Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Das Geheimnis des Mondes

Das Geheimnis des Mondes
Das Geheimnis des Mondes

Seht ihr den Mond?

Heute ist der 07. Dezember und wenn ihr heute Abend den Mond sucht, werdet ihr ihn als zunehmenden Halbmond vorfinden.

Aber mal ehrlich – warum ist denn Mond immer wieder anders? Kennt ihr das Geheimnis des Mondes?

Die Tiere im Wald schauen jede Nacht nach dem Mond. Sie kennen ihn genau. Aber sie streiten sich dennoch, denn jedes Tier ist der Meinung, alles über den Mond zu wissen. Jeder hat eine Erklärung parat und ist sich sicher, dass er Recht hat. Speziell, wenn es um das Aussehen des Mondes geht.

Die Eule sagt, dass der Mond tellerrund ist. Der Fuchs widerspricht und meint, dass er aussieht wie ein Ball, dem man ein wenig Luft ausgelassen hat. Das Wildschwein meint aber, dass er wie eine geviertelte Melone aussieht. Der Bär hat noch eine viel rechthaberische Meinung. Die Tiere streiten und streiten. Storch Adebar will schlichten…

Das Geheimnis des Mondes
Das Geheimnis des Mondes

Mehr verrate ich von dieser herzallerliebsten Geschichte nicht. Das Buch ist im Jahr 2010 zum ersten Mal in Korea erschienen. Der Text und die Illustrationen von Bo-hyeon Seo und Jeong-hyeon Sohn sind wundervoll und sehr kindgerecht. Im Cover ist ein abnehmender Halbmond eingestanzt.

Nach der Geschichte kommt der sachliche Teil voller Wissen und doch ganz spielerisch gehalten. Die verschiedenen Gestalten des Mondes sind zu sehen. Mit kurzer und doch sehr verständlicher Erklärung. Alle typischen Kinderfragen mit „W“ können beantwortet werden und auch wir Erwachsenen sind ebenfalls wieder genau im Bilde, was den Mond betrifft. Oder wie sicher seid ihr im Erklären des Neumondes?

Und es geht noch weiter, denn es gibt noch mehr Antworten. Wie zum Beispiel auf die Fragen „Warum sieht man den Mond am Tag nicht“? oder „Warum dreht sich der Mond um die Erde?“.

„Das Geheimnis des Mondes“ aus dem aracariverlag ist ein ganz einfach gehaltenes Buch und doch bringt es eine große Portion Mondwissen mit.

Ihr könnt es ganz einfach gewinnen. Schreibt mir im Kommentar, welcher Mondform ihr am meisten mögt und lasst mir parallel dazu eine Mail an literatwo@aol.de zukommen.

Update: 11.12.2016 – Die Losfee hat Mandy gezogen – Herzlichen Glückwunsch – der Mond kommt zu dir.

Eure
literatwo_banner

Letztendlich geht es nur um dich

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

„Letztendlich geht es nur um dich“ – was für ein schöner Titel. Aber Moment mal, der kommt mir doch bekannt vor. Klar, David Levithan holt uns wieder zu sich. Nachdem er mit Letztendlich sind wir dem Universum egal mehr als überzeugt hat, zeigt er uns jetzt, wie es die ganze Zeit in Protagonistin Rhiannon ausgesehen haben muss. An dieser Stelle bitte ich alle LeserINNEN, die besagten Titel noch nicht gelesen haben, ihn zu lesen. Das Jugendbuch ist grandios und ein MUSS. Alle LeserINNEN die mit dem „Universum„, so nenne ich es mal, vertraut sind, dürfen gern weiterlesen.

Ähm – brauchen wir das eigentlich? Ein Gegenstück zum ersten Buch? Ich mein, wir kennen alle die Geschichte, sind begeistert und absolut gut unterhalten worden. Wozu dann noch diesen „zweiten Teil“, der fast identisch ist? Wir kennen doch Rhiannon – oder?

So dachte ich, als ich das neue Werk in den Händen hielt. Das Universum hat sich so in mir festgebrannt, dass ich den Inhalt auch nach zwei Jahren noch wiedergeben kann. Wozu dann zurück kehren? Die Fragen haben sich alle schnell beantwortet, denn kehren wir nicht immer gern an die Orte zurück, die uns beeindruckten, die uns einfach gefallen und an denen wir uns wohl fühlen? JA!

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

Rhiannons Perspektive

David Levithan hat es einfach drauf, falls ich das noch nicht sagte. Der zeitliche Abstand von zwei Jahren könnte nicht besser sein, auch wenn ich den Inhalt noch im Kopf hatte. Es ist so schön, endlich mehr von Rhiannon zu erfahren. Auf den Inhalt möchte ich hier in diesem Artikel nicht tief eingehen, eher auf die Lesestimmung, die Levithan mitbringt.

Rhiannon kannten wir bisher nur aus Sicht von A. Nun kommt sie selbst zu Wort und wir können ihre Beziehung zu Freund Justin aus der Nähe betrachten. Zudem waren wir damals nur in A und sind von Körper zu Körper gesprungen. Jetzt erleben wir wie es ist, wenn wir A begegnen. Der weiblichen A, dem männlichen A, dem A der überhaupt nicht passt und dem A der uns total entspricht. Was für ein Gefühlschaos. Ebenso intensiv und vielleicht stellenweise sogar schwerer und komplizierter, als aus der A-Perspektive.

Rhiannon und A schreiben sich Emails. Der einzige zuverlässige Weg, um Kontakt zu halten. Während des Lesens habe ich ab und an in beiden Büchern verglichen, ob die Mails gleich sind. Schließlich müssen diese ja 1:1 passen. Es gab minimale Abweichungen oder ich habe schief geguckt, da oft im „Gegenbuch“ die jeweilige Mail von Gedanken durchbrochen war. Es hat mir echt Spaß gemacht, zwischen den Büchern hin und her zu springen. Erst habe ich mit Rhiannon gefühlt, dann mit A oder umgekehrt. Grandios.

Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

Gefühlswirbelsturm

Ich muss einfach schwärmen, obwohl ich anfangs wirklich skeptisch war. Es ist so schön, an einen buchigen Ort zu kommen, den man kennt. Alles ist vertraut und wir intensiviert und erneut in Erinnerung geholt. Keinesfalls gibt es langweilige Stellen, da Rhiannon uns diesmal nah ist und allerhand zu erzählen hat.

Die Gefühle spielen mindestens genauso verrückt, wie im ersten Buch, als A Hauptprotagonist war. Alle Fans vom Universum müssen es lesen und alle LeserINNEN die jetzt doch bis hier hin gelesen haben, sollten dringend zum Universum greifen. Aus meiner Sicht, sollte „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zuerst gelesen werden, da es nunmal das erste Buch ist und einfach der beste Einstieg ist.

LESEN!!!

Eure
literatwo_banner

George – Mädchen oder Junge?

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Mädchen oder Junge?

Bisher habe ich noch keinen Transgender-Roman gelesen. Ich bin immer und immer wieder drumherum geschlichen, doch nie habe ich zugegriffen. Wegen des Themas? Weil ich zu den Leuten gehöre, die diese Menschen verachten? Um Himmels willen – nein, niemals!

Ich selbst bin ein sehr offener und toleranter Mensch und jeder Mensch kann leben und lieben, wie und wen er möchte, wenn er sich selbst und keinen seiner Mitmenschen damit gefährdet. Meine Omi würde jetzt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, denn sie gehört leider noch zu der Generation, die mit Scheuklappen vor den Augen durchs Leben geht. Sie hält sich die Ohren zu, wenn wir über unseren schwulen Nachbarn reden oder über eine lesbische Kollegin. Sie findet es ekelhaft, wenn sich gleichgeschlechtliche Menschen küssen. Gegen die Menschen selbst hat sie nichts, aber sie möchte es einfach nicht sehen, nicht wissen und es wäre ein Drama für sie, wenn es Homosexualität bei uns in der Familie gäbe. Das ist traurig, aber daran kann ich nichts ändern, wobei ich es oft versucht habe. Mir bleibt nur übrig, zu akzeptieren. Aber ich versuche dennoch weiterhin, ihr Weltbild zu ändern.

Alex Ginos Protagonist George ist allerdings nicht schwul, sondern er möchte gern ein Mädchen sein. Er sieht sich selbst als Mädchen an, als Mädchen im falschen Körper.

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Falscher Körper

George ist 10 Jahre jung und merkt von Tag zu Tag mehr, dass sie kein Junge ist. Sie in Zusammenhang mit Junge? Ja, denn genau in der Form ist auch Ginos Roman geschrieben. Eine Form die ich persönlich sehr mag und an die man sich schnell als Leser gewöhnt. George habe ich dadurch von Anfang an als Mädchen vor mir gesehen.

George liebt es Mädchenzeitungen zu lesen. Sie stellt sich immer vor, dass die Mädchen darin ihre Freundinnen sind. Allerdings muss sie diese verstecken, denn es wäre nicht wirklich gut, wenn die Mutter diese findet. Was würde sie über ihren Sohn denken? Was will ein Junge mit Schminktipps? George liebt es außerdem, jede Menge Zeit mit ihrer besten Freundin Kelly zu verbringen. Bei Kelly hat Georg das Gefühl, so sein zu können, wie sie gern sein mag. George nennt sich selbst Melissa.

„George wusste also, dass es möglich war. Ein Junge konnte zu einem Mädchen werden.“ (Seite 55)

George ihr größter Wunsch ist es, die Rolle der Charlotte im Theaterstück an der Schule zu spielen. Mit Kelly übt sie die Rollen, um beim Vorsprechen richtig gut zu sein. George fasst allen Mut zusammen und schlüpft als einziger Junge in die Rolle von Charlotte. Kelly drückt George die Daumen, doch Charlotte soll von einem Mädchen gespielt werden. Kelly soll Charlotte sein. Eine Welt bricht für George zusammen…

George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

Wandlungen

Was dann passiert, möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten. Mir schnürt es das Herz zusammen, wenn ich an die nächsten Ereignisse denke. Ereignisse die wahnsinnig schön, bewegend, lustig und traurig zugleich sind.

Autor Alex Gino kennt seit über 20 Jahren die transgender Bewegung und konnte durch seine Erfahrungen dieses Kinderbuch schreiben. Genau das merkt man, denn Gino legt wahnsinnig viel Feingefühl und Gespür in seine Figuren. Sie fühlen sich lebensecht an und man ertappt sich selbst dabei, seine eigenen Gedanken zwischen den Seiten zu finden.

Mit Freude habe ich gelesen, was George passiert, welchen Mut sie in sich hat und wie sich ihr Umfeld verhalten und gedreht hat. Wie soll man sich verhalten, wenn das eigene Kind das Gefühl hat, im falschen Körper zu stecken? Georges Mutter ist im Zwiespalt. Will man als Mutter nicht immer nur das beste? Oder will man durchsetzen, was man für sich als das beste empfindet? Gino öffnet Augen und gibt indirekte Antworten.

Was liebe ich dieses Buch. Oh, was liebe ich es. So ein Goldstück der Literatur! Die Charaktere sind so stark gezeichnet, so plausibel, so offen und Gino schreibt so authentisch, so kindgerecht.

Du bist heterosexuell? Oder bist du homosexuell? Du hast das Gefühl im falschen Körper zu sein? Oder das Gefühl im richtigen Körper zu sein? Du bist ein Kind? Nein, du bist kein Kind mehr? Du hast Kinder? Du hast keine Kinder? Ach, du bist Pädagoge? Du bist kein Pädagoge? Du bist zwischen 8 und 99 Jahren alt? Sobald du eine Antwort mit JA geben kannst, gehörst du zu den Menschen, die dieses Buch lesen sollten. Es erweitert den eigenen Horizon, beinhaltet viel Gefühl und eine Geschichte, die jeder kennen sollte.

Lies GEORGE und SEI, WER DU BIST!

Eure
literatwo_banner

Zum Glück braucht mich niemand

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Braucht mich niemand?

Zum Glück bemerkt mich niemand…dachte ich von Liv Marit Weberg habe ich im Februar 2015 gelesen. Ein nicht ganz einfach zu verstehender Roman – ich habe mich mit Nanni darüber ausgetauscht und zwar ganz einfach über Whatsapp. Nach unserem Gespräch ging es uns dann mit dem Gelesenen besser.

Nun trudelte in den letzten Tagen das neue Buch von der Autorin ein. Ich war ziemlich überrascht, da ich überhaupt nicht damit rechnete. Im ersten Buch war kein Hinweis zu finden, dass es eine Art Fortsetzung geben wird, denn die hat es auch nicht gebraucht. Dennoch können beide Bücher einzeln gelesen werden, es besteht kein direkter Zusammenhang. Neugierig habe ich mich in das fast gleichnamige Buch begeben. Wurde Protagonistin Anne Lise zuerst nicht bemerkt, wird sie nun nicht gebraucht. Jedenfalls nimmt sie das an.

Innerhalb von einem Tag habe ich mich durch das Buch, welches aus vielen kurzen Kapiteln besteht und mit knackigen Worte zum jeweiligen Inhalt überschrieben ist, gelesen. Und nun fühle ich nach und denke und bin mir wieder nicht sicher, ob ich es empfehlen kann.

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Erträgt uns niemand?

„Zu schüchtern für eine Beziehung – aber so verliebt, dass es kaum auszuhalten ist.“ – diese recht spritzigen Worten begegnen uns auf dem Rücktext des Buches. Worte die mich erreichen und neugierig machen und kurzerhand ins Buch ziehen. Anne Lise – wir kennen uns sozusagen und eigentlich müsste ich wissen, wem ich da gegenüber trete. Anne Lise – ein recht eigenartiges und vor allem schüchternes Mädchen.

Nun ist alles gut – sie hat einen Freund namens Stian, auch Brille genannt. Sie lebt mit ihm zusammen und sie arbeitet mit ihm gemeinsam in einer Tierhandlung. Die erste große Liebe, alles fühlt sich wunderbar an. Doch wunderbar ist nicht genug und genau in dem Moment, als Anne Lise das vollkommene Glück hat, nimmt sie es nicht wahr. Sie läuft weg.

Zurück zu den Eltern, die keine Eltern im Sinne von einem Paar mehr sind. Ihre Mutter hat einen neuen Freund, es gibt neue Geschwister und überhaupt ist alles neu und nicht mehr so wie alles einmal war. Anne Lise muss wieder weiter, sie zieht es jetzt nach Oslo in eine WG mit Marianne. Die meint recht schnell zu ihr, dass Drogen eine gute Lösung sind, denn „…Du musst wissen, Glück lässt sich chemisch herstellen.“ (Seite 102)

Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

Oslo da bin ich

Eine neue Arbeit muss her und die ist relativ schnell gefunden. Es ist wieder eine Tierhandlung und ihr Chef heißt Roy. Er bleibt nicht ihr einziger neuer Kontakt, denn bald kann sie Yasmin als ihre Freundin nennen. Doch ist das ihr neues Leben, das Leben, was Anne Lise wollte?

„Das Leben ist zu kurz, um nicht ganz genau das zu machen, worauf man Lust hat.“ (Seite 131)

Anne Lise ist kein alltäglicher Charakter. Man mag sie oder man mag sie nicht. Ich selbst bin mir nicht sicher, denn Liv Marit Weberg schreibt so spritzig frisch und stellenweise so schön trocken, dass man weiterlesen, sie mögen und vor allem verstehen will. Ihr Ziel ist einfach und klar: sie möchte ertragen werden.

Doch während sie immer weiter in eine depressive Phase schlittert, macht sie es sich nicht nur selbst, sondern auch ihren Mitmenschen schwer. Ihr Leben ähnelt einer Berg und Tal fahrt. Sie rennt weg und ist alleine, dann kommt sie mit neuem Selbstbewusstsein zurück und versucht im Mittelpunkt zu stehen. Sie taumelt wie ein Blatt im Wind hin und her und versucht auf ihre Art auszubrechen, anzukommen und negative Gedanken durch positive zu ersetzen.

Wir werden alle gebraucht und wer eine recht eigenartige und doch liebenswerte Protagonistin braucht, der sollte Anne Lise kennenlernen.

Eure

literatwo_banner

Nebenwirkungen des Lebens

Nebenwirkungen des Lebens - No & ich
Nebenwirkungen des Lebens – No & ich

„Ich dachte an die Nebenwirkungen des Lebens, die auf keinem Beipackzettel, in keiner Gebrauchsanweisung genannt werden“

Lou, ein 13-jähriges Mädchen. Etwas zu klein geraten aber dafür mit einem IQ von 160 ausgestattet, stellt sie sich immer wieder dem Leben. Auch nachdem ihre Schwester gestorben ist. Auch nachdem sich die Mutter abgeschottet hat. Sie ist sehr einsam, doch der Drang die Welt zu verändern, bleibt.

Viele verschiedene Experimente, wie zum Beispiel das Zeitmessen bis der Mundabdruck auf dem beschlagenen Spiegel verwindet oder ein Test wie widerstandsfähig ein Haargummi im Vergleich zu einem Schnippsgummi ist, gehörten bisher zu ihrem Hobby.

Lou

Für ein Referat in der Schule hat sie sich nun ein Thema über Obdachlose ausgesucht. Sie möchte eine Obdachlose interviewen und schon bald läuft ihr No über den Weg. No, ein Mädchen mit dreckigen Klamotten, abgekauten Fingernägeln, ohne Geld, ohne Familie, ohne alles und das mit gerade mal 18 Jahren.
Lou beginnt sich mit ihr regelmäßig zu treffen und spendiert ihr als Gegenleistung für das Interview immer einen Besuch im Cafe.
Eine Freundschaft beginnt und Lou schafft es ihre Eltern zu überzeugen, No bei sich aufzunehmen.

Nun ist Lou keine richtige Einzelgängerin mehr, doch auch jetzt ist nicht jeder Tag voller Sonnenschein. Um sich abzulenken wendet sie sich weiter ihren häuslichen Experimenten zu oder denkt an die erste Annäherung mit Lucas.

„…Beim Küssen gibt es keine vorgeschriebene Richtung, wir sind doch keine Waschmaschinen!“

No & ich
No & ich

No versucht nun den Weg aus ihrer Welt in die von Lou zu finden, doch als sie fast fest auf dem Boden steht, beginnt alles erneut ins Schwanken zu kommen. Geschworenes Vertrauen und Zusammenhalt werden auf die Probe gestellt.

No & ich – ein fesselndes Buch was sehr tief berührt. Delphine de Vigan schaffe es, sich in eine von außen kindliche aber innerlich sehr reife Teenagerin zu versetzen. Sehr einfühlsam beschreibt sie die Gedankenwelten der beiden Protagonistinnen und trifft dabei den empfindlichsten Nerv des Lesers. Viele Textstellen müssen einfach mehrmals gelesen werden, weil sie so schön sind und wiederum auch so ergreifend.

Das Buch ist für mich und sicher für viele andere, die es gelesen haben, ein Highlight aus dem Jahr 2009 und sollte auf jede Bücherwunschliste aufgenommen werden.

Mehr Vigan gefällig? Kein Problem: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Eure
literatwo_banner

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Ein bedrückendes Gefühl stellt sich beim Lesen der ersten Seiten bei mir ein. Diese handeln von Alice Della Rocca. Sie hasst die Skischule, aber ihr Vater möchte, dass sie dahin geht. Jeden Tag hat sie Angst auf den Berg hinauf zu fahren. Ihre Angst geht soweit, dass sie ihre Blase nicht kontrollieren kann und sich heimlich von der Gruppe abgrenzt, um das Unaufhaltbare heimlich zu verrichten. Doch an diesem Tag ist es schlimmer als sonst und Alice mag nicht zur Gruppe zurückkehren. Sie versucht alleine den Hang hinunter zu fahren, doch die schlechte Sicht und die verbotene einsame Skipiste bringen sie zum Stürzen.

Wie ein Engel im Schnee bleibt Alice liegen. Dieser Tag verändert Alice und das Verhältnis zu ihrem Vater, indem sie das Vertrauen verliert und sich in ihre Einsamkeit zurückzieht.

Mattia hat eine Zwillingsschwester, die allerdings das komplette Gegenteil von ihm ist. Er ist schlau und entwickelt sich stetig weiter, seine Schwester hat eine Behinderung und kann sich nicht artikulieren. Beide sind dadurch zu Außenseitern geworden und werden von den Mitschülern eher gemieden. Mattia erhält eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier, auf die er seine Schwester mitnehmen muss. Obwohl er weiß, dass er nur eingeladen wurde, weil die Eltern des Mitschülers das wollten, geht er hin. Für ihn selbst schon ein schwerer Schritt, das allerdings seine Schwester ihn noch begleiten soll, ist eine zu große Belastung für ihn. Er weiß sich nicht anders zu helfen und lässt sie in einem Park für eine Zeit lang alleine, um sie dann unbemerkt wieder abzuholen. Eine fatale Entscheidung, denn sie ist nicht mehr dort, wo sie bleiben sollte.

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Sieben Jahre später treffen sich Alice und Mattia auf einem Gymnasium. Beide scheinen magisch voneinander angezogen zu werden. Beide sind Außenseiter, ihre Mitschüler ignorieren sie oder treiben böse Spiele mit ihnen. Vor allem Alice ist vor ihren angeblichen Freundinnen nicht sicher und wird immer wieder ausgenutzt. Wie zwei Primzahlenzwillinge kommen sich die beiden vor und auch wenn sie nicht allzu viel miteinander reden, ist die Verbindung sehr stark. Keinen anderen als Mattia würde Alice bitten, mit einem Messer ihr Tattoo zu entfernen. Im Gegenzug gibt Mattia ihr seinen innerlichen Schmerz preis und vertraut sich ihr an.

Doch die Schule dauert nicht ewig an und es läuft draus hinaus, dass sich die Wege der beiden trennen. Es fehlt beiden an Mut, sich füreinander zu entscheiden und beide müssen sich der Zukunft stellen. Beide weiterhin einsam, ohne den anderen. Mattia flüchtet sich in die Welt der Zahlen, in der er sich sicher fühlt.

Alice flüchtet in sich, zieht sich in ihren Körper zurück und geht mit diesem so um, wie sie es weiterhin für richtig hält. Doch diese Einsamkeit kann einige Zeit dauern, aber nicht über Jahre so weiter gehen.

Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen ~ Paolo Giordano

Der italienische Autor Paolo Giordano hat in seinem Buch Die Einsamkeit der Primzahlen (Karl Blessing) zwei sensible Protagonisten geschaffen, die sich lieber Schmerz zufügen als in eine vielleicht unbeschwerte Zukunft zu starten. Dem Leser nimmt er durch seine poetisch tiefgreifenden Sätzen und Schilderungen die Schutzhülle und macht ihn nackt. Die Leserseele liegt offen und wird dadurch empfindlich, angreifbar und mit Worten erschüttert. Man taucht in die reale Welt der Außenseiter ein, möchte beide anschreien und in eine Welt führen, die ganz anders ist. Eine Welt, in der es Geborgenheit gibt, in der es Freunde gibt und Menschen, denen man vertrauen und die man lieben kann.

Das Buch ist überzogen mit Traurigkeit, Melancholie und den Traumata der beiden Handelnden. Bis zum Ende halte ich meine ausgestreckten Hände zu beiden hin, bis mir alles schmerzt und ich sie zurückziehen muss. Ich muss das Buch zuklappen, muss beide alleine lassen. Das Ende und die sich etwas in die Länge ziehenden letzten Seite verdauen und mir einen Moment der Pause gönnen, eine Art Einsamkeit finden, in der ich über Alice und Mattia nachdenken kann.

Bewegend. Bedrückend. Beklemmend. Berührend. Besonders.

Eure
literatwo_banner

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ohne zu wissen, um was es ganz genau in dem Roman geht, musste ich ihn einfach haben. Ja, dass passiert auch. Der Junge am Wasser auf dem Cover und der Titel „Ein besonderer Junge“ haben mich einfach magisch angezogen.

Und so bin ich ins Paris Anfang der siebziger Jahre zurück gereist, um Louis zu treffen. Louis ist kein junger Mann, wie man ihn sich vielleicht vorstellen würde. Er bezeichnet sich selbst als etwas anders, ist eher verschlossen als aufgeschlossen und geht seinen eigenen, ziemlich ruhigen Weg. Er hatte noch keine Freundin, ist schüchtern und mag keinen großen Trubel um sicher herum, zudem hat er sowieso keine Freunde, mit denen er etwas unternehmen könnte.

Der große Schweiger wird Louis von seinen Eltern genannt. Ob er sein Jurastudium schaffen wird, weiß er nicht, allerdings weiß er genau, dass er dringend Geld braucht, um es zu finanzieren. Ein Stellenangebot spricht ihn sofort an, viel mehr die darin enthaltenen Wörter „besonderen Jugendlichen“, da er sich selbst so fühlt.

„Suche motivierten jungen Mann für die Betreuung eines besonderen Jugendlichen während eines Aufenthalts mit seiner Mutter in Horville (Calvados).“

Louis greift kurz entschlossen zum Telefon und erreicht den Vater des besonderen Jungen namens Iannis. Die Familie hatte wohl schon einige Betreuer eingestellt, doch alle haben nach kurzer Zeit die Flucht ergriffen. Aus diesem Grund zögern die Eltern nicht und Louis macht sich auf die Reise nach Horville.

Horville, der kleine Ort am Strand in der Normandie war ein zusätzlicher Grund den Job anzunehmen, da Louis viel Zeit dort verbrachte. Erinnerungen werden in ihm wach, wenn er an die vergangene Zeit, die vergangenen Urlaubsausflüge denkt.

Die erste Begegnung mit Iannis ist nicht einfach und auch die weiteren gemeinsamen Tage werden zur speziellen Herausforderung. Iannis Mutter Helena zieht sich ziemlich schnell in ihre eigene Welt zurück. Sie ist froh endlich wieder jemanden zu haben, der ihr die „Last“ Iannis abnimmt. Sie möchte schreiben, sich ihren erotischen Romanen hingeben und mit einem gutaussehenden jungen Mann im Haus, gelingt ihr das umso besser.

Louis hingegen ist schnell auf sich allein gestellt und versucht sich auf Iannis und seine unterschiedlichen Verhaltensmuster einzustellen. Iannis redet nicht, obwohl er bereits 16 Jahre ist. Er kann nicht schreiben, er ist immer noch ein Bettnässer, er ist verschlossen und in sich gekehrt. Niemanden lässt Iannis an sich heran. Trotz seiner Art ist er nicht dumm, er nimmt alles in sich auf und verarbeitet diese Dinge auf seine Weise.

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Louis erkennt in Iannis, dass er genauso besonders ist wie er. Er unterhält sich mit ihm, erzählt ihm von seiner Vergangenheit und unternimmt viel mit ihm, um Helena viel Ruhe zu ermöglichen.

Seinen Job hat sich Louis anfangs nicht so anstrengend vorgestellt und auch hätte er es sich nicht träumen lassen, dass Iannis Mutter Helena mit ihm flirtet, ihn verführen will.

Verlief Louis sein Leben wie ein ruhiger See auf dem kein Lüftchen wehte, kommt nun auf ihn eine hohe Welle zu, die ihn verändert. Aus schwarz-weiß, wird farbig, aus farbig wird schwarz-weiß.

Der Griff zum Roman von Philippe Grimbert, war der richtige, da ich genau diese Stimmung suchte, jemand anderen treffen wollte, eine tiefe Geschichte mit vielen Besonderheiten brauchte. Louis wie auch Iannis sind besonders, völlig anders und genau die Tatsache, macht das Buch und die Zeit in der Normandie so außergewöhnlich.

Iannis hat autistische Züge und Louis hat es nicht leicht, mit ihm klar zukommen. In seiner zweisamen Einsamkeit blickt Louis auf sich selbst zurück, auf seine damalige Zeit mit seinem damaligen besten Freund. Diese Erinnerungen ziehen an seinem inneren Auge vorbei, aber unterbewusst, beginnt er darüber zu reden, Iannis zu erzählen.

Iannis ist in seiner Welt eingeschlossen, ohne spürbar aus seiner Welt heraus zu kommen. Und doch bekommt Iannis mehr mit, als Louis oder seine Eltern zu ahnen scheinen. Die Zeit rückt näher, Louis seine Zeit endet bald, da ein Heimplatz für Iannis frei wird. Beide Jungen haben ein festes, transparentes Band untereinander geknüpft, ein besonderes Band des Zusammenhaltes und fällen eine besondere Entscheidung.

Mehr als bildlich schreibt Grimbert und lässt seine zwei Hauptprotagonisten schnell ans Herz wachsen. Sie sind so besonders, dass sie sich im Leserkopf fest verankern. Grimbert lässt tief in die Seelen der beiden blicken und macht unsichtbare Dinge sichtbar für den Leser, die er vielleicht so nie wahrgenommen hätte.

Ein berührendes, besonderes Buch voller bildlicher, teils poetischer Klarsicht.

Eure
literatwo_banner

Sky – was geht?

Sky - was guckst du?
Sky – was guckst du?

Kolumne 22/2016: #Sky

Zum Sonntag gibt es heute mal wieder einen Sonntagsbericht. Sky und Binea? Das passt ja genauso zusammen, wie Sommer und Skianzug. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Mensch bin, der unbedingt einen Fernseher braucht und Sky ist ja dann wohl total überflüssig. Nunja, Dynamo Dresden spielt in der neuen Saison nun in der 2. Bundesliga und wenn ich mal den Fernseher anschalte, dann wegen Fußball. Aber ich bin ja nicht alleine und mich stört es wenig, wenn beim Lesen im Hintergrund die Flimmerkiste flimmert. „Also, Hallo Sky! Ich brauche dich nicht, aber von mir aus kannst du bleiben.“

Der Receiver hat mich gleich gestört, ich mag keine zusätzlichen Staubfänger, aber gut, wenn er dazu gehört und sein muss – dann aber dynamisch – dafür gibt es das Ding ja in der Optik. Von mir aus – besser als langweilig schwarz oder silber.

Ich gucke selten Filme, wenn dann Buchverfilmungen und ich gucke überhaupt keine Serien, Staffeln und so einen Sch…wie ich immer gern sage. Aber so richtig stimmt das nicht, wie ich recht schnell selbst feststellte. Da war doch was und es nennt sich: Game of Thrones.

Waaaassss? Wir können das jetzt gucken? Echt? Wie genial ist das denn. Da gab es neben dem fußballerischen Guckeffekt gleich den ersten Pluspunkt, aber das war es dann auch schon. Das andere Seriengedönse und sowas grauenvolles wie Akte X – fragt mich mal, woher ich die Abneigung habe, aber ich finde die Darsteller schon irgendwie keine Ahnung – muss ich mir nicht geben. Ich ergucke mir einfach nichts an den Serien. Ich bin eben ein Buchkind.

Aber das Sky-Menü – die große Auswahl an Filmen habe ich mir mal mit angeguckt, ich muss ja auch etwas informiert sein und dann kam der Aufschrei „Waaassss? The Returned?“ Ist ja irre – das gibt es nicht nur als Buch? Ach stimmt, da war ja was im Gespräch auf der Buchmesse in Leipzig zwischen Arndt und Carina vom Loewe Verlag/Script 5. Ich habe gleich abgeblockt, als ich über den Inhalt erfuhr. Schon das Cover schreckte mich im Vorfeld ab.

Sky - The Returned
Sky – The Returned

Schon wenn ich den Jungen auf dem Cover sehe – ist der nicht irgendwie gruselig? Ich bekomm schon beim Anblick Gänsehaut und wenn ich dann schon höre, dass er irgendwie immer da ist und nicht redet und das in den Handlungsort verstorbene Personen zurückkehren und ihr altes Leben einfach wieder aufnehmen, aufnehmen wollen, dann schüttelt es mich. Urgs…

Aber die Serie – hm…wäre mal eine Überlegung wert. Lesen werde ich das Buch auf keinen Fall. Ich mag schon alleine das Buch wegen des Covers nicht hier stehen haben wollen. Außerdem bin ich mit dem Inhalt, dank Arndts Worten recht vertraut und auch seinen Artikel zum Buch habe ich gelesen. Ihr nicht? Dann lest mal hier, was er schreibt, wenn er sagt: Idylle war gestern.

Gruselig oder? Zumindestens für mich dann doch nicht gruselig genug, denn meine Neugierde wuchs und wuchs und ihr könnt euch sicher denken, was passierte. Richtig, die Buchtante Binea, die das Cover grausig findet und nicht wirklich gern mysteriöse Horrorgeschichten schaut, hat es getan. Und ist nun infiziert und süchtig und kann es kaum erwarten, die zweite Folge der ersten Staffel zu sehen. Es wird wohl direkt heute Abend weiter gehen.

Wenn ihr im Laufe der Woche nichts von mir hört und lest und überhaupt, dann wisst ihr, dass ich eingeschlossen in der Wohnung und eingemummelt in der Decke auf dem Sofa sitze und mit stierendem Blick und an den Fingern nagend dort bin, wo die Vergangenheit zurück kehrt…

Kennt ihr „The Returned„? Wohnt Sky auch bei euch? Welche Serien guckt ihr?

Eure

literatwo_banner

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Zwei Menschen im Schnee…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag (Hanser Literaturverlage) von Elizabeth LaBan habe ich mir vor ein paar Wochen an einem Freitagabend gekauft. Ich bin durch die Jugendbuchregale gestöbert und meine Augen sind einfach am Cover und am Titel kleben geblieben. Lustkäufe sind immer gut und meist entpuppen sich diese immer als absolute Volltreffer. Als ich den Klappentext kurz überflog, war mir klar – kaufen, kaufen, kaufen, egal wie viele Bücher daheim warten. Das Buch brauchst du – so meine Gedanken.

Immer den Spuren im Schnee nach – den zwei Jugendlichen auf dem Cover hinterher. Das Tor steht offen, also los…

Mit Duncan bin ich durch den Torbogen hindurch. Duncan ist gerade in New York angekommen, genauer gesagt, in der Irving School. Er ist nun Abgänger und muss sich der Jahresarbeit stellen. Aber nicht nur diese beschäftigt ihn, sondern auch die Zimmerfrage, denn die letzten des Jahrgangs leben in einem Haus im Innenhof und bekommen ein Zimmer zugeteilt.

Als er sein Zimmer findet, ist es nicht sein Traumzimmer, aber er weiß, wer dort vor ihm gewohnt hat und er ist gespannt, was er ihm hinterlassen hat. Der Schatz entpuppt sich als CD Stapel. Klingt nicht berauschend, aber der Brief von Tim weckt Duncans Neugierde und es dauert nicht lange, bis er die erste CD abspielt…

„Duncan hatte Tim immer seltsam gefunden, und neben allem anderen hatte es auch Gerüchte gegeben, die sich um Tim und die hübsche Vanessa rankten. Die hatten sich zwar nie bestätigt, aber nach den dramatischen Ereignissen zu wilden Spekulationen Anlass gegeben.“ (Seite 48)

Ein offenes Tor…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Spuren im Schnee…

Play…

Tim ist auf dem Weg zur High School, doch auf dem Flughafen ist vorläufiges Ende, denn das Schneechaos verhindert das Weiterfliegen. Während seine Mutter mit ihrem neuen Mann in Italien heimisch wird, sitzt er in der Wartehalle. Ein Mädchen gerät in sein Blickfeld. Vanessa. Tims Mutter bekommt ein Hotelzimmer organisiert und Vanessa verbringt mit ihm die Nacht dort. Doch Vanessa kennt Tims Reiseziel nicht. Tim kennt allerdings Vanessas Ziel und Tim kennt ihren Freund…

„Er hatte den Moment miterlebt, als die Dinge kippten, als aus etwas Schönem etwas Schreckliches wurde. … Er musste wissen, was zu jener schrecklichen Nacht geführt hatte.“ (Seite 54)

Stop…

Duncan stoppt die CD und ruft damit das Auftauchen hervor. Nein – nicht anhalten. Hey Duncan, mach die CD wieder an, los…

Gebannt lauschen wir gemeinsam mit Duncan, was Tim passiert. Er ist Albino und erzählt, was damals geschah. Duncan soll es wissen. Vanessa soll es wissen. Sie sollen beide alles wissen, vor allem seine Gedanken und Empfindungen. Nur er und sie sind im Besitz der CDs. Und wir – wir Leser.

Die Spannung steigt von Seite zu Seite und Autorin Elizabeth LaBan hält uns zwischen ihren Worten gefangen. Wie gern würden wir alle CDs komplett hören, denn wir hängen an Tims Lippen. Aber ganz richtig ist das auch nicht, denn im realen Leben, in Duncans Welt, ist es keinesfalls langweilig.

„Das Wort Tragweite brachte ihn dazu, alles kritisch zu betrachten.“ (Seite 189)

Elizabeth LaBan hat genau das richtige Gefühl, ihre Leser im Buch zu halten. Sie lässt uns Leser nicht kapitelweise hin und her springen. Sie gibt uns die lange Leine, damit wir jeweils tief tauchen können. Sie setzt uns neben Duncan und lässt uns völlig in Tims Leben abschweifen. Jede Unterbrechung von Tims Erzählung lässt uns aufschrecken und spannt in uns den Bogen der Neugierde.

Ein offenes Tor…

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan
So wüst und schön sah ich noch keinen Tag ~ Elizabeth LaBan

Spuren im Schnee…

Was ist Tim damals passiert? Wie geht es Vanessa? Warum hat ausgerechnet Duncan die CDs?

Fragen, auf die es Antworten gibt. Antworten die uns erschüttern, die uns befriedigen und Antworten, die uns sprachlos machen, die in uns die pure Emotionalität wach küssen und noch viel mehr.

Mein inneres Buchgespür hat den Buchdeckel auf den Lesezeichenkopf getroffen. Der Lustkauf war ein Volltreffer, denn ich habe das Buch förmlich gefressen. Dieses Buch hat mir erneut gezeigt, wie tief Jugendliteratur ist. Genau diese Art Roman ist es, die mein Lesen bereichert.

LaBan hat zwei männliche Charaktere geschaffen, die mit ihrem Verhalten beeindrucken. Zum einen der Außenseiter Tim, der schwer verliebt ist und mit Vanessa ein merkwürdig besonderes Band der Verbundenheit aufrecht erhält. Zum anderen ist es Duncan, dem eine große Aufgabe bevor steht und in dem ganz langsam der Mut wächst, den Mut den er braucht, um etwas zu erreichen und zu bewältigen.

Ein Buch für Jungs – endlich. Aber auch ein Buch für Mädchen, völlig klar. Ein Buch für jeden, der bereits in Schulzeiten vor großen Aufgaben stand. Aufgaben die mit Gefühlen zu tun haben, Aufgaben, die mit Mut zu tun haben und Aufgaben, die nicht ganz ohne sind.

Ich mag es einfach sehr – es ist eine Einheit. Der Inhalt ist tief und doch ohne Kitsch. Die Handlung ist umfassend spannend und doch schlüssig und unvorhersehbar. Die Gestaltung und der Inhalt gehen Hand in Hand, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

So wüst und nah sah ich noch keinen Tag – wohl wahr, wohl wahr..

Eure
literatwo_banner

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

„Das kleine, durchsichtige Tütchen hatte Julia Roberts mitgebracht. Es hatte auf der Innenseite der Pretty-Woman-DVD geklebt, die Lela von diesem Mondscheinbazar in Malicov mitgebracht und mir geschenkt hatte.“ (Seite 45)

Lela und Lisa – beste Freundinnen. Unzertrennlich. Beide eigenständige Charaktere, Jungs schwirren um sie herum und sie teilen all ihre Gedanken miteinander. Sie möchten nicht ohne sich sein, denn sie können sich so viel geben, was sie in ihren Elternhäusern nicht bekommen – jeden Falls nicht vollständig und konstant.

Und dann taucht die kleine Tüte auf. Crystal Meth? Beide sind angeekelt und haben sich schon mehrmals selbst mit dem Thema konfrontiert. Ob im TV oder der Vortrag über Drogen in der Schule – beide waren sich sicher, dass sie nie so enden wollen, wie die Personen die sich in den Klauen der Sucht befinden. Nicht Lela und Lisa. Nein.

Nur einmal probieren? Es wird schon kein Crystal Meth, kein Ice sein. Wieso sollte es auch? Lela und Lisa brechen ihre Prinzipien und wagen den Versuch. Sie werden high, fühlen sich frei und glücklich…

Einmal ist keinmal – oder wie sagt man so schön? Das Glück ist vorüber, die Wirkung lässt nach und Lela ist einsam und allein. Nur noch einmal, nur ein bisschen, nur noch etwas Glück…

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth (Loewe) von Jana Frey öffnet Augen. Nein, die Autorin schreibt keinesfalls mit erhobenem Zeigefinger. Nein – Freys Protagonistinnen handeln frei und leben ihre Leben, wie es kommt.

Beide Mädchen kommen aus keinem heilen Elternhaus und haben, wie wohl jeder von uns, einen Lebensstempel, eine eigene Geschichte und mussten schon ein paar Hürden meistern. Ihre Leben leben sich so dahin und dann liegt plötzlich eine Tüte Abenteuer vor den beiden.

Jana Frey schreibt wahnsinnig real. So real, als würde man mitmachen, direkt dabei sein. Die Nähe erzeugt sie, in dem sie abwechselnd über Lela und Lisa schreibt. Man fühlt den Schmerz von Lisa, als sie ihre Freundin Lela entgleiten sieht. Man fühlt das Glück in Lela, als sie berauscht durchs Leben schwebt.

Eine Gefühlsmischung der Extraklasse – ein Gefühl was betäubt und berührt, ein Gefühl was anekelt und ernüchtert.

Die Kluft zwischen den beiden Freundinnen wird größer – Drogen verändern. Freundeskreise bilden sich neu, Randgruppen entstehen. Die Liebe stellt sich bei Lisa ein. Die Flucht vor dem Leben wird bei Lela akut.

„Hauptsache, nicht zu Hause. Hauptsache, sie hatte Spaß. Hauptsache, sie war mit den anderen zusammen.“ (Seite 136)

Liebe – Lebensabgrund – zwei Worte die mit L beginnen und doch völlig ungleich zueinander sind. Mich persönlich hat der knapp 180 Seiten umfassende Roman wahnsinnig bewegt. Ich habe nicht nur meine eigenen Gedanken gedreht und gewendet und immer wieder neu gedacht. Ich habe mich viel über das Thema mit Menschen unterhalten, die ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben und durfte in einen Lebensspiegel gucken.

In mir knotet es sich heftig zusammen – ein sensibles und doch so wichtiges Thema.Jana Frey habe ich einige Fragen zu ihrem Buch stellen können, die mich beim Lesen umtrieben haben.

Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey
Lass mich glücklich sein! Im Bann von Crystal Meth ~ Jana Frey

Lest selbst im literatwoischen Akrostichon, wie sie meine Fragen beantwortet hat.

literatwo-einzelbuchstaben

isa und Lela. Warum hast du weibliche Protagonisten gewählt?

Mein Verlag ist der Meinung, dass es sinnvoller ist, weibliche Protagonisten zu wählen, weil sich die weibliche Leserschaft dann intensiver und leichter angesprochen fühlt – und weil eben mehr Mädchen als Jungen zu Büchern greifen… Ich selbst schreibe sehr gerne auch aus männlicher Sicht (siehe beispielsweise „Die vergitterte Welt“ und „Liebeskinder“), aber schlussendlich hat da (leider) der Verlag das letzte Wort.

literatwo-einzelbuchstaben

n welchem Moment kam dir die Idee das Thema Drogen in einem Roman zu thematisieren?

Ich habe mich ja schon mehrfach mit dem Thema Drogen beschäftigt und verfolge mit Sorge die Entwicklung in Bezug auf harte Drogen wie Crystal Meth. Was in den 1980er Jahren sehr bewusst geworden war, ist erschreckenderweise längst wieder größtenteils aus dem Bewusstsein der Jugendlichen „raus“. Drogen betreffen heute eine viel größere Bandbreite von Jugendlichen, was nicht zuletzt seine Ursache in der sogenannten „Spaßgesellschaft“ hat, in der schlimme und gefährliche Dinge sehr leicht auf die leichte Schulter genommen werden.

literatwo-einzelbuchstaben

hema Droge – Welchen Stellenwert haben Drogen für dich in unserer heutigen Gesellschaft, im Jahr 2016?

Wenn ich an Schlagzeilen wie die von Volker Beck (Die Grünen) in der jüngsten Zeit denke, wird mir sehr beklommen zumute. Drogen scheinen sehr „gesellschaftsfähig“, „harmlos“ und allgegenwärtig geworden. Dem gilt es entschieden entgegenzutreten. Ballermann, sogenannte Saufspiele, Vorglühen, studentisches Prahlen von StudentInnen in Bezug auf durchgesoffene Nächte stimmen mehr als nachdenklich. Jugendlichsein scheint da oft sehr trostlos und krankmachend und sinnentleert.

literatwo-einzelbuchstaben

rfahrung. Hattest du selbst schon Erfahrungen mit diversen Drogen bzw. stecken im Werk biografische Auszüge aus deinem Leben?

Obwohl ich niemals geraucht oder im Jugendalter Alkohol konsumiert habe, habe ich damals doch hin und wieder einen Joint mitgeraucht. Allerdings kein Haschisch, sondern frisches (tabakloses) Marihuana in meiner Zeit mit 19 Jahren in San Francisco. Das war eine interessante Erfahrung, die aber schnell vorüberging. Danach habe ich mich nur noch aus der Ferne mit der Materie „Drogen“ beschäftigt. Dennoch habe ich im Umfeld meiner Kinder (Waldorfschule) teils sehr erschreckende Erfahrungen miterlebt, die mich nachhaltig beschäftigt haben. Bis heute. Nun habe ich wieder zwei – noch kleine – Kinder und das Problem „Drogen im Jugendalter“ steht erneut, wenn auch nur mittelbar, vor mir. Man muss sehr aufmerksam sein, sehr nah am Leben der eigenen Kinder und ihrer Freunde, und sich immer wieder ein Bild von dem zu machen, was passieren könnte. Es ist ein weites Feld: Computerspiele, Drogen, Alkohol…  Jugendlich sein ist eine schwere, herausfordernde Zeit.

literatwo-einzelbuchstaben

echerche. Wie sah dein Schreibtag aus? Wie und wo hast du recherchiert?

Ich schreibe konsequent die Vormittage durch, solange meine Zwillinge in der Schule sind. Sie sind Erstklässler. Auf Recherche begebe ich mich nachmittags. Für dieses Buch habe ich mit vielen, vielen betroffenen Jugendlichen gesprochen. In Mainz, in Berlin, Hamburg…

literatwo-einzelbuchstaben

n welche LeserInnen ist dein Buch adressiert?

Ich schreibe an alle LeserInnen 🙂 Es ist ein weites Feld. Ich glaube daran, dass Bücher immer für fast alle sind. Erwachsene, Jugendliche, Lesebegeisterte, Leseanfänger, Leselustige, Leseunlustige. In einem guten Buch sollte jeder etwas finden, dass ihn fesselt und dass ihm Denkanstöße gibt!

literatwo-einzelbuchstaben

extstelle. Welche Stelle im Buch hat für dich die größte Bedeutung und warum?

Oh, das kann ich so gar nicht beantworten. Das wäre heute die Stelle und morgen eine völlig andere. Das kommt immer darauf an, wo ich mit meinen Gedanken und Gefühlen gerade bin. Manchmal fesseln mich traurige, schwere Passagen, weil es Tage gibt, an denen mir diese Gefühle nah sind und nah gehen – an wieder anderen Tagen bin ich ganz woanders und favorisiere darum ganz andere Textstellen.

literatwo-einzelbuchstaben

arum Crystal Meth und nicht Heroin, Koks oder Ecstasy?

Ich habe ja schon mal ein Buch zum Thema „Drogen“ geschrieben: „Höhenflug abwärts“ – das ist schon viele Jahre her. Dieses Mal war es Crystal Meth, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging: der Name, wie es hergestellt wird, wie erschreckend „erschwinglich“ es ist, wie es zerstört – und wie verbreitet es ist. Und wenn sich etwas einmal in meinem Kopf richtig festgesetzt hat, dann will es früher oder später raus! Zuerst trage ich es mit mir, dann wird es drängend, dann beginne ich mich damit zu beschäftigen, dann raubt es mir den Schlaf, dann fange ich an, nächtliche Notizen auf meinen Gedankenblock zu kritzeln – – – und dann wird ein Buch daraus! 🙂

literatwo-einzelbuchstaben

hne Drogenerfahrungen. Was rätst du Menschen die mit dem Gedanken spielen, Drogen zu nehmen?

Das ist schnell beantwortet: die Finger davon zu lassen! Ich bin ja ein ziemlicher Kopfmensch und Drogennehmen wäre vermutlich nie mein persönliches Prpblem. Aber dennoch: sogar bei einem Glas Sekt oder Wein denke ich! Ich denke: Oh, ich muss ja noch Auto fahren! Und dann lasse ich es. Oder ich denke: Oha, die Kinder sind noch nicht im Bett! Mehr als höchstens ein kleines Glas würde ich dann nicht trinken. Ich bin mir immer sehr bewusst, was ich tue. Und ich hoffe inständig, dass viele andere das eben auch sind!

F wie…Frey. Jana, magst du dir selbst eine Frage stellen, die dir zuvor nie zu diesem Werk gestallt wurde und auch gleich beantworten?

Okay! „Immer weiter Bücher schreiben?“

Hm, ich bin nicht sicher! Schreiben war immer mein absoluter Traum! Ich liebte es und habe inzwischen tatsächlich 100 Bücher geschrieben, die in viele, viele Sprachen übersetzt wurden.

Aber derzeit bin ich ziemlich desillusioniert. Jugendliche heute sind in vielerlei Weise so ganz anders als noch vor 10 oder 15 Jahren: Handys, Whatsapp, Facebook, Computer, Sendungen wie DSDS, Bauer sucht Frau und Dschungelcamp haben viel verändert. Es wird viel weniger gelesen, und wenn gelesen wird, sind da Bücher wie Twilight, Panem oder Shades of Grey.

Das ist meilenweit von dem entfernt, was ich mag. Diese Bücher, diese Schwerpunkte machen mich ratlos und verwirrt.

Wie wird es mit Büchern weitergehen? Die 1980er und 1990er Jahre – meine Lieblingszeit – scheinen weit, weit weg…

Vielen Dank, liebe Jana, für die Antworten, die Frage und dein Buch!

Eure
literatwo_banner