https://i1.wp.com/www.buechervielfalt.de/wp-content/uploads/2011/12/Der-Junge-der-Tr%C3%A4ume-schenkte-Luca-Di-Fulvio.jpg?resize=266%2C397Guten Abend, New York!

Der Junge, der Träume schenkte – ein Roman, ein Bestseller, ein Cover bei dem man zugreifen muss, ein poetischer Titel  – rundum ein Werk, das man lesen muss.

Guten Abend, New York! Diese Zeilen werde ich immer mit Luca Di Fulvios Roman verbinden. Warum werdet ihr erfahren, ganz gewiss. Viele von euch kennen den Roman aber sicher schon und wissen ganz genau, warum mir diese Zeilen so wichtig sind. Bevor ich allerdings lesend in Amerika angekommen bin, verging eine recht kurze, aber harte Zeit.

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Das Jahr 1908 veränderte das Leben der in Aspromonte lebenden, knapp 14-jährigen Cetta Luminita vollständig. Ihr Sohn Natale, ein kleiner Bastard, erblickte das Licht der Welt und heilte in Cetta Wunden, die ihr zugefügt worden sind. Cettas junge Jahre sind von Schmerz und Leid geprägt und genau dieses Schicksal soll ihrem Sohn nicht widerfahren. Cetta reist von Süditalien nach Amerika um einen Neubeginn zu wagen und ihrem Sohn ein richtiges Leben, ein amerikanisches Leben, zu ermöglichen.

In Amerika wird Natale zu Christmas und der kleine Junge wächst zu einem Jugendlichen heran, der es faustdick hinter den Ohren hat. Christmas ist selbstbewusst und Christmas möchte ein Gangster sein. Zwischen all den herrschenden Gefahren in der Lower East Side New York, ist es wichtig sich zu behaupten, um nicht mit dem Schlamm der Gosse weggespült zu werden. Kurzerhand gründet Christmas seine eigene Band namens „Diamond Dogs“, um sich einen Namen zu schaffen, einen Platz zu erobern.

Der Junge, der Träume schenkte - Diamond Dogs
Der Junge, der Träume schenkte – Diamond Dogs

Während Christmas durch die Straßen zieht und sich in seinem Gangsterleben auslebt, gerät die gleichaltrige Ruth Isaacson, ein reiches jüdisches Mädchen, in Gefahr. William Hofflund, Bill genannt, der Gärtner der jüdischen Familie, zerstört Ruths Leben in wenigen Minuten nachhaltig. Und nicht nur ihres, denn Bills gewalttätiges Leben beginnt gerade erst. Das Jahr 1922 ist prägend für die drei Jugendlichen und ebnet die Wege für die folgenden aufregenden Jahre in Amerika.

1908 setzt sich aber erstmal Cettas Leben als alleinerziehende Italienerin in Amerika fort. Allerdings weit ab von Glanz und Gloria, denn Cetta arbeitet als Prostituierte, muss als Prostituierte arbeiten. Ihre Träume von Amerika und dem besseren Leben mit ihrem Sohn wandeln sich schnell in Albträume. Obwohl sie schon gar nicht tiefer fallen hätte können, fällt sie noch tiefer und ihr bleibt nichts anderes übrig als sich mit ihrem Leben zu arrangieren, genau wie mit Sal.

Guten Abend, New York!

Luca Di Fulvio entführt lesend nach Amerika und entblättert die Jahre von 1906 bis 1929 in vollem Umfang. Drei wichtige Charaktere zeigen auf was passieren kann, wenn New York seine dunklen Finger ausstreckt und an den Leben rüttelt.

Vermutet man hinter dem Titel eine poetische Geschichte die zu Herzen rührt, wird man schnell enttäuscht. Der süße Junge auf dem Titelbild wird nicht sofort mit dem kleinen Christmas in Verbindung gebracht. Der Roman zeigt sich von Beginn an von einer mehr als brutalen Seite und umhüllt den Leser mit amerikanischer Gossendunkelheit. Die Gefahr lauert an allen Ecken und die verwendeten Worte im Roman schmerzen.

Zarte Leserherzen werden nicht nur bei den anfänglichen Begebenheiten kräftig schlucken und zusammen zucken, denn Di Fulvio schreibt Klartext und zeigt das wahre New York mit all seinen Schattenseiten der damaligen Zeit auf. Und Schattenzeiten- und seiten gab es viele.

Der Junge, der Träume schenkte - Die Bande der Träume
Der Junge, der Träume schenkte – Die Bande der Träume

Die ersten 100 Seiten habe ich trotz allen unschönen Szenen verschlungen und mich in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts fallen gelassen. Christmas wurde mir von Seite zu Seite unsympathischer, Ruth allerdings eroberte mein Herz sofort und auch Cetta schenkte ich meine volle Aufmerksamkeit. Mir taten gerade die beiden Frauen leid, denn mehr hätte man ihnen einfach nicht zumuten können und ich wollte meine vielleicht helfende Leserhand nicht entziehen. Bill dagegen musste meine Wut zu spüren kriegen. Ein abscheulicher Charakter mit noch abscheulicheren Verhaltens- und Handlungsweisen.

Und trotzdem begann ich immer mehr daran zu zweifeln, ob ich die knapp 800 Seiten bei den Protagonisten bleiben wollte und sollte. Gerade mal um die 549 Seiten hatte ich hinter mich gebracht, nachdem ich mich immer wieder weitergehangelt habe.

Ich war erschüttert und gespannt, dennoch aber auch von der sich langsam entwickelnden Handlung gelangweilt. Meine Gedanken schweiften ab und ich fragte mich, warum dieser Roman den Namen „Der Junge, der Träume schenkte“ trägt. Bislang konnte ich den Titel nicht wirklich mit der Handlung verknüpfen.

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Von Poesie nur wenig Spuren, umfassende Beschreibungen, hier und da einige Besonderheiten, aber im Großen und Ganzen war ich nicht überzeugt.

Der Bruch kam und ich konnte nicht anders und legte den Roman beiseite…

Guten Abend, New York!  

P.S. Hier entlang zum zweiten Teil der Rezension der mehr als nur ein abschließendes Urteil enthält.

8 comments on “[New York 1 von 2] Der Junge, der Träume schenkte – Luca Di Fulvio”

  1. Das ging mir ähnlich, wie Ihnen. Der Spannungsbogen war derart künstlich in die Länge gezogen, das Finale unbefriedigend und das letzte Drittel des Romans hat mich aufrichtig genervt, wegen der nach meinem Dafürhalten völlig unnötigen Konzentration auf das horizontale Gewerbe.
    Überdies konnte ich der Begeisterung des Autors für die angeblich brillanten Radiomoderationen nicht ansatzweise folgen. Schade, der Anfang des Buches war sehr vielversprechend, ebenso wie der Titel, dessen Bedeutung auch ich im Buch selbst nicht wiederfinden konnte.

    • Liebe Miss Glück – genauso ging es mir auch und ich muss sagen „ging“…wieso, weshalb und warum, gibt es in New York Teil 2 zu lesen.

      Das mir sowas passieren würde, hätte ich nicht gedacht…aber ab und an heilt die Zeit Buchwunden…

      Bis gleich…

Vorhang auf für eure Worte...