Kategorie: Kinder- & Jugendbuch

Aprikosensommer ~ Deniz Selek

Aprikosensommer ~ Deniz Selek
Aprikosensommer ~ Deniz Selek

Nicht nur Romane enthalten Geschichten, sondern es gibt auch die Geschichten der Leser. Meine ist in diesem Fall recht lustig gewesen. Wie komme ich denn eigentlich ins Genre, sagen wir mal: „Mädchenroman“?

Ab und an passiert mir das schon, aber dann greife ich meist selbst zu diesen Werken. Die Autorin ist mir namentlich schon oft über den Weg gelaufen. Deniz Selek – ich höre immer die Worte meiner lieben Sibylle im Ohr: „Bini du musst unbedingt mal Selek lesen.“ Lange habe ich mich gesträubt. Keine Ahnung warum, es gab keinen Grund, außer das die Bücher die eben für Mädchen sind, mir einfach zu pink und rosa waren und irgendwie haben mich die Themen nicht wirklich angesprochen.

Auf der letzten Buchmesse in Leipzig kam dann der Tag der Tage, als mir die liebe Sibylle wieder von Deniz erzählte und auf einmal steht die liebe Autorin höchstpersönlich vor mir. Sibylle erzählte ihr, das ich noch nie eines ihrer Werke gelesen habe und ich sagte Deniz, dass es keinen Grund gibt. Was machte Sie? Seht selbst auf dem folgenden Bild und wie ihr hier schon merkt, ich habe gelesen…

Aprikosensommer ~ Deniz Selek
Aprikosensommer ~ Deniz Selek

Was habe ich gemacht? Ich habe das Werk kurzerhand in den Koffer gepackt, denn Aprikosensommer(FISCHER KJB) sollte mit in den Sommerurlaub. Am Strand wollte ich herausfinden, ob Deniz Selek mich entspannen und dennoch erfrischen kann. Der Härtetest sozusagen.

Am Strand von Rügen liegend, träumte ich mich also ins ferne Istanbul. Eve möchte endlich wissen, wer ihr Vater ist. Der Wunsch ihn kennenzulernen schlummert schon lange in ihr, aber ihre Mutter ist wie ein Fels in der Brandung – sie gibt kaum Dinge über ihn preis, verschweigt ihn so oft es nur geht und widersetzt sich ihrem Willen und sie beantwortet kaum eine ihrer Fragen.

Überhaupt ist Eve in einem Tal des Pech angelangt. Ihr Freund Matteo hat sie verlassen, sie hat sich heftig in den Finger geschnitten und sie streitet ständig mit ihrer Mutter. Ein Berg voller Adressen liegt vor ihr und wenn es richtig mies kommt, gehört keine dieser ihrem Vater.

Doch der große Tag kommt – Eve steht ihrem Vater gegenüber, allerdings lüften sich bei ihrem Aufeinandertreffen Geheimnisse, von denen Eve nicht wusste. Ihre Mutter allerdings schon…

Und dann ist da noch Dolmetscher Sinan…

Aprikosensommer ~ Deniz Selek
Aprikosensommer ~ Deniz Selek

Ob mich Deniz Selek mit ihrem Werk begeistert hat?

Die knapp 300 Seiten des Taschenbuches habe ich binnen weniger Stunden gelesen. Die Autorin schreibt in einer herrlich frischen Sprache und es fällt wirklich sehr leicht, sich in die 15-jährige Protagonistin hinein zu versetzten. Eve ist eine tolle Person, es macht viel Spaß an ihrer Seite zu sein. Ab und an musste ich wirklich heftig lachen, da ihre leicht tapsige Ader einfach köstlich ist. Sie hat mir sehr viel Spaß bereitet.

Doch nicht nur die humorvolle Leichtigkeit des Werks besticht, sondern auch die Spannung, die vor allem auf den letzten Seiten sehr hoch getrieben wird, fesselt. Bis der Punkt der Spannung erreicht ist, plätschert die Geschichte vor sich hin, wie ein kleiner Wasserfall in den Bergen, aber sie plätschert und das nicht zu langsam.

Selek zaubert uns Lesern wunderschöne Bilder vor die Augen und untermalt diese gefühlvoll. Auch die Liebe lässt sie dabei nicht zu kurz kommen und dieses Liebesprickeln spürt man durch ihre Worte besonders gut. Kennt ihr das Gefühl des ersten Verliebtseins noch? Tragt ihr es auch noch in euch?

Aprikosensommer ~ Deniz Selek
Aprikosensommer ~ Deniz Selek

Kurze Kapitelüberschriften lassen uns Leser wissen, was uns grob auf den nächsten Seiten erwarten wird.

Mir hat der Ausflug nach Istanbul gut gefallen und ich habe den Aprikosensommer sehr genossen. Vor allem für heiße Strandtage ist der Roman zu empfehlen, da die Autorin viele einfache Worte benutzt und diese Leichtigkeit schnelles Lesen ermöglicht. Zudem gibt es viele Unterhaltungen im Werk, die zusätzlich belebend und witzig zugleich sind.

Wer demnächst wieder die Türkei besucht, sollte dieses Werk in seine Tasche packen. Vor Ort wird das Leseerlebnis noch viel intensiver sein.

Deniz Selek schreibt genauso, wie es sich Mädchen wünschen – locker, luftig, leicht mit Spannung und voller wahrer Liebe. Ein Buch zum Träumen – mit Herzklopfgarantie!

Eure
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Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Willst du wirklich ganz alleine springen? Diese Frage stellten wir uns und wir wussten gleich, dass wir gemeinsam springen werden. Klaro!

Springt ihr mit Lesebienchen und mir mit?

Auf geht´s…

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Lesebienchen fragt ~ Binea antwortet

Amy, die Hauptfigur, verfügt über die Gabe, in Bücher zu springen und die Handlung live mitzuverfolgen. Im Laufe des Romans springt sie in verschiedene Bücher. Um welchen Sprung hast du sie beneidet und warum?

Ohja – wir Leser konnten uns über so einige Sprünge freuen. Ich fand es sehr spannend mit Amy unterwegs zu sein. Ob bei „Alice im Wunderland“, im „Dschungelbuch“ oder beim „Zauberer von Oz“. Richtig beneidet habe ich Amy nie. Ich habe es allerdings genossen, so viele Werke mit ihr zu bereisen. Dies war wirklich grandios, zumal mir einige davon, wie z.B. „Sturmhöhe“ oder „Der Seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ noch völlig unbekannt, waren.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Jedes neue Kapitel im Roman beginnt mit Fragmenten aus einem Märchen. Was hast du beim Lesen dieser kleinen Textstücke gedacht? Welche Vermutungen hattest du?

Keine einfache Frage, da ich auf der einen Seite nicht zu viel verraten mag und auf der anderen Seite muss ich mal etwas kritischer sein. Die Idee der Textfragmente ist eigentlich schön, ich mag es zumindest, wenn Kapitel kleine Überschriften haben. Aber in dem Fall war ich nicht wirklich angetan, da mich diese Stellen immer aus dem Roman gerissen haben. Keine Ahnung wieso. Dies ist bei mir sonst nie der Fall, aber irgendwie habe ich keinen Gefallen daran gefunden und mich sogar dabei erwischt, wie ich die diese Ausschnitte überlesen habe. Sie haben mich ein wenig genervt und dadurch hatte ich auch wenig Vermutung.

Welcher Altersgruppe würdest du „Die Buchspringer“ empfehlen?

Bücher und Altersgruppen – es ist meist sehr schwer, genaue Angaben zu machen, da die Leser von heute oft schon anspruchsvollere Literatur lesen wollen, welche wir ihnen aber noch nicht recht zutrauen. Ich denke schon, dass sich ein 12-jähriges Mädchen (Junge natürlich auch) darin wohl fühlen würde, wenn es nicht gerade zum ersten Mal liest. Es ist eine große buchige Abenteuergeschichte, in der es natürlich nicht immer nur friedlich zu geht. Seid mutig und springt! Zu alt ist übrigens kein Leser für dieses Werk. Du magst Zahlen? Dann von 12 bis unendlich. 🙂

Amy kann in Bücher hineinspringen, Meggie, die Heldin aus Cornelia Funkes „Tintenherz“ kann Figuren aus Büchern herauslesen, Furias aus Kai Meyers „Die Seiten der Welt“ besitzt ein Seelenbuch, zu dem sie eine tiefe Verbindung hat und mit dessen Hilfe sie Magie entfesseln kann. Welche bibliophile Fähigkeit hättest du gern? Eine von den dreien, keine oder eine ganz andere?

Die drei Fähigkeiten sind absolut grandios und zauberhaft einzigartig. Eigentlich möchte ich keine dieser Fähigkeiten. Allerdings wünsche ich mir ab und an die jeweiligen Protagonisten etwas fragen zu können. In Echtzeit – z.B. Warum tust du das? Natürlich funktioniert das nicht, aber ab und an wäre es grandios. Ich würde gern mit einigen Figuren telefonieren können und ab und an vielleicht mal eine Tasse Kaffee mit ihnen trinken gehen. Aber nicht hier, auch nicht dort, sondern wo ganz anders – vielleicht in einer Zwischenwelt.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Binea fragt ~ Lesebienchen antwortet

Auf Seite 43 wird Amy vom Dschungelbuch gerufen. Es schimmert ihr verheißungsvoll entgegen und ruft. „Lies mich!“ Welches Buch hätte dich wohl gerufen und warum?

Also „Das Dschungelbuch“ wäre es nicht gewesen, das habe ich zwar gelesen, aber es hat bei mir jetzt nicht den allertiefsten Eindruck hinterlassen. Wenn ich in Amys Alter sein würde, also ungefähr vor zwei Jahren, dann würden mich „Die Nebel von Avalon“ lautstark rufen. Dieser wunderbare Roman der genialen Autorin Marion Zimmer Bradley verwebt auf Elemente der Artussage mit fantastischen Momenten und schafft so ein einmaliges, mystisches Leseerlebnis. „Die Nebel von Avalon“ haben mit einen Grundstein für meine Begeisterung für Fantasyliteratur gelegt, gleich danach habe ich den „Herr der Ringe“ verschlungen.

Vielleicht macht es Mechthild Gläser wie Kai Meyer. Sie schreibt noch einen zweiten und vielleicht sogar einen dritten Teil? Wie würdest du das finden und mal ganz ehrlich, würdest du erneut springen wollen?

Schwierige Frage, da Fortsetzungen ja immer so eine Sache sind. Ich hoffe, sie schreibt keine, denn das Buch hat ein rundes, offenes Ende. Kein Kitsch, kein Cliffhangerdrama, sondern ein Ende, mit dem man als Leser absolut leben kann. Ich weiß nicht, ob ich bei einer Fortsetzung noch einmal springen würde. Nicht dass ich das Buch nicht gut finde, ganz im Gegenteil, die Idee des Romans und dessen Umsetzung ist mehr als lesenswert, doch ich möchte dann nicht von der üblichen Dreiecksgeschichte lesen, die gerne in den Folgebänden hochdramatisch aufgebauscht wird. Also von mir aus kann hier Schluss sein. Ein tolles Buch, das einmalig bleiben sollte.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Gibt es im Werk einen ganz bestimmten Satz bei dem du innehalten musstest und wenn ja, warum?

Einen Satz habe ich mir markiert, der die Bibliothek von Amys Großmutter beschreibt.

„Sie wurde erfüllt vom Wispern der Worte, dem Locken all der Geschichten, die darauf warten, gelesen zu werden, einem raschelnden Versprechen, das in der Luft hing. Wie viele Abenteuer verbargen sich hier zwischen Papier und Tinte, wie viele große Liebesgeschichten, wie viele epische Schlachten? Schon jetzt liebte ich diesen Ort.“ (S. 40)

Ich liebe diese Sätze, da sie genau das beschreiben, was ich an Literatur so mag. Jedes Buch, jedes Wort ist ein Versprechen, eine neue Möglichkeit, etwas zu entdecken. Wenn ich solche Sätze lese, frage ich mich immer, wie es Menschen geben kann, die nicht lesen, die nicht auf Entdeckungsreise gehen, keine Abenteuer erleben, nichts Unbeschreibliches erfahren.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

In Gläsers Jugendbuch werden diverse Dinge entwendet, bzw. nicht in Gläsers Werk, sondern eher aus den Werken, in denen die Buchspringer unterwegs sind. Aus welchem Buch würdest du gern einen bestimmten Gegenstand entwenden und welcher wäre es?

Einen bestimmten Gegenstand bräuchte ich gar nicht, viel liebe würde ich auch in die Bücher springen können. Avalon sehen, Mittelerde bereisen, nach Hogwarts mit der Eisenbahn fahren, Lizzy und Mr. Darcy kennenlernen, Peter Pan in seinem Nimmerland besuchen und gemeinsam mit Bastian Fantasien besuchen. Die Liste könnte ich endlos weiterführen, denn es gäbe so viele Bücher, in die ich auch gerne einmal springen würde. Amys Talent ist schon mehr als beneidenswert.

Eure zwei Buchspringerinnen – Lesebienchen & Binea

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Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse

Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse
Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse

Schon als ich das neue Werk in den Händen hielt, wusste ich, dass es mich begeistern wird. Katrin Zipses erstes Werk Glücksdrachenzeit habe ich mit großem Vergnügen gelesen und noch gut im Kopf. Und nun, knapp ein Jahr später, halte ich Die Quersumme von Liebe in der Hand.

Besonders neugierig hat mich die Art und Weise der Verpackung des Werkes gemacht. Oder sagen wir mal, die Zeilen neben dem Buch und der Bilderrahmen mit Postkarte, passend zum Cover. Von der Marketingidee bin ich immer noch sehr beeindruckt und die handgeschriebenen Zeilen sind ebenso stark. Hier kristallisiert sich wirklich mal wieder der Magellan-Verlag heraus. Tolle Ideen, immer treffsicher und total stylisch passend. Das Loslesen stand also kurz bevor, denn so ein Paket macht noch mehr Leselust.

An der Stelle ein dicker Dank ans Magellan-Team! Ihr habt es drauf und wisst, wie ihr eure LeserINNEN begeistert. Weiter so – AHOI!

Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse
Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse

„Am dreitausenddreihundertunddreiundvierzigsten Tag sei Beginn meiner Zählung ging die Welt aus den Fugen.“ (Seite 56)

Luzie heißt Licht. Luzi ist nicht depressiv und wäre der Zettel im Müll nicht gewesen, würde ihr Leben sich noch genauso weiter drehen, wie es sich vor einigen Sekunden noch gedreht hat. Doch nun scheint die Erde still zu stehen, für einen Moment, um sich dann in die entgegen gesetzte Richtung zu bewegen. Der Papiermüll, der überfüllte Container trägt daran Schuld, dass Luzie die Todesanzeige von ihrer Oma findet. Sie ist seit Jahren tot. Allerdings steht in der Anzeige das völlige Gegenteil. Erst vor wenigen Tagen ist ihr Lebenslicht erloschen. Wie kann das sein? Ihr Gleichgewicht kommt durcheinander, ihre Gedanken springen im Dreieck, ihr Inneres verkrampft sich und vor ihren Augen erscheint ihr Leben in einem anderem Licht – in einem Licht aus vielen Lügen.

Wie viel Wahrheit verkraftet ein 15-jähriges Mädchen und vor allem, wie viel Lüge?

„Selbst jetzt, während ich versuche zu verstehen, was passiert ist, wie eins zum anderen kam, ringe ich noch nach Worten, taste mich voran und werde doch nie richtig beschreiben können, wie es sich anfühlt, wenn man zu einem Westen geworden ist, das endgültig untergegangen ist, das keine Vergangenheit mehr hat, keine Gegenwart und keine Zukunft. Wenn man komplett ausgelöscht ist, weil man nicht mehr weiß, wer man ist.“ (Seite 85)

Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse
Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse

„“Gedankenquälerin“ nannte Helena mich, wenn ich ihr erzählte, was mir vor Augen stand, ohne das ich es wollte.Wie Mama bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, und ein Polizist klingelte an unserer Wohnungstür, überbrachte mir die Nachricht, und ich brach auf der Schwelle zusammen.“ (Seite 71)

Ich selbst bin eine Gedankenquälerin, so schlimm es auch klingt. Was Luzie durch den Kopf geht, geht auch stellenweise mir genauso durch den Kopf. Ich schrieb über meine Gedankenqualen. Nicht nur wegen dieser Gemeinsamkeit ist mir Luzie sofort ans Herz gewachsen. Der Roman ist in Ich-Form verfasst und Luzie erzählt davon, was ihr an jenem Tag, der ihr die Beine weggezogen hat, passiert ist. Sie lässt in ihr Inneres blicken und nimmt uns Leser dadurch eng an ihrer Seite mit durch ihr Leben.

Mit Tag 0 startet Zipses neues Werk, welches ich euch eindringlich empfehlen muss. Ich kann hier an dieser Stelle einfach nicht anders. Ihr zweites Werk ist nicht nur voller Liebe, sondern vielmehr eine Art kleiner Psychothriller, durch ihre ungewöhnliche Familiengeschichte. Die Spannung ist enorm und ehe man sich versieht, steht man zwischen den Seiten und ist gehetzt vom Drang alles zu erfahren.

Nicht nur Luzie erzählt ihre Geschichte, sondern auch Puma. Luzie ist in Puma verliebt. Er ist der Kletterlehrer ihres kleinen Bruders Aaron und er macht sich auf die Suche nach ihr, denn Luzi ist wie vom Erdboden verschluckt…

Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse
Die Quersumme von Liebe ~ Katrin Zipse

„Man kann Erinnerungen nicht festhalten. Sie verstauben und verändern sich. Das Licht verschwindet aus ihnen. Bis man sie nicht mehr erkennt.“ (Seite 215)

Autorin Katrin Zipse weiß, wie sie ihre Leser fesseln muss, um sie dauerhaft zu binden. Ich sehe mich immer noch abends im Bett liegen, mit dem Gedanken nur ein zwei Seiten noch zu lesen. Allerdings gelang mir dies mit der Quersumme nicht, da mich die Geschichte von Luzie und auch von Puma in ihren Bann zog.

Macht euch bereit auf eine Geschichte in der es um Selbstschutz, Angst, traumatische Erlebnisse und Lügen geht. 290 Seiten voller Entscheidungen, voller Vertrauen, Verlust, aber auch voller Liebe und Geheimnisse.

Eure

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Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga

Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga
Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga

Ein farbenfrohes Cover und dann im Titel die Worte „schwarz Löcher“? Ein Gegensatz der gleich ins Auge sticht und magisch anzieht. Mich jedenfalls.

Es ist der 12. März und es sind noch genau 26 Tage. 26 Tage bis was passiert? Gleich nach wenigen Seiten bemerken wir Leser, was die junge Hauptprotagonistin Aysel bedrückt.

„Mein Leben kann in zwei klare Abschnitte unterteilt werden: die Zeit, bevor mein Vater in den Abendnachrichten auftaucht, und die Zeit danach.“ (Seite 13)

Aysel ist stark depressiv, sieht nur das Schwarze im Leben und denkt oft an ihren Vater und die Tat die er begangen hat. Seit diesem Tag ist ihr Leben nicht mehr bunt und sie trägt den Wunsch in sich, zu sterben. Wie wäre es nur, wenn sie plötzlich nicht mehr da ist? Wäre das nicht eine Erleichterung für sie selbst und für alle Personen in ihrem Umfeld?

Vielleicht könnte man die folgenden Worte auf ihren Grabstein schreiben:

„Leyla Seran, das Mädchen, das nie dazupasste.“ (Seite 42)

Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga
Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga

Aysel trifft auf einer Internetplattform Roman. Er will ebenso sterben, nur hat er andere Gründe dafür. Seinen Grund kann sie bei aller Liebe nicht nachvollziehen und sie ist ihm sehr misstrauisch gegenüber. Warum will Roman sterben? Er sieht gut aus, er kommt aus einem guten Elternhaus und wird doch von allen geliebt oder nicht? Hat Roman vielleicht tiefe innerliche Narben die er vor allen verheimlicht?

Nachvollziehbarkeit hin oder her – beide nähern sich an und sind froh, endlich einen Selbstmordpartner gefunden zu haben. Nun muss nur noch der 7. April, ihr gemeinsamer Todestag, kommen.

Allerdings steht der vollständige Plan noch nicht ganz, denn das Wo und Wie muss noch klar definiert werden. Aysel zählt die Tage runter. Die schwarze Qualle, die alle positiven Gedanken von ihr frisst und nur schlechte Dinge übrig lässt, ist ihr dabei eine große Hilfe.

Vielleicht verliebt sich Aysel in Roman oder Roman in Aysel? Schaffen es die beiden in den wenigen verbleibenden Tagen doch die Sonnenseiten des Lebens zu finden? Gibt es ein glückliches Ende?

„Wenn ich einen Freund hätte, hieße er Tod. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Roman ebenfalls in ihn verliebt ist. Es ist wie eine Dreiecksbeziehung, die nicht funktioniert. Oder vielleicht ist es ja auch eine Dreieicksbeziehung, die funktioniert.“ (Seite 137)

Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga
Mein Herz und andere schwarze Löcher ~ Jasmine Warga

Jasmine Warga traut sich an einen gefährlichen Gefühlscocktail mit den Zutaten Suizid, Depression und Liebe. Eine Mischung die gut schmecken, allerdings viel mehr eine Mischung die gefährlich ist und tödlich enden kann. Die Autorin betritt mit ihrem Werk thematisch ein Randgebiet, welches in Jugendbüchern nicht allzuoft vorkommt und doch ist es so wichtig. Depressionen…

Wegschauen ist viel einfacher als hinsehen und was wissen wir schon, was in unseren Mitmenschen vorgeht? Oft sind es die eigenen Eltern die nicht mitbekommen, wie es dem Kind geht, obwohl sie es täglich sehen und sprechen. Eine traurige Vorstellung.

In ihrem Debütroman „Mein Herz und andere schwarze Löcher (FISCHER Sauerländer) zeigt Jasmine Warga sofort ihr Schreibtalent. Sie erreicht mit ihren Worten in sekundenschnelle die Herzen der Leser. Ich wurde sehr schnell mit Aysel warm, denn sie ist ein flippiges Mädchen mit jeder Menge Sarkasmus und Intelligenz. Auf den ersten Blick würde man wirklich nicht merken, dass sie den großen Wunsch namens Tod in sich trägt.

Gerade diese Einsicht, das Begreifen das Aysel sterben will und das Erkennen, dass sich der Wunsch von Seite zu Seite stärkt, macht das Werk spannend und bitter und doch lässt die Hoffnung nicht nach.

Mein Herz und andere schwarze Löcher_Jasmine Warga_TodDie ganze Leserhoffnung liegt nun auf Roman. Kann er sich besinnen und vielleicht sogar zwei Leben retten? Die Autorin macht es uns Lesern wirklich nicht einfach und trotz der bunten Farbpunkte sind die schwarzen Löcher einfach zu groß.

Keiner muss beim Griff zu diesem Jugendroman Angst haben, in eine kitschige Geschichte hinein gezogen zu werden. Das ist sie nämlich überhaupt nicht.

Ihr dürft euch über ein Werk freuen, welches durch und durch spannend und geheimnisvoll ist, genauso wie tragisch und wunderbar. Es wird euch bewegen, denn Warga findet durchweg die richtigen Worte bis ins Herz.

Erwachsenen kann ich den Roman ebenso uneingeschränkt empfehlen, denn vielleicht ist es ein Helfer der Augen öffnen kann…

Eure

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Margos Spuren ~ John Green

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Vor gut über zwei Jahren machte ich meinen ersten Ausflug in die Schreib- und Gedankenwelt des Autors John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter hat mich sehr berührt und ich habe das Werk regelrecht verschlungen. Wenn man gute Leseerfahrungen gemacht hat, möchte man diese natürlich erneut machen. Als ich Margos Spuren (dtv) in der Hand hielt, war die Spannung groß. Kann mich Green erneut begeistern oder klappt es dieses Mal nicht?

Wer ist Margo? Welche Spuren werden hinterlassen? Nun wollte ich es wissen und ich zögerte nicht lange und prompt stand ich ihr gegenüber.

Margo Roth Spiegelman – eine undurchschaubare Person, die Rätsel liebt und schon mit neun Jahren für Quentin eine Art Rätsel war. Quentin und Margo sind nicht nur seit dem zweiten Lebensjahr Nachbarn, sondern wohnen regelrecht Fenster an Fenster. Quentin freut sich, wenn Margo seine Nähe sucht, denn schon immer schlägt sein Herz für sie. Er ist durch und durch in sie verliebt. Und Margo? Margo ist und bleibt rätselhaft, wird mit fortschreitendem Alter immer rätselhafter, eigener und teilweise sogar unnahbar.

„Margo hat Rätsel immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde.“ (Seite 13)

Lange Zeit haben Quentin und Margo nicht wirklich Kontakt. Das Band der Freundschaft lockert sich durch die charakterlichen Entwicklungen, Vorlieben und durch das Lebensumfeld. Margo ist besonders speziell – sie ist verrückt, hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen, sie ist anders, sie ist rebellisch, sie ist einfach DIE Margo. Doch dann kommt der Tag der Tage. Margo steht vor Quentins Fenster und er ist halb sprachlos, da es keinen Grund gibt, warum Margo ausgerechnet Kontakt zu ihm suchen sollte. Vor allem nach dieser langen Zeit nicht…

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Grund: Margo braucht ein Auto.

Problem: Der Autoschlüssel zu ihrem Auto liegt verschlossen in einem Safe – Sicherheitsvorkehrungen der Eltern.

Lösung: das Auto von Quentins Mutter

Was Quentin machen wird? Genau das, was wir wohl alle machen würden, wenn unsere Lebensliebe vorbei kommen würde. Er gibt ihr das Auto, nein, noch besser, er begleitet sie auf ihrer Unternehmung. Doch was hat Margo mitten in der Nacht vor? Quentin hätte sich nicht im Traum ausmalen können, was auf ihn zukommt, denn so verrückt würde er niemals träumen. Margo übt Rache und das richtig. Quentin ist nicht wohl bei der Sache, aber er hilft seiner Margo, er ist ihr halb hörig und taut nach und nach neben ihr auf. Er ist stellenweise so verrückt wie sie, ein kompletter Ausbruch aus seinem üblichen Verhalten. Das frisch gefundene Paar durchlebt eine abgedrehte Nacht, in der es gemeinsam gefährliche und verbotene Sachen macht.

Was für eine Nacht…

Der nächste Tag hingegen fühlt sich gut an, allerdings nur solange, bis Quentin feststellt, das Margo weg ist. Wie vom Erdboden verschluckt. Er kann nicht fassen, dass die gemeinsame Zeit, das rießige Abenteuer der Anfang vom Ende gewesen sein soll. Quentin ist verliebt und verzweifelt  und in seiner verliebten Verzweiflung bereit für eine große Suche namens Margo…

„Ich werde die Saite spielen. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen. Ich werde dich finden.“ (Seite 169)

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Was die Liebe mit uns anstellen kann, wissen wir wohl alle ganz genau. Würden wir nicht ebenso auf die Suche gehen? Würden wir nicht genauso unkonzentriert in den Abschlussprüfungen sitzen und den anstehenden Abiball, den man nur einmal im Leben erleben kann und um den sich gerade alle Gespräche drehen, ignorieren? Quentins Kopf denkt Margo.

„Warte, bis sie von alleine wieder nach Hause kommt. Irgendwann musst du aufhören, in den Himmel zu starren, sonst schaust du dich eines Tages um und merkst, dass du selber längst davongeschwebt bist.“ (Seite 165)

Warten ist für Quentin ein unbekanntes Wort und Freundschaft zeigt sich dann, wenn alle da sind, obwohl alle gerade mitten in ihrem eigenen Leben stecken und dort nicht fehlen dürften. Quentins Freunde stellen alle hintenan und begeben sich mit ihm auf eine Suche – einen Roadtrip quer durch Amerika.

„Vielleicht ist es mehr so, wie du vorher gesagt hast, dass wir Risse bekommen. Am Anfang sind wir alle wasserdicht, aber dann passieren Dinge – Leute verlassen uns, lieben uns nicht oder verstehen uns nicht, oder wir verstehen sie nicht, und wir verlieren und scheitern und tun einander weh. Und so bekommen wir Risse. … Erst wenn wir Risse haben, kommt das Licht herein. Und das Licht kann heraus.“ (Seite 328)

Das wohl schönste Zitat im Werk. Ich könnte stundenlang darüber nachdenken. John Green hat auch in diesem Werk wieder tief in die Gefühlskiste gegriffen. Er konnte mich zwar nicht von Anfang an so mitnehmen, wie damals. Es geht in diesem Werk um keine richtige Krankheit, aber um die Krankheit namens Liebe. Die Liebe macht uns blind, sie führt uns runter vom vorgesehenen Lebensweg, sie lässt uns anders sein. Wir handeln ohne nachzudenken und stellen die Liebe in den Lebensvordergrund, ohne nach rechts oder links zu schauen. Wir lebenlieben auf der Überholspur, was nicht immer gut enden kann. Blind vor Liebe – man kann Quentin keinen Vorwurf machen – Gefühle sind Gefühle…

Die Hoffnung geht bis zum Schluss des Werkes mit uns Hand in Hand – und dann?

John Greens Protagonisten muss man wirklich erleben. Ich hatte jede Menge Spaß mit ihnen, musste wahnsinnig während des Roadtrips lachen, konnte allerdings auch tief nachdenken und fühlte mich weitestgehend gut unterhalten. Aber ein kleines bisschen Unzufriedenheit bleibt, irgendwie habe ich noch eine Portion mehr erwartet. Ich kann und mag es nicht definieren, sondern einfach so im Seitenraum stehen lassen.

Die Verfilmung des Werkes werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Schon der Trailer zeigt die Bilder, die ich auch während des Lesens hatte. Selbst ungesehen mag ich behaupt, dass der Film sehr nahe an den Roman heran kommt.

Schaut selbst…

Eure

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Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Bereits der Titel ist so wunderbar, dass ich einfach zugreifen musste! Mein Leben und andere Katastrophen (Fischer/SAUERLÄNDER) – HERRLICH! Dazu noch das bunte und fröhlich-freche Cover – GENIAL!

Ich muss gleich betonen, dass ich ein ausgesprochen großer Fan von Kathrin Schrocke bin. Bei ihr weiß ich immer, dass ich nicht enttäuscht werde, denn sie kann einfach schreiben. Ich würde zu jedem Buch aus ihrer Feder greifen, dazu bedarf es weder Titel noch Cover – ja, so überzeugt bin ich und deshalb empfehle ich euch heute ein Werk, was ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Gleich schon auf der ersten Seite musste ich schmunzeln (siehe Bild zwei hier im Artikel). Da war mir bereits klar, dass es gleich richtig losgehen wird und das ich mit der 13-jährigen Protagonistin jede Menge Spaß haben werde. Und schon war ich drin im Werk, beim Geburtstagskind, welches sich über ein iPad mehr gefreut hätte, als über ein Notizbuch. Aber eine Jahreskarte für Sea Life und ein Radiergummi für ihre große Radiergummisammlung sind auch nicht ganz schlecht. Das Notizbuch wird sie noch brauchen und ich persönlich hätte mich sehr darüber gefreut (falls ihr meine Gedanken an dieser Stelle wissen wollt).

Barnie heißt die verrückte Ulknudel mit ihren zwei Vätern. Ja, ihr lest ihr richtig. Sie hat zwei Väter und zwar Dad und Papa. Klingt nicht ganz gewöhnlich? Genau – so ist es. Eine Mutter hat sie natürlich auch, wie sollte es auch sein, diese ist aber mehr wie eine Tante und Freundin. Ihre zwei Väter reichen ihr da schon völlig aus, denn bei Bernadette daheim ist immer was los.

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Ihr Dad hat amerikanische Wurzeln und liebt es Sprichwörter zu erraten, was für Barnie sehr lustig ist. Nicht immer trifft er anhand ihrer lyrischen Umschreibungen den Sprichwortnagel auf den Kopf. Es wird aber noch viel lustiger, denn ein besonderes Schulprojekt steht an.

Schwanger mit 13? Eine furchtbare Vorstellung der Schüler und wohl erst recht für alle Eltern. Damit es nicht so weit kommt, soll Barnies Klasse testen, wie es sich mit einem neugeborenen Baby lebt. Jeder Schüler soll sich einen Partner suchen und mit ihm die Eltern für eine Babypuppe darstellen. Nicht einfach, denn keiner hat wirklich Lust. Klassenlehrerin Zelenki setzt sich natürlich durch und es dauert nicht lange, da hat jedes Pärchen ein Baby zu betreuen. Tag und Nacht – versteht sich. Barnies beste Freundin hat sich erhofft, dass sie natürlich mit Barnie ein Team bilden, wird aber enttäuscht. Schuld ist Sergej, der hübsche Klassenkamerad der zudem (wie praktisch) mit bei Barnie im Haus wohnt. Sie hat schon lange ein Auge auf ihn geworfen und kann ihr Glück kaum fassen. Ab sofort sind sie die Eltern von Herbie (was für eine Wahl, es hätte aber auch schlimmer kommen können, denn auch Namen wie Nemo, Olchi und Fuzzi standen auf der Namensvorschlagsliste).

Ein Baby hat Hunger, es weint, es braucht Sachen, es braucht Liebe, viel Geduld und die Fürsorge lieber Eltern und das ist noch nicht alles. Das Leben beginnt sich nun von einer ganz anderen Seite zu zeigen, mit der keiner der frisch gebackenen Eltern gerechnet hätte….

Auch ihr Dad und ihr Papa können sich warm anziehen. Vor allem auch Gespräche mit Oma und leiblicher Mutter können peinlich und unangenehm sein:

„“Hast du überhaupt schon deine Tage?“ In dieser Familie war „Privatsphäre“ ein unbekanntes Wort. Es stand im Lexikon der vom Aussterben bedrohten Begriffe.“ (Seite 31)

Ist da überhaupt noch Zeit für die 100.000 Küsse, die wir im Laufe unseres Lebens verteilen?

Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke
Mein Leben und andere Katastrophen ~ Kathrin Schrocke

Was habe ich mich kaputt gelacht. Nicht das ihr denkt, Schrockes Werke sind alle extrem mit Humor gespickt. Nein – auf keinen Fall, aber die schlagfertige Barnie hat es in sich. Ihre Gedanken und ihre Aussagen – ich lacht euch weg. Einfach genial, ich mag sie sehr.

Wer zu einem Schrocke-Jugendbuch greift, wird immer mit einer andersartigen und tiefgreifenden Geschichte überrascht und berührt. Ihre Bücher stechen aus der Masse heraus, denn die Mischung aus komisch, gefühlvoll, außergewöhnlich und doch flippig, ist einmalig. Fragt mich mal, von welchem Werk ich durch und durch begeistert bin – von DIESEM HIER. 🙂

Natürlich läuft bei Barnie und Sergej nicht alles glatt, wie ihr euch denken könnt. Es kommt Liebeskummer dazu, ihre Väter sind durcheinander und auch die Freundschaft zu ihrer besten Freundin ist gefährdet. Aber das ist noch längst nicht alles…

Mich hat die Autorin wieder durch und durch fasziniert. In ihrem Werk Verdammt gute Nächte hat sie die Beziehung eines Jungen zu einer wesentlich älteren Frau thematisiert, in Freak City“ geht es um ein gehörloses Mädchen und in diesem Roman um ein Mädchen mit schwulen Vätern.

Schrocke liebt nicht alltägliche Themen und gerade diese Themen sind wichtig und müssen angesprochen werden. Es steckt so viel Potenzial darin, öffnet Augen und lässt unsere Gedanken in verschiedenen Richtungen drehen.

Ich bin begeistert! Packt euch den Roman und ab an den Strand oder auf die sommerliche Wiese. Über dieses Jugendbuch muss gesprochen werden.

Empfehlung: lest ihn mit eurer besten Freundin zusammen – ihr werdet unvergessliche Lesestunden und Gespräche ohne Ende haben.

Eure

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[ab 6 Jahre] Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish
Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Summ, summ, summ…die Biene aus der MacCuish Feder summt herum.

Ihr lest richtig, heute stelle ich euch mal ein Buch für die kleineren Leser vor. Schon lange hatte ich Lust, ein Werk zu besprechen, was nicht in den Bereich Jugendbuch fällt und vor allem aus einem Verlagshaus stammt, welches hier in Deutschland nicht so bekannt ist. Ich glaube, ich habe im Schweizer Verlagshaus orell füssli eine Kinderbuchperle für euch entdeckt.

Aber wie liest man als erwachsener Mensch Kinderbücher, wenn kein Kind in der Nähe ist? Eigentlich sollten doch die Kids sagen, ob es ihnen gefällt oder eher nicht? Kinderbücher müssen aber auch bei uns Erwachsenen zünden, denn meist ist es so, dass die Kids das Buch nie entdecken, wenn es den Eltern nicht gefällt. Oder irre ich da? Eltern – was sagt ihr? Es sei denn, es sind Werke, die bereits im Klassenzimmer vorgestellt und in der Pause verschlungen werden. Dann hat das lesende Kind ein Ziel und muss nur noch an einer Buchhandlung vorbei kommen.

Heute geht es aber ums Entdecken. Zwar können Kinder ab 6 Jahren schon die ein oder anderen Bücher selbst lesen, aber gemeinsam macht es doch mehr Spaß. Wenn ich Kinderbücher lese, lese ich grundsätzlich laut und es muss mir jemand zu hören. Im Auto lese ich besonders gerne vor, was meinen männlichen Fahrer besonders freut. So auch am letzten Wochenende. Es hat im Auto nicht nur gesummt, denn die Biene konnte sprechen…

Die kleine Belle aus Paris kann endlich wieder Landluft schnuppern. Sie liebt es in den Ferien zu ihren Großeltern zu fahren. Dort bekommt sie meist ein kleines Geschenk und kann ausgiebig die sommerliche Natur erkunden. Sie ist so gern draußen, denn sie liebt Abenteuer und ist froh, nicht nur von einem Haus bis zum anderen Haus gucken zu können.

Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish
Die Biene, die sprechen konnte ~ Al MacCuish

Dieses Mal wird sie mit einem Fahrrad überrascht. Belle strahlt übers ganze Gesicht und kann es kaum erwarten, damit loszufahren. Auf geht es – über Wiesen und Felder, bis in den Wald. Huch? Was ist denn jetzt passiert? Belles Fahrglück hält nicht lange an, denn eine Wurzel bringt sie mitsamt Fahrrad zu Fall. Ohje…

Lange ist sie nicht alleine, denn eine Biene kommt zu ihr geflogen und was ihr diese Biene so alles erzählt und vor allem zeigt, ist eine große Entdeckungsreise durch die Natur…

Dieses Kinderbuch ist nicht nur ein Kinderbuch, sondern es ist besonders, da es in die Kategorie Umwelt fällt. Was bedeutet das? Bei diesem Buch entdecken die Kinder nicht nur eine herzallerliebste Geschichte und treffen nicht nur auf eine weibliche Protagonistin, sondern entdecken beim Lesen ganz nebenbei die Umwelt.

Was wäre denn eigentlich, wenn es keine Bienen gäbe? Würden wir Honig essen können und was wäre mit den ganzen anderen Blumen und Pflanzen?

Diese Frage greift Autor Al MacCuish ganz heimlich auf und beantwortet diese spielend. Unterstützt wird er dabei von Rebecca Gibbon, welche wunderschöne Bilder malerisch zu den Worten gezaubert hat.

Lesen, unterbewusst dazu lernen und anschließend die Natur entdecken – dies klappt mit diesem Werk besonders gut. Wer zudem noch französisch angehauchte Literatur mag, kann sich sicher sein, dass er dieses Kinderbuch lieben wird!

Uns hat es gut gefallen, allerdings habe ich mich stellenweise mit den ein, zwei französischen Wörtern, die der Autor dazwischen gestreut hat, schwer getan, was die Aussprache betrifft, da ich die Sprache nie gelernt habe. Allerdings habe ich nun dazu gelernt und Belle, wie auch die kleine Biene in mein naturliebendes Herz geschlossen.

Eure

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Egal wohin ~ Franziska Moll

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

…scheinbar war mir alles egal, denn ich griff zu Egal wohin (Loewe) von Franziska Moll. Es musste wieder ein Jugendbuch sein, das sagte mir jedenfalls mein inneres Leselustgefühl. Seit Tagen springe ich durch die Jugendbuchwelt und fühle mich darin sehr wohl. Keine Enttäuschungen, wunderbare Geschichten voller Tiefe und Humor, facettenreiche Protagonisten und plausibel konstruierte Handlungen.

Und dann traf ich auf Jo. Uff. Möchte ich Jo wirklich näher kennenlernen? Nach den ersten Seiten wollte ich aufhören zu lesen. Sowas ist mir lange nicht passiert. Ich habe, nach keine Ahnung wie langer Zeit, tatsächlich überlegt, ein Buch aus meiner Bibliothek zu verbannen, es abzubrechen und kein Wort mehr darüber zu verlieren. Ich war enttäuscht und trug eine Gefühlsmischung aus gelangweilt und unterfordert in mir. Schwer zu beschreiben. Egal, dachte ich mir, dann brichst du eben ab.

Und dann traf ich auf Jo. Ich las weiter, denn diese Jo lies mich auch nicht in Ruhe, obwohl sie mich nervte. Ja, sie nervte mich mit ihrer Art. Ihre depressive Grundhaltung, ihre ablehnendes Verhalten, ihr kurz angebunden sein, ihre Egalheit, so will ich es nennen.

Und dann traf er auf Jo. Jos Psychiater. Er trifft sie immer und immer wieder und Jo ist immer und immer wieder gleich. Ihr ist es egal. Alles. Sie möchte nicht mir ihm reden, sie wartet ab und wenn sie redet, dann erzählt sie von ihren Fahrstunden. Sie hält alle Emotionen zurück, dabei schlummert so viel in ihr. Sie möchte ihre Gedanken für sich behalten, analysiert ihn und versucht ihn mit ihrer Art zu provozieren, bis die Stunde, die jeweilige Sitzung, beendet ist. Er könnte über sie schreiben:

„Das unknackbare Mädchen – wie ich mir an einer Siebzehnjährigen die Zähne ausgebissen haben.“ (Seite 177)

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

Und dann trafen sie auf Jo. Ihre Eltern. Reiche Eltern mit großem Haus und nicht nur einem Porsche vor der Haustür. Ihre Mutter will ewig jung bleiben und erkauft sich Aussehen und Charakter. Ihr Vater ist Arzt und flüchtet sich in seine Patientenwelt und in die Welt des Seitensprungs. Die Eltern leben zusammen und doch getrennt. Jo zieht es vor, in der Baracke hinterm Haus zu schlafen. Sie möchte ohne Kontrolle sein und doch muss sich Jo seit dem Vorfall an bestimmte Regeln halten. Doch diese Zeit ist endlich, denn ihre Volljährigkeit steht bald vor der Tür.

Und dann traf Jo auf Koch. Koch ist von Anfang an in Jos Kopf. Für sie ist Koch der zentrale Punkt im Leben, seit es ihr so geht, wie es ihr geht. Koch ist ihr ein und alles, dabei kennt sie nicht mal seinen bürgerlichen Namen. Er ist Koch im Paradies. Jo kellnert im Paradies und bedient sich gelegentlich an den Geldbörsen der Kundschaft, denn Jo hat einen Plan. Koch hat einen Plan. Ihr Plan heißt Kreta. Raus aus der Fassade namens heile Welt. Rein in die Zukunft, in eine lebbare Zukunft namens Freiheit, namens Unbeschwertheit. Noch 10 Tage…

Und dann traf Amar auf Jo. Wo ist Koch? Koch ist weg. Amar ist da. Amar der Unscheinbare. Jo fällt aus allen Wolken, als Koch nicht mehr da ist. Sie sieht wie sich ihr gemeinsamer Plan pulverisiert, aber Koch wird seine Gründe haben und Jo weiß, dass Koch da sein wird. In 10 Tagen. Amar ist nett, Amar hat ein „es“ Problem, Amar hat Narben, aber ein verdammt großes Herz. Amar mag Jo und er hat keine einfache Vergangenheit.

„Er sagt: „Ist schön, wenn du lachst.

Es!

Es ist schön.“ (Seite 173)

Und dann traf ich auf Jo. Jo verändert sich. Jo betrinkt sich. Jo lebt ihre sexuellen Reize aus. Jo – das Mädchen mit dem kahl rasierten Kopf. Jo – das Mädchen, welches schon Jahre ohne ihren toten Zwillingsbruder leben muss. Jo – eine Seele ohne Zuhause, ohne Liebe, aber mit enorm viel Kraft.

Egal wohin ~ Franziska Moll
Egal wohin ~ Franziska Moll

Was soll ich sagen? Ihr könnt selbst erlesen, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe. Den genauen Grund kann ich euch nicht sagen. Wahrscheinlich, weil Jo eben Jo ist. Weil sie mir so unsympathisch war und ich Menschen einfach nicht in Ruhe lassen kann, wenn sie mich neugierig machen. Unterbewusst wollte ich wissen, was mit Jo ist, warum sie ist, wie sie eben ist. Ihre undurchsichtige Ader, ihre kaputte Seele, ihre harte Schale, alles lies mich nicht in Ruhe, ich war auf der Suche nach dem weichen Kern. Bestimmt 50 Seiten hat es gedauert, bis ich im Bann war. Dann habe ich die vielen kurzen Sätze verinnerlicht, mich an den teilweise harten und eben emotionslosen Schreibstil, bedingt durch den Hauptcharakter, gewöhnt und ich habe stellenweise Griechisch gelernt, da Jo immer und immer wieder bestimmte Wörter übersetzt.

„Lügner heißt auf Griechisch ψεύτης“ (Seite 41)

Genauso habe ich mich an Kochs indirekten Worte gewöhnen müssen. Koch lernen wir im Werk nie wirklich kennen, wir wissen nur, was er alles zu Jo gesagt haben muss. Irgendwann mal im Paradies, als sie gemeinsam in der Küche waren oder als er ihr nachdem alle Feierabend gemacht habe, Essen gezaubert, sie verwöhnt hat. Koch ist allmächtig in Johannas Kopf, ihr Lebensanker, ihre Zukunft, ihre rettende Hand.

„Koch sagt, dass ist eine Bauchentscheidung, die Gedärme wissen immer, wer der größte Arsch ist, weil sie auf den scheißen wollen.“ (Seite 18)

Und jetzt wollt ihr wissen, ob ihr Molls Roman lesen sollt oder nicht? Ich kann keine klare Empfehlung aussprechen, da ich selbst Anfangsschwierigkeiten hatte, wie ihr wisst. Ich kann euch aber sagen, dass ich sehr froh war, mich von diesen Schwierigkeiten nicht abhalten haben zu lassen, denn was dann kam, hat mich berührt, fasziniert, mir weh getan und mir die Augen geöffnet. Hartnäckigkeit zahlt sich manchmal aus. Ich durfte erfahren, wer hinter Koch steckt, woher Amar kommt und welche Geschichte sein Leben prägt und ich durfte Jo emotional erleben. Endlich…

Ich habe das Werk zugeklappt und erstmal darüber tief nachdenken müssen. „Egal wohin“ ist bestimmt kein locker luftig leichtes Buch für den Strand. Keinesfalls. Es ist ein Werk für junge Erwachsene, die sich manchmal wie eine Insel fühlen, vor einer Welt namens Fassade stehen und verstanden haben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, vielleicht sogar selbst rebellieren und auf der Suche nach einem Anker sind.

„Egal wohin“ kommt nicht irgendwo hin, sondern bekommt einen festen Platz im Bücherregal, denn es hat mich bewegt, nachdenklich gemacht, vielleicht auch „geerdet“ und es ist besonders, da es sich mit meiner momentanen Realität vermischt – ich sage nur Porsche und ein Hund namens Rocky.

P.S. Jo – ich bin froh, dass ich dich ein Stück begleiten konnte und ich bin mir sicher, dass du in diesem Moment genau die richtige Lebensstraße entlang läufst. 🙂

Eure

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Schizo – Traue niemandem. Vor allem nicht dir selbst. ~ Nic Sheff

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst.

Bist du Schizo?

Miles ist Schizo, zumindest sagen das die Ärzte. Schizo – groß prangen die Buchstaben auf dem Cover, welches in Farben gehalten sind, die für die Augen Gift sind. Diesen Effekt soll der Leser aufnehmen, schon beim Blick aufs Cover soll ihm der Kopf dröhnen. Es soll regelrecht summen und hämmern, denn der Roman soll schon unaufgeschlagen signalisieren, dass er in seinem Inneren genau so sein wird, wie er von außen scheint.

Miles Eltern sind seit dem Verschwinden von Teddy, ihrem jüngsten Sohn, und dem Ausbruch seiner Krankheit, anders. Jeder verhält sich möglichst so, dass er selbst geschützt ist und selbst niemandem mehr Schaden zubereitet. Seit Teddy weg ist, wurde nicht mehr über ihn gesprochen. Die Suche nach ihm wurde eingestellt, denn das Unglück liegt gute zwei Jahre zurück und in der Wohnung gibt es kein Anzeichen, dass Teddy je gelebt hat.

Miles allerdings hat nie aufgehört an Teddy zu denken. Für ihn gibt es nur einen Weg, um seine Familie wieder zusammen zu bringen. Er muss Teddy finden und er weiß, dass sein Bruder lebt, er spürt es. Miles hat früher gekifft, jetzt raucht er nur noch. Sein Vater unterstützt dies, schließlich soll er wenigstens das dürfen können. Miles ist sonst schon gestraft genug. Seine Anfälle, seine ständigen Kopfschmerzen – die vielen Medikamente die er täglich nehmen muss. Schizophrenie – so die Diagnose.

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst. ~ Nic Sheff

Miles will nicht glücklich sein, bevor er Teddy gefunden hat. Er gibt sich die Hauptschuld, denn hätte er keinen Anfall gehabt, wäre Teddy noch da und seine Familie hätte weniger Sorgen. In dem Moment in dem Miles sich auf die Suche begibt, kehrt Eliza zurück aus New Orleans. Eliza. Miles erste große Liebe und gleichzeitig das Mädchen, welches ihn damals am meisten weh getan hat. Sie ist zurück und sie mag mit Miles reden, sie ist bei ihm, sie mag ihn und dann passiert, was passieren musste: Miles kotzt.

„Ich meine, wie könnte ich was mit einem Mädchen anfangen, während Teddy noch immer irgendwo da draußen ist, verschwunden, wegen mir? Wie könnte ich mir erlauben, auf irgendeine Art glücklich zu sein?“ (Seite 65)

Miles schwirrt der Kopf – er sieht überall Krähen, in seinem Kopf ist das große Chaos ausgebrochen, es hämmert ein übler Schmerz, ihm ist schlecht und seine Konzentration ist am anderen Ende der Welt. Für seine Krankheit hat er keine Zeit, er ist es leid, ständig Tabletten zu schlucken.Tabletten die ihm nicht helfen. Ihm kann nur Teddy helfen.

„Fluoxetine, 60 mg am Tag, ähnlich wie Prozac, ein Antidepressivum, und dann Lamictal, 200 mg am Tag, ein Stimmungsstabilisator. Dann Lithium, 800 mg am Tag, und Depakote, 300 mg am Tag, die etwas aufbauen, das man graue Zellen nennt, was auch immer das ist, soll gegen die schnellen paranoiden Gedanken und die Wahnvorstellungen helfen. Und dann Abilify, 10 mg am Tag, speziell gegen die Schizophrenie. Und Zyprexa, 10 mg am Tag, das letzte Medikament, das mir verschrieben wurde.“ (Seite 123)

Miles spült alle Tabeltten weg und macht sich auf eine unbenebelte Suche…

Schizo ~ Nic Sheff
Schizo – Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst.

UFF! Nach diesen knapp 270 Seiten musste ich erstmal tief Luft holen. Autor Nic Sheff weiß worüber er schreibt, denn er weiß selbst, wie es sich anfühlt, den Sinn für die Realität zu verlieren, so steht es auf der Homepage vom Fischer Verlag. Er hat selbst viele der im Werk geschilderten Situationen erlebt. Durch dieses Wissen gewinnt Schizo gleich noch mehr Tiefe. „Traue niemandem. Vor allem nicht dir selbst.“ – so der Untertitel des Romans. Wirkt das Cover eher uneinladend und abschreckend auf mich, verhält es sich mit dem Titel und dem Untertitel genau anders herum. Die Worte zogen mich magisch an.

Die ersten Seiten habe ich nur so verschlungen, denn das erste Treffen mit Miles ist spannend und die kurzen und prägnanten Sätze sorgen für einen rasanten Handlungsaufbau. Der in 4 Teile gegliederte Thriller, zieht einfach in den Bann. Gerade für Leser die sich auf das Thriller-Neuland begeben wollen, ist dieser Roman geeignet. Er ist nicht blutig, er ist nicht richtig grausam, er ist nicht psycho – er ist SCHIZO.

Ich habe noch nie einen Roman über einen jungen Protagonisten mit Schizophrenie gelesen. Nic Sheff hat mir gezeigt, was es heißt, Schizophren zu sein und hat mich in Miles Leben entführt, in seine Welt und ich habe ihm getraut. Ich habe den Untertitel ignoriert und Miles an die Hand genommen. Die Erkenntnis am Ende des Werkes, hat mich sprachlos gemacht. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ihr müsst selbst erlesen, was euch an seiner Seite passiert. Ich habe wahnsinnig viel in dieser Lesezeit gelernt und habe meine Hochachtung vor den Betroffenen. Das Leben kann auch mit einer psychischen Krankheit lebenswert sein – dies will Nic Sheff mit seinem Werk zeigen und das ist ihm gelungen. Er gibt mit diese Werk jede Menge Mut und Hoffnung und er öffnet mit dieser Geschichte die Augen im Umfeld des Betroffenen.

Nic Sheff zieht an den Fäden namens Liebe, Krankheit, Familie und Freunde und verknotet diese zu einem unvergesslichen Thriller! LESEN!

Ob ihr krank seid oder nicht – denkt immer an Miles Worte:

„Die Wahrheit darüber zu sagen, wer ich bin und was mit mir los ist, das ist das Wichtigste. Es mit den anderen zu teilen. Um Hilfe zu bitten.“ (Seite 263)

Eure

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Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb“ (FISCHER KJB) – schon der Titel von Tanya Stewners Werk schreit nach Sommer. Denken wir Sommerkinder nicht immer und immer wieder, wie schön es wohl wäre, wenn im Sommer einfach mal die Zeit stehenbleiben würde? Wäre das nicht traumhaft? Ganz lange an der See bleiben, abends mit Freunden draußen sitzen und grillen, traumhafte Sonnenuntergänge und Tage voller Schmetterlinge und Vogelgezwitscher. Ich würde gerne die Zeit anhalten und um stehen zu bleiben, habe ich mich in den Roman vertieft, aber nicht daheim, sondern an der sommerlichen Ostsee.

Gleich ab dem ersten Satz sympathisierte ich mit der Protagonistin Juli, denn denken wir nicht alle ab und an über uns „Ich finde mich ja manchmal selbst ein bisschen seltsam“ (Seite 7)? Schon, oder?

Juli zerdenkt sehr viel, findet sich nicht wirklich hübsch und ihrer besten Freundin Whoopi geht es ähnlich. Die beiden sind ein Zweiergespann, denn die anderen Mädels, die coolen der Klasse, wollen nicht wirklich etwas mit den beiden unternehmen. Juli wäre gern wie Whoopi – lieber ein gemütliches Zuhause, als Schnösel-Eltern mit viel Geld, schnellen Autos vor der Tür und einem großen Haus. Sie sehnt sich nach Zärtlichkeit, aber zwischen ihren Eltern herrscht Streit und in der Luft liegt der Geruch nach Scheidung. Für sie ist das Abendessen mit beiden Elternteilen einfach grausam und Whoopi schlägt ihr vor, einfach zu bellen, wenn ihr was nicht passt. Ihr habt richtig gelesen, Juli soll bellen und sie überwindet sich und bekommt genau durch ihr Bellen, ihr Anderssein, die gewünschte Aufmerksamkeit.

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Und doch flüchtet sie, da sie es nicht aushält und merkwürdig angeschaut wird, aus dem Haus, auf ihre geheime Lieblingslichtung. Was Juli dort sieht, kann nur ein Tagtraum sein. Ein wunderschöner Junge steht vor ihr. Er spricht anders, er sieht einfach nur göttlich aus und ihn umgibt eine Art Geheimnishülle. Juli ist hin und weg und scheinbar nicht nur sie. Diese Begegnung wird Julis Leben verändern und nicht nur etwas, sondern ganz schön. Ihre Gedanken kreisen so heftig wie ein Karussell auf dem Jahrmarkt und um diesen Luft zu machen, muss sie Whoopi von ihrer Begegnung erzählen. Doch manchmal kann nicht einfach erzählt werden, manchmal können die Worte nicht raus, da sich immer und immer wieder Hindernisse vor diese stellen. Doch warum nur?

„Mitten ins Herz“ – Hat Tanya Stewner mich so getroffen, wie es auf der Rückseite des Romans steht? Ich werde es euch sagen, aber lasst mich erst einen kleinen Bogen holen. Seid ihr Klappentextleser? Ich lese diese meist selten, sondern lasse mich von Cover und Titel leiten und schau dann, was das jeweilige Werk mit mir macht. Mir wurde Stewners Roman mehrfach empfohlen und gerade das Wort Sommer im Titel, lies mich zugreifen. Ich wollte abtauchen in eine Geschichte, die Zeit anhalten und eine unbeschwerte Lesezeit verbringen. Die Autorin hat genau das geschafft. Mit einer mehr als herzerfrischenden Protagonistin und ihrer mindestens genauso liebenswerten Freundin, hat sie schnell mein Herz erobert. Zudem hat sie mich mehrfach überrascht, denn ich habe das Werk vom Optischen eigentlich ins Genre Jugendbuch-Mädchen eingeordnet. Locker luftige Strandlektüre mit Liebe und einem Schuss Romantik, frech, verträumt und durch und durch wunderbar. Doch ich sollte mich irren…

Denn dann drehte und wendete sich das Genre immer mehr. Es wurde leicht fantastisch, ein wenig spirituell, wenn man das so sagen kann und ich begann auf einer Zeitachse entlang zu balancieren und streckte meine Hand in Richtung Kosmos aus. Meine Fantasie öffnete sich wie eine aufblühende Blume, ich begann zu träumen und mit Juli mitzufiebern, ich ließ mich auf das schier Unmögliche ein.

Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner
Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb ~ Tanya Stewner

Ihr müsst keine Angst haben, dass es zu fantastisch wird, auf keinen Fall. Tanja Stewner hat ebenso viel Romantik, wie auch Humor im Gepäck, aber auch jede Menge Tiefe und Hoffnung. Mein Lieblingszitat:

„Was bringt es, darüber nachzudenken, wann man sterben wird? Wir sterben alle irgendwann. Es kommt doch nur darauf an, dass wir bis dahin etwas aus unserem Leben machen. Dass wir jeden Tag nutzen, jeden Augenblick.“ …“Wenn man jeden Augenblick genießt und bewusst erlebt, dann ist es gleichgültig, ob man wenige oder viele Jahre hat, denn man hat aus jeder Sekunde das Beste gemacht. Und darauf kommt es an.“ (Seite 231)

Während des Lesens musste ich immer wieder an das Werk von Audrey Niffenegger denken. Die Frau des Zeitreisenden spukte in meinem Kopf und wer das Werk kennt, wird Stewners Jugendbuch genauso lieben und lesen müssen.

„Der Sommer in dem die Zeit stehenblieb“ ist für mich die kleine Schwester vom Zeitreisenden und wer den Zeitreisenden liebt, wird es erleben wollen, wenn im Sommer die Zeit stehen bleibt. Da bin ich mir sehr sicher und noch sicherer bin ich mir, dass ihr anschließend wisst, wie man Gedankenabenteuer verschenkt oder zumindest geschenkt bekommt…

Eure

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