In München unterwegs: Deutsches Museum – Verkehrsmuseum, Theresienhöhe

Der Jakobsweg in Büchern. Lesend gehen, gehend lesen und alles so erleben, als wäre man selbst auf dem Weg. Leseblasen laufen, entschleunigt lesen und nicht immer den Versuch unternehmen, irgendwann oder irgendwo anzukommen. Lebenslang pilgerlesen – lesepilgern. Geht das?

Dieser Frage möchten wir uns bei Literatwo widmen und versuchen, einzelne Etappen des Leseweges literarisch zu hinterlegen. Bücher vorzustellen, die sich mit dem Weg der Wege beschäftigen und vermitteln, wie sehr die Literatur den Jakobsweg beeinflusst hat. Beginnend mit der Heiligen Bibel und noch nicht endend mit Reiseerzählungen unserer prominenten Zeitgenossen.

Entschleunigen und genießen…

Wie passend, dass genau zu diesem Zeitpunkt die Ausstellung „Unterwegs fürs Seelenheil“ in München ihre Pforten geöffnet hat. Die Tradition des Pilgerns, über die Grenzen der Weltreligionen hinweg, steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Visualisiert und multimedial sehr ansprechend aufbereitet vermittelt diese Sonderausstellung des Deutschen Museums – im Verkehrsmuseum, Theresienhöhe 14, einen sehr guten Überblick über die lange Geschichte dieser Wege, die Motivationen der Pilger und die religiösen Fundamente, auf denen diese „Selbstreinigungsreisen“ basieren.

Templer am Wegesrand
Literatwo unterwegs…

Die Bedeutung des Jakobsweges lässt sich leicht in Zahlen fassen. Allein im Mittelalter sind nachweislich 10 – 15 Millionen Menschen nach Santiago de Compostela gepilgert. Dies entspricht fast einem Viertel der Gesamtpopulation Europas in diesem Zeitfenster. Der Europa-Rat bezeichnet den Weg deshalb als „die größte Massenbewegung des Mittelalters“. Gründe hierfür waren die von der Kirche in Aussicht gestellte Absolution, die lang ersehnte Flucht aus den engen Gefängnissen der Leibeigenschaft, der Ruf des Abenteuers, die durch überlieferte Wunder genährte Hoffnung auf Heilung und nicht zuletzt die Option für geständige Verbrecher, dem Strang zu entgehen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes, indem man die unzähligen Kilometer zum Grab des Heiligen Jakobus zu Fuß absolvierte.

Der Weg verlor in Folge der Kirchenkrise zum Zeitpunkt der Reformation und anschließend durch die Aufklärungsbewegung in Europa immer mehr an Bedeutung und die Pilgerzahlen sanken beharrlich, bis am Ende des 19. Jahrhunderts nur noch vereinzelte Hardcore-Pilger sich mit Machete und Messer den Weg durch Spanien bahnten.

Kontemplatives Erlebnis… oder postmoderner Hype

Die Renaissance des Jakoswegs im 21. Jahrhundert steht zweifellos in engem Zusammenhang mit der Literatur und den publizierten Reiseerlebnissen von Schriftstellern, Schauspielern und anderen prominenten Persönlichkeiten, die dem Sternenweg eine neue Exklusivität verliehen. Und eben dies wollte geteilt werden, man wollte nachempfinden und fühlen. Immer nach dem Motto: „Wenn der das schafft…“ Der traditionelle Pilgerweg wurde zum Teil verdrängt von dem Wunsch, auf den Spuren Shirley MacLaines „spiritueller Reise“ zu wandeln. Letzter Höhepunkt dieses Hypes war die Initialzündung Jakobsweg durch Hape Kerkeling, dessen Ruf „Ich bin dann mal weg“ mehr Pilger folgten, als den Predigten des Heiligen Stuhls.

Heiliges Wasser…

Diese Verbindung zwischen Buch und Weg hat mich seit Anfang des Jahres 2000 fasziniert und ich bin meinen eigenen kleinen Leseweg in vielen Reisebeschreibungen, Romanen, Biographien und Reiseführern gegangen. Zeile für Zeile, bildgewaltig und manchmal tief bewegt, oft aber auch brüllend vor Lachen. Meine Bibliothek zum Jakobsweg steht prall gefüllt neben mir und viele Bücher erzählen mehr als es auf den ersten Blick scheint. So viele Flaschen heiligen Wassers, wie ich in der Ausstellung schweigend bestaunen konnte, so viele Bücher haben mir Erlebnisse eingeflüstert und Bildersamen in mein Herz gepflanzt. Diese Saat geht auf und führt im ersten Schritt dazu, dass dieses Projekt bei Literatwo ins Leben gerufen wurde.

Die ewige Suche….

Wenn Ihr mögt, dann folgt unserem Weg der Bücher, lasst Euch inspirieren oder inspiriert uns, indem Ihr Eure Kommentare zu unverzichtbaren Wegweisern für uns macht. Folgt uns und lasst Euch selbst folgen. Werdet zu unseren „Gelben Pfeilen“, den berühmten „Flecha Amarilla“, die den Weg nach Santiago weisen und genießt ein wenig die Leichtigkeit des Weges in der Literatur bei Literatwo.

0 comments on “Unterwegs fürs Seelenheil !? – Besuch einer Ausstellung”

  1. Ich werde mich die nächste Woche mal ein bißchen auch die Jakobswege in Mitelfranken begeben – sozusagen die Zubringer zu den großen Wegen . Dazu werde ich mich mit dem Buch Jakobswege in Mittelfranken vom ars vivendi verlag, Cadolzburg ausstatten. Geschrieben hat das Buch Heiko Thies, ein Fotograf, der mit Frau, zwei kleinen Kindern und zwei Pferden in der Nähe von Nürnberg aufbrach und bis nach Santiiago de Compostela gelaufen ist. Falls ihr die Möglichkeit habt, einen Vortrag darüber von ihm zu hören – geht hin. Das ist super toll!
    Noch ein Tipp:
    Abenteuer Jacobsweg
    Mit Kind und Pferd quer durch Europa

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