Marina - Carlos Ruiz Zafón - Bestseller
Marina – Carlos Ruiz Zafón – Bestseller

Marina, Marina, Marina – lange habe ich überlegt, wann der richtige Zeitpunkt für einen weiteren Zafón ist. Diese Überlegung wird dem Leser spätestens bei den Zeilen des Meisters selbst abgenommen. Dieser lässt es sich nicht nehmen, dem Leser ein paar persönliche Worte und Hintergründe mit auf den Leseweg zu geben. Überraschend anders und sehr persönlich…

„Marina sagte einmal zu mir, wir erinnerten uns nur an das, was nie geschehen sei.“

Mit diesem Satz beginnt der Roman und gleich dieser erste Satz lässt innehalten. Könnte man über diese Worte nicht ewig nachdenken? Ein sofortiges Weiterlesen fiel mir schwer, da nur ein Satz vorher Zafón selbst schrieb:

„…und ich werde mich, wie Marina sagen würde, wieder an das erinnern können, was nie geschah.“

Diese zwei Sätze, diese Aussage, die Idee, die ganze Botschaft an sich, kann so umfassend ausgeweitet werden und ein begonnenes Gespräch kann ganze Abende füllen, so viel Potenzial steckt in diesen wenigen Worten. Sagenhaft.

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Marina – Zitate mit Langzeitnachdenkwirkung

Marina (Fischer Verlag) ist mein zweiter Zafón nach „Der Schatten des Windes“ und dank der Worte des Autors konnte ich mich mit einer anderen Art von Leseerwartung in den Roman begeben, da ich wusste, dass dieser völlig anders wird. „Der Schatten des Windes“ hat mich regelrecht umgehauen und zwar so sehr, dass ich immer noch nicht fähig war und bin, eine Rezension zu schreiben.

Marina_Carlos Ruiz Zafón-Spacer

Oh, ein schwarzer Schmetterling umschwirrt den Bildschirm um mir mitzuteilen, dass ich jetzt endlich erzählen soll, was euch mit Marina passieren wird und was mir passierte…

Óscar Drai – diesen Namen trägt der Protagonist welcher gleichzeitig Erzähler ist und sich nach und nach ins Herz des Lesers schleicht, denn was er von sich preisgibt, ist sein Geheimnis. Die gestohlene Taschenuhr mit einer besonderen Gravur bedrückt den Internatsschüler immer mehr und schließlich kann er nicht anders, als diese in das verwunschene alte Haus zurück zu bringen. Durch dieses Zurückbringen lernt Óscar das geheimnisvolle und Geheimnis liebende Mädchen namens Marina und ihren kranken Vater Germán, den eigentlichen Eigentümer der Uhr und früheren Künstler mit bewegender Geschichte, kennen.

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Marina – gestohlene Taschenuhr

Die gegenseitige Sympathie ist vorhanden und ein zweites Treffen ist vorprogrammiert, die Wurzeln einer tiefen Freundschaft sind gelegt. Marina weiht Óscar in ihr kleines Geheimnis, in die Entdeckung die sie auf dem Friedhof gemacht hat, ein. Ein schwarzer Schmetterling, die Dame in schwarz und mehrere Puppen, scheinbar unvollendet und doch lebendig sind der Auftakt zu einer Geschichte, der Auftakt in die Vergangenheit und der Auftakt um das Leben des ehemals reichsten Mannes von Barcelona.

Michail Kolwenik, das Abnormale liebend und an Leichen experimentierend, ist verbrannt! In inniger Umarmung mit seiner geliebten Ewa Irinowa. So jedenfalls heißt es und doch scheint alles ganz anders, denn ein Kuvert, welches Óscar in die Hand gedrückt bekommt, führt ihn zu einer Spur, die wenig Gutes bereit hält.

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Marina –

Zwei Jugendliche, ein noch dünnes Liebesband und ein umfassendes Geheimnis, was in den Gassen  Barcelonas ergründet wird, sind die Wegmarkierungen im Roman. Was mit viel Poesie und einem breitem Leseweg beginnt, verändert sich schnell in ein regelrecht gruseliges Abenteuer mit vielen schmalen Seitenwegen die sogar Horrorszenen enthalten und erschüttern.

Zafón warnt vor, dass hier ein Roman vorliegt, der wirklich komplett anders ist. Jedem Leser sollte bewusst sein, dass hier etwas geschieht, was voller Magie steckt, die stellenweise keinen realen Bezug hat. Der Roman balanciert auf mehreren Genrekanten. Mysteriöses trifft Horror, Fantasy trifft Liebe – Jugendbuch mischt sich mit Erwachsenenroman. Ab und an wandelt sich die Spannungsgänsehaut zu Gänsehaut des Ekels…

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Marina – schwarze Damen

Ich bin wieder gern durch die Straßen Barcelonas gestreift, habe mich mitreißen lassen und ich habe mich geekelt und gegruselt. Jeder Zafón bringt neben dem Romaninhalt Barcelona näher und näher und irgendwann wird wohl eine Reise in die spanische Großstadt nicht mehr zu verhindern sein. Im Nachhinein empfinde ich es wichtig, ohne Erwartungen an diesen speziellen Zafón hineinzulesen, da sonst die Welle der Enttäuschung wohl nicht lange auf sich warten lässt.

Ebenso wie die Zartheit von 0 auf 100 zur Brutalität umkippt, verhält es sich mit der Sogkraft des Romans, denn die zafonsche Mischung ist und bleibt unbeschreiblich gut.

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Marina – Schmetterlingsserum

Auf 350 Seiten spult der Meister förmlich ein breites Theater an Begebenheiten ab und vergisst nicht zwischen allen außergewöhnlichen Dingen, für einen Überraschungseffekt am Ende zu sorgen. Dieser lässt „Marina“ in einem magischen Licht erstrahlen und alle Anfangsgedankenblühten öffnen, die bis dahin noch geschlossen sind.

P.S. „Marina“ steh in meinem Bücherregal nicht weit entfernt von Die Insel der besonderen Kinder, Die hässlichste Frau der Welt und Madame Jakublonskis Monstrositäten-Cabinet entfernt, damit sich diese miteinander austauschen können. 

5 comments on “Marina – Carlos Ruiz Zafón”

  1. Hach… es zafont bei uns und Bianca hat es wieder geschafft, mir ein Buch, das ich noch nicht gelesen habe so nahe zu bringen, als hätte ich es getan… und ich denke, jetzt muss ich es tun… lesen

    • Wenn ich dies geschafft habe, habe ich mein Ziel erreicht 🙂

      Danke Arndt und der Satz – dieses tiefe Zitat – darüber könnten wir stundenlang sprechen…wahnsinnig bewegende Worte.

Vorhang auf für eure Worte...