Da sind wir ~ Graham Swift

Tadaaaaa – Da sind wir!

Natürlich erwarte ich bei einem schillernden Cover und so einem knalligen Titel und ja, ich finde den Titel schon irgendwie knallig, auch einen Inhalt, den ich so schnell nicht vergesse. Der bunte Papagei ist ein guter Anfang – also los, Wörtermanege auf, schillernde Situationen her – Scheinwerfer an und los geht´s…

…und schon stand Jack vor mir und ich war ziemlich gespannt, was passiert. Ich habe mich der Erzählstimme hingegeben und geduldig gelauscht. Dabei wurde ich nicht nur mit der Gegenwart konfrontiert. Die ersten Seiten kamen einer Achterbahnfahrt durch Jacks Leben gleich. Und doch keine Rundstrecke, sondern eine Achterbahnstrecke die Abzweigungen beinhaltet. Auch die Wagenanzahl veränderte sich ständig – mal nur einer, mal zwei, dann drei….

Da sind wir!

Wer ist nur dieser verflixte Erzähler? Die Frage habe ich mir nicht nur einmal gestellt und bis zum Schluss habe ich keine Antwort darauf bekommen oder ich habe sie überlesen. Jedenfalls muss der Erzähler Varietékünstler Jack, Zauberer Ronnie und seine Assistentin Evie White sehr gut gekannt haben. Tatsächlich wohl Autor Graham Swift selbst?!

Tut mir leid, aber diese Zwischenfrage schien mir gerade passend. Ich war bei den drei Wägen stehen geblieben, die für die drei Protagonisten stehen. Keiner hat es geschafft, mir beim Lesen nahe zu kommen, und doch wollte ich wissen, was auf und hinter der Bühne passierte. Vielleicht sind Jack und Evie unecht, da nur Ronnies Kindheit und sein Umfeld in aller Tiefe beleuchtet wird? Oder ist das nur falsche Wahrnehmung?

Papagei Pablo

…ach und dann ist da noch die Sache mit dem Papagei, die sich durch die Geschichte schillert.

Da sind wir ~ Graham Swift

The show must go on!

„Da sind wir“ (dtv) wurde von Susanne Höbel aus dem Englischen übersetzt und handelt hauptsächlich von der Dreiecksbeziehung gegen Ende der 1950er-Jahre, aber auch von der Kindheit während des Zweiten Weltkrieges und von der Gegenwart und ihren Verlusten. Die Mischung variiert und schillert – ohne Pause, ja, es gibt nur ein ganzes 160-Seiten-Kapitel, in dem von den drei Leben erzählt wird. Mal mit mehr Tiefe, mal mit mehr Oberfläche. Vorhang auf, Vorhang zu – mal weiche, mal harte Perspektiv- und Szenenwechsel. Unvorhersehbar – wie Zaubertricks.

Showbusiness

Das Bühnenleben ist faszinierend und auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von Zaubershows bin, kann ich magischen Momenten wenig widerstehen. Welches Gesicht zeigt der Künstler auf der Bühne und welches im wahren Leben? Graham Swift verzaubert und bringt die Stimmung des Showgeschäfts mit all seinen Seiten nahe. Während des Lesens saß ich selbst im Publikum und erlebte mit, wie der Große Pablo und die entzückende Eve, mit Tricks und Illusionen verzauberten, begeisterten und auch verwirrten. Ganz stark und leider, leider, wird auch im Roman kein Zaubertrick enthüllt. 😉

Tricks und Zauberei

Die distanzierte Erzählperspektive hat es mir allerdings nicht einfach gemacht, die Charaktere zu mögen. Und doch ist der Roman vom Man Booker Prize ausgezeichneten Autor nicht spurlos an mir vorbei gezogen. Wahrscheinlich weil er nicht nur vom wahren Leben und seinen queren Wegen, sondern auch von Zauberei und Magie handelt und dadurch nicht wenig geheimnisvoll ist.

Am Ende gibt es den erwarteten Knall, der Mund bleibt offen, die Augen starren gebannt und es liegt dieser Showgeruch in der Luft. Trotzdem bin ich nicht komplett überzeugt, was schon irgendwie ziemlich schade ist…

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