Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Margos Spuren ~ John Green

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Vor gut über zwei Jahren machte ich meinen ersten Ausflug in die Schreib- und Gedankenwelt des Autors John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter hat mich sehr berührt und ich habe das Werk regelrecht verschlungen. Wenn man gute Leseerfahrungen gemacht hat, möchte man diese natürlich erneut machen. Als ich Margos Spuren (dtv) in der Hand hielt, war die Spannung groß. Kann mich Green erneut begeistern oder klappt es dieses Mal nicht?

Wer ist Margo? Welche Spuren werden hinterlassen? Nun wollte ich es wissen und ich zögerte nicht lange und prompt stand ich ihr gegenüber.

Margo Roth Spiegelman – eine undurchschaubare Person, die Rätsel liebt und schon mit neun Jahren für Quentin eine Art Rätsel war. Quentin und Margo sind nicht nur seit dem zweiten Lebensjahr Nachbarn, sondern wohnen regelrecht Fenster an Fenster. Quentin freut sich, wenn Margo seine Nähe sucht, denn schon immer schlägt sein Herz für sie. Er ist durch und durch in sie verliebt. Und Margo? Margo ist und bleibt rätselhaft, wird mit fortschreitendem Alter immer rätselhafter, eigener und teilweise sogar unnahbar.

„Margo hat Rätsel immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde.“ (Seite 13)

Lange Zeit haben Quentin und Margo nicht wirklich Kontakt. Das Band der Freundschaft lockert sich durch die charakterlichen Entwicklungen, Vorlieben und durch das Lebensumfeld. Margo ist besonders speziell – sie ist verrückt, hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen, sie ist anders, sie ist rebellisch, sie ist einfach DIE Margo. Doch dann kommt der Tag der Tage. Margo steht vor Quentins Fenster und er ist halb sprachlos, da es keinen Grund gibt, warum Margo ausgerechnet Kontakt zu ihm suchen sollte. Vor allem nach dieser langen Zeit nicht…

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Grund: Margo braucht ein Auto.

Problem: Der Autoschlüssel zu ihrem Auto liegt verschlossen in einem Safe – Sicherheitsvorkehrungen der Eltern.

Lösung: das Auto von Quentins Mutter

Was Quentin machen wird? Genau das, was wir wohl alle machen würden, wenn unsere Lebensliebe vorbei kommen würde. Er gibt ihr das Auto, nein, noch besser, er begleitet sie auf ihrer Unternehmung. Doch was hat Margo mitten in der Nacht vor? Quentin hätte sich nicht im Traum ausmalen können, was auf ihn zukommt, denn so verrückt würde er niemals träumen. Margo übt Rache und das richtig. Quentin ist nicht wohl bei der Sache, aber er hilft seiner Margo, er ist ihr halb hörig und taut nach und nach neben ihr auf. Er ist stellenweise so verrückt wie sie, ein kompletter Ausbruch aus seinem üblichen Verhalten. Das frisch gefundene Paar durchlebt eine abgedrehte Nacht, in der es gemeinsam gefährliche und verbotene Sachen macht.

Was für eine Nacht…

Der nächste Tag hingegen fühlt sich gut an, allerdings nur solange, bis Quentin feststellt, das Margo weg ist. Wie vom Erdboden verschluckt. Er kann nicht fassen, dass die gemeinsame Zeit, das rießige Abenteuer der Anfang vom Ende gewesen sein soll. Quentin ist verliebt und verzweifelt  und in seiner verliebten Verzweiflung bereit für eine große Suche namens Margo…

„Ich werde die Saite spielen. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen. Ich werde dich finden.“ (Seite 169)

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Was die Liebe mit uns anstellen kann, wissen wir wohl alle ganz genau. Würden wir nicht ebenso auf die Suche gehen? Würden wir nicht genauso unkonzentriert in den Abschlussprüfungen sitzen und den anstehenden Abiball, den man nur einmal im Leben erleben kann und um den sich gerade alle Gespräche drehen, ignorieren? Quentins Kopf denkt Margo.

„Warte, bis sie von alleine wieder nach Hause kommt. Irgendwann musst du aufhören, in den Himmel zu starren, sonst schaust du dich eines Tages um und merkst, dass du selber längst davongeschwebt bist.“ (Seite 165)

Warten ist für Quentin ein unbekanntes Wort und Freundschaft zeigt sich dann, wenn alle da sind, obwohl alle gerade mitten in ihrem eigenen Leben stecken und dort nicht fehlen dürften. Quentins Freunde stellen alle hintenan und begeben sich mit ihm auf eine Suche – einen Roadtrip quer durch Amerika.

„Vielleicht ist es mehr so, wie du vorher gesagt hast, dass wir Risse bekommen. Am Anfang sind wir alle wasserdicht, aber dann passieren Dinge – Leute verlassen uns, lieben uns nicht oder verstehen uns nicht, oder wir verstehen sie nicht, und wir verlieren und scheitern und tun einander weh. Und so bekommen wir Risse. … Erst wenn wir Risse haben, kommt das Licht herein. Und das Licht kann heraus.“ (Seite 328)

Das wohl schönste Zitat im Werk. Ich könnte stundenlang darüber nachdenken. John Green hat auch in diesem Werk wieder tief in die Gefühlskiste gegriffen. Er konnte mich zwar nicht von Anfang an so mitnehmen, wie damals. Es geht in diesem Werk um keine richtige Krankheit, aber um die Krankheit namens Liebe. Die Liebe macht uns blind, sie führt uns runter vom vorgesehenen Lebensweg, sie lässt uns anders sein. Wir handeln ohne nachzudenken und stellen die Liebe in den Lebensvordergrund, ohne nach rechts oder links zu schauen. Wir lebenlieben auf der Überholspur, was nicht immer gut enden kann. Blind vor Liebe – man kann Quentin keinen Vorwurf machen – Gefühle sind Gefühle…

Die Hoffnung geht bis zum Schluss des Werkes mit uns Hand in Hand – und dann?

John Greens Protagonisten muss man wirklich erleben. Ich hatte jede Menge Spaß mit ihnen, musste wahnsinnig während des Roadtrips lachen, konnte allerdings auch tief nachdenken und fühlte mich weitestgehend gut unterhalten. Aber ein kleines bisschen Unzufriedenheit bleibt, irgendwie habe ich noch eine Portion mehr erwartet. Ich kann und mag es nicht definieren, sondern einfach so im Seitenraum stehen lassen.

Die Verfilmung des Werkes werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Schon der Trailer zeigt die Bilder, die ich auch während des Lesens hatte. Selbst ungesehen mag ich behaupt, dass der Film sehr nahe an den Roman heran kommt.

Schaut selbst…

Eure

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Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Bereits der Titel ist so wunderbar, dass ich einfach zugreifen musste! Mein Leben und andere Katastrophen (Fischer/SAUERLÄNDER) – HERRLICH! Dazu noch das bunte und fröhlich-freche Cover – GENIAL!

Ich muss gleich betonen, dass ich ein ausgesprochen großer Fan von Kathrin Schrocke bin. Bei ihr weiß ich immer, dass ich nicht enttäuscht werde, denn sie kann einfach schreiben. Ich würde zu jedem Buch aus ihrer Feder greifen, dazu bedarf es weder Titel noch Cover – ja, so überzeugt bin ich und deshalb empfehle ich euch heute ein Werk, was ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Gleich schon auf der ersten Seite musste ich schmunzeln (siehe Bild zwei hier im Artikel). Da war mir bereits klar, dass es gleich richtig losgehen wird und das ich mit der 13-jährigen Protagonistin jede Menge Spaß haben werde. Und schon war ich drin im Werk, beim Geburtstagskind, welches sich über ein iPad mehr gefreut hätte, als über ein Notizbuch. Aber eine Jahreskarte für Sea Life und ein Radiergummi für ihre große Radiergummisammlung sind auch nicht ganz schlecht. Das Notizbuch wird sie noch brauchen und ich persönlich hätte mich sehr darüber gefreut (falls ihr meine Gedanken an dieser Stelle wissen wollt).

Barnie heißt die verrückte Ulknudel mit ihren zwei Vätern. Ja, ihr lest ihr richtig. Sie hat zwei Väter und zwar Dad und Papa. Klingt nicht ganz gewöhnlich? Genau – so ist es. Eine Mutter hat sie natürlich auch, wie sollte es auch sein, diese ist aber mehr wie eine Tante und Freundin. Ihre zwei Väter reichen ihr da schon völlig aus, denn bei Bernadette daheim ist immer was los.

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Ihr Dad hat amerikanische Wurzeln und liebt es Sprichwörter zu erraten, was für Barnie sehr lustig ist. Nicht immer trifft er anhand ihrer lyrischen Umschreibungen den Sprichwortnagel auf den Kopf. Es wird aber noch viel lustiger, denn ein besonderes Schulprojekt steht an.

Schwanger mit 13? Eine furchtbare Vorstellung der Schüler und wohl erst recht für alle Eltern. Damit es nicht so weit kommt, soll Barnies Klasse testen, wie es sich mit einem neugeborenen Baby lebt. Jeder Schüler soll sich einen Partner suchen und mit ihm die Eltern für eine Babypuppe darstellen. Nicht einfach, denn keiner hat wirklich Lust. Klassenlehrerin Zelenki setzt sich natürlich durch und es dauert nicht lange, da hat jedes Pärchen ein Baby zu betreuen. Tag und Nacht – versteht sich. Barnies beste Freundin hat sich erhofft, dass sie natürlich mit Barnie ein Team bilden, wird aber enttäuscht. Schuld ist Sergej, der hübsche Klassenkamerad der zudem (wie praktisch) mit bei Barnie im Haus wohnt. Sie hat schon lange ein Auge auf ihn geworfen und kann ihr Glück kaum fassen. Ab sofort sind sie die Eltern von Herbie (was für eine Wahl, es hätte aber auch schlimmer kommen können, denn auch Namen wie Nemo, Olchi und Fuzzi standen auf der Namensvorschlagsliste).

Ein Baby hat Hunger, es weint, es braucht Sachen, es braucht Liebe, viel Geduld und die Fürsorge lieber Eltern und das ist noch nicht alles. Das Leben beginnt sich nun von einer ganz anderen Seite zu zeigen, mit der keiner der frisch gebackenen Eltern gerechnet hätte….

Auch ihr Dad und ihr Papa können sich warm anziehen. Vor allem auch Gespräche mit Oma und leiblicher Mutter können peinlich und unangenehm sein:

„“Hast du überhaupt schon deine Tage?“ In dieser Familie war „Privatsphäre“ ein unbekanntes Wort. Es stand im Lexikon der vom Aussterben bedrohten Begriffe.“ (Seite 31)

Ist da überhaupt noch Zeit für die 100.000 Küsse, die wir im Laufe unseres Lebens verteilen?

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Was habe ich mich kaputt gelacht. Nicht das ihr denkt, Schrockes Werke sind alle extrem mit Humor gespickt. Nein – auf keinen Fall, aber die schlagfertige Barnie hat es in sich. Ihre Gedanken und ihre Aussagen – ich lacht euch weg. Einfach genial, ich mag sie sehr.

Wer zu einem Schrocke-Jugendbuch greift, wird immer mit einer andersartigen und tiefgreifenden Geschichte überrascht und berührt. Ihre Bücher stechen aus der Masse heraus, denn die Mischung aus komisch, gefühlvoll, außergewöhnlich und doch flippig, ist einmalig. Fragt mich mal, von welchem Werk ich durch und durch begeistert bin – von DIESEM HIER. 🙂

Natürlich läuft bei Barnie und Sergej nicht alles glatt, wie ihr euch denken könnt. Es kommt Liebeskummer dazu, ihre Väter sind durcheinander und auch die Freundschaft zu ihrer besten Freundin ist gefährdet. Aber das ist noch längst nicht alles…

Mich hat die Autorin wieder durch und durch fasziniert. In ihrem Werk Verdammt gute Nächte hat sie die Beziehung eines Jungen zu einer wesentlich älteren Frau thematisiert, in Freak City“ geht es um ein gehörloses Mädchen und in diesem Roman um ein Mädchen mit schwulen Vätern.

Schrocke liebt nicht alltägliche Themen und gerade diese Themen sind wichtig und müssen angesprochen werden. Es steckt so viel Potenzial darin, öffnet Augen und lässt unsere Gedanken in verschiedenen Richtungen drehen.

Ich bin begeistert! Packt euch den Roman und ab an den Strand oder auf die sommerliche Wiese. Über dieses Jugendbuch muss gesprochen werden.

Empfehlung: lest ihn mit eurer besten Freundin zusammen – ihr werdet unvergessliche Lesestunden und Gespräche ohne Ende haben.

Eure

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[ab 6 Jahre] Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish
Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Summ, summ, summ…die Biene aus der MacCuish Feder summt herum.

Ihr lest richtig, heute stelle ich euch mal ein Buch für die kleineren Leser vor. Schon lange hatte ich Lust, ein Werk zu besprechen, was nicht in den Bereich Jugendbuch fällt und vor allem aus einem Verlagshaus stammt, welches hier in Deutschland nicht so bekannt ist. Ich glaube, ich habe im Schweizer Verlagshaus orell füssli eine Kinderbuchperle für euch entdeckt.

Aber wie liest man als erwachsener Mensch Kinderbücher, wenn kein Kind in der Nähe ist? Eigentlich sollten doch die Kids sagen, ob es ihnen gefällt oder eher nicht? Kinderbücher müssen aber auch bei uns Erwachsenen zünden, denn meist ist es so, dass die Kids das Buch nie entdecken, wenn es den Eltern nicht gefällt. Oder irre ich da? Eltern – was sagt ihr? Es sei denn, es sind Werke, die bereits im Klassenzimmer vorgestellt und in der Pause verschlungen werden. Dann hat das lesende Kind ein Ziel und muss nur noch an einer Buchhandlung vorbei kommen.

Heute geht es aber ums Entdecken. Zwar können Kinder ab 6 Jahren schon die ein oder anderen Bücher selbst lesen, aber gemeinsam macht es doch mehr Spaß. Wenn ich Kinderbücher lese, lese ich grundsätzlich laut und es muss mir jemand zu hören. Im Auto lese ich besonders gerne vor, was meinen männlichen Fahrer besonders freut. So auch am letzten Wochenende. Es hat im Auto nicht nur gesummt, denn die Biene konnte sprechen…

Die kleine Belle aus Paris kann endlich wieder Landluft schnuppern. Sie liebt es in den Ferien zu ihren Großeltern zu fahren. Dort bekommt sie meist ein kleines Geschenk und kann ausgiebig die sommerliche Natur erkunden. Sie ist so gern draußen, denn sie liebt Abenteuer und ist froh, nicht nur von einem Haus bis zum anderen Haus gucken zu können.

Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish
Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Dieses Mal wird sie mit einem Fahrrad überrascht. Belle strahlt übers ganze Gesicht und kann es kaum erwarten, damit loszufahren. Auf geht es – über Wiesen und Felder, bis in den Wald. Huch? Was ist denn jetzt passiert? Belles Fahrglück hält nicht lange an, denn eine Wurzel bringt sie mitsamt Fahrrad zu Fall. Ohje…

Lange ist sie nicht alleine, denn eine Biene kommt zu ihr geflogen und was ihr diese Biene so alles erzählt und vor allem zeigt, ist eine große Entdeckungsreise durch die Natur…

Dieses Kinderbuch ist nicht nur ein Kinderbuch, sondern es ist besonders, da es in die Kategorie Umwelt fällt. Was bedeutet das? Bei diesem Buch entdecken die Kinder nicht nur eine herzallerliebste Geschichte und treffen nicht nur auf eine weibliche Protagonistin, sondern entdecken beim Lesen ganz nebenbei die Umwelt.

Was wäre denn eigentlich, wenn es keine Bienen gäbe? Würden wir Honig essen können und was wäre mit den ganzen anderen Blumen und Pflanzen?

Diese Frage greift Autor Al MacCuish ganz heimlich auf und beantwortet diese spielend. Unterstützt wird er dabei von Rebecca Gibbon, welche wunderschöne Bilder malerisch zu den Worten gezaubert hat.

Lesen, unterbewusst dazu lernen und anschließend die Natur entdecken – dies klappt mit diesem Werk besonders gut. Wer zudem noch französisch angehauchte Literatur mag, kann sich sicher sein, dass er dieses Kinderbuch lieben wird!

Uns hat es gut gefallen, allerdings habe ich mich stellenweise mit den ein, zwei französischen Wörtern, die der Autor dazwischen gestreut hat, schwer getan, was die Aussprache betrifft, da ich die Sprache nie gelernt habe. Allerdings habe ich nun dazu gelernt und Belle, wie auch die kleine Biene in mein naturliebendes Herz geschlossen.

Eure

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Egal wohin ~ Franziska Moll

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

…scheinbar war mir alles egal, denn ich griff zu Egal wohin (Loewe) von Franziska Moll. Es musste wieder ein Jugendbuch sein, das sagte mir jedenfalls mein inneres Leselustgefühl. Seit Tagen springe ich durch die Jugendbuchwelt und fühle mich darin sehr wohl. Keine Enttäuschungen, wunderbare Geschichten voller Tiefe und Humor, facettenreiche Protagonisten und plausibel konstruierte Handlungen.

Und dann traf ich auf Jo. Uff. Möchte ich Jo wirklich näher kennenlernen? Nach den ersten Seiten wollte ich aufhören zu lesen. Sowas ist mir lange nicht passiert. Ich habe, nach keine Ahnung wie langer Zeit, tatsächlich überlegt, ein Buch aus meiner Bibliothek zu verbannen, es abzubrechen und kein Wort mehr darüber zu verlieren. Ich war enttäuscht und trug eine Gefühlsmischung aus gelangweilt und unterfordert in mir. Schwer zu beschreiben. Egal, dachte ich mir, dann brichst du eben ab.

Und dann traf ich auf Jo. Ich las weiter, denn diese Jo lies mich auch nicht in Ruhe, obwohl sie mich nervte. Ja, sie nervte mich mit ihrer Art. Ihre depressive Grundhaltung, ihre ablehnendes Verhalten, ihr kurz angebunden sein, ihre Egalheit, so will ich es nennen.

Und dann traf er auf Jo. Jos Psychiater. Er trifft sie immer und immer wieder und Jo ist immer und immer wieder gleich. Ihr ist es egal. Alles. Sie möchte nicht mir ihm reden, sie wartet ab und wenn sie redet, dann erzählt sie von ihren Fahrstunden. Sie hält alle Emotionen zurück, dabei schlummert so viel in ihr. Sie möchte ihre Gedanken für sich behalten, analysiert ihn und versucht ihn mit ihrer Art zu provozieren, bis die Stunde, die jeweilige Sitzung, beendet ist. Er könnte über sie schreiben:

„Das unknackbare Mädchen – wie ich mir an einer Siebzehnjährigen die Zähne ausgebissen haben.“ (Seite 177)

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

Und dann trafen sie auf Jo. Ihre Eltern. Reiche Eltern mit großem Haus und nicht nur einem Porsche vor der Haustür. Ihre Mutter will ewig jung bleiben und erkauft sich Aussehen und Charakter. Ihr Vater ist Arzt und flüchtet sich in seine Patientenwelt und in die Welt des Seitensprungs. Die Eltern leben zusammen und doch getrennt. Jo zieht es vor, in der Baracke hinterm Haus zu schlafen. Sie möchte ohne Kontrolle sein und doch muss sich Jo seit dem Vorfall an bestimmte Regeln halten. Doch diese Zeit ist endlich, denn ihre Volljährigkeit steht bald vor der Tür.

Und dann traf Jo auf Koch. Koch ist von Anfang an in Jos Kopf. Für sie ist Koch der zentrale Punkt im Leben, seit es ihr so geht, wie es ihr geht. Koch ist ihr ein und alles, dabei kennt sie nicht mal seinen bürgerlichen Namen. Er ist Koch im Paradies. Jo kellnert im Paradies und bedient sich gelegentlich an den Geldbörsen der Kundschaft, denn Jo hat einen Plan. Koch hat einen Plan. Ihr Plan heißt Kreta. Raus aus der Fassade namens heile Welt. Rein in die Zukunft, in eine lebbare Zukunft namens Freiheit, namens Unbeschwertheit. Noch 10 Tage…

Und dann traf Amar auf Jo. Wo ist Koch? Koch ist weg. Amar ist da. Amar der Unscheinbare. Jo fällt aus allen Wolken, als Koch nicht mehr da ist. Sie sieht wie sich ihr gemeinsamer Plan pulverisiert, aber Koch wird seine Gründe haben und Jo weiß, dass Koch da sein wird. In 10 Tagen. Amar ist nett, Amar hat ein „es“ Problem, Amar hat Narben, aber ein verdammt großes Herz. Amar mag Jo und er hat keine einfache Vergangenheit.

„Er sagt: „Ist schön, wenn du lachst.

Es!

Es ist schön.“ (Seite 173)

Und dann traf ich auf Jo. Jo verändert sich. Jo betrinkt sich. Jo lebt ihre sexuellen Reize aus. Jo – das Mädchen mit dem kahl rasierten Kopf. Jo – das Mädchen, welches schon Jahre ohne ihren toten Zwillingsbruder leben muss. Jo – eine Seele ohne Zuhause, ohne Liebe, aber mit enorm viel Kraft.

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

Was soll ich sagen? Ihr könnt selbst erlesen, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe. Den genauen Grund kann ich euch nicht sagen. Wahrscheinlich, weil Jo eben Jo ist. Weil sie mir so unsympathisch war und ich Menschen einfach nicht in Ruhe lassen kann, wenn sie mich neugierig machen. Unterbewusst wollte ich wissen, was mit Jo ist, warum sie ist, wie sie eben ist. Ihre undurchsichtige Ader, ihre kaputte Seele, ihre harte Schale, alles lies mich nicht in Ruhe, ich war auf der Suche nach dem weichen Kern. Bestimmt 50 Seiten hat es gedauert, bis ich im Bann war. Dann habe ich die vielen kurzen Sätze verinnerlicht, mich an den teilweise harten und eben emotionslosen Schreibstil, bedingt durch den Hauptcharakter, gewöhnt und ich habe stellenweise Griechisch gelernt, da Jo immer und immer wieder bestimmte Wörter übersetzt.

„Lügner heißt auf Griechisch ψεύτης“ (Seite 41)

Genauso habe ich mich an Kochs indirekten Worte gewöhnen müssen. Koch lernen wir im Werk nie wirklich kennen, wir wissen nur, was er alles zu Jo gesagt haben muss. Irgendwann mal im Paradies, als sie gemeinsam in der Küche waren oder als er ihr nachdem alle Feierabend gemacht habe, Essen gezaubert, sie verwöhnt hat. Koch ist allmächtig in Johannas Kopf, ihr Lebensanker, ihre Zukunft, ihre rettende Hand.

„Koch sagt, dass ist eine Bauchentscheidung, die Gedärme wissen immer, wer der größte Arsch ist, weil sie auf den scheißen wollen.“ (Seite 18)

Und jetzt wollt ihr wissen, ob ihr Molls Roman lesen sollt oder nicht? Ich kann keine klare Empfehlung aussprechen, da ich selbst Anfangsschwierigkeiten hatte, wie ihr wisst. Ich kann euch aber sagen, dass ich sehr froh war, mich von diesen Schwierigkeiten nicht abhalten haben zu lassen, denn was dann kam, hat mich berührt, fasziniert, mir weh getan und mir die Augen geöffnet. Hartnäckigkeit zahlt sich manchmal aus. Ich durfte erfahren, wer hinter Koch steckt, woher Amar kommt und welche Geschichte sein Leben prägt und ich durfte Jo emotional erleben. Endlich…

Ich habe das Werk zugeklappt und erstmal darüber tief nachdenken müssen. „Egal wohin“ ist bestimmt kein locker luftig leichtes Buch für den Strand. Keinesfalls. Es ist ein Werk für junge Erwachsene, die sich manchmal wie eine Insel fühlen, vor einer Welt namens Fassade stehen und verstanden haben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, vielleicht sogar selbst rebellieren und auf der Suche nach einem Anker sind.

„Egal wohin“ kommt nicht irgendwo hin, sondern bekommt einen festen Platz im Bücherregal, denn es hat mich bewegt, nachdenklich gemacht, vielleicht auch „geerdet“ und es ist besonders, da es sich mit meiner momentanen Realität vermischt – ich sage nur Porsche und ein Hund namens Rocky.

P.S. Jo – ich bin froh, dass ich dich ein Stück begleiten konnte und ich bin mir sicher, dass du in diesem Moment genau die richtige Lebensstraße entlang läufst. 🙂

Eure

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Schizo – Traue niemandem. Vor allem nicht dir selbst. ~ Nic Sheff

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst.

Bist du Schizo?

Miles ist Schizo, zumindest sagen das die Ärzte. Schizo – groß prangen die Buchstaben auf dem Cover, welches in Farben gehalten sind, die für die Augen Gift sind. Diesen Effekt soll der Leser aufnehmen, schon beim Blick aufs Cover soll ihm der Kopf dröhnen. Es soll regelrecht summen und hämmern, denn der Roman soll schon unaufgeschlagen signalisieren, dass er in seinem Inneren genau so sein wird, wie er von außen scheint.

Miles Eltern sind seit dem Verschwinden von Teddy, ihrem jüngsten Sohn, und dem Ausbruch seiner Krankheit, anders. Jeder verhält sich möglichst so, dass er selbst geschützt ist und selbst niemandem mehr Schaden zubereitet. Seit Teddy weg ist, wurde nicht mehr über ihn gesprochen. Die Suche nach ihm wurde eingestellt, denn das Unglück liegt gute zwei Jahre zurück und in der Wohnung gibt es kein Anzeichen, dass Teddy je gelebt hat.

Miles allerdings hat nie aufgehört an Teddy zu denken. Für ihn gibt es nur einen Weg, um seine Familie wieder zusammen zu bringen. Er muss Teddy finden und er weiß, dass sein Bruder lebt, er spürt es. Miles hat früher gekifft, jetzt raucht er nur noch. Sein Vater unterstützt dies, schließlich soll er wenigstens das dürfen können. Miles ist sonst schon gestraft genug. Seine Anfälle, seine ständigen Kopfschmerzen – die vielen Medikamente die er täglich nehmen muss. Schizophrenie – so die Diagnose.

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst. ~ Nic Sheff

Miles will nicht glücklich sein, bevor er Teddy gefunden hat. Er gibt sich die Hauptschuld, denn hätte er keinen Anfall gehabt, wäre Teddy noch da und seine Familie hätte weniger Sorgen. In dem Moment in dem Miles sich auf die Suche begibt, kehrt Eliza zurück aus New Orleans. Eliza. Miles erste große Liebe und gleichzeitig das Mädchen, welches ihn damals am meisten weh getan hat. Sie ist zurück und sie mag mit Miles reden, sie ist bei ihm, sie mag ihn und dann passiert, was passieren musste: Miles kotzt.

„Ich meine, wie könnte ich was mit einem Mädchen anfangen, während Teddy noch immer irgendwo da draußen ist, verschwunden, wegen mir? Wie könnte ich mir erlauben, auf irgendeine Art glücklich zu sein?“ (Seite 65)

Miles schwirrt der Kopf – er sieht überall Krähen, in seinem Kopf ist das große Chaos ausgebrochen, es hämmert ein übler Schmerz, ihm ist schlecht und seine Konzentration ist am anderen Ende der Welt. Für seine Krankheit hat er keine Zeit, er ist es leid, ständig Tabletten zu schlucken.Tabletten die ihm nicht helfen. Ihm kann nur Teddy helfen.

„Fluoxetine, 60 mg am Tag, ähnlich wie Prozac, ein Antidepressivum, und dann Lamictal, 200 mg am Tag, ein Stimmungsstabilisator. Dann Lithium, 800 mg am Tag, und Depakote, 300 mg am Tag, die etwas aufbauen, das man graue Zellen nennt, was auch immer das ist, soll gegen die schnellen paranoiden Gedanken und die Wahnvorstellungen helfen. Und dann Abilify, 10 mg am Tag, speziell gegen die Schizophrenie. Und Zyprexa, 10 mg am Tag, das letzte Medikament, das mir verschrieben wurde.“ (Seite 123)

Miles spült alle Tabeltten weg und macht sich auf eine unbenebelte Suche…

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst.

UFF! Nach diesen knapp 270 Seiten musste ich erstmal tief Luft holen. Autor Nic Sheff weiß worüber er schreibt, denn er weiß selbst, wie es sich anfühlt, den Sinn für die Realität zu verlieren, so steht es auf der Homepage vom Fischer Verlag. Er hat selbst viele der im Werk geschilderten Situationen erlebt. Durch dieses Wissen gewinnt Schizo gleich noch mehr Tiefe. „Traue niemandem. Vor allem nicht dir selbst.“ – so der Untertitel des Romans. Wirkt das Cover eher uneinladend und abschreckend auf mich, verhält es sich mit dem Titel und dem Untertitel genau anders herum. Die Worte zogen mich magisch an.

Die ersten Seiten habe ich nur so verschlungen, denn das erste Treffen mit Miles ist spannend und die kurzen und prägnanten Sätze sorgen für einen rasanten Handlungsaufbau. Der in 4 Teile gegliederte Thriller, zieht einfach in den Bann. Gerade für Leser die sich auf das Thriller-Neuland begeben wollen, ist dieser Roman geeignet. Er ist nicht blutig, er ist nicht richtig grausam, er ist nicht psycho – er ist SCHIZO.

Ich habe noch nie einen Roman über einen jungen Protagonisten mit Schizophrenie gelesen. Nic Sheff hat mir gezeigt, was es heißt, Schizophren zu sein und hat mich in Miles Leben entführt, in seine Welt und ich habe ihm getraut. Ich habe den Untertitel ignoriert und Miles an die Hand genommen. Die Erkenntnis am Ende des Werkes, hat mich sprachlos gemacht. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ihr müsst selbst erlesen, was euch an seiner Seite passiert. Ich habe wahnsinnig viel in dieser Lesezeit gelernt und habe meine Hochachtung vor den Betroffenen. Das Leben kann auch mit einer psychischen Krankheit lebenswert sein – dies will Nic Sheff mit seinem Werk zeigen und das ist ihm gelungen. Er gibt mit diese Werk jede Menge Mut und Hoffnung und er öffnet mit dieser Geschichte die Augen im Umfeld des Betroffenen.

Nic Sheff zieht an den Fäden namens Liebe, Krankheit, Familie und Freunde und verknotet diese zu einem unvergesslichen Thriller! LESEN!

Ob ihr krank seid oder nicht – denkt immer an Miles Worte:

„Die Wahrheit darüber zu sagen, wer ich bin und was mit mir los ist, das ist das Wichtigste. Es mit den anderen zu teilen. Um Hilfe zu bitten.“ (Seite 263)

Eure

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Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb“ (FISCHER KJB) – schon der Titel von Tanya Stewners Werk schreit nach Sommer. Denken wir Sommerkinder nicht immer und immer wieder, wie schön es wohl wäre, wenn im Sommer einfach mal die Zeit stehenbleiben würde? Wäre das nicht traumhaft? Ganz lange an der See bleiben, abends mit Freunden draußen sitzen und grillen, traumhafte Sonnenuntergänge und Tage voller Schmetterlinge und Vogelgezwitscher. Ich würde gerne die Zeit anhalten und um stehen zu bleiben, habe ich mich in den Roman vertieft, aber nicht daheim, sondern an der sommerlichen Ostsee.

Gleich ab dem ersten Satz sympathisierte ich mit der Protagonistin Juli, denn denken wir nicht alle ab und an über uns „Ich finde mich ja manchmal selbst ein bisschen seltsam“ (Seite 7)? Schon, oder?

Juli zerdenkt sehr viel, findet sich nicht wirklich hübsch und ihrer besten Freundin Whoopi geht es ähnlich. Die beiden sind ein Zweiergespann, denn die anderen Mädels, die coolen der Klasse, wollen nicht wirklich etwas mit den beiden unternehmen. Juli wäre gern wie Whoopi – lieber ein gemütliches Zuhause, als Schnösel-Eltern mit viel Geld, schnellen Autos vor der Tür und einem großen Haus. Sie sehnt sich nach Zärtlichkeit, aber zwischen ihren Eltern herrscht Streit und in der Luft liegt der Geruch nach Scheidung. Für sie ist das Abendessen mit beiden Elternteilen einfach grausam und Whoopi schlägt ihr vor, einfach zu bellen, wenn ihr was nicht passt. Ihr habt richtig gelesen, Juli soll bellen und sie überwindet sich und bekommt genau durch ihr Bellen, ihr Anderssein, die gewünschte Aufmerksamkeit.

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Und doch flüchtet sie, da sie es nicht aushält und merkwürdig angeschaut wird, aus dem Haus, auf ihre geheime Lieblingslichtung. Was Juli dort sieht, kann nur ein Tagtraum sein. Ein wunderschöner Junge steht vor ihr. Er spricht anders, er sieht einfach nur göttlich aus und ihn umgibt eine Art Geheimnishülle. Juli ist hin und weg und scheinbar nicht nur sie. Diese Begegnung wird Julis Leben verändern und nicht nur etwas, sondern ganz schön. Ihre Gedanken kreisen so heftig wie ein Karussell auf dem Jahrmarkt und um diesen Luft zu machen, muss sie Whoopi von ihrer Begegnung erzählen. Doch manchmal kann nicht einfach erzählt werden, manchmal können die Worte nicht raus, da sich immer und immer wieder Hindernisse vor diese stellen. Doch warum nur?

„Mitten ins Herz“ – Hat Tanya Stewner mich so getroffen, wie es auf der Rückseite des Romans steht? Ich werde es euch sagen, aber lasst mich erst einen kleinen Bogen holen. Seid ihr Klappentextleser? Ich lese diese meist selten, sondern lasse mich von Cover und Titel leiten und schau dann, was das jeweilige Werk mit mir macht. Mir wurde Stewners Roman mehrfach empfohlen und gerade das Wort Sommer im Titel, lies mich zugreifen. Ich wollte abtauchen in eine Geschichte, die Zeit anhalten und eine unbeschwerte Lesezeit verbringen. Die Autorin hat genau das geschafft. Mit einer mehr als herzerfrischenden Protagonistin und ihrer mindestens genauso liebenswerten Freundin, hat sie schnell mein Herz erobert. Zudem hat sie mich mehrfach überrascht, denn ich habe das Werk vom Optischen eigentlich ins Genre Jugendbuch-Mädchen eingeordnet. Locker luftige Strandlektüre mit Liebe und einem Schuss Romantik, frech, verträumt und durch und durch wunderbar. Doch ich sollte mich irren…

Denn dann drehte und wendete sich das Genre immer mehr. Es wurde leicht fantastisch, ein wenig spirituell, wenn man das so sagen kann und ich begann auf einer Zeitachse entlang zu balancieren und streckte meine Hand in Richtung Kosmos aus. Meine Fantasie öffnete sich wie eine aufblühende Blume, ich begann zu träumen und mit Juli mitzufiebern, ich ließ mich auf das schier Unmögliche ein.

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Ihr müsst keine Angst haben, dass es zu fantastisch wird, auf keinen Fall. Tanja Stewner hat ebenso viel Romantik, wie auch Humor im Gepäck, aber auch jede Menge Tiefe und Hoffnung. Mein Lieblingszitat:

„Was bringt es, darüber nachzudenken, wann man sterben wird? Wir sterben alle irgendwann. Es kommt doch nur darauf an, dass wir bis dahin etwas aus unserem Leben machen. Dass wir jeden Tag nutzen, jeden Augenblick.“ …“Wenn man jeden Augenblick genießt und bewusst erlebt, dann ist es gleichgültig, ob man wenige oder viele Jahre hat, denn man hat aus jeder Sekunde das Beste gemacht. Und darauf kommt es an.“ (Seite 231)

Während des Lesens musste ich immer wieder an das Werk von Audrey Niffenegger denken. Die Frau des Zeitreisenden spukte in meinem Kopf und wer das Werk kennt, wird Stewners Jugendbuch genauso lieben und lesen müssen.

„Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb“ ist für mich die kleine Schwester vom Zeitreisenden und wer den Zeitreisenden liebt, wird es erleben wollen, wenn im Sommer die Zeit stehen bleibt. Da bin ich mir sehr sicher und noch sicherer bin ich mir, dass ihr anschließend wisst, wie man Gedankenabenteuer verschenkt oder zumindest geschenkt bekommt…

Eure

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Freak City ~ Kathrin Schrocke

Freak City ~ Kathrin Schrocke
Freak City ~ Kathrin Schrocke

Seit ich Kathrin Schrockes Werk „Verdammt gute Nächte“ gelesen habe, bin ich von ihrer Schreibe fasziniert. Als ich sie im März letzten Jahres treffen konnte, habe ich ihr dies natürlich mitteilen müssen. Ich habe mir fest vorgenommen, ihre bereits erschienenen Bücher zu lesen. Die Themen die sie anspricht, sind die Themen die Spuren im Leserherz zurück lassen und lesen wir nicht genau wegen diesen Spuren?

Auf meinem Wunschzettel bei Lovelybooks habe ich aus diesem Grund ihr Werk „Freak City“ stehen. Beim Osterwichteln wurde ich mit diesem Roman überrascht und ich konnte mich kaum mit dem Lesen zurückhalten und wusste, dass ich bald zwischen den Seiten tauchen muss. Zumal mir meine Wichtelmama zu dem Werk tiefe Zeilen mitgegeben hat. Sie selbst hat ein körperliches Problem und als sie durch meine Wunschliste stöberte, blieb sie an Schrockes Werk hängen, bestellte es und zwar nicht nur für mich, sondern gleich für sich mit. Innerhalb kurzer Zeit hat sie es verschlungen und mir ihre Eindrücke schriftlich übermittelt. Mich hat eine Gänsehaut überrollt und gleichzeitig wurde ich gespannter aufs Werk.

Freak City ~ Kathrin Schrocke
Freak City ~ Kathrin Schrocke

Im letzten Urlaub nahm ich es also mit auf die Reise. Auf der Fahrt nach Rotterdam rutschte ich tiefer und tiefer ins Werk. Während des Lesens hatte ich die Meldodie und den Text von der Band Wir sind Helden „Nur ein Wort“ im Ohr. Gleich vorn im Roman ist ein Auszug vom Lied und dieser setzte sich über alle knapp 240 Seiten fort.

„Und es war ein Montagnachmittag im Juli, als diese seltsame Geschichte begann.“ (Seite 8)

Mitten im Leben des 15 jährigen Mika, mitten in der pubertären Phase, komme ich an. Mika schaut nach Mädchen, lässt sich schnell den Kopf verdrehen und seine Freundin hat ihn soeben verlassen. Es herrscht Neid unter den heranwachsenden Männern, Sex und die große Liebe liegen in der Luft und verdrehen Köpfe. Sandra fehlt und Mika weiß nicht weiter. Er lässt sich gehen, lebt lustlos durch den Tag und wartet, dass sie zurück kommt. Es gibt nichts, was ihn aus seiner trüben Stimmung herausreißen kann.

Oder doch?

Freak City ~ Kathrin Schrocke
Freak City ~ Kathrin Schrocke

Als er Lea zum ersten Mal sieht, lösen sich seine Gedanken an Sandra in Luft auf. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Lea kein normales Mädchen ist. Lea ist gehörlos und ein Gespräch mit ihr ist nicht einfach, sondern eine Herausforderung. Mika kann weder Gebärdensprache, noch von den Lippen ablesen und eigentlich hat er keinen Nerv sich gerade jetzt auf komplizierte Dinge einzulassen. Doch Lea geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Lea ist anders und Mikas Interesse für sie wächst so weit, dass er die Gebärdensprache lernen will.

„Man machte manchmal schreckliche Dinge, obwohl man liebte.. Oder vielleicht machte man sie gerade deshalb.“ Seite 198

Er beginnt sich von seinen Freunden zu distanzieren, sucht sich eine neue Welt. Lea braucht kein Mitleid, Lea fühlt sich nicht behindert und Lea ist keinesfalls zurückhaltender als andere Mädchen und erst recht nicht einfach. Mika ist fasziniert und möchte oft an ihrer Seite sein, auch wenn es ihm Freunde und vor allem seine Familie nicht einfach machen. Sie möchte ihn und Sandra wieder verkuppeln und können nicht verstehen, dass er die Gebärdensprache lernen will. Stress vorprogrammiert. Doch Mika ist Mika…

Freak City ~ Kathrin Schrocke
Freak City ~ Kathrin Schrocke

Freak City (Carlsen) ist für mich ein typisches Schrocke-Werk. Die Autorin hat mich erneut fasziniert und mit einem völlig neuartigen Thema überrascht. Ich habe mich nicht nur zwischen den Protagonisten wohl gefühlt und eine aufregende Zeit durchlebt, sondern ich habe viel über das Thema Gehörlosigkeit gelernt. Kathrin Schrocke schreibt dabei authentisch, in jugendlicher Sprache und lässt ihre Protagonisten so handeln, wie es plausibler kaum sein könnte. Habt ihr gedacht, dass Lea vielleicht Mitleid möchte und braucht? Ganz im Gegenteil, denn sie hat eine eigene Welt, aber das wird sie euch schon selbst klar machen.

Bei einem Jugendbuch liegt es auf der Hand, dass das wichtige Thema Freundschaft eine große Rolle spiel. Wir alle haben Freunde und sobald wir uns verändern, beginnen sich die Fäden der Freundschaft zu spannen. Einige davon reißen, andere halten. Echte Freunde zeigen sich dann, wenn persönliche Veränderungen keine Hindernisse sind, sondern neue Herausforderungen die gemeinsam bewältigt und gelebt werden können. Zusammenhalt und diverse Weggrenzen im Leben thematisiert die Autorin. Gefühlvoll und dennoch direkt und klar, lässt sie ihre Figuren durch die schwierigen Jugendphasen gleiten.

Freak City ist anders.

Freak City ist typirsch Schrocke.

Freak City ist ein Werk, welches im Bücherregal nicht fehlen sollte, denn dafür ist es zu gut!

Eure

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Atlantia ~ Ally Condie

Atlantia ~ Ally Condie
Atlantia ~ Ally Condie

LeserINNEN – es ist wieder Lagerfeuerzeit bei Literatwo!

Lagerfeuer? Hallo? Es sind 30 Grad im Juni, es ist wunderbar sommerlich und Frau Binea macht ein Lagerfeuer mit Jule? Aber klaro doch, für ausgefallene und verrückte Abenteuer sind Buchmädels doch immer zu haben. Richtig? Also überlegt nicht lange und setzt euch zu uns, denn ihr werdet nicht verbrennen, aber vielleicht ertrinken?

Bevor ihr runter zu Atlantia (Fischer FJB) taucht, guckt doch vorher bei Julia auf ihrem Blog Ruby´s Cinnamon Dreams vorbei, denn dort gibt es weitere atlantische Worte. Oder nach dem Auftauchen 🙂

Wir hoffen, dass ihr schwimmern könnt. 🙂

Julia fragt ~ Binea antwortet

Oben oder Unten – wo würdest du lieber leben und warum?

Unten. Keine Frage. Schon als ich die ersten Seiten las wusste ich, dass ich nicht nach oben möchte. Mein Bauchgefühl sagte mir das so. Eine richtige Begründung gibt es nicht. Mir wurde aber während des Lesens immer klarer, dass ich nie oben leben wollen würde, wobei es eigentlich auf der Hand liegt, dass jeder von uns nach oben will. Wir kommen schleßlich von oben. Ich fühle mich dort verankert, wo der Haupthandlungsort ist. Protagonistin Rio wohnt schon immer unten und aus diesem Grund habe ich mich dort auch niedergelassen. Zudem ist der Fluch, der auf den Oben Lebenden liegt, einfach zu grausam.

„Ein kurzes Leben, Krankheit, Schwäche und Elend.“ (Seite 9)

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[Literatwo goes Schule] Finn released ~ Oliver Uschmann

Finn released ~ Oliver Uschmann
Finn released ~ Oliver Uschmann

In den letzten Wochen hat sich die Klasse 5B des Evangelischen Gymnasiums Tharandt mit dem Roman „Finn released“ von Oliver Uschmann beschäftigt.

Folgende Themen wurden dabei behandelt:

  • das Erstellen eines Figurensteckbriefs von der Hauptfigur Finn
  • das Erarbeiten eines Autorenporträts von Oliver Uschmann und Mark Twain
  • die Besprechung der Quest und die Erfahrungen durch das Experiment
  • eine Gegenüberstellung der Figuren Finn und Huckleberry Finn

Krönender Abschluss dieser Buchbesprechung war eine Lesung des Autors in der Buchhandlung „Findus“. Anderthalb Stunden lang las Oliver Uschmann witzig und sehr unterhaltsam aus dem Buch „Finn released“ und auch aus den beiden Folgebänden vor und stellte sich allen Fragen der Schüler.

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[Silber] Das zweite Buch der Träume von Kerstin Gier

Silber ~ Kerstin Gier
Silber – Das zweite Buch der Träume ~ Kerstin Gier

Silber – Spinnweben ab! Traumtür auf!

Im Oktober soll bereits der dritte und letzte Band der Silber-Trilogie erscheinen und ich präsentiere euch erst heute meine Meinung zum zweiten Teil. Gelesen habe ich ihn bereits im letzten Jahr. Wie ihr an den Bildern sehen könnt, war ich gerade an der Ostsee. Es war Sommer, es war sonnig und ich war tiefenentspannt und ich habe natürlich geträumt. Verrückt ist, dass ich an den Lese-Tagen wirklich nachts so geträumt habe, dass ich mich morgens wieder daran erinnern konnte. Eine traumhafte Zeit sozusagen. Beim Lesen des ersten Teils ging es mir schon so. Verrückt.

Bei Trilogien ist es schwer, nicht so viel zu verraten, und mittlerweile überlege ich, nur noch den jeweils ersten Teil zu besprechen oder ich lese einfach keine Trilogien mehr. Lach. In diesem Fall wäre das aber sehr schade.

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