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Es war einmal ein Junge, der hieß Jacob. Der hatte einen Großvater, der war 85 Jahre alt, und dieser erzählte Jacob in seiner Kindheit oft von ganz besonderen Kindern. Er zeigte ihm sogar Fotos dieser Kinder. Diese lebten auf einer Insel und hatten alle ganz besondere Fähigkeiten. Jedes Kind war außergewöhnlich und alle Kinder hatten aus diesen Gründen etwas Gruseliges an sich. Jacob hörte seinem Großvater gern zu, denn Märchen liebt jedes Kind. Allerdings waren es keine Märchen, die ihm erzählt wurden, sondern es waren wahre Begebenheiten. Jacob allerdings wurde älter und älter und kam in die Pubertät und von Tag zu Tag glaubte er diese Geschichten weniger.

Es können keine Wahrheiten sein, das gab es nur im Märchen.

Welche Kinder konnten schon fliegen, welche Kinder konnten lodernde Flammen in ihren Händen halten, welche Kinder konnten mit dem Hinterkopf essen. Mit 15 Jahren glaubt man so etwas nicht mehr und in dem Alter von Großvater kann man schon einiges durcheinander bringen und beginnen, Märchen zu erfinden. Die Bilder allerdings sprachen für die Wahrheit, wobei aber auch diese reine Fotomontagen sein können. Schluss mit Märchen, Augen vom Märchentraumsand befreien, kräftig reiben und das Buch „Jugend und Erwachsen werden“ aufschlagen.

Doch dann kam der Tag, an dem Jacob schnell von seinem Job in der seinem Onkel gehörenden Ladenkette Smart Aid aufbrechen musste, um zu seinem Großvater zu fahren. Er scheint durchzudrehen, sein Leben scheint sich sein wohlverdientes Ende zu suchen. Jacob trifft ihn aber nicht im Haus an, sondern hört merkwürdige Geräusche im Wald und genau dort findet er ihn. Auf dem Boden liegen, schlimm zugerichtet, aber noch am Leben. Noch. Und Jacob sieht etwas, was sein damals bester Freund Ricky, der ihm suchen half, zu ihm eilte, nicht sah. Er erstarrte und hörte den letzten Worten seines sterbenden Großvaters zu, die lauteten:  „Finde den Vogel. In der Schleife. Auf der anderen Seite vom Grab des alten Mannes. 3. September 1940.“

Von da an gab es für Jakob nur noch jenes Vorher und jenes Nachher. Sein Leben krempelte sich um, wie ein Pullover, den man unsorgfältig auszieht. Von jetzt auf gleich begannen die Alpträume, ein Psychologe musste ihn betreuen und die Welt um ihn herum schien stehen zu bleiben.

Was war das? Wer ist der Vogel. Was ist die Schleife. Wo ist das Grab des alten Mannes und was war am 03. September 1940. Jakob muss diese Fragen beantworten, muss hinter den Auslöser dieser Alpträume kommen und vor allem muss er auf die Insel, auf die Insel der besonderen Kinder, denn diese scheint es zu geben. Irgendwo. Wer war sein Großvater und was hat er sein Leben lang getan, vor allem in der Kriegszeit um den 03. September 1940.

Es war einmal ein Junge, der hieß Jakob und genau mit diesem Jungen habe ich eine Zeit verbracht, die aus einer Mischung von Realität und Paranormalität bestand. Bereits das schwebende Mädchen auf dem Cover rief nach mir, es rief laut, obwohl es den Mund nicht bewegte. Auf der ersten Seite blicke mich das Mädchen mit der lodernden Flamme in den Händen an und griff nach meiner Hand, um mich zu sich zu holen. Die danach folgenden Bilder taten das Gleiche. Zuerst wollten alle Bilder von mir angesehen werden, alle Bilder blieben stumm und doch sprachen sie zu mir. „Keine Märchen“, sagten die Bilder, „wir sind keine Märchen“.Und dann begannen sie mir zu erklären, wer sie sind, warum sie sind wie sie sind und dann wurde der Sog so stark, dass ich auf die Insel kam. Auf die Insel der besonderen Kinder und die Geschichte, die keine Geschichte sein will, begann sich aufzublättern.

Ransom Riggs hat mich im wahrsten Sinne des Wortes entführt und mir neben den Bildern, die es in Wirklichkeit gibt, eine sagenhafte Zeit auf der Insel beschert. Eine Zeit mit Jacob, eine Zeit, in der wir nach der Wahrheit suchten, eine Zeit in der wir Unerzählbares erlebten, eine Zeit in der wir kämpften, in der wir uns entscheiden mussten, in der wir anders waren. Eine Zeit, die jeder selbst erleben und vor allem erlesen muss.

Ein Roman, der dunkel, düster, klar und geheimnisvoll spannend ist und durch das perfekte Einsetzen und Sprechenlassen der Bilder unvergesslich wird. Der Trailer zum Buch ist eine eindrückliche Ergänzung und macht Hoffnung auf eine vielleicht kommende Verfilmung, welche mehr als nur wünschenswert ist.

Nach Beenden des Romans von Random Riggs gibt es nur noch jenes Vorher und jenes Nachher.

Wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist, ob er diesen außergewöhnlichen Roman lesen sollte, der schaut sich am besten noch den Trailer an – dem kann man nicht widerstehen – einfach genial gemacht, wie ich finde – Gänsehaut –

0 comments on “Literatwo reist zu den Kindern auf die besondere Insel…”

    • Im Original sicher auch ganz besonders gut, vor allem die Bilder sind magisch im Zusammenhang mit dem Text.

      Der Trailer hat mich noch tiefer ins Buch gezogen, absolut grandios wie ich finde – eine besondere Insel…bleib am Ball, vor allem bei unserem Adventskalender…da kommt noch was zum Thema…mehr darf ich erstmal nicht verraten 😉

Vorhang auf für eure Worte...