Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Unendlichkeit

Ein bisschen wie Unendlichkeit ~ Harriet Reuter Hapgood

Unendlich schön. Richtig schön. Einfach schön. Mit diesen Worten habe ich das Buch beendet. Lange habe ich kein „Jugendbuch“ mehr gelesen, da ich gerade eine Art „Gegenwartsromanphase“ habe. Bevor ich euch mehr erzähle, erzähle ich euch vom Ende, was auch gleichzeitig der Anfang ist oder doch die Mitte? Ihr werdet gleich verstehen und keine Angst – ich spoiler ganz bestimmt nicht.

„Nimm ein Stück Papier und schreibe darauf: „Um zu erfahren, wie ein Perpetuum Mobile funktioniert, bitte wenden.“ Dann schreibe auf die andere Seite: „Um zu erfahren, wie ein Perpetuum Mobile funktioniert, bitte wenden.“ Lies, was du gerade geschrieben hast. Folge den Anweisungen. Mach einfach weiter.“ (Seite 379)

Unendlich schön. So ein Ende. So ein Anfang. Und nun zum Buch und zwar JETZT. Ohne es überhaupt zu merken, versank ich tiefer und tiefer im Roman, obwohl ich nach den ersten Seiten immer skeptischer wurde. Es braucht Geduld, um in dieses Buch einzusteigen. Geduld die wohl nicht jeder Leser hat. MIch zog es immer tiefer in das Leben von Margot Hella Oppenheimer, auch Gottie gerufen. Die Namen – furchtbar, zumindest für ein 17-jähriges Mädchen, so meine Gedanken und erste Empfindungen. Aber was sind schon Namen, wenn die Geschichte zuschlägt, so ganz langsam und wenn sie zudem aus ihrer anfänglichen Eckigkeit immer runder wird. Sagenhaft. Unendlich schön.

Ein bisschen wie Unendlichkeit ~ Harriet Reuter Hapgood

Lebensformel

Ist ja gut, ich erzähl euch ja schon, um was es ganz grob geht, was mich so bewegt hat und warum ihr es lesen müsst. Gottie versteht die Welt nicht mehr. Es passiert einmal, es passiert zweimal und dann passiert es immer und immer wieder und sie fragt sich „Warum?“. Sie versucht den Grund herauszufinden. Zeitreisen. Rückfälle in die Vergangenheit. Zeitschleifen. Filmrisse. Wurmlöcher. „Es“ hat viele Namen. Vergesst jetzt bitte gleich jegliche Zeitreiseromane. Und NEIN – das Buch hat keine fantastischen Elemente. (Das Cover ist allerdings „fantastisch“. Ich mag es sehr.) Alles ist real, auch wenn es überhaupt nicht so klingt. Vielleicht sollte ich sagen, dass Gottie Tagträume hat, gedanklich in die Vergangenheit flüchtet und viele Dinge einfach noch nicht verarbeitet hat.

Aber mal ehrlich, einige Dinge können wir nicht gleich erfassen, vor allem, wenn es schmerzliche Verluste sind. Wenn man einen Menschen für immer verloren hat, wenn man einen besten Freund, einen Seelenverwandten verliert, ohne genau zu wissen wieso und wenn in der Zeit auch noch der Bruder nicht nur aus- sondern weg zieht. Thematisch überladen und unplausibel? Keinesfalls!

Gottie liegt unter einem Apfelbaum. Es sind Ferien. Und sie stellt fest, dass doch nicht alle Dinge mit einer Formel erklärt werden können. Weder die Liebe, noch die Freundschaft und der Tod erst Recht nicht.

Ein bisschen wie Unendlichkeit ~ Harriet Reuter Hapgood

JETZT

Klingt das jetzt zu überladen oder thematisch zu schwer? Übersetzerin Susanne Hornfeck hat die Worte von Autorin Harriet Reuter Hapgood in ein sagenhaft authentisches Deutsch übersetzt. Wir lesen nicht über Gottie, wir leben mit ihr und sie ist ein Teenager mit allem drum und dran. Worte und Tiefgründigkeit werden mit Leichtigkeit von uns Lesern inhaliert. Wie ihr diese dann in euch verarbeitet, steht auf einem anderen Blatt. Bei mir steht: „Unendlich schön, sagenhaft komplex und doch verständlich und durch und durch emotional nachvollziehbar.“

An dieser Stelle würde ich euch so gern mehr erzählen, so gern, denn ich bin immer noch bewegt und habe bisher kein Buch gelesen, was diese bestimmten Verlustmomente so realistisch wiedergibt, ohne uns mit der Nase in den Schmerzbrei zu drücken. Am Ende steht einfach das Verstehen, das Verarbeiten und vor allem das LEBEN im JETZT. Ihr werdet nicht schwach zurückgelassen, aber ihr werdet „Lachenweinen“ und das tut verdammt gut.

Ihr könnte jetzt aufhören meine Worte zu lesen, denn ihr solltet dringend zum Buch greifen. Die nächsten Worte sind nicht an euch, sondern ans Gottie adressiert. Gottie – als sich dein Wunsch erfüllte, sah ich mich gedanklich bei der kleinen Omi am Bett – ich hatte auch so einen Wunsch. Man bereut Wünsche immer, wenn sie gleichzeitig der Abschied für immer sind und doch für den Menschen selbst, die Erlösung. Nun laufen mir Tränen übers Gesicht. Du hast alles richtig gemacht. Wir haben alles richtig gemacht, wir müssen das nur begreifen und uns dabei unterstützen lassen. Okay – du hast einiges nicht gewusst, was im nachhinein zusätzlich schmerzt.

Ach Gottie – fühle dich umarmt und du bist ein klasse Mädchen, da du nun hier bist. Im JETZT. Ich bin froh dich zu kennen, deine Geschichte zu kennen, denn du bist so verdammt realistisch, so nah und ich würde dich gern mal umarmen.

Eure
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Aklak – Spuren im Schnee

Aklak - Spuren im Schnee
Aklak – Spuren im Schnee

Spuren im Schnee? Aklak?

Oh, oh… Wenn wir Spuren im Schnee sehen, aber den kleinen Eskimo Aklak nicht, dann, dann…

Moment, erstmal stelle ich euch den kleinen Aklak vor. Er ist ein neugieriger Eskimojunge mit vielen tierischen Freunden und er ist gerade in einer schwierigen Phase – er hört schlecht. Zumindest, wenn seine Mutter ihm wichtige und mahnende Worte mit auf den Weg gibt. Aber das ist wohl nicht nur bei kleinen Eskimos so.

Es herrscht ein starkes Schneetreiben und Aklak ist unterwegs. Eigentlich wollte er sich mit seinen Freunden treffen. Er wartete und wartete und als keiner kam, ging er den Spuren nach, die er im Schnee entdeckte. Sein Husky Tuktuk versuchte ihn abzuhalten, aber was Aklak machen mag, macht er auch. Außerdem stammen die Spuren doch nicht von dem großen Eisbär, sondern von einem kleinen. Aklak mag ihn so gerne mal sehen.

Als seine Freunde am Treffpuntk sind, ahnen sie nichts Gutes. Sie kennen Aklak und begeben sich schnell auf die Suche. Mit einer Eisbärmutter die ihr Junges beschützen mag, ist nicht zu spaßen. Da sind sich die Freunde – Robbe, Wal, Schneehase und Schneehuhn – einig.

Aklak - Spuren im Schnee
Aklak – Spuren im Schnee

Schneegestöber am Nordpol

Bereits vor einem Jahr habe ich gemeinsam mit meinem Mann begeistert zugehört und mitgefierbert. Aklak, der kleine Eskimo. Das große Rennen um den Eisbärbuckel war wahnsinnig spannend. Nun konnten wir nicht widerstehen und haben uns erneut hörend auf den Weg zu Aklak gemacht.

Unser Fazit ist das gleiche wie im letzten Jahr – wir sind durch und durch begeistert. Der zweite Teil der Reihe ist genauso spannend, genauso niedlich und wahnsinnig gut von Sigrid Burkholder gesprochen. Es ist toll, dass die Sprecherin die gleiche ist. So fühlten wir uns gleich wieder richtig am Nordpol angekommen.

Aklak ist uns noch viel mehr ans Herz gewachsen. Eine schöne Geschichte über die Freundschaft, mit passender Musik untermalt und vor allem für Kinder sehr gut verständlich. Handlung wie auch Botschaft kommen an und sorgen neben der ganzen Spannung auch für einige laute Lacher.

„Aklak, der kleine Eskimo – Spuren im Schnee“ (cbj Audio) – so liebevoll, ein wenig frech und voller guter Laune und Abenteuer. Wir freuen uns schon jetzt auf die dritte Folge.

Genau wie im letzten Jahr habt die Chance das Hörbuch zu gewinnen. Außerdem wartet ein zweiter Gewinn – ein audible-Gutschein im Wert von 10€ – auf euch. Wie klingt das? Gemütliche Hörstunden in der Weihnachtszeit sind gesichert. Der Gutschein ist bis zum 31.12.2016 gültig.

Was ihr tun müsst? Verratet mir ein wenig Blödsinn aus eurer Kindheit im Kommentar. 🙂

Update: 17.12.2016 – Herzlichen Glückwunsch an Amelie – du hast den Hörbuchgutschein gewonnen und Glückwunsch an Michaela – zu dir kommt das Hörbuch.

Eure
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Das Geheimnis des Mondes

Das Geheimnis des Mondes
Das Geheimnis des Mondes

Seht ihr den Mond?

Heute ist der 07. Dezember und wenn ihr heute Abend den Mond sucht, werdet ihr ihn als zunehmenden Halbmond vorfinden.

Aber mal ehrlich – warum ist denn Mond immer wieder anders? Kennt ihr das Geheimnis des Mondes?

Die Tiere im Wald schauen jede Nacht nach dem Mond. Sie kennen ihn genau. Aber sie streiten sich dennoch, denn jedes Tier ist der Meinung, alles über den Mond zu wissen. Jeder hat eine Erklärung parat und ist sich sicher, dass er Recht hat. Speziell, wenn es um das Aussehen des Mondes geht.

Die Eule sagt, dass der Mond tellerrund ist. Der Fuchs widerspricht und meint, dass er aussieht wie ein Ball, dem man ein wenig Luft ausgelassen hat. Das Wildschwein meint aber, dass er wie eine geviertelte Melone aussieht. Der Bär hat noch eine viel rechthaberische Meinung. Die Tiere streiten und streiten. Storch Adebar will schlichten…

Das Geheimnis des Mondes
Das Geheimnis des Mondes

Mehr verrate ich von dieser herzallerliebsten Geschichte nicht. Das Buch ist im Jahr 2010 zum ersten Mal in Korea erschienen. Der Text und die Illustrationen von Bo-hyeon Seo und Jeong-hyeon Sohn sind wundervoll und sehr kindgerecht. Im Cover ist ein abnehmender Halbmond eingestanzt.

Nach der Geschichte kommt der sachliche Teil voller Wissen und doch ganz spielerisch gehalten. Die verschiedenen Gestalten des Mondes sind zu sehen. Mit kurzer und doch sehr verständlicher Erklärung. Alle typischen Kinderfragen mit „W“ können beantwortet werden und auch wir Erwachsenen sind ebenfalls wieder genau im Bilde, was den Mond betrifft. Oder wie sicher seid ihr im Erklären des Neumondes?

Und es geht noch weiter, denn es gibt noch mehr Antworten. Wie zum Beispiel auf die Fragen „Warum sieht man den Mond am Tag nicht“? oder „Warum dreht sich der Mond um die Erde?“.

„Das Geheimnis des Mondes“ aus dem aracariverlag ist ein ganz einfach gehaltenes Buch und doch bringt es eine große Portion Mondwissen mit.

Ihr könnt es ganz einfach gewinnen. Schreibt mir im Kommentar, welcher Mondform ihr am meisten mögt und lasst mir parallel dazu eine Mail an literatwo@aol.de zukommen.

Update: 11.12.2016 – Die Losfee hat Mandy gezogen – Herzlichen Glückwunsch – der Mond kommt zu dir.

Eure
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Letztendlich geht es nur um dich

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

„Letztendlich geht es nur um dich“ – was für ein schöner Titel. Aber Moment mal, der kommt mir doch bekannt vor. Klar, David Levithan holt uns wieder zu sich. Nachdem er mit Letztendlich sind wir dem Universum egal mehr als überzeugt hat, zeigt er uns jetzt, wie es die ganze Zeit in Protagonistin Rhiannon ausgesehen haben muss. An dieser Stelle bitte ich alle LeserINNEN, die besagten Titel noch nicht gelesen haben, ihn zu lesen. Das Jugendbuch ist grandios und ein MUSS. Alle LeserINNEN die mit dem „Universum„, so nenne ich es mal, vertraut sind, dürfen gern weiterlesen.

Ähm – brauchen wir das eigentlich? Ein Gegenstück zum ersten Buch? Ich mein, wir kennen alle die Geschichte, sind begeistert und absolut gut unterhalten worden. Wozu dann noch diesen „zweiten Teil“, der fast identisch ist? Wir kennen doch Rhiannon – oder?

So dachte ich, als ich das neue Werk in den Händen hielt. Das Universum hat sich so in mir festgebrannt, dass ich den Inhalt auch nach zwei Jahren noch wiedergeben kann. Wozu dann zurück kehren? Die Fragen haben sich alle schnell beantwortet, denn kehren wir nicht immer gern an die Orte zurück, die uns beeindruckten, die uns einfach gefallen und an denen wir uns wohl fühlen? JA!

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

Rhiannons Perspektive

David Levithan hat es einfach drauf, falls ich das noch nicht sagte. Der zeitliche Abstand von zwei Jahren könnte nicht besser sein, auch wenn ich den Inhalt noch im Kopf hatte. Es ist so schön, endlich mehr von Rhiannon zu erfahren. Auf den Inhalt möchte ich hier in diesem Artikel nicht tief eingehen, eher auf die Lesestimmung, die Levithan mitbringt.

Rhiannon kannten wir bisher nur aus Sicht von A. Nun kommt sie selbst zu Wort und wir können ihre Beziehung zu Freund Justin aus der Nähe betrachten. Zudem waren wir damals nur in A und sind von Körper zu Körper gesprungen. Jetzt erleben wir wie es ist, wenn wir A begegnen. Der weiblichen A, dem männlichen A, dem A der überhaupt nicht passt und dem A der uns total entspricht. Was für ein Gefühlschaos. Ebenso intensiv und vielleicht stellenweise sogar schwerer und komplizierter, als aus der A-Perspektive.

Rhiannon und A schreiben sich Emails. Der einzige zuverlässige Weg, um Kontakt zu halten. Während des Lesens habe ich ab und an in beiden Büchern verglichen, ob die Mails gleich sind. Schließlich müssen diese ja 1:1 passen. Es gab minimale Abweichungen oder ich habe schief geguckt, da oft im „Gegenbuch“ die jeweilige Mail von Gedanken durchbrochen war. Es hat mir echt Spaß gemacht, zwischen den Büchern hin und her zu springen. Erst habe ich mit Rhiannon gefühlt, dann mit A oder umgekehrt. Grandios.

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

Gefühlswirbelsturm

Ich muss einfach schwärmen, obwohl ich anfangs wirklich skeptisch war. Es ist so schön, an einen buchigen Ort zu kommen, den man kennt. Alles ist vertraut und wir intensiviert und erneut in Erinnerung geholt. Keinesfalls gibt es langweilige Stellen, da Rhiannon uns diesmal nah ist und allerhand zu erzählen hat.

Die Gefühle spielen mindestens genauso verrückt, wie im ersten Buch, als A Hauptprotagonist war. Alle Fans vom Universum müssen es lesen und alle LeserINNEN die jetzt doch bis hier hin gelesen haben, sollten dringend zum Universum greifen. Aus meiner Sicht, sollte „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zuerst gelesen werden, da es nunmal das erste Buch ist und einfach der beste Einstieg ist.

LESEN!!!

Eure
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George – Mädchen oder Junge?

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Mädchen oder Junge?

Bisher habe ich noch keinen Transgender-Roman gelesen. Ich bin immer und immer wieder drumherum geschlichen, doch nie habe ich zugegriffen. Wegen des Themas? Weil ich zu den Leuten gehöre, die diese Menschen verachten? Um Himmels willen – nein, niemals!

Ich selbst bin ein sehr offener und toleranter Mensch und jeder Mensch kann leben und lieben, wie und wen er möchte, wenn er sich selbst und keinen seiner Mitmenschen damit gefährdet. Meine Omi würde jetzt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, denn sie gehört leider noch zu der Generation, die mit Scheuklappen vor den Augen durchs Leben geht. Sie hält sich die Ohren zu, wenn wir über unseren schwulen Nachbarn reden oder über eine lesbische Kollegin. Sie findet es ekelhaft, wenn sich gleichgeschlechtliche Menschen küssen. Gegen die Menschen selbst hat sie nichts, aber sie möchte es einfach nicht sehen, nicht wissen und es wäre ein Drama für sie, wenn es Homosexualität bei uns in der Familie gäbe. Das ist traurig, aber daran kann ich nichts ändern, wobei ich es oft versucht habe. Mir bleibt nur übrig, zu akzeptieren. Aber ich versuche dennoch weiterhin, ihr Weltbild zu ändern.

Alex Ginos Protagonist George ist allerdings nicht schwul, sondern er möchte gern ein Mädchen sein. Er sieht sich selbst als Mädchen an, als Mädchen im falschen Körper.

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Falscher Körper

George ist 10 Jahre jung und merkt von Tag zu Tag mehr, dass sie kein Junge ist. Sie in Zusammenhang mit Junge? Ja, denn genau in der Form ist auch Ginos Roman geschrieben. Eine Form die ich persönlich sehr mag und an die man sich schnell als Leser gewöhnt. George habe ich dadurch von Anfang an als Mädchen vor mir gesehen.

George liebt es Mädchenzeitungen zu lesen. Sie stellt sich immer vor, dass die Mädchen darin ihre Freundinnen sind. Allerdings muss sie diese verstecken, denn es wäre nicht wirklich gut, wenn die Mutter diese findet. Was würde sie über ihren Sohn denken? Was will ein Junge mit Schminktipps? George liebt es außerdem, jede Menge Zeit mit ihrer besten Freundin Kelly zu verbringen. Bei Kelly hat Georg das Gefühl, so sein zu können, wie sie gern sein mag. George nennt sich selbst Melissa.

„George wusste also, dass es möglich war. Ein Junge konnte zu einem Mädchen werden.“ (Seite 55)

George ihr größter Wunsch ist es, die Rolle der Charlotte im Theaterstück an der Schule zu spielen. Mit Kelly übt sie die Rollen, um beim Vorsprechen richtig gut zu sein. George fasst allen Mut zusammen und schlüpft als einziger Junge in die Rolle von Charlotte. Kelly drückt George die Daumen, doch Charlotte soll von einem Mädchen gespielt werden. Kelly soll Charlotte sein. Eine Welt bricht für George zusammen…

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Wandlungen

Was dann passiert, möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten. Mir schnürt es das Herz zusammen, wenn ich an die nächsten Ereignisse denke. Ereignisse die wahnsinnig schön, bewegend, lustig und traurig zugleich sind.

Autor Alex Gino kennt seit über 20 Jahren die transgender Bewegung und konnte durch seine Erfahrungen dieses Kinderbuch schreiben. Genau das merkt man, denn Gino legt wahnsinnig viel Feingefühl und Gespür in seine Figuren. Sie fühlen sich lebensecht an und man ertappt sich selbst dabei, seine eigenen Gedanken zwischen den Seiten zu finden.

Mit Freude habe ich gelesen, was George passiert, welchen Mut sie in sich hat und wie sich ihr Umfeld verhalten und gedreht hat. Wie soll man sich verhalten, wenn das eigene Kind das Gefühl hat, im falschen Körper zu stecken? Georges Mutter ist im Zwiespalt. Will man als Mutter nicht immer nur das beste? Oder will man durchsetzen, was man für sich als das beste empfindet? Gino öffnet Augen und gibt indirekte Antworten.

Was liebe ich dieses Buch. Oh, was liebe ich es. So ein Goldstück der Literatur! Die Charaktere sind so stark gezeichnet, so plausibel, so offen und Gino schreibt so authentisch, so kindgerecht.

Du bist heterosexuell? Oder bist du homosexuell? Du hast das Gefühl im falschen Körper zu sein? Oder das Gefühl im richtigen Körper zu sein? Du bist ein Kind? Nein, du bist kein Kind mehr? Du hast Kinder? Du hast keine Kinder? Ach, du bist Pädagoge? Du bist kein Pädagoge? Du bist zwischen 8 und 99 Jahren alt? Sobald du eine Antwort mit JA geben kannst, gehörst du zu den Menschen, die dieses Buch lesen sollten. Es erweitert den eigenen Horizon, beinhaltet viel Gefühl und eine Geschichte, die jeder kennen sollte.

Lies GEORGE und SEI, WER DU BIST!

Eure
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Zum Glück braucht mich niemand

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Braucht mich niemand?

Zum Glück bemerkt mich niemand…dachte ich von Liv Marit Weberg habe ich im Februar 2015 gelesen. Ein nicht ganz einfach zu verstehender Roman – ich habe mich mit Nanni darüber ausgetauscht und zwar ganz einfach über Whatsapp. Nach unserem Gespräch ging es uns dann mit dem Gelesenen besser.

Nun trudelte in den letzten Tagen das neue Buch von der Autorin ein. Ich war ziemlich überrascht, da ich überhaupt nicht damit rechnete. Im ersten Buch war kein Hinweis zu finden, dass es eine Art Fortsetzung geben wird, denn die hat es auch nicht gebraucht. Dennoch können beide Bücher einzeln gelesen werden, es besteht kein direkter Zusammenhang. Neugierig habe ich mich in das fast gleichnamige Buch begeben. Wurde Protagonistin Anne Lise zuerst nicht bemerkt, wird sie nun nicht gebraucht. Jedenfalls nimmt sie das an.

Innerhalb von einem Tag habe ich mich durch das Buch, welches aus vielen kurzen Kapiteln besteht und mit knackigen Worte zum jeweiligen Inhalt überschrieben ist, gelesen. Und nun fühle ich nach und denke und bin mir wieder nicht sicher, ob ich es empfehlen kann.

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Erträgt uns niemand?

„Zu schüchtern für eine Beziehung – aber so verliebt, dass es kaum auszuhalten ist.“ – diese recht spritzigen Worten begegnen uns auf dem Rücktext des Buches. Worte die mich erreichen und neugierig machen und kurzerhand ins Buch ziehen. Anne Lise – wir kennen uns sozusagen und eigentlich müsste ich wissen, wem ich da gegenüber trete. Anne Lise – ein recht eigenartiges und vor allem schüchternes Mädchen.

Nun ist alles gut – sie hat einen Freund namens Stian, auch Brille genannt. Sie lebt mit ihm zusammen und sie arbeitet mit ihm gemeinsam in einer Tierhandlung. Die erste große Liebe, alles fühlt sich wunderbar an. Doch wunderbar ist nicht genug und genau in dem Moment, als Anne Lise das vollkommene Glück hat, nimmt sie es nicht wahr. Sie läuft weg.

Zurück zu den Eltern, die keine Eltern im Sinne von einem Paar mehr sind. Ihre Mutter hat einen neuen Freund, es gibt neue Geschwister und überhaupt ist alles neu und nicht mehr so wie alles einmal war. Anne Lise muss wieder weiter, sie zieht es jetzt nach Oslo in eine WG mit Marianne. Die meint recht schnell zu ihr, dass Drogen eine gute Lösung sind, denn „…Du musst wissen, Glück lässt sich chemisch herstellen.“ (Seite 102)

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Oslo da bin ich

Eine neue Arbeit muss her und die ist relativ schnell gefunden. Es ist wieder eine Tierhandlung und ihr Chef heißt Roy. Er bleibt nicht ihr einziger neuer Kontakt, denn bald kann sie Yasmin als ihre Freundin nennen. Doch ist das ihr neues Leben, das Leben, was Anne Lise wollte?

„Das Leben ist zu kurz, um nicht ganz genau das zu machen, worauf man Lust hat.“ (Seite 131)

Anne Lise ist kein alltäglicher Charakter. Man mag sie oder man mag sie nicht. Ich selbst bin mir nicht sicher, denn Liv Marit Weberg schreibt so spritzig frisch und stellenweise so schön trocken, dass man weiterlesen, sie mögen und vor allem verstehen will. Ihr Ziel ist einfach und klar: sie möchte ertragen werden.

Doch während sie immer weiter in eine depressive Phase schlittert, macht sie es sich nicht nur selbst, sondern auch ihren Mitmenschen schwer. Ihr Leben ähnelt einer Berg und Tal fahrt. Sie rennt weg und ist alleine, dann kommt sie mit neuem Selbstbewusstsein zurück und versucht im Mittelpunkt zu stehen. Sie taumelt wie ein Blatt im Wind hin und her und versucht auf ihre Art auszubrechen, anzukommen und negative Gedanken durch positive zu ersetzen.

Wir werden alle gebraucht und wer eine recht eigenartige und doch liebenswerte Protagonistin braucht, der sollte Anne Lise kennenlernen.

Eure

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Nebenwirkungen des Lebens

Nebenwirkungen des Lebens - No & ich
Nebenwirkungen des Lebens – No & ich

„Ich dachte an die Nebenwirkungen des Lebens, die auf keinem Beipackzettel, in keiner Gebrauchsanweisung genannt werden“

Lou, ein 13-jähriges Mädchen. Etwas zu klein geraten aber dafür mit einem IQ von 160 ausgestattet, stellt sie sich immer wieder dem Leben. Auch nachdem ihre Schwester gestorben ist. Auch nachdem sich die Mutter abgeschottet hat. Sie ist sehr einsam, doch der Drang die Welt zu verändern, bleibt.

Viele verschiedene Experimente, wie zum Beispiel das Zeitmessen bis der Mundabdruck auf dem beschlagenen Spiegel verwindet oder ein Test wie widerstandsfähig ein Haargummi im Vergleich zu einem Schnippsgummi ist, gehörten bisher zu ihrem Hobby.

Lou

Für ein Referat in der Schule hat sie sich nun ein Thema über Obdachlose ausgesucht. Sie möchte eine Obdachlose interviewen und schon bald läuft ihr No über den Weg. No, ein Mädchen mit dreckigen Klamotten, abgekauten Fingernägeln, ohne Geld, ohne Familie, ohne alles und das mit gerade mal 18 Jahren.
Lou beginnt sich mit ihr regelmäßig zu treffen und spendiert ihr als Gegenleistung für das Interview immer einen Besuch im Cafe.
Eine Freundschaft beginnt und Lou schafft es ihre Eltern zu überzeugen, No bei sich aufzunehmen.

Nun ist Lou keine richtige Einzelgängerin mehr, doch auch jetzt ist nicht jeder Tag voller Sonnenschein. Um sich abzulenken wendet sie sich weiter ihren häuslichen Experimenten zu oder denkt an die erste Annäherung mit Lucas.

„…Beim Küssen gibt es keine vorgeschriebene Richtung, wir sind doch keine Waschmaschinen!“

No & ich
No & ich

No versucht nun den Weg aus ihrer Welt in die von Lou zu finden, doch als sie fast fest auf dem Boden steht, beginnt alles erneut ins Schwanken zu kommen. Geschworenes Vertrauen und Zusammenhalt werden auf die Probe gestellt.

No & ich – ein fesselndes Buch was sehr tief berührt. Delphine de Vigan schaffe es, sich in eine von außen kindliche aber innerlich sehr reife Teenagerin zu versetzen. Sehr einfühlsam beschreibt sie die Gedankenwelten der beiden Protagonistinnen und trifft dabei den empfindlichsten Nerv des Lesers. Viele Textstellen müssen einfach mehrmals gelesen werden, weil sie so schön sind und wiederum auch so ergreifend.

Das Buch ist für mich und sicher für viele andere, die es gelesen haben, ein Highlight aus dem Jahr 2009 und sollte auf jede Bücherwunschliste aufgenommen werden.

Mehr Vigan gefällig? Kein Problem: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Eure
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Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Ein bedrückendes Gefühl stellt sich beim Lesen der ersten Seiten bei mir ein. Diese handeln von Alice Della Rocca. Sie hasst die Skischule, aber ihr Vater möchte, dass sie dahin geht. Jeden Tag hat sie Angst auf den Berg hinauf zu fahren. Ihre Angst geht soweit, dass sie ihre Blase nicht kontrollieren kann und sich heimlich von der Gruppe abgrenzt, um das Unaufhaltbare heimlich zu verrichten. Doch an diesem Tag ist es schlimmer als sonst und Alice mag nicht zur Gruppe zurückkehren. Sie versucht alleine den Hang hinunter zu fahren, doch die schlechte Sicht und die verbotene einsame Skipiste bringen sie zum Stürzen.

Wie ein Engel im Schnee bleibt Alice liegen. Dieser Tag verändert Alice und das Verhältnis zu ihrem Vater, indem sie das Vertrauen verliert und sich in ihre Einsamkeit zurückzieht.

Mattia hat eine Zwillingsschwester, die allerdings das komplette Gegenteil von ihm ist. Er ist schlau und entwickelt sich stetig weiter, seine Schwester hat eine Behinderung und kann sich nicht artikulieren. Beide sind dadurch zu Außenseitern geworden und werden von den Mitschülern eher gemieden. Mattia erhält eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier, auf die er seine Schwester mitnehmen muss. Obwohl er weiß, dass er nur eingeladen wurde, weil die Eltern des Mitschülers das wollten, geht er hin. Für ihn selbst schon ein schwerer Schritt, das allerdings seine Schwester ihn noch begleiten soll, ist eine zu große Belastung für ihn. Er weiß sich nicht anders zu helfen und lässt sie in einem Park für eine Zeit lang alleine, um sie dann unbemerkt wieder abzuholen. Eine fatale Entscheidung, denn sie ist nicht mehr dort, wo sie bleiben sollte.

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Sieben Jahre später treffen sich Alice und Mattia auf einem Gymnasium. Beide scheinen magisch voneinander angezogen zu werden. Beide sind Außenseiter, ihre Mitschüler ignorieren sie oder treiben böse Spiele mit ihnen. Vor allem Alice ist vor ihren angeblichen Freundinnen nicht sicher und wird immer wieder ausgenutzt. Wie zwei Primzahlenzwillinge kommen sich die beiden vor und auch wenn sie nicht allzu viel miteinander reden, ist die Verbindung sehr stark. Keinen anderen als Mattia würde Alice bitten, mit einem Messer ihr Tattoo zu entfernen. Im Gegenzug gibt Mattia ihr seinen innerlichen Schmerz preis und vertraut sich ihr an.

Doch die Schule dauert nicht ewig an und es läuft draus hinaus, dass sich die Wege der beiden trennen. Es fehlt beiden an Mut, sich füreinander zu entscheiden und beide müssen sich der Zukunft stellen. Beide weiterhin einsam, ohne den anderen. Mattia flüchtet sich in die Welt der Zahlen, in der er sich sicher fühlt.

Alice flüchtet in sich, zieht sich in ihren Körper zurück und geht mit diesem so um, wie sie es weiterhin für richtig hält. Doch diese Einsamkeit kann einige Zeit dauern, aber nicht über Jahre so weiter gehen.

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Der italienische Autor Paolo Giordano hat in seinem Buch Die Einsamkeit der Primzahlen (Karl Blessing) zwei sensible Protagonisten geschaffen, die sich lieber Schmerz zufügen als in eine vielleicht unbeschwerte Zukunft zu starten. Dem Leser nimmt er durch seine poetisch tiefgreifenden Sätzen und Schilderungen die Schutzhülle und macht ihn nackt. Die Leserseele liegt offen und wird dadurch empfindlich, angreifbar und mit Worten erschüttert. Man taucht in die reale Welt der Außenseiter ein, möchte beide anschreien und in eine Welt führen, die ganz anders ist. Eine Welt, in der es Geborgenheit gibt, in der es Freunde gibt und Menschen, denen man vertrauen und die man lieben kann.

Das Buch ist überzogen mit Traurigkeit, Melancholie und den Traumata der beiden Handelnden. Bis zum Ende halte ich meine ausgestreckten Hände zu beiden hin, bis mir alles schmerzt und ich sie zurückziehen muss. Ich muss das Buch zuklappen, muss beide alleine lassen. Das Ende und die sich etwas in die Länge ziehenden letzten Seite verdauen und mir einen Moment der Pause gönnen, eine Art Einsamkeit finden, in der ich über Alice und Mattia nachdenken kann.

Bewegend. Bedrückend. Beklemmend. Berührend. Besonders.

Eure
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Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ohne zu wissen, um was es ganz genau in dem Roman geht, musste ich ihn einfach haben. Ja, dass passiert auch. Der Junge am Wasser auf dem Cover und der Titel „Ein besonderer Junge“ haben mich einfach magisch angezogen.

Und so bin ich ins Paris Anfang der siebziger Jahre zurück gereist, um Louis zu treffen. Louis ist kein junger Mann, wie man ihn sich vielleicht vorstellen würde. Er bezeichnet sich selbst als etwas anders, ist eher verschlossen als aufgeschlossen und geht seinen eigenen, ziemlich ruhigen Weg. Er hatte noch keine Freundin, ist schüchtern und mag keinen großen Trubel um sicher herum, zudem hat er sowieso keine Freunde, mit denen er etwas unternehmen könnte.

Der große Schweiger wird Louis von seinen Eltern genannt. Ob er sein Jurastudium schaffen wird, weiß er nicht, allerdings weiß er genau, dass er dringend Geld braucht, um es zu finanzieren. Ein Stellenangebot spricht ihn sofort an, viel mehr die darin enthaltenen Wörter „besonderen Jugendlichen“, da er sich selbst so fühlt.

„Suche motivierten jungen Mann für die Betreuung eines besonderen Jugendlichen während eines Aufenthalts mit seiner Mutter in Horville (Calvados).“

Louis greift kurz entschlossen zum Telefon und erreicht den Vater des besonderen Jungen namens Iannis. Die Familie hatte wohl schon einige Betreuer eingestellt, doch alle haben nach kurzer Zeit die Flucht ergriffen. Aus diesem Grund zögern die Eltern nicht und Louis macht sich auf die Reise nach Horville.

Horville, der kleine Ort am Strand in der Normandie war ein zusätzlicher Grund den Job anzunehmen, da Louis viel Zeit dort verbrachte. Erinnerungen werden in ihm wach, wenn er an die vergangene Zeit, die vergangenen Urlaubsausflüge denkt.

Die erste Begegnung mit Iannis ist nicht einfach und auch die weiteren gemeinsamen Tage werden zur speziellen Herausforderung. Iannis Mutter Helena zieht sich ziemlich schnell in ihre eigene Welt zurück. Sie ist froh endlich wieder jemanden zu haben, der ihr die „Last“ Iannis abnimmt. Sie möchte schreiben, sich ihren erotischen Romanen hingeben und mit einem gutaussehenden jungen Mann im Haus, gelingt ihr das umso besser.

Louis hingegen ist schnell auf sich allein gestellt und versucht sich auf Iannis und seine unterschiedlichen Verhaltensmuster einzustellen. Iannis redet nicht, obwohl er bereits 16 Jahre ist. Er kann nicht schreiben, er ist immer noch ein Bettnässer, er ist verschlossen und in sich gekehrt. Niemanden lässt Iannis an sich heran. Trotz seiner Art ist er nicht dumm, er nimmt alles in sich auf und verarbeitet diese Dinge auf seine Weise.

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Louis erkennt in Iannis, dass er genauso besonders ist wie er. Er unterhält sich mit ihm, erzählt ihm von seiner Vergangenheit und unternimmt viel mit ihm, um Helena viel Ruhe zu ermöglichen.

Seinen Job hat sich Louis anfangs nicht so anstrengend vorgestellt und auch hätte er es sich nicht träumen lassen, dass Iannis Mutter Helena mit ihm flirtet, ihn verführen will.

Verlief Louis sein Leben wie ein ruhiger See auf dem kein Lüftchen wehte, kommt nun auf ihn eine hohe Welle zu, die ihn verändert. Aus schwarz-weiß, wird farbig, aus farbig wird schwarz-weiß.

Der Griff zum Roman von Philippe Grimbert, war der richtige, da ich genau diese Stimmung suchte, jemand anderen treffen wollte, eine tiefe Geschichte mit vielen Besonderheiten brauchte. Louis wie auch Iannis sind besonders, völlig anders und genau die Tatsache, macht das Buch und die Zeit in der Normandie so außergewöhnlich.

Iannis hat autistische Züge und Louis hat es nicht leicht, mit ihm klar zukommen. In seiner zweisamen Einsamkeit blickt Louis auf sich selbst zurück, auf seine damalige Zeit mit seinem damaligen besten Freund. Diese Erinnerungen ziehen an seinem inneren Auge vorbei, aber unterbewusst, beginnt er darüber zu reden, Iannis zu erzählen.

Iannis ist in seiner Welt eingeschlossen, ohne spürbar aus seiner Welt heraus zu kommen. Und doch bekommt Iannis mehr mit, als Louis oder seine Eltern zu ahnen scheinen. Die Zeit rückt näher, Louis seine Zeit endet bald, da ein Heimplatz für Iannis frei wird. Beide Jungen haben ein festes, transparentes Band untereinander geknüpft, ein besonderes Band des Zusammenhaltes und fällen eine besondere Entscheidung.

Mehr als bildlich schreibt Grimbert und lässt seine zwei Hauptprotagonisten schnell ans Herz wachsen. Sie sind so besonders, dass sie sich im Leserkopf fest verankern. Grimbert lässt tief in die Seelen der beiden blicken und macht unsichtbare Dinge sichtbar für den Leser, die er vielleicht so nie wahrgenommen hätte.

Ein berührendes, besonderes Buch voller bildlicher, teils poetischer Klarsicht.

Eure
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Sky – was geht?

Sky - was guckst du?
Sky – was guckst du?

Kolumne 22/2016: #Sky

Zum Sonntag gibt es heute mal wieder einen Sonntagsbericht. Sky und Binea? Das passt ja genauso zusammen, wie Sommer und Skianzug. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Mensch bin, der unbedingt einen Fernseher braucht und Sky ist ja dann wohl total überflüssig. Nunja, Dynamo Dresden spielt in der neuen Saison nun in der 2. Bundesliga und wenn ich mal den Fernseher anschalte, dann wegen Fußball. Aber ich bin ja nicht alleine und mich stört es wenig, wenn beim Lesen im Hintergrund die Flimmerkiste flimmert. „Also, Hallo Sky! Ich brauche dich nicht, aber von mir aus kannst du bleiben.“

Der Receiver hat mich gleich gestört, ich mag keine zusätzlichen Staubfänger, aber gut, wenn er dazu gehört und sein muss – dann aber dynamisch – dafür gibt es das Ding ja in der Optik. Von mir aus – besser als langweilig schwarz oder silber.

Ich gucke selten Filme, wenn dann Buchverfilmungen und ich gucke überhaupt keine Serien, Staffeln und so einen Sch…wie ich immer gern sage. Aber so richtig stimmt das nicht, wie ich recht schnell selbst feststellte. Da war doch was und es nennt sich: Game of Thrones.

Waaaassss? Wir können das jetzt gucken? Echt? Wie genial ist das denn. Da gab es neben dem fußballerischen Guckeffekt gleich den ersten Pluspunkt, aber das war es dann auch schon. Das andere Seriengedönse und sowas grauenvolles wie Akte X – fragt mich mal, woher ich die Abneigung habe, aber ich finde die Darsteller schon irgendwie keine Ahnung – muss ich mir nicht geben. Ich ergucke mir einfach nichts an den Serien. Ich bin eben ein Buchkind.

Aber das Sky-Menü – die große Auswahl an Filmen habe ich mir mal mit angeguckt, ich muss ja auch etwas informiert sein und dann kam der Aufschrei „Waaassss? The Returned?“ Ist ja irre – das gibt es nicht nur als Buch? Ach stimmt, da war ja was im Gespräch auf der Buchmesse in Leipzig zwischen Arndt und Carina vom Loewe Verlag/Script 5. Ich habe gleich abgeblockt, als ich über den Inhalt erfuhr. Schon das Cover schreckte mich im Vorfeld ab.

Sky - The Returned
Sky – The Returned

Schon wenn ich den Jungen auf dem Cover sehe – ist der nicht irgendwie gruselig? Ich bekomm schon beim Anblick Gänsehaut und wenn ich dann schon höre, dass er irgendwie immer da ist und nicht redet und das in den Handlungsort verstorbene Personen zurückkehren und ihr altes Leben einfach wieder aufnehmen, aufnehmen wollen, dann schüttelt es mich. Urgs…

Aber die Serie – hm…wäre mal eine Überlegung wert. Lesen werde ich das Buch auf keinen Fall. Ich mag schon alleine das Buch wegen des Covers nicht hier stehen haben wollen. Außerdem bin ich mit dem Inhalt, dank Arndts Worten recht vertraut und auch seinen Artikel zum Buch habe ich gelesen. Ihr nicht? Dann lest mal hier, was er schreibt, wenn er sagt: Idylle war gestern.

Gruselig oder? Zumindestens für mich dann doch nicht gruselig genug, denn meine Neugierde wuchs und wuchs und ihr könnt euch sicher denken, was passierte. Richtig, die Buchtante Binea, die das Cover grausig findet und nicht wirklich gern mysteriöse Horrorgeschichten schaut, hat es getan. Und ist nun infiziert und süchtig und kann es kaum erwarten, die zweite Folge der ersten Staffel zu sehen. Es wird wohl direkt heute Abend weiter gehen.

Wenn ihr im Laufe der Woche nichts von mir hört und lest und überhaupt, dann wisst ihr, dass ich eingeschlossen in der Wohnung und eingemummelt in der Decke auf dem Sofa sitze und mit stierendem Blick und an den Fingern nagend dort bin, wo die Vergangenheit zurück kehrt…

Kennt ihr „The Returned„? Wohnt Sky auch bei euch? Welche Serien guckt ihr?

Eure

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