar Hatatitla oder Rih vor den Messehallen festgebunden ist. Wir freuen uns einfach darauf, jemanden kennenzulernen, der literarisch zu lieben vermag – mit jeder Faser jedes einzelnen Wortes. Und wir werden sein Geheimnis verraten… genau hier…“

Heute ist es endlich soweitdie lange Vorbereitungszeit hat sich gelohnt: Vorhang auf für ein ganz besonderes Gespräch während der Leipziger Buchmesse 2012!

Bianca in der Interviewfalle von Karl Hohenthal…

Wir haben ihn getroffen – und wie wir ihn getroffen haben, jenen multipseudonymisch fabulierenden Schriftsteller, der sich in die Haut von Karl Hohenthal und in den Geist von Karl May zurück schrieb und mit „Hadschi Halef Omar im Wilden Westen“ mehr als eine kleine literarische Liebeserklärung an die große deutsche Erzählerstimme von einst geschrieben hat.

Verstärkt durch die Karl May – Expertin Karin Hillig haben wir jenen „Mister X“ am Stand des Heyne Verlages umzingelt und ihm somit keine Chance zur Flucht gelassen – dachten wir jedenfalls! Ein Autor von diesem Format findet jedoch immer einen Ausweg und seine Waffe war die Flucht nach vorne. Bevor wir uns richtig sortiert hatten, saßen wir einem im wahrsten Wortsinn großen Erzähler gegenüber. Alle Fragen des Literatwo-Interview-Teams adaptierend und vorhersehend sprudelte jener Karl Hohenthal nur so über – fast ohne zu atmen – und öffnete die bisher versiegelte Schatzkiste zu seiner Person.

Als Ghostwriter bezeichnet er sich selbst – als Punch-Up-Writer…. Ein Bücherretter sozusagen. Misslungene Teile von Manuskripten (auch bekannter Autoren) werden ihm zu treuen Händen übergeben und er versucht zu retten, was zu retten ist. Mit großer Freude registriert er, wenn genau diese Stellen im so geretteten Buch bei Lesungen seiner „Kollegen“ immer wieder gefragt sind und vom betroffenen „Geretteten“ mit bittersüßer Mine vorgetragen werden.

Vergleichbar mit dem Lichtdouble von Bratt Pitt geistert er über die großen Bücherbühnen unseres Landes, ohne jemals selbst Erwähnung zu finden. Hier liegt auch der Grund für das große Geheimnis um seinen eigentlichen Namen. Er wäre in diesem Berufssegment sofort „verbrannt“, wenn man seine Identität preisgäbe. Belassen wir es also bei Karl Hohenthal…. Und bestätigen auf diesem Wege erneut, dass es sich definitiv nicht um Franz-Xaver Kroetz handelt, der in den Medien als wahrer Autor des Buches hoch gehandelt wurde.

Und nun lädt Karl Hohenthal seinen Henrystutzen durch und feuert sein Magazin leer. Präzise formulierend und jeder Schuss ein Treffer. Unvorstellbar, über welchen Vorrat von Antworten dieser Autor auf niemals gestellte Fragen verfügt…. Angriff ist seine Devise und ich denke, wir hätten Karl May nicht anders erlebt.

Hohenthal – auch seine Kleidung eine Hommage an sein Buch – quasi ein Wegweiser in seinen Roman, verdeutlicht mit welch tiefer Überzeugung er sich an dieses nicht unumstrittene Projekt gewagt hat. Mit der vermuteten Liebeserklärung an Karl May lagen wir nicht falsch. Hochachtung gegenüber dem Altmeister, den Charakteren seiner Romane und der Sprache der damaligen Zeit spürt man in jedem Satz, dem wir erstaunt folgen dürfen.

Seinem Lebensmotto „Es gibt kein Manuskript, außer man tippt“ folgend, stürzte er sich in die Arbeit, die (und das glauben wir ihm blind) er als wirkliche harte Arbeit betrachtet. Wer dies nicht ermessen könne, der solle doch einfach mal versuchen einen Roman auch ab Seite 300 schreibend als reinen Spaß zu empfinden. Mit fortschreitenden Handlungsfäden wächst der Anspruch an Genauigkeit und Präzision – damit aber auch der Aufwand an Konzentration und Hingabe. Wer dies nicht glaubt, dem sei empfohlen, den hohenthalschen Roman zu lesen und zu beurteilen, wie genau der Autor seiner Linie treu bleibt und wie wenig er es sich an entscheidenden Stellen des Buches „leicht“ macht.

Antworten über Antworten – aber keine Fragen – ein alternatives Interview…

Hohenthal erfreut sich derzeit äußerst positiver Resonanz und widerspricht vehement einer Zeitungsmeldung, die besagt, er habe sich vor aufgebrachten Karl May – Liebhabern in Sicherheit bringen müssen. Nichts davon sei wahr… reine mediale Legende (aber gut gemacht, gesteht er ein). Dieser Schriftsteller weiß genau was er tut – er hat Ziele – und er trifft mit der Präzision eines Scharfschützen. Er verknüpft die Fiktion des Romans mit lebenden Prominenten und so mag es kaum verwundern, dass in jener „Blonden Squaw aus Dresden“ quasi der Prototyp einer deutschen verlegerangetrauten Fernsehkommissarin verborgen ist. Diese Fern-Liebeserklärung sei gewagt, so Hohenthal, aber dennoch erlaubt und mit Sicherheit in dieser reinsten Form so noch nicht da gewesen.

Mal schauen, ob er sich da nicht zuviel aufgeBURDAt hat. Dies ist nicht das einzige, im Roman verborgenen „Easteregg“, so Hohenthal und wir als Leser des Buches wissen ganz genau, wie er das meint! Der bekannteste deutsche Showmaster hat nach dem Lesen des Manuskriptes erstaunt eingestanden, dass er wohl mehr als treffend in der Figur des großen Kontrahenten von Old Shatterhand im Roman verewigt wurde… „So hätte ich wirklich enden können…“ so der ungenannte Prominente. Wer nicht glaubt, muss lesen, dann findet er…. Wetten dass?

Wir sind schon längst an unsere Stühle gefesselt – sind dem Autor in die literarische Falle gegangen und erfreuen uns an unserem Dasein. An welchem Marterpfahl der Kultur wird man so gut unterhalten. Von eigenen zukünftigen Projekten erzählt Hohenthal und die Flammen des gefühlten Lagerfeuers lodern höher und höher. Ein Projekt mit 24 Einzelbänden geistert in seinem kreativen Kopf herum und bei langen Spaziergängen am Strand sortiert er sich und seine Eingebungen.

Wir rufen die deutschsprachigen Autoren auf: „Schreibt genauer, schreibt präzise – macht jenen Karl Hohenthal arbeitslos, damit er nicht mehr retten muss, was nach Rettung schreit, sondern zu seiner eigenen Arbeit kommt. Lasst ihn endlich frei und gewährt jenem Multitalent der modernen Unterhaltung, dass er die Literaturlandschaft im Galopp erobert.“

Untermalt mit Musik von Bruce Springsteen – so wie er seine „Hadschi Halef Omar – Lesungen“ selbst musikalisch zu untermalen pflegt. Karin Hillig hat dies erlebt und fand den Sänger und Gitarrespieler Hohenthal auch in der Rolle des „Boss“ erstaunlich gut.

Hohenthal lebt – Karl May lebt – dieser Schriftsteller lebt….

Zum guten Ende gibt er uns frei, signiert Karins Buch und wie in seinem großen Roman endet auch die Signatur in einem großen Hoffnungsschimmer am Horizont. T.B.C. – to be continued! Was würden wir uns darauf freuen, die große Kunst des Erzählers auch in einem zweiten Teil von „Hadschi Halef Omar in Wilden Westen“ erleben zu dürfen.

Karl Hohenthal signiert… aber niemals endgültig…

Beim Verlassen des Schlachtfelds sehen wir einen harmlosen Radioreporter. Er hat einen Interviewtermin mit Karl Hohenthal und nähert sich zögernd und mit Mikrofon bewaffnet. Ein wenig Mitleid haben wir schon mit ihm, wissen wir doch, dass er es nicht schaffen wird, seine mühsam notierten Fragen zu stellen. Er wird in die Falle gehen – wie wir, aber er wird sie als neuer Leser verlassen. Bis heute jedoch haben wir nichts von ihm gehört….

Danke für dieses geniale Nicht-Interview – danke für die Offenheit und das gefühlte Abenteuer, einem Meister seines Handwerks begegnet zu sein. Hugh….

13 comments on “Karl Hohenthal, alias Karl May, alias Mr. X im Interview mit Literatwo”

  1. Was für (k)ein geniales Interview und was für ein großartiger Bericht. Meine Hochachtung, Arndt dass du dir das alles behalten hast, im Geiste!!! Ich habe herzlich gelacht und werde dieses Gespräch niemals vergessen!! Und nun ist auch dieser Kommentar für die Ewigkeit gebannt…;-)

  2. Ganz, ganz toller Bericht! Ich habe sowas noch nicht gelesen, … supergut verfasst, fesselnd wie die Bücher selbst… herrliche Arbeit macht ihr da, ja, leidenschaftlich eben:-)
    Ich bin eben zum ersten Mal auf eure Seite gestoßen, muss unbedingt mehr davon lesen… Und das fände ich gut, wenn Schüler und Jugendliche besser solches im Inernet lesen als naja! Meine Weiterempfehlung ist mal sicher 🙂
    Liebe Grüße und weiterhin viel Freude an allem was ihr macht!

  3. Das Buch und sein Autor waren heute Thema im Sat1 Frühstücksfernsehen, das Bildmaterial war von der Buchmesse, aber euch habe ich leider nicht gesehen 😉

    Ganz liebe Grüße

  4. Ich habe mir das Buch Karl Hohenthals kuerzlich bei Amazon bestellt und in fast einem Rutsch durchgelesen. Als alter Karl-May-Fan (ich las mein erstes Buch von ihm mit 10 Jahren, geliehen aus der Schulbuecherei) und habe mir im Laufe meiner Jugendjahre allmaehlich alle Buecher von Karl May angeschafft. Karl Hohenthal hat es geschafft, Karl May fortzusetzen, einfach fantastisch. Auch stirbt hierin nie der Genetiv fuer den Dativ. Ich warte fast atemlos darauf, ein weiteres Buch zu bekommen! Nun ja, und das mit fast 66 Jahren… Vielen herzlichen Dank, Karl Hohenthal!

    Gudrun Haack, Spijkenisse/Niederlande

  5. Ich habe dieses buch bereits gelesen und es genauso herrlich und fesselnd geschrieben, wie von karl may selbst. Er wäre stolz auf seinen nachfolger. Immer weiter so…. Ich liebe diese geschichten seit kindertagen und werde sie auch weiterhin lieben, egal von wem.
    Ich bin schlichtweg begeistert. Alle, die das gegenteil behaupten sind verbohrt.
    Gruß kk

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