Sonntag, letzter Tag der Frankfurter Buchmesse.

Eigentlich wollten wir erst gar nicht zur Buchmesse, weil wir etwas über unsere Verhältnisse gelebt haben, doch als ich am Abend noch mal alles durchkalkulierte und da noch die Reserve von meinem Extra-Konto hab einfließen lassen, sagte ich zu Anita:

„Schatz, wir können doch zur Buchmesse, außerdem können wir ja Chrissie und Micha nicht alleine dahin lassen…“

Gesagt, getan, also Wecker gestellt, kaum gepennt und ab zur Buchmesse. Es war eigentlich ein Tag wie jeder andere.

Wir saßen in der Bahn und da ich als bekennender IT-Freak meinen Laptop fast immer mit dabei hab, haben wir in der Bahn die Zeit totgeschlagen mit Oceans 12 auf DVDJ.

Vor der Festhalle wurden wir von einem jungen, offensichtlich frierendem Mädel angequatscht, ob wir schon Tickets für die Messe haben und ob wir nicht die Bildzeitung kaufen wollen, denn da wäre ja nen Gutschein drin für 2 zum Preis von einem.

Joa, bei der knappen Kalkulation kam uns das gelegen und so hatten wir ja einen Eintritt, den wir für Futter verprassen konnten (es hört sich zwar so an, als würden wir am Hungertuch nagen, doch so ist es nicht, nur kostet ne Spülmaschine ja auch Geld und bei 14 Haustieren ist das Budget auch nicht mehr soo hoch).

Also die Bild kaufen, Gutschein rausruppen, ab zur Theke und erstmal nen Frühstück rein-schrauben.. dass die ganze Kiste nachher den kompletten Eintritt gekostet hat den wir durch den Gutschein gespart haben erwähne ich jetzt mal nicht 😮 Während wir so vor uns hinmampften kamen auch schon Chrissie und Micha angedackelt und da stellten wir fest: wenn wir tatsächlich daheim geblieben wären, müssten die Beiden alleine auf die Buchmesse, weil alle anderen, die mitkommen wollten kurzfristig abgesagt haben!! Epic Fail eben..!

Ich weiß nicht was mich geritten hat, aber das klang wie eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Kurz vorher hatten wir die beiden Süßen natürlich auch instruiert, dass sie sich die Bild auch holen sollen, sind ja immerhin 14€ die man da spart (sofern an des Geld nicht für ein überteuertes Frühstück ausgibt – ach das wollt  ich doch gar nicht gesagt haben^^)

Kaum Chrissie und Micha getroffen waren wir auch schon drin, ich freute mich auf Fachliteratur für Geeks. Doch ich hatte ein vorübergehendes Problem: Die Security!

„Shit!! Ich hab immer mein Taschenmesser im Rucksack! Jetzt biste reif!“, waren meine Gedanken und auch da – als wäre es in Stein gemeißelt – alle durften durch, nur ich nicht *grummel* woran das immer liegt, kann ich nicht sagen… ich bin mit meinen 1,94m doch gar nich sooo groß und auch ein Hüne kann lieb sein. Es muss einfach an meinem Shirt gelegen haben… das Motiv: Scarface, Tony Montana mit ner Maschinenpistole und auf dem Rücken steht dick in weiß RAGE und unten drunter der Name eines Hardcore-Labels „Offensive“

Und da musste ich auch schon den Rucksack öffnen und sagte ganz lieb guckend:“ Hey keine Sorge, ich hab nichts zu verbergen!“ „Haben Sie ein Messer dabei oder andere gefährliche Gegenstände?“ –ups, wieso fragt der so was?? Na als ehrliche Haut bleibt mir nichts anderes zu sagen als: „Öhhm kann sein…..“ *liebguck* „sollen wir des einmal zusammen eruieren?!“

Also brav alle Taschen des Rucksacks entblößt und den Menschen gezeigt, dass auch der Lappi ungefährlich ist. Ihr glaubt gar nicht wie entspannt ich auf einmal wurde, als das Taschenmesser nicht drin zu finden war (es lag tatsächlich daheim auf dem Tisch). Darauf folgend hab ich noch ein paar dumme Sprüche von meinen Liebsten geerntet und dann ging es weiter. Wie gesagt, ich war ja auf der Suche nach Fachliteratur und fand nichts dergleichen, aber die Enttäuschung hielt sich in Grenzen, denn irgendwie hatte ich das bereits vermutet.

In der Comic-Halle angelangt haben wir uns gedacht: „Ok, systematisch hier durch und checken was die Messe zu bieten hat!“

Direkt am Anfang der  Halle fanden wir Kochbücher, meine Güte und was für Preise, da bin ich direkt aus allen Wolken gefallen und mir war klar, dass ich vorerst bei meiner experimentellen Küche bleiben muss und werde (schmeckt ja auch gut und ist immer anders).

Auf der anderen Seite wurden wir von einem Kaninchenbuch wie magisch angezogen, dass heißt Anita wurde angezogen, ich hab in dem gemischten Bücherwusel versucht was über Insektivoren zu finden, kaum die nächste Enttäuschung, verpackt drehte ich mich um und hörte wie Anita meinte:

„Schatz, das Buch ist total scheisse!
Die schreiben da Humbug von Heu als Grundnahrungsmittel und jaaaa nicht zu viel Grünzeugs und so….!“

Super so ein Buch! Wie sollen Menschen kapieren, dass ein Kaninchen Grünzeugs braucht und Heu nur als Zugabe gefüttert wird? Wann wird da mal nen Umdenken stattfinden?

Solange Kaninchen in Käfigen gehalten werden und in solchen Büchern so viel Unsinn verbreitet wird, so lange werden wir wohl Aufklärungsarbeit leisten und Kaninchen retten müssen…

Kaum diese Gedanken zum Ende gebracht stand Anita schon da und schwäbelte mit zwei schwäbischen Züchtern. Nein keine Angst, wir haben bei unseren 14 Tieren zwar 12 Kaninchen, aber wir sind ja keine Tierschützer mit Hammer und Keule. Wir haben auch nichts gegen Züchter, so lange sie ihr Hobby mit Vernunft betreiben und keine wilden Kinderzimmervermehrungen starten. „Liebevolle Hobbyzucht“ nennen sie das dann.

Irgendwie wollte ich nur weg, aber das konnte ich ja meinem Schatz nicht antun, ich find so Gespräche immer mehr als müßig, weil man immer erst beweisen muss, dass man Plan hat und keineswegs militant ist… Aber da muss man als richtiger Schatz wohl durch Ja ok also aussitzen, bzw. ausstehen und ab und an mal was einwerfen, damit die Teilnahmslosigkeit keinem auffällt *lach* und dann war das auch irgendwann vorbei.

Und jetzt kommen wir auch langsam zu der Stelle wo Bini die Cam verschenken wollte…öhh verloren hatte…

Keine 10 Minuten nach der wunderbaren Unterhaltung, wir waren grad an so einer Trennwand vorbeigelaufen, meinte Anita zu mir: “Hey frag den Typen mit den Kartons da mal, ob der seine Kamera verloren hat!“ und spontan hielt sie mir eine Cam unter die Nase, die viel kompakter war, als des Teil was ich zu nutzen pflege. Es folgte ein klassischer Doubletake! Ich sah Anita an, sah die Cam an, wieder Anita, wieder die Cam und dann dem Typen mit den Kartons hinterher. Also ohne richtig gesehen zu haben was des für ne Cam ist, bin ich zu dem Menschen hin und in einer Kurzschluss-Reaktion frage ich ihn nicht ob er seine Cam verloren hat, sondern ob er eine dabei hat, woraufhin er auch mit „Nein“ antwortete und einen Gesichtsausdruck hatte der klar ausdrückte: „Wassn des fürn Vochel? Un wieso quakt der mich überhaupt an, sieht der nich, dass ich zu tun hab?“

Mission accomplished!

Ok also was tun? Behalten? Nee kommt gar nicht in Frage, allein die Bilder sind doch bestimmt mehr wert als die Cam selber (natürlich nur daran gemessen, dass man ideelle Werte nicht mit Geld aufwiegen kann). Darauf hin hab ich die Kamera aus der Hülse gefriemelt, eingeschaltet und gecheckt was des fürn Ding ist und wer sich da so auf den Pics befindet. Zum Glück hat die Kamera nen großes Display und 12MP, aber man konnte dennoch nicht erkennen was auf den Namensschildern stand.

Nach einigen Bildern wurde mir klar: „Bei so vielen Gesichtern musste ALLES ansehen, um raus zu finden wer der Besitzer ist.“ –  doch dazu hatte ich einfach nicht die Lust und ich wollte auch nicht zu sehr in der Privatsphäre andere Menschen schnuppern, wer weiß was da so an Bildmaterial zu finden ist *lach*

Also wild in der Gegend umgeschaut und niemanden gefunden der zu den Bildern passte, wie auch?!? – bei zig tausend Menschen die die Buchmesse besuchen..!

Nach ca.5 bis 7 Minuten haben wir das Feld geräumt und ich hab die Cam extra am Handgelenk getragen, in der Hoffnung, dass jemand das Ding erkennt und mich anspricht.

Zig Gedanken durchströmten unsere Köpfe…

Gedanken wie:

„Kacke!!! Wie soll´n wir je den Besitzer finden?“

„Gehen wir zum Fundbüro?“ „neee, Mensch denk doch mal nach… wir sind hier in FRANKFURT!!“ „Hier geht doch keiner zum Fundbüro!“

„Überleg doch mal, wenn du die Cam verloren hättest….“ – „Stimmt eigentlich…, die wär weg, kannste abschreiben!“

„Und wenn wir die Cam abgeben und es meldet sich der Besitzer nicht, dann hat irgendein Spaten das Ding, vertickt es bei Ebay und löscht die Bilder!“

„Naja wir gucken halt noch mal die Bilder an und evtl. fällt uns ja was auf!“

„Wenn wir schon Kaninchen retten, können wir auch ausnahmsweise mal ne Kamera retten, bzw sie ihrem Besitzer zurückbringen…“

Irgendwie hatte ich nichts von den Büchern, denn ich versuchte die ganze Zeit verzweifelt meine Größe auszunutzen, um jemanden zu finden, der auf den Bildern zu sehen war. Odyssee auf dem Messegelände.. Jap genau das war es – eine Odyssee! Da ich auch noch ADS habe, ist es für mich nicht wirklich leicht mir zu merken wen ich denn gesehen habe und dazu noch die hunderte Gesichter zu scannen und mit dem grad vergessen Bild abzugleichen, aber da sehe ich auch schon die „I Love Books“-Shirts von Arndt und Bini, kann ja keiner wissen, dass die beiden die Shirts nen Tag vorher angezogen hatten, aber ich hatte etwas Markantes gefunden, woran ich mich festhalten konnte und so ein dunkles Shirt hat schon direkt alle disqualifiziert, die bunt durch die heiligen Hallen tigerten.

Nach ca 1 std. Suchen haben wir den Treffpunkt mit Micha und Chrissie gehabt, denn wir trennten uns zuvor, damit jeder seinen Bereich abstromern kann und die beiden hatten noch weniger Interesse an dem Tierschützer-Züchter-Gespräch, als ich *grummel*. Allein gelassen haben die mich!! (So ne Frechheit)

Wir, also zu dem Zeitpunkt Anita und ich, saßen draußen in der Nähe von einem dieser Fast-Food-Stände.. es roch auch so, als wäre es fast Food (mir fällt grad auf, dass des geschrieben gar nicht so lustig wirkt, wie gesprochen.. *g* ), aber in dem ekeligen Dunst sitzend hab ich den Laptop ausgepackt und wir haben die Speicherkarte aus der Kamera in den Cardreader geschoben. DAS war der Moment, wo sich die 12MP für Bianca ausgezahlt haben.

Wir haben Lovelybooks lesen können und auch die Namensschilder.

Direkt hab ich den Surfstick angeheizt und wir starteten die Suche nach Bianca und Arndt.

Man sollte ja meinen, dass von den beiden irgendwie ne Handynummer zu finden ist oder eine Adresse, aber Nickes, stattdessen hab ich irgendwo angerufen, nur weil diese Menschen den gleichen Namen haben wie Bini.

Einmal hatte ich nen Kind dran was mir auch brav sagte, was ich wissen wollte, doch als ich dann zum Vergewissern nachfragte hieß es:“Warte! Ich geb dir mal meinen Papa“.

Super! Alles für die Katz, die Bianca war nich auf der Messe in Frankfurt und schwupps ging der Akku zuneige. Ihr glaubt gar net, wie viel Leistung so ein Film auf DVD frisst.

Von da an haben wir die Gewissheit gehabt, dass wir den Besitzer der Cam finden, denn wir hatten 2 Namen, wir hatten Lovelybooks und Twitter und Facebook – das sollte reichen.

Also ab zu Micha und Chrissie, denen die Story erzählt, nen Frühstücksbierchen nach all der Aufregung getrunken  und den Rest des Tages so schön gestaltet wie es eben nur möglich war – die Cam natürlich weiterhin am Handgelenk, denn man darf ja die Hoffnung nie verlieren.

Irgendwann mitten drin war der Menschen-Andrang so groß, dass es selbst mir schon unbehaglich wurde, aber damit nicht genug. Wir suchten uns einen Weg der über eine Sitzfläche führte, also nicht direkt über so Polster, aber eben doch über eine Art Mauer oder so was in der Halle, zwischen den Ständen. Die gleiche Idee hatten auch zwei Mädels, die eine spindeldürr, die andere recht adipös. Ich hab keine Ahnung was genau der Auslöser war, aber während die eine grazil über das Hindernis hüpfte, kam die Gewichtigere von den Beiden in Schräglage und fiel nach vorne über das ca 50cm hohe Hindernis- entweder ist sie auch saulangsam gefallen oder ich steckte in einem Timeshift und hab des in Zeitlupe passieren sehen….

ALLE, also wirklich ALLE standen da und schauten dumm rum, während ich der Einzige war, der zu ihr hin ist und ihr beim Aufstehen geholfen hat, aber von ihr kam auch kein Wort des Dankes, stattdessen wimmerte Sie Ihre Freundin an „mähhh was machst du auch mit mir?“ – als könnte die Freundin was dafür, dass die andere gestolpert ist. Aber wer Kaninchen und Kameras retten kann, der kann auch Menschen retten. Joa so lief der Tag eigentlich ab, der restliche Part auf der Buchmesse ist eigentlich uninteressant und bestand aus der Suche nach nicht vorhandener Literatur und dem Gedanken, dass die Kamera bald nach Hause finden wird.

Und dann passierte…

0 comments on “Ultimative beidseitige Rettung – Teil 2”

  1. Hier ist mal der Raily;-))

    Wenn ich diese Dialoge lese, dann weiß ich dass unser Hoffen auf ehrliche und technikbegabte Finder nicht vergebens war.

    Genau so haben wir spekuliert: „Wenn jemand schlau ist, dann nimmt er die Kamera mit und schaut zuhause genau nach – wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat….“

    Ich sag einfach aufrichtig und herzlich DANKE!

  2. Hey, nichts zu danken!

    Anita und ich wissen beide, wie bescheiden es ist etwas zu verlieren, was einem viel bedeutet.
    der finanzielle Wert wird niemals den ideellen Wert erreichen geschweige denn übertreffen.
    Am Ende dachten wir uns, dass das Schicksal gewesen sein muss. Irgendeine höhere Macht wollte wohl, dass der Kontakt zu Bini intensiver wird, als nur ein „Was Ihr habt meine Cam gefunden? Tausend Dank“ (und schwupps ab nach Hause und man ward nie wieder gesehen)

    Wie ich bereits in Teil 2 ungefähr schrieb: Wer Kaninchen retten kann, der kann auch andere Dinge und Menschen retten 🙂

  3. Oh wie schön… da ist ja auch der zweite Teil… *freu*

    Ich les das immer wieder gern… die Geschichte ist so schön verrückt!

    Und da gibt es nichts zu danken… Retter bleibt Retter… ;o)

    LG Anita

  4. Danke an Björn und Anita von der Kaninchenrettung und Kamerarettung – ihr seid das BESTE Rettungsteam, was es gibt !!!

    Ich grinse auch noch Orca und Claudi – die Geschichte ist noch nicht zuende…es gibt noch was zu sagen ;o)

    DANKE – WIR ;o)

  5. Also wisst ihr Leute, das ist ja jetzt gemein, anheizen und dann Fortsetzung folgt :-)). Nein im Ernst, ich finde das toll, dass Menschen sich dafür einsetzen, dass andere Verlorenes zurück bekommen. Nicht immer ist der Materielle Wert entscheidend, sondern der ideelle zählt in den meisten Fällen so viel mehr. Das sollte nicht nur Anerkennung finden, sondern auch zum Nachahmen anregen.

    Herzliche Grüße
    Gitta

  6. liebe gitta, das problem bei der story ist die mehrgleisigkeit 🙂
    ich würde dir ja liebend gerne weiterschreiben, was passiert ist, aber das ist jetzt binis part 🙂
    ich kann bei weitem nicht so gut beschreiben, was in ihr vorging, ich kann das ganze nur immer aus meiner perspektive erzählen…..^^

    also hab ein wenig geduld

    ach und danke für die blumen übeigens noch… des is meine erste selber erlebte UND geschriebene story 😉

Vorhang auf für eure Worte...