Der Gesang der Flusskrebse ~ Delia Owens

Gefühlt bin ich die letzte Leserin, die zu Delia Owens Romanerfolg „Der Gesang der Flusskrebse“ gegriffen hat. Late to the party, wie es so schön heißt. Mir haben so viele Leser:innen davon vorgeschwärmt und mir ans Herz gelegt, das Buch wirklich dringend zu lesen. Gefühlte Jahre später habe ich es getan und ich habe es natürlich nicht bereut.

Mir wurde nicht zu viel versprochen und der Roman reiht sich vom Lesegefühl her neben „Die Farbe von Milch„, „Kukolka“ und auch „Miroloi“ ein. Obwohl der Roman kein Roman, sondern eher ein Krimi ist…

Neugierig oder schon alter Hase?

Der Gesang der Flusskrebse

Es ist die Einsamkeit, die das Buch so magisch macht. Es ist die kleine Kya, die sich in die Leser:innenherzen brennt und es ist die gewaltige Schönheit der Natur, die beim Lesen schmerzt und Sehnsüchte weckt.

Schon das Cover des Romans lässt erahnen, dass zwischen den Seiten ganz viele intensive Wörter stecken und das eine Geschichte erzählt wird, die uns ergreift, schüttelt und absolut in Erinnerung bleibt. Es ist Kya, die uns Autorin Delia Owens an die Hand gibt und uns diese Hand behutsam greifen lässt. Kya ist das Marschmädchen und lebt ganz allein im Marschland in North Carolina. Sie ist ein Kind, verlassen von ihrer Familie und ganz auf sich allein gestellt. Diese Tatsache reicht, um die Gegenwart zurückzulassen und tief zwischen den Seiten zu versinken. Kyas Charakter sorgt außerdem dafür, dass wir sie sofort zu uns nehmen und beschützen wollen.

Doch zu Beginn ist es die Leiche im Sumpf, über die wir nicht stolpern, da der Sumpf viel verborgen halten kann. Ein kurzer Prolog und Delia Owens hat uns in ihren Fängen, denn auf den ersten Seiten erzählt sie parallel auf zwei Zeitebenen. M & M – ein Mord und ein einsames Mädchen – genug Stoff für 450 Seiten, die an einem Stück verschlungen werden wollen.

Kya

Kya ist so bewundernswert, von ihrer Art, von ihrer Stärke und von ihrem Mut. Sie meistert ihr Leben und lernt vor allem zu überleben. Sie wächst von Tag zu Tag und erobert mit ihrem Wesen von Seite zu Seite das Leser:innenherz. Es ist unglaublich, wie stark ein fiktiver Charakter sein kann, welche Fähigkeiten er haben kann, wenn er so besonders einzigartig erdacht ist. Delia Owens Roman wird zurecht geliebt, gefeiert und natürlich gelesen.

Der Gesang der Flusskrebse ~ Delia Owens

Das gewisse Etwas kommt noch dazu, denn nicht nur der Mordfall und das Marschmädchen sind es, die dem Roman den Zauber verleihen. Es ist die Natur, die Naturgewalt, die die Bilder in unseren Köpfen zeichnet und den zwei Zeitebenen eine schillernde, aber auch mystische Kulisse zaubert. Beim Lesen kann man das Marschland riechen, sogar schmecken und der Leseatem wird tiefer und durch die Spannung schlägt das Herz schneller.

Sagenhaft, wie stark die Natur eingeflochten werden kann, ohne direkt im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe den Roman am Strand gelesen. Das Rauschen des Meeres, die Wärme des Sandes und die salzige Luft haben mich regelrecht umhüllt. Ich wollte nicht weg, bevor ich wusste, was Kya passiert ist, was ihr passieren wird.

Einsamkeit & Liebe

Und doch beinhaltet der Roman noch viel mehr – Einöde und das normale Leben, soziale Kontakte, Einsamkeit und natürlich und auch ganz wichtig – die Liebe. Die Kreativität nicht zu vergessen und ein Mädchen, was zur Frau heranwächst, ganz anders als wir selbst und doch so selbstsicher, stark und bewundernswert. Der Überlebenswille ist es, der uns durch die Welt trägt und Grenzen und Mauern überschreiten lässt. Delia Owens lässt uns Kraft und Vertrauen spüren, zeigt uns parallel dazu und zwar ganz schonungslos, wie schnell wir misstrauen und zweifeln.

Wenn du einen Roman lesen möchtest, der einfach verzaubert, gut unterhält und bis zuletzt spannend ist, greif bitte zu Delia Owens „Der Gesang der Flusskrebse“ (Hanser) und lass dich tief fallen.

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