Monsieur
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran ~ Eric-Emmanuel Schmitt

Merkt euch gleich mal die Namen Moses, nein Momo, und Monsieur Ibrahim. Zwei Menschen, die unser Herz treffen. Ich habe von Eric-Emmanuel bisher zwei Bücher gelesen – „Oskar und die Dame in Rosa“ und „Mein Leben mit Mozart“ und an diese zwei Schätze erinnerte ich mich, als ich in der Bücherzelle „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ stehen sah. Logisch, dass ich es mitnahm und auch umgehend lesen musste. Eine knappe Stunde habe ich gebraucht, denn die 100 Seiten sind großzügig bedruckt. Ein Weglegen war nicht möglich, dazu ist der Band zu schmal und die Charaktere einfach zu großartig.

Ich müsste euch eigentlich hier lauter Zitate präsentieren, denn das schmale Büchlein, ist inhaltlich so verdammt groß und wortreich. Doch ich versuche euch erstmal mit meinen Worten zu überzeugen.

Schon der erste Kontakt mit dem kleinen (ohje, wenn er das hört), also heranwachsenden Moses ist leicht verstörend, wie auch lustig. Er knackt das Sparschwein, um zu einer Dirne zu gehen. Er möchte ein Mann sein und glaubt wohl kaum, dass ihn eine Mitschülerin dazu machen würde. (dick wie ein Sack Zucker (Seite11)) Das Geld hat er geklaut, denn sein Vater ist der Meinung – Geld ist zum Horten da, nicht zum Ausgeben. (Seite9)

Moses wird Momo

Zu Geld kommt Moses auch, indem er den schon immer alten Monsieur Ibrahim beklaut, in dem er so einige Konservenbüchsen im Kolonialwarenladen klaut. Er wird ertappt, von Ibrahim Momo getauft und dieser gibt ihm Tipps, wie er noch schneller Geld aus der Tasche vom Vater ziehen kann. Ibrahim durchschaut Momo und erkennt seine Lügen, der Tag an dem eine Freundschaft beginnt, die sich zu einer Vater-Sohn-Beziehung entwickelt, denn Momo hat letztendlich keine Eltern mehr. Seine Mutter ist nach seiner Geburt gegangen, mit dem angeblich perfektem Sohn und sein Vater wird blasser und blasser, bis er geht. Momo ist alleine und Ibrahim wird seine engste Bezugsperson. Sein Leben beginnt neu, es wird anders und beide Suchen das Lebensglück.

Monsieur
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran ~ Eric-Emmanuel Schmitt

Dank des Eingreifens von Monsieur Ibrahim bekam die Welt der Erwachsenen Risse, sie war nicht mehr die gleiche glatte Mauer, gegen die ich stieß, durch einen Spalt hatte sich mir eine Hand entgegengestreckt. (Seite 23)

Es ist so herrlich, Momo in seiner Sturm und Drangzeit zu begleiten. Ein wunderbarer Charakter mit viel Humor, ein paar naiven Nuancen, durch und durch aber clever, lernbegierig und lebensfroh. Und er geht mal gern zu einer Dirne, ach, Ibrahim auch.

Eric-Emmanuel Schmitt hat mich wieder begeistert. Er ist Meister darin, mit wenigen Worten Leserherzen zu rühren und auch in diesem Buch habe ich gefühlt auf fast jeder Seite ein Post-it kleben. Es wird die Liebe thematisiert, das Elternhaus, Erinnerungen, das aktuelle Umfeld, aber auch die Religion und den Tod. Allerdings nicht trocken, belehrend oder fad, sondern leicht und regelrecht spielerisch und dennoch nicht oberflächlich.

„Und Jude sein hat mit Gott nichts zu tun?“ „Für mich nicht mehr. Jude sein bedeutet einfach, Erinnerungen zu haben. Schlechte Erinnerungen.“ (Seite 46)

Ach, mein Herz blüht auf, wenn ich an Moses und den guten Monsieur Ibrahim denke. Ein Buch, was sich so gut zum Verschenken eignet, denn es ist für jeden Leser, der eine knappe Stunde großartige Literatur und liebenswerte Charaktere mag.

Eure


Monsieur

Vorhang auf für eure Worte...