Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Singt!

Ich habe weder gesungen, noch habe ich mich richtig lebendig oder richtig tot gefühlt, als ich diesen Lustkauf tätigte. Ich habe nicht mal intensiv den Klappentext gelesen, sondern die erste Seite und was soll ich sagen, das Buch hatte mich gleich. Meine Gemütslage und die Worte von Jesmyn Ward verstanden sich sofort – etwas negativ, etwas dunkel, düster und voller Ungewissheit. Ich nahm es einfach mit und lies mich zwischen die Seiten fallen.

Ich lese gern extrem, wie du weißt, die thematische Richtung bestimmt das Buch. Also rechnete ich gleich damit, mit den Protagonisten high zu sein und beschissene Situationen zu meistern und vielleicht sogar dabei umzukommen. In meinem Fall aber alles lesend, versteht sich. Doch zuerst habe ich mit Jojo und seinem Großvater Pop eine Ziege geschlachtet und gehäutet. Großmutter Mam liegt derweil in ihrem Krankenbett und muss sich dem Krebs geschlagen geben. Seine Mutter? Sein Vater? Fragt nicht, denn Jojo wächst nicht in einer behüteten Familie auf. Sein Vater Michael ist weiß, sitzt allerdings im Knast, genauer im stattlichen Zuchthaus namens „Parchment-Farm“. Seine Mutter Leonie ist schwarz, arbeitet in einer Bar und sie ist gern high. Ihr Bruder ist tot, doch wenn sie sich den Drogen widmet, erscheint er oft vor ihr. Jojo ist kein Einzelkind – Schwester Kayla isst gern und weint viel.

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