Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Der Junge auf dem Berg ~ John Boyne

Junge
Der Junge auf dem Berg ~ John Boyne

Schon das Wort „Junge“ von Boynes Neuling lässt erahnen, dass wir Gegen das Vergessen lesen und das es gut wird und emotional. Denn ein Boyne ist ein Boyne ist ein Boyne – richtig? Wir kennen ihn (hoffentlich) alle, den Jungen im gestreiften Pyjama. Eine bewegende Geschichte die nicht nur eine Geschichte ist und kein Leserauge trocken gelassen hat. Ich war ergriffen und habe geweint.

Nun machte ich mich also bereit für den Jungen auf den Berg und das dieser Berg kein ganz normaler ist, ist logisch. Es handelt sich hier um den Obersalzberg. Richtig, um Hitlers Feriendomizil, ein Haus, der Berghof. Allerdings lernen wir den Jungen Pierrot Webers nicht als deutschen Jungen, sondern als Franzosen kennen. Er lebt recht behütet mit seinen Vater (vom ersten Weltkrieg psychisch gezeichnet) und seiner Mutter. Kurze Zeit später verliert er beide Eltern und kommt in ein Waisenhaus. Pierrot wäre lieber zu seinem besten Freund gezogen. Er und Anshel Bronstein sind beste Freunde, haben geheime Zeichen und dort hätte er bei seinem Hund sein können. Doch Anshel ist Jude und der zweite Weltkrieg ist im Anmarsch.

Seine Tante Beatrix holt ihn aber bald zu sich. Die Tante, zu der er bisher keinen Kontakt hatte, kein Kontakt zu Stande kam, nicht kommen konnte. Beatrix ist Angestellte auf dem Berghof und genau dort wohnt jetzt auch der französische Pierrot Webers, der schnell zum Deutschen Peter Weber wird. Peter ist jung und naiv und Hitler ist beeindruckend, mächtig und eine Art Vaterfigur für ihn. Peter möchte eine Uniform und keine Briefe mehr von seinem besten Freund Anshel. Er möchte eine hübsche Frau und während Peter auf dem Berghof immer deutscher und deutsche wird, bereut seine Tante, ihn dahin geholt zu haben…

Er solle nie so tun, als hätte er nicht gewusst, was vor sich ging; so eine Lüge wäre das schlimmste Verbrechen überhaupt. (Seite 313)

Junge
Der Junge auf dem Berg ~ John Boyne

Das klingt doch alles sehr nach unserem John Boyne, wie wir ihn kennen. Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, auch wenn ich ahnte, dass ich schwer schlucken werden würde. Bevor ich ins Jahr 1936 zurück reiste, schaute ich mir die Bilder an, welche nach dem eindringlichen Vorwort von John Boyne und dem Interview mit ihm zu finden sind. Ein schöner und wichtiger Zusatz zum Roman.

Die ersten Seiten verschlang ich regelrecht, dann gab es einen zähen Teil und ich schüttelte immer wieder den Kopf, aber dann ging es rasant weiter und John Boyne fesselte mich. Hauptprotagonist Pierrot schaffte es dennoch nicht, mein Herz zu erobern. Er blieb blass, vor allem ohne jegliche Gefühle und einfach naiv. Stellenweise kam er unglaubwürdig rüber. Doch ich unterstelle dem Autor hier Absicht, denn trotz der unschönen Kindheit, hat er sich zu einem manipuliertem Menschen entwickelt, mit dem man kein Mitleid haben darf. Es sei denn, man denkt wie er, man denkt wie Hitler. Doch auch bis zum Ende wurde ich trotz einschneidender und schockierender Situationen nicht so emotional, wie ich es erwartet hätte.

Gemeinsam mit Nanni von Fantasie und Träumerei habe ich mich zwischen die Seiten begeben. Wir haben uns intensiv über den Roman ausgetauscht und sind beide zu der Meinung gekommen, dass Boyne geschichtlich gut aufklärt, uns aber nicht so emotional abgeholt hat, wie sonst. Lieber John Boyne, auch wenn du das nicht lesen magst, es ist leider so und wir grübeln noch ein wenig, warum…

A B E R – „Der Junge auf dem Berg“ (FISCHER) ist ein weiterer wichtiger Roman, der uns wach rüttelt, die Augen offen lassen hält und für Gegen das Vergessen steht.

Eure
Junge

Warten auf Gonzo

Warten auf Gonzo ~ David Cousins

Gibt es auf Doc Martens wirklich lebenslange Garantie? Die Frage kann ich euch nicht beantworten, aber ich kann euch garantieren, dass ihr mit diesem Roman eure Freude haben werdet. Außderdem kann ich euch sagen, dass die Docs auf dem Bild Meg, Marcus Schwester, gehören und das die Familie raus aus der Stadt, aufs Kaff gezogen ist. Marcus wäre lieber in der Nähe Londons geblieben, denn dann hätte er sich das hier alles erspart. Er muss logischerweise in eine neue Schule und dort macht er sich gleich am ersten Tag mehr oder weniger zur Feile.

Bedeutet, dass er sich schön blamiert, aber auch gleich von seiner frechen Seite zeigt, in dem er ein Foto am Schwarzen Brett verschönert. Das hätte er sich mal besser überlegen sollen, denn ab sofort hat er Schulpsycho Isobel Skinner im Nacken. Sein Spitzname ist eigentlich Oz, dank einer blöden Situation wird er zu Slips, aber wisst ihr was? Das stört Marcus nicht wirklich, denn er steht da voll drüber und macht sich keine weiteren Gedanken über den ersten Schultag. Ihn nervt es an, dass er im Niemandsland gestrandet ist und der Handyempfang zu seinen zurückgelassenen Freunden nicht stabil ist. Dann passiert ihm auch noch die Sache mit dem Hund und das Auto von der Mutter geht kaputt. Doch noch viel interessanter ist die SMS, die er auf dem Telefon seiner Schwester findet. Ist sie wirklich schwanger?

Warten auf Gonzo ~ David Cousins

Was bin ich von diesem Roman begeistert. Dave Cousins hat einen wundervollen Jugendroman aus Sicht eines männlichen Protagonisten geschrieben, in dem die Familie im Vordergrund steht. Es macht so viel Spaß an seiner Seite zu sein, denn er ist so herrlich abgebrüht, anderseits naiv und doch handelt er so spontan drauf los, ohne tiefgründig über eventuelle Folgen nachzudenken. Das macht ihn so liebenswert. Und er redet mit G, mit Gonzo. Wer das ist, solltet ihr dringend selbst herausfinden.

Doch nicht nur Markus ist ein Protagonist, der in Erinnerung bleibt. Seine Schwester Meg, nein seine ganze Familie ist einmalig und muss so einige Lebenshürden gemeinsam überspringen. Sie sind einfach herrlich, was keinesfalls mit oberflächlich gleichgesetzt werden darf. Wichtige Fragen kommen nicht nur innerhalb der Familie auf. Auch Freund Ryan, der sich gern als Hobbit verkleidet, bringt sich ins Geschehen mit ein.

Nicht nur sprachlich ist der Roman mehr als authentisch, auch vom Aufbau her, versprüht er jugendliche Andersartigkeit, so will ich es nennen. Ihr findet 40 knackige Kapitel und vor jedem Kapitel findet ihr ein bedeutendes Zitat daraus. Super gemacht! Ihr werdet euren Spaß haben und sogar mitfiebern. Die Überraschung folgt dann am Ende.

Ach, wisst ihr was? Der Roman vom Verlag Freies Geistesleben ist nominiert, was für mich nicht verwunderlich ist -> Deutscher Jugendliteratur Preis 2017 

Wenn ihr immer noch nicht überzeugt seid, was ich nicht glauben kann -> lest mal rein!

Eure
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[Eins] Zwei Schwestern. Ein Körper.

Eins ~ Sarah Crossan

Eins.

Wir sind eins. Wir sind Tippi und Grace. Wir sind Freaks. Uns glotzen die Leute an und vor allem grübeln die Leute über uns. Das stört uns am meisten. Wir sind Ischiopagus Tripus-Typ – zwei Köpfe, zwei Herzen.

In etwa so haben sich mir die Zwillingsschwestern vorgestellt. Und zurecht kann ich sagen, dass dieses Buch der absolute Wahnsinn ist. Es ist eine Perle der Jugendliteratur und aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass das Buch für den deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert ist. Und nein, es ist aus meiner Sicht kein sogenanntes „Problembuch“, es ist mehr als lesenswert, es ist lustig, es ist wichtig, es ist verdammt cool und ja klar, es ist auch traurig, aber das darf es.

Aber lasst mich doch ein wenig mehr über die Schwestern erzählen und vor allem über die Aufmachung des Buches – die ist nämlich genauso andersartig und einmalig wie die Schwestern selbst. Wusstet ihr überhaupt schon, dass der Verlag Mixtvision so grandiose Literatur auf Lager hat? Ich gestehe, dass ich mir dessen bewusst war, allerdings nur im Bereich der Bilderbücher. Sehr schwach von mir, aber nun habe ich gelernt und ihr auch. 😉

Kein Problembuch

Als ich das Buch öffnete, habe ich mich kurz erschrocken, denn es sieht überhaupt nicht aus, wie ein Roman eigentlich aussieht. Die ersten Seiten sind schmal beschrieben, nur das Wort, der Monat „August“ begrüßt uns auf der ersten Seite. Auf der nächsten finden wir ein Kapitel, welches mit „Schwestern“ überschrieben ist und wie ein kurzes Gedicht aussieht. Und so geht es weiter. Kurze aber kräftige Kapitel die wie Gedichte aussehen, linksbündig angeordnet sind. Schnell hat man sich daran gewöhnt und in diese „Kapitelart“ verliebt. Schon vor dem ersten Öffnen besticht der klare und feste Umschlag. Macht man ihn ab, trennt man die Schwestern. Bewegend, anders, Gänsehaut.

Eins ~ Sarah Crossan

Ich denke, es geht euch ähnlich wir mir und ihr habt bisher auch noch nicht die Erfahrung gemacht, wie es ist, mit einem anderen Menschen im gleichen Körper zu stecken. Es ist nicht so einfach, wie in einem Körper, klar, aber es geht und die Schwestern Grace und Tippi leben sonst so wie wir auch. Sie lachen, sie lieben, sie haben die ganz normalen Probleme, wie alle anderen Jugendlichen auch, sie testen sich gern aus und genießen so gut es geht.

Eine Schwester hilft der anderen und es ist überhaupt ein Glück, dass beide am Leben sind. Doch von Tag zu Tag wird es schwieriger, so zu leben. Die Schwestern müssen über eine Trennung der Körper nachdenken, wenn beide bei Gesundheit bleiben wollen. Eltern, Freunde und natürlich Grace und Tippi werden auf eine harte Lebensprobe gestellt. Es bedarf großen Mut…

Berührend – andersartig – einfach groß!

Was für ein berührendes und andersartiges Buch. Es hat mehr als 415 Seiten, aber wisst ihr was? Ich habe es komplett hintereinander gelesen. Durch die wirklich schmal bedruckten Seiten, kann man nicht aufhören. Und nein, man hätte es nicht enger und somit nur auf 200 Seiten drucken können – glaubt mir. Es muss so sein, wie es ist und derzeit ist es das wohl beeindruckendste Jugendbuch, was ich gelesen habe. Beeindruckend, wirklich beeindruckend und ja, ich habe am Ende so verdammt geweint und das muss so und das darf ich hier auch sagen. Warum, solltet ihr dringend selbst herausfinden.

Ihr werdet eine fantastische Zeit mit den Zwillingen verbringen, das verspreche ich euch! Werdet EINS.

Eure
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Fangirl ~ Rainbow Rowell

Fangirl ~ Rainbow Rowell

Es gibt keinen WOW-Effekt, aber es liest sich richtig entspannt und schnell in Caths Leben. Ich habe mich sehr wohl und gut unterhalten gefühlt, obwohl ich mit Fanfiction nicht wirklich viel anfangen kann.

Als mir vom neuen Roman „Fangirl“ (Hanser) vorgeschwärmt wurde, hat sich die Vorfreude auch gleich eingestellt. Logisch, denn „Eleanor & Park“ habe ich geliebt. Das sich Autorin Rainbow Rowell damit die Messlatte gut hochgesteckt hat, ist ja nicht unser Leser-Problem. Der Roman wird völlig anders, so viel war im Vorfeld klar, zumal ich die zwei Bücher, die zusammen gehören, aber einzeln ebenso vollwertig sind, zusammen bekam.

Wie jetzt? Fangirl ist doch ein Roman, warum jetzt zwei?

Ganz einfach – Fangirl handelt von Cath, sie beginnt gerade ihr Studium und verlässt ihr Elternhaus gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Wren. Sie schreibt für ihr Leben gern und zwar Fanfiction. Bitte was? Genau, Cath liebt die Bücher von Autorin Gemma T. Leslie und erzählt die Abenteuer von Simons Snow gerne weiter. Sie ist vernarrt in diese fantastische Welt und könnte ohne Pause die Seiten im Internet für ihre Fangemeinde füllen. Ihre Geschichten sind grandios und sie hat unzählige Fans die es nicht gerade mögen, wenn sie mehrere Tage lang keine neuen Snow-Geschichten auf dem Blog finden. Während Cath schreibt, blüht sie auf und verdrängt anfangs recht bewusst, dass bald der letzte und achte Teil der Snow-Serie erscheint…

Fanfiction – Simon Snow

Na, macht es Klick? Genau – es gibt einen zweiten Roman, in dem es nur um Simon Snow und seine Abenteuer geht. Er trägt den Namen „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ (dtv) und das Cover vom Buch findet sich als Poster auf dem Cover von „Fangirl“ wieder. Das ist doch mal ein geschickter Schachzug für uns Leser von Autorin und Verlag. Echt genial und wir können entscheiden, ob wir nur Zeit mit dem Magier Snow verbringen wollen oder nur in der realen Welt mit Cath und ihrer Fanfiction-Liebe. Oder ob wir das volle Programm wollen. Ich habe mit Fangirl begonnen und erzähle euch noch ein wenig mehr über das Buch.

Fangirl ~ Rainbow Rowell

Da ich nicht der Fantasy-Fan bin, habe ich mir gedacht, dass ich zuerst mit Cath ein wenig Zeit verbringe und mir mal anschaue, wie sie ihre Liebe zu Simon Snow zelebriert. Hier finden sich wohl alle Harry-Potter-Fans wieder – ihr könnt den Hype sicher richtig gut nachvollziehen und wie schlimm es ist, wenn eine Serie endet…

Als Autorin hat man es nicht einfach, vor allem dann nicht, wenn man neben diesem zeitaufwendigen Hobby ein Studium beginnt. Klingt bis hier hin noch harmlos, aber Cath muss aus ihrem Elternhaus in ein College-Zimmer ziehen. Das wollte sie gern mit Wren, ihrer Zwillingsschwester teilen, doch die hat ganz andere Anwandlungen und wendet sich ab. Alles ist neu und anders und Cath ist einsam. Natürlich lassen die männlichen Studenten nicht lange auf sich warten. Gleich am Einzugstag begegnet sie Levi und auch ihrer verrückten Mitbewohnerin Reagan. Für Cath beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt und wir dürfen sie begleiten.

„Fangirl“ hat mich keinesfalls umgehauen, aber ich habe mich zwischen den Seiten sehr wohl gefühlt. Die Charaktere sind typisch Rowell und einfach liebenswert. Es fühlt sich gut an, an deren Seite zu sein. Ob Levi, Cath, Wren oder Reagan – alle vier Protagonisten sind vielseitig und für Überraschungen gut. Über 450 Seiten nehmen wir an Caths Leben teil. Wir erfahren die erste Liebe mit Enttäuschungen, eine Zwillingsschwester die sich völlig verändert, ein unvollständiges Elternhaus und besagte Fanfiction.

Rainbow Rowell versteht es zu unterhalten, auch wenn sie stellenweise knapper, dafür an anderen Stellen aber tiefgründiger hätte sein können. Meckern möchte ich aber nicht, denn ich habe eine neue Art Roman kennengelernt und nun finde ich heraus, ob ich in die magische Welt des Snow einsteigen mag…

Eure
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The Hate U Give

The Hate U Give ~ Angie Thomas

Auch bei mir erscheint in sämtlichen sozialen Kanälen dieser Titel, ein regelrechter Hype. Bist du dem Buch auch schon begegnet oder siehst du es hier zum ersten Mal?

Nun bin ich ein paar Tage um den Titel herum gestiegen und habe nur positive Stimmen gehört. Letztendlich habe ich nun selbst herauslesen wollen, ob der Hype berechtigt ist oder nicht, zumindest aus meiner Sicht. Wollt ihr es gleich wissen? Also gut – „The Hate U Give“ (cbt) ist ein wahnsinnig wichtiges Buch. Ich habe die 500 Seiten in zwei Tagen verschlungen, mich kaum gelangweilt und mich schnell in die Welt des schwarzen Mädchens namens Starr hineinversetzen können. Ihr solltet es lesen, aber aus meiner Sicht ist der Hype etwas übertrieben.

Angie Thomas nimmt uns mit in die zwei Welten von Starr. Sie wohnt in einem Ghetto, in dem Gewalt herrscht und mit Drogen gedealt wird, ihre Freunde sind schwarz. Sie geht in einem sozial höhergestelltem Viertel in die Schule, in der sie fast das einzige schwarze Mädchen ist, ihre Freundinnen sind weiß. Starr lebt in zwei Welten mit zwei Hautfarben und sie möchte nicht, dass die schwarze Welt und die weiße Welt miteinander Bekanntschaft machen.

black & white

Eine Party sollte fröhlich in Erinnerung bleiben, doch die letzte Feier hat die 16-Jährige traumatisiert. Erst gab es eine Schießerei zwischen den Feiernden und als sie von ihrem besten Freund Khalil nach Hause gefahren wird, stirbt er vor ihren Augen. Bei einer normalen Polizeikontrolle wird Khalil erschossen – von einem weißen Polizisten. Und die Waffe wird auch auf sie gerichtet…

Die Worte reichen schon, um in uns Leser (Hautfarbe egal) ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen. Aus diesem wird schnell Wut, Traurigkeit und letztendlich möchte man Gerechtigkeit. So geht es auch Starr und sie möchte für Khalil und gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen. Eine Aussage bei der Polizei soll helfen. Trotz Starrs Worten wird der weiße Polizist nicht angeklagt…

„Es ist cool, schwarz zu sein, bis es schwer wird, schwarz zu sein.“ (Seite 18)

The Hate U Give ~ Angie Thomas

„Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief.“ (Seite 180)

Ja, ihr habt beim Lesen Schmerzen, denn die Ungerechtigkeit, welche Starr erfahren muss, tut verdammt weh. Aber genau diese Ungerechtigkeit, diese Unterschiede – Rassen-Gesellschaft – möchte Autorin Angie Thomas aufzeigen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dieses Thema immer und immer wieder aufzugreifen. Wir sind ALLE Menschen, egal woher wir stammen, wie wir aussehen und wie wir leben.

no to racism

Khalil war unschuldig. Khalil ist tot. Wir sind Menschen und machen Fehler und bei ihrer ersten Aussage vergisst Starr ein paar Einzelheiten zu berichten. Sie ist aufgeregt, sie ist traurig, sie ist schockiert. Dennoch wird entschieden, dass den Polizisten keine Schuld trifft. WARUM? Dieses Warum lässt uns immer schneller lesen. Wir wollen den Grund wissen. Doch neben dieser Frage geht das Leben in dem Viertel in dem Starr lebt weiter. Drogenbosse fühlen sich verraten, die Aggressionen brodeln und weiße Freundinnen zeigen ihr wahres Gesicht, als sie erfahren, woher Starr stammt und wer sie ist.

Angie Thomas schreibt leicht, die Schrift im Buch ist recht groß und der Roman ist gut, in fünf Teile (Als es passiert; Fünf Wochen später; Acht Wochen später; Zehn Wochen später; Dreizehn Wochen später), strukturiert. Ich habe mich durch den Schreibstil schnell in die Welt von Starr einfinden können und mich sogar selbst schwarz gefühlt. Verstärkt hat dieses Gefühl der Slang, die amerikanischen Begriffe, welche einfach passen und gut verständlich sind (am Ende gibt es dennoch ein Glossar). Das Cover ist so stimmig wie der Inhalt – weiß/rot wie Blut/schwarz.

Was in dem Buch passiert, ist erschreckend real und nicht nur in den USA herrscht große Polizeigewalt. Es ist real, dass wir schneller anklagen, als aussprechen zu lassen und Hintergründe vermittelt zu bekommen. „The Hate U Give“ ist real und sollte gelesen werden.

Für mich ist „The Hate U Give“ ein verdammt wichtiges Buch, keine Frage. Lest es und nehmt vor allem die Botschaft mit – NO TO RACISM!

Eure
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Paule Pinguin

Paule Pinguin am Pol ~ Jory John & Lane Smith

Paule Pinguin ist mit dem falschen Watschelfuß aufgestanden. Kennt ihr das von euch auch? Manchmal ist doch einfach alles doof, egal wohin man sieht. Ja, so denkt auch der kleine Pinguin, denn er ärgert sich über alles, er ist unzufrieden und alleine. Gleich schon als er die Augen öffnet, ist der Tag schon verloren, denn „es ist viel zu früh am Morgen“. Außerdem „Mir friert der Schnabel“ und „Es ist viel zu hell hier draußen.“

So geht Paules Tag weiter und der wird einfach nicht besser. Paule hat an allem was auszusetzen. Nicht nur an sich selbst, auch an den anderen Pinguinen und an seiner Lebensumgebung erst recht. Zum Glück gibt es da ein Walross, was sich Paule schnappt und ihm die Augen der Welt öffnet…

Ganz liebevoll verpackt, habe ich das Bilderbuch vom Verlag Carlsen gesendet bekommen. Passend im Pinguin-Geschenkpapier und auch ein Poster lag dabei. Gemeinsam mit meiner Mama habe ich das Buch ausgepackt und ich habe dieses „unboxing“ gleich genutzt, um die Videofunktion bei Instagram zu testen. Ihr konntet in meiner Story also den ganzen Auspackverlauf verfolgen. Die Videos würden hier im Artikel den Rahmen sprengen, ein kleines Video bekommt ihr dennoch – ich traue mich jetzt einfach mal 😉 Ihr dürft gern lachen und ihr müsst keine Angst haben, dass hier bald mehr Videos folgen.

Paule Pinguin

Einen kleinen Blick konntet ihr jetzt ins Buch werfen. Viel mehr möchte ich euch eigentlich nicht zeigen, denn das Bilderbuch solltet ihr selbst entdecken. Die Worte von Jory John passen so gut zu den schlichten Illustrationen von Lane Smith. Ich mag den Paule Pinguin sehr, das Buch lohnt sich wirklich. Schon alleine das Cover ist herrlich. Und stellt euch vor, der olle Aufkleber geht sogar vom Cover ab (DANKE!), so dass wir alle Pinguine ansehen können.

Nicht nur für die kleinen Trotzkopfkids ist dieses Buch zu empfehlen, auch für große Trotzkopfkinder. 😉  Die Welt ist so schön und Paule lässt uns durch seine Art wirklich schmunzeln, gleichzeitig aber auch über das Leben nachdenken. Zu jedem Bild kann viel erklärt, verglichen und auf Geschichten aus dem eigenen Leben zurück gegriffen werden.

Paule Pinguin am Pol ~ Jory John & Lane Smith

Zum Buch hat sich der Verlag noch eine Aktion ausgedacht, bei der wir alle mitmachen können. Wir sollen Paule überzeugen, warum das Leben herrlich ist. Ich überzeuge ihn so:

„Paule Pinguin, glaub´mir, das Leben ist schön, weil das Leben bunt ist, wahnsinnig viel zu bieten hat und wir aus jedem Tag unser persönliches Abenteuer machen können.“

Paule Pinguin ist ein wirklich niedliches Bilderbuch. Leider bekommt der kleine Paule am Ende einen kleinen „Rückfall ins Negative“, was für uns großen Leser lustig ist und lustig verpackt werden kann – für kleine Leser ist die Stelle allerdings schwer verständlich und auch für uns Vorleser schwer zu erklären. Auf diese hätte verzichtet werden sollen…

Eure
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Schicksalsbringer & Gewinnspiel

Schicksalsbringer ~ Stefanie Hasse

Schicksalsbringerin Stefanie Hasse hat sich dem literatwoischen Interview-Akrostichon gestellt und meine Fragen beantwortet. Ich habe viel aus ihren Antworten gelernt und wünsche euch nun beim Lesen viel Freude. Ihr könnt ihr Buch gewinnen, in dem ihr die Frage von Stefanie am Ende des Akrostichon beantwortet. Natürlich lege ich euch das kleine Schicksalsbringersäckchen und die Münze bei.

Viel Freude und Erfolg. 😉

 

eben ist: Schicksal oder Bestimmung?

Auch wenn man vieles gern auf Schicksal und/oder Bestimmung schiebt oder es als Ausrede benutzt, bin ich ganz fest der Meinung, dass man für alles selbst verantwortlich ist und „erntet, was man sät“.

 

n welcher Stimmung bist du literarisch am Produktivsten?

Gut ausgeschlafen und früh am Morgen 😀 Da ist meine Stimmung dann immer eher euphorisch und ich strotze vor Energie (die dann im Laufe des Tages immer weiter abnimmt). Bin ich mal nicht in der richtigen Stimmung für eine bestimmte Szene, hilft mir Musik dabei, mich darauf einzustellen.

 

itel sind oft für den ersten Eindruck mitverantwortlich und Wegweiser. Ist „Schicksalsbringer“ dein Wunschtitel und auch der Zusatz „Ich bin deine Bestimmung“?

Mein Arbeitstitel war „Wheel of Fortune“, was aus verschiedenen Gründen jedoch nicht übernommen werden konnte. Ich musste mich hier also überraschen lassen. Mit „Schicksalsbringer“, „Schicksalsjäger“ (Band 2) und dem Reihentitel „Ich bin deine Bestimmung“ bin ich aber absolut zufrieden – schließlich sagt er einiges über den Inhalt aus.

 

rzähl doch mal von deiner absoluten Lieblingsschicksalsbringerszene.

Ich bin ja Fan von schlagfertigen Dialogen und romantischeren Szenen, daher ist die hier einer meiner Favoriten:

„Seine Stimme war belegt, er räusperte sich und biss sich auf die Lippe.

Ich war wie in Trance, wollte mich noch nicht aus dem Kuss lösen und hob meinen Kopf für mehr. Phoenix grinste und ein Funkeln brachte seine Augen zum Leuchten.

»Du willst mehr?« Er versuchte sich an seinem überheblichen Gesichtsausdruck, doch die wahren Gefühle dahinter konnte er vor mir nicht mehr verbergen.

»Hmhm.«

»Keine Sprüche mehr auf Lager?« Er klang fast enttäuscht.

»Die machen nur kurz Pause«, sagte ich heiser.

»Warum nur?«, neckte er mich. Seine Lippen schwebten ungefähr einen Millimeter über meinem Mund. Schon allein diese Fast-Berührung brachte meinen Puls zum Ausrasten.

»Ich weiß auch nicht«, hauchte ich und schloss die Augen.

Er genoss es sichtlich, die Kontrolle zu haben, versuchte, mich weiter zu reizen. Seine Lippen glitten wie eine Feder über meinen Mund, streiften meine Wange, verharrten ganz nah bei meinem Ohr.

»Du machst mich verrückt«, flüsterte er, während er meinen Hals küsste und mein Herz dadurch zu immer größeren Höchstleistungen antrieb.

»Es ist nicht gut, das Schicksal so herauszufordern.« Seine Stimme klang belegt, während er kleine Küsse auf meinen Hals tupfte. »Nicht gut.«“

Auszug aus: Hasse, Stefanie. „Schicksalsbringer – Ich bin deine Bestimmung.“ Loewe Verlag, 2017

 

ealität & Fiktion – was finden wir in deinem Roman?

Eine große Portion Realität mit einer Brise Fiktion – zumindest werden das alle so sehen, die nicht an das Schicksal glauben 😉

 

ller Kapitelanfang ist schwer. Stimmt das?

Ich liebe Kapiteleinstiege. Bei mir enden viele Kapitel mit einem Cliffhanger und ich kann darauf sofort im neuen Kapitel aufbauen. Daher kann ich für mich persönlich nicht zustimmen.

 

olle Aufmachung des Buches (innen wie außen) und neugierig machende Werbung (das kleine Samstsäckchen und die SchokoMünze per Post) vorab. Bist du daran beteiligt? Sind die Ideen von dir und ist es nicht ein unfassbares Glück, solche Möglichkeiten vom Verlag zu bekommen?

Ich hatte das große Glück, dass Loewe viele meiner Vorschläge übernommen hat und wir uns beim Marketing wunderbar ergänzt haben. Ich bin immer noch sicher, dass das gute Schicksal ( 😉 ) hier eindeutig auf meiner Seite war.

 

elchen LeserINNEn legst du dein Buch ans Herz?

Insbesondere natürlich romantisch veranlagten Leserinnen aller Altersklassen (ich bin schließlich auch schon weit entfernt von der Altersempfehlung), die sich noch an die Probleme des Teenageralters erinnern können und mit meiner Protagonistin Kiera gemeinsam das Schicksal verändern wollen.

 

hne Charaktere keine Geschichte. Wie lange kennst du Kiera schon und wie viel Stefanie Hasse steckt in ihr?

Kiera begleitet mich nun schon seit über anderthalb Jahren und sie hat wie jede meiner Protagonistinnen einiges von mir. Bei Kiera ist es beispielsweise das Hobby der Leadsängerin. In ihrem Alter war ich ebenfalls Sängerin verschiedener Coverbands und somit haben einige der Figuren Züge meiner damaligen Clique und Band. Auch ist Kiera nicht gerade auf den Mund gefallen und kann sich behaupten, auch wenn sich da immer wieder andere einmischen und „für sie das beste“ wollen.

Schicksalsbringer ~ Stefanie Hasse

Schicksalsbringer-Gewinnspiel

Stefanie Hasse möchte nun von euch wissen:

Wenn du im Besitz der Schicksalsmünze wärst, was würdest du verändern?

Ganz liebe Grüße und danke für Interview und Gewinnspiel – Steffi

Ich sage DANKE an Steffi für das schnelle Beantworten der Fragen und nun freue ich mich auf eure Kommentare bis zum 24. Juli 2017.

Teilnahmebedingungen:

  • Teilnehmen darf jeder, der volljährig ist bzw. die Zustimmung seines Erziehungsberechtigten hat.
  • Sollte sich der Gewinner nicht innerhalb von 3 Tagen nach Benachrichtigung melden, wird neu ausgelost.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Teilnahmeschluss ist der 24. Juli 2017, 23.59 Uhr. Später eingehende Antworten werden nicht berücksichtigt.
  • Schickt bitte parallel zu eurem Kommentar eine Email an literatwo@aol.de

Update 27.0.2017 – Danke an euch fürs Mitmachen und die vielen Kommentare + Email. Die Gewinnerin ist Nina. Ich wünsche dir ganz viel Lesefreude und schick doch gern eine buchige Rückmeldung, ob dich Stefanie Hasse mit ihrem Roman überzeugt hat.

Eure


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Best friends for never

DU & ICH best friends for never

NEVER – man wird nicht vom Küssen schwanger und natürlich darf man die Pille NICHT halbieren, auch dann nicht, wenn es die beste Freundin sagt. Aber bekommt man solche Ratschläge überhaupt von einer besten Freundin?

Wie sieht es eigentlich mit euch aus? Habt ihr (noch) eine beste Freundin?

~

Das Leben ist immer in Bewegung und ehe sich Annabeth versieht, nähert sich die Schulzeit dem Ende, das letzte Schuljahr bricht an. Sie freut sich nicht nur auf das letzte Jahr, sondern viel mehr auf die kommende Studienzeit, denn sie hat große Pläne. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Noe möchte Annabeth nach Paris. Die Freundinnen möchten ganz unbeschwert in die neue Zeit mit möglichst viel Freiraum, Party und was man als frische Schulabgängerinnen so macht, starten. Die Vorfreude wächst, auf ein Leben mit der umtriebigen Noe.

Doch als ein Junge namens Steven in Noes Leben auftaucht, muss Annabeth ein wenig zurück treten. Alle geschmiedeten Pläne beginnen nach und nach zu bröckeln, doch nicht nur das. Annabeth erfährt von ihrer Cousine Dinge über ihren Vater, die sie tief erschüttern. Und dann trifft sie auch noch auf Oliver. Genau als Annabeth Noe am Dringendsten braucht, ist ihre Freundin nicht da. Ihr Leben wackelt…

„Manche Freundschaften zerbrachen mit einem Mal, andere dagegen waren wie ein Auto, das immer mal wieder Aussetzer hatte und repariert wurde, bei dem man im Laufe der Jahre ein Teil nach dem anderen ersetzt, und irgendwann hat sich so viel daran geändert, dass man es eigentlich kaum noch wiedererkennt.“ (Seite 267)

DU & ICH best friends for never

Freundschaft

Freundschaft. Liebe. Krankheiten. Vorbilder. – Autorin Hilary T. Smith macht es spannend und holt die größten Themen des jugendlichen Alters hervor. Das Buch liest sich richtig flüssig, die Seiten sind locker beschrieben und ich habe mich wirklich wohl an Annabeths Seite gefühlt. Viele Situationen konnte ich nachvollziehen, einige naive nicht. Doch dann nahm alles überhand, einige Wendungen waren zu konstruiert und zu vorhersehbar und einfach durch und durch überladen.

Ich bin ein wenig enttäuscht, ja, das ist so und das sage ich hier offen und ehrlich. Meine Erwartungen an die Autorin Hilary T. Smith waren wohl doch ein wenig zu hoch. Mit Hellwach hat sie mich begeistern können und nun lässt sie mich so zwiegespalten mit „DU & ICH  Best friends for never“ (Fischer FJB) zurück.

Das Jugendbuch ist ab 14 – hier stimme ich schon zu, wobei ich dennoch ein wenig Bauchschmerzen habe, denn die zum Leser hin stellenweise unaufgeklärte Naivität kann auch falsch interpretiert werden. Wenn naiv auf naiv trifft…

„Menschen sind wie Bäume, als Setzlinge brauchen sie andere Nährstoffe als später, wenn sie groß sind.“ … „Leben ist Veränderung“ … „Es gibt nicht nur die eine Freundschaft oder die eine Liebe. Dinge vergehen und andere Dinge wachsen.“ (Seite 283)

Eigentlich wollte ich an einem bestimmen Punkt enden und das Buch an die Wand befördern. Als der Punkt dann tatsächlich eintrat, habe ich dennoch weiter gelesen, irgendwie doch weiter lesen müssen. Letztendlich habe ich es auch nicht ganz bereut, denn Annabeth habe ich einfach in mein Herz geschlossen und sie hat erkannt, dass Freundschaft nicht immer gleich Freundschaft ist und das man sich ab und an einfach verrennt. Klar ist die Erkenntnis der Sackgasse schmerzhaft, man öffnet sich zukünftig anders und ist vorsichtiger, aber diese Erkenntnis festigt und zeigt einem selbst, wer man ist.

Bleibt euch treu, handelt bewusst und versucht nie eine Kopie von eurem besten Freund/eurer besten Freundin zu sein und schon gar nicht, alles zu akzeptieren und umzusetzen, was man euch sagt!

Hilary T. Smith bietet außergewöhnliche Charaktere und präsentiert zudem die volle Ladung extremer Situationen, die das jugendliche Leben beinhalten kann.

Eure
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Back to blue

back to blue ~ Rusalka Reh

Back to blue

„Dich haben Sie bestimmt im Krankenhaus verwechselt.“ (Seite 21)

Manche von uns, haben den Satz bestimmt schon mal von einem Elternteil gehört. Oder? Ich schon, aber bei mir war er lustig gemeint, wir haben zusammen gelacht, denn der Satz folgt meist dann, wenn man was außergewöhnliches getan hat. Ob das gut oder schlecht war, sei mal dahin gestellt. Bei Kid ist das völlig anders.

Der Satz ist böse gemeint und auf den Satz folgen meist noch viel unfreundlichere Sätze, wobei unfreundlich an sich eigentlich total übertrieben ist. Die Sätze sind richtig böse, oftmals mit Hass erfüllt. Kid wird von ihren Eltern nicht geliebt und genauso wird sie auch behandelt.

Kid fragt sich oft, was wohl schief gelaufen ist und sucht den Fehler bei sich. Lieben Mütter ihre Kinder nicht eigentlich schon von Geburt an? Scheinbar nicht oder scheinbar nicht immer.

„Wir schreiben. Wir lesen. Wir sind die weiße Krähe und das schwarze Schaf.“ (Seite 36)

back to blue ~ Rusalka Reh

Weiße Krähe & Schwarzes Schaf

Glücklich sein ist Kid nicht gewohnt und sie traut sich nach all den schlechten Erfahrungen auch nicht mehr, glücklich zu sein. Das hat nie was Gutes gebracht und lange hat es sowieso nicht angehalten. Immer wenn sie das Glück fühlen konnte, verwandelte es sich ins Gegenteil, der bittere Wortschlag kam. Als sie auf Maxim in einer russischen Bar trifft, ist sie glücklich. Darf sie das?

„Nur wenn ich lese, vergesse ich.“ (Seite 148)

Sie vertraut sich ihrem Tagebuch an, denn sonst gibt es niemanden in ihrem Umfeld, dem sie das erzählen kann. Ihren Eltern schon gleich überhaupt nicht. Der Vater bezeichnet lieber sein Auto als Kind, als seine Tochter Kid. Stundenlang schreibt sie von ihren Erlebnissen in ihr Tagebuch, außerdem schreibt sie Gedichte. Ein geheimer Wunsch von ihr ist es, ein Gedicht irgendwann mal abgedruckt zu sehen.

Ob sie Maxim davon erzählt? Wenn sie ihn wiedersehen darf, denn falsche Informationen über Maxim dringen an die Ohren ihrer Eltern…

Der magellan Verlag ist bekannt dafür, Bücher für junge Erwachsene zu veröffentlichen, die ins Herz treffen. Sie passen einfach wie die blaue Bluse zu Kid. Natürlich erfahrt ihr im Buch auch, warum das Cover und der Titel so verdammt gut passen und was es überhaupt mit der Farbe blau auf sich hat.

back to blue ~ Rusalka Reh

Kämpft um eure Träume

Ich bin durch und durch von diesem Buch begeistert, auch wenn die 202 Seiten kurzzeitig ein paar langatmige Stellen beinhalteten. Es ist so verdammt nah dran, so unfassbar authentisch. Wären die ganzen Tagebucheinträge noch in Schreibschrift abgedruckt, wäre das Gefühl sie mit Kid zu verfassen, wahrscheinlich noch stärker.

Wir alle müssen für unsere Träume kämpfen. Mal haben wir Unterstützung von Familie und Freunden und dann stehen wir wiederum ganz alleine da. Aufgeben – das dürfen wir nie, egal in welchen Rahmenbedingungen wir uns wiederfinden.

Autorin Rusalka Reh zeichnet ihre 16-jährige Protagonistin Kid so unfassbar lebensecht. Wir fühlen daher die Verzweiflung, wir fühlen die Liebe und wir kämpfen mit ihr gemeinsam, um auszubrechen, um von der dunklen, auf die helle Lebensseite zu wechseln. Kid ist stark und macht Mut. Sie findet sich selbst und sie findet Menschen, denen sie vertrauen kann, Menschen die ihr helfen.

„Wir strichen uns Liebe auf alle Wunden, die sichtbaren und die versteckten. (Seite 188)

Back to blue hat sich letztendlich in mein Herz geschlichen und wird sich auch in euer Herz schleichen.

Eure
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Hellwach ~ Hilary T. Smith

Hellwach ~ Hilary T. Smith
Hellwach ~ Hilary T. Smith

Hellwach wird man beim Anblick des Covers. Oder macht es eher betrunken? Wen man es lange ansieht, wird einem ein wenig schwummerig und wenn man die erste Seite liest, ist man high. Zumindest wenn man es in Amsterdam liest. 😉  Hauptprotagonistin Kiri ist high, sie ist verrückt und ich scheine gerade in diesen Lesestunden perfekt zu ihr zu passen. Bücher finden uns eben immer wieder, „Hellwach“ hätte es nicht besser treffen können.

Wer mich kennt weiß, dass ich verrückte Bücher mag, das ich vor allem Bücher mag die anders sind, sagen wir abgedreht und doch tiefgründig berührend.

Ist Hellwach ein solches Buch mit einer knallbunten Wörterexplosion?

Kiri habe ich von Anfang an gleich ins Herz geschlossen. Sie ist ein munteres Mädchen, was nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie sagt was sie denkt und sie schmeißt gerade den ganzen Haushalt alleine und kümmert sich um den Garten. Ihre Eltern sind verreist und sie kann sich nun in diesen Wochen beweisen.

Musik ist Kiris Leben

In Kiris Fokus steht der anstehende Musikwettbewerb. Tag und Nacht übt sie Klavier, um zu entsprechen, um zu gewinnen. Wenn es ums Klavierspielen geht, ist ihr Ehrgeiz und ihre Hingabe grenzenlos. Sie liebt die Musik und sie liebt Lukas, mit dem sie in einer Band spielt. Mit dieser steht ebenfalls ein Wettbewerb an.

Hellwach ~ Hilary T. Smith
Hellwach ~ Hilary T. Smith

Ein Anruf unterbricht sie beim Üben. Dieser Anruf unterbricht ihr bisheriges Leben und schmeißt sie von der bisherigen Lebensbahn auf eine andere. Ihr Schwester Sukey ist seit 5 Jahren tot und nun wird sie für Kiri wieder lebendig, denn der Mann behauptet nicht nur sie gekannt zu haben, sondern er hat auch noch Sachen von ihr. Den Tod ihrer Schwester hat Kiri nie richtig verarbeitet, er blieb ihr rätselhaft und nun scheint der Moment gekommen zu sein, der die Auflösung bringt.Sie schwingt sich auf ihr Rad und fährt los. Ein Platten beendet ihre Fahrt und das Ende der Fahrt ist gleichzeitig die erste Begegnung mit Skunk.

„Sich mit Skunk zu unterhalten, ist wie am Sand nach Muscheln zu graben. Man sieht die typischen Bläschen aufsteigen und fängt an zu buddeln, aber die Muschel buddelt auch los und gräbt sich ein, und diese kleinen Mistviecher sind fast immer schneller als man selbst.“ (Seite 179)

Buntes Leben

Das nicht langweilige einfarbige Leben von Kiri wird plötzlich bunt und noch unlangweiliger. Haben ihre Eltern Geheminisse in Bezug auf Sukeys Tod vor ihr? Ist sie wirklich in ihren Bandkollegen Lukas verliebt? Ihr Leben verwandelt sich in Chaos und Kiri ist hellwach.

„Die Liebe ist siegreich im Angriff und unverwundbar in der Verteidigung.“ (Seite 255)

Da Kiri hellwach ist, sind wir Leser es auch und die Erzählweise von Hilary T. Smith macht uns keinesfalls müde. Ich habe die 367 Seiten regelrecht verschlungen. Viele Zitate habe ich mir markiert und einige habe ich hier festgehalten, um ein wenig zu zeigen, welche Worte euch erwarten.

„Das Schwere begründet das Leichte, und die Stille beruhigt das Laute.“ (Seite 347)

Hellwach ~ Hilary T. Smith
Hellwach ~ Hilary T. Smith

In Kiris Alter ist es normal, wenn die Lebensbahn noch nicht verfestigt ist, vor allem dann nicht, wenn das Üben für einen Wettbewerb mit einem mysteriösen Anruf aufeinander trifft. Eigentlich ist Kiri sorgenfrei, so strahlt sie es jedenfalls nach außen hin aus. Ihre Welt scheint heil zu sein, bis Kiri ausbricht und sich neuen Erfahrungen stellt.

Autorin Hilary T. Smith spricht genau die Themen an, die in diesem Alter eine Rolle spielen. Gewagte Themen wie Drogen, aber auch Psychosen. Wir stehen Kiri bei und sind mit ihr hellwach und durch die bildliche Erzählsprache gelangen wir in einen regelrechten Rausch, der uns hautnah dabei sein lässt.

Hellwach

„Mir geht auf, dass das Universum voller kleiner Fackeln ist. Manchmal muss man selbst eine der Fackeln aus dem Feuer hinaustragen – weil die Welt das gerade braucht oder die eigenen Familie oder man selbst, damit sich die Seele nicht zu einer Form verbiegt, die die falsche ist. Also geht man los und kommt zurück mit Farbe an den Händen und Wunden an den Knien und den Rest eines Lieds im Kopf.“ (Seite 366)

Hellwach wird von Seite zu Seite schneller, bis die Wortbombe explodiert und die Welt bunt wird. Kiri nimmt uns mit durch ihren Sommer, auf ihrer Achterbahn der Ereignisse und Gefühle und beweist nicht nur sich selbst, dass man sich von vielem befreien und seinen eigenen guten Weg finden kann. Stellenweise war ich recht hilflos, denn vieles ging zu schnell, war zu verrückt, zu außergewöhnlich, doch Kiri ist stark und ich passte mich ihr an.

Rasant, verrückt, provokativ, etwas wirr und doch wahnsinng realistisch und liebevoll. Zudem erzeugt es Redebedarf und verankert sich im Kopf.

Achso – ich teile die Empfehlung der Autorin: Das Buch sollte am besten zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden gelesen werden!

Eure
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