Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst ~ Franziska Seyboldt

trigger, engl.: Auslöser. Wenn man eine Triggerwarnung bei einem Buch über Angststörung ausruft, bedeutet das dann, dass man meint, Betroffene sollten es lieber nicht lesen? Ich bin mir da ziemlich unsicher und glaube kaum, dass Franziska Seyboldt mit ihrem Buch die Angst schürt, eher hilft sie zu verstehen. Sie regt zum Nachdenken an und zeigt, dass man mit seiner Krankheit oder dem Zustand den man noch nicht Krankheit nennen möchte, definitiv nicht allein ist.

Ich habe keine Angst, zumindestens dachte ich das bis gestern. Also ich habe keine Angststörung, das trifft es eher. Zudem war ich schon ein wenig skeptisch, ob das Buch „Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst“ (Kiepenheuer & Witsch), was mehr oder weniger zur Gattung Sachbuch gehört, etwas für mich ist. Aber gelb zieht mich magisch an und die Aufmachung an sich – dicker Pappeinband – finde ich ganz prima. Und dann auch noch große Schrift und zwischen den Kapiteln oftmals eine leere Seite – vermutlich zum Atmen, zum Reflektieren. Gut so. Also los…

„Wer fliegen kann, fällt nicht einfach runter.“ (Seite 83)

Habe ich eine Angststörung? Das habe ich mich beim Lesen wirklich oft gefragt, denn so einige Stellen kamen mir wirklich sehr bekannt vor. Ich werde nicht ohnmächtig wie Franziska Seyboldt und nein, ich rede nicht mit meiner Angst, ich habe keine dauerhaften Symptome. Aber ab und an wird mir schon schwindlig, ich habe das Gefühl zu ersticken. Manchmal. Einfach so. Kurz vorm Einschlafen, manchmal auch mitten am Tag – ich denke, dass ich keine Luft mehr bekomme, nicht mehr schlucken kann. Dann ist es wieder gut und wenn überhaupt, dann passiert das einmal in der Woche. Aber viel schlimmer sind die Zukunftsgedanken die ich seit Januar 2013 habe.

Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst ~ Franziska Seyboldt

Kennst du das? Du denkst, dass du unbedingt den Weg von A nach B gehen musst, weil es ja sein könnte, dass Person X dort entlang kommt und wenn du Weg C gehst, verpasst du sie vielleicht und ihr passiert was und nur DU bist verantwortlich dafür, denn DU hast spontan was anders gemacht und darum bist DU Schuld. Oder ich denke, dass ich ab und an verdammtes Pech habe, weil ich gern mal übertreibe, gern Rebell bin, statt vorbildlich und brav zu sein.

Rattatatam

Langweile ich dich? Tut mir leid, aber ich schreibe das jetzt einfach mal nieder, da mich die Autorin gerade gelehrt hat, dass es besser ist, nicht zur anonymen Masse ohne Gesicht zu gehören, damit dieses verdammte TABU ausstirbt.

„Angst hat immer mit etwas zu tun, das passieren könnte, nicht mit etwas, das gerade geschieht. Du bist im Hier und Jetzt, während dein Verstand in der Zukunft ist. Dadurch entsteht eine Lücke, die sich mit Angst und Sorge füllt.“ (Seite 153)

Ob das Zitat mir gewidmet ist? Genau das ist es, genauso geht es mir, ich kann diese Zeilen zu 100% unterschreiben und ich erzähle euch hier davon – ganz offen und keinesfalls anonym. Ja – diese beschissene Angst kenne ich sehr wohl, auch wenn ich mich nicht direkt mit ihr unterhalte. Aber sie ist da. Mal mehr und mal weniger und ich versuche frei zu leben, trotzdem spontan zu handeln und mehr den Kopf auszuschalten und im Hier und Jetzt zu leben.

Und was denkst du nun? Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich finde die Offenheit verdammt mutig, ich mag das noch persönlichere Nachwort der Autorin und ich mag gelb – nicht den Neid oder die Eifersucht, sondern das Licht und den Optimismus.

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Eure

5 comments on “Rattatatam, mein Herz – ist das Angst?”

  1. Ich habe vor wenigen Tagen in einem Buch gelernt, dass man sich Angst oft wie eine Autobahn voller Autos vorstellen soll. In jedem Auto ein anderer schlechter Gedanke, eine andere Angst. Alle werden ein wenig langsamer, wenn sie an dir vorbeikommen. Ob du allerdings einsteigst, das ist immer deine Entscheidung. Sei kein Tramper, keine Anhalterin… warte immer auf das Auto mit dem richtigen Kennzeichen.

    • Ich warte ab sofort und ich gebe mir täglich irgendwie Mühe – aber es ist eben so und grade letzte Woche war es wieder schlimm.
      Aber ich bleibe positiv und stelle mich.
      Danke für deine Worte.

  2. Hallo Binea, Dein eingefügtes Zitat trifft es haargenau. Jeder Mensch kennt sicher dieses unbestimmte Angstgefühl. Mich befällt es immer , wenn mir mein Alter ganz bewusst im Kopf aufgeht,,,,ich schau mir das Buch beim nächsten Buchhandlungsspaziergang sicher an. Danke für Deine Vorstellung.
    GLG Angela

    • Hallo liebe Angela (schön dich mal wieder hier zu lesen), ja, das Alter – das ist auch so eine Sache. Aber man ist so jung wie man sich fühlt und was ich ebenso gelernt habe: vergleiche dich NICHT mit anderen, denn du kannst manche Dinge im Leben sowieso nicht ändern. Also warum andere beneiden um Dinge, die man nicht so haben kann oder darüber abläster. Manchmal tut das gut, zermürbt aber auch. Also: an eigenen Stärken denken, an das was man erreicht hat, was man selbst ist und hat.

      Dicke Umarmung – Bini

Vorhang auf für eure Worte...