Die Frau, die liebte ~ Janet Lewis

Ehrlich gesagt, kann ich dir gar nicht sagen, warum ich Jane Austen nicht weiter kenne. Viele fliegen auf ihre Bücher, auf Filme und Co. Ich konnte bisher nie etwas mit ihr anfangen, scheinbar fehlt es mir da an der austschen Romantik. Einen Film habe ich mal gesehen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Ändern möchte ich das nicht, auch der Roman von Janet Lewis „Die Frau, die liebte“ (dtv) konnte da nichts bewirken, da der Roman absolut gar nichts mit Jane Austen zu tun hat. Ja, ich denke mal, dass ich das hier gleich erwähne, da das Cover vielleicht irreführend sein könnte.

Überhaupt sieht das Bild so nach idyllischem Hausfrauenleben aus. So unbeschwert und friedlich, dabei reisen wir durch Lewis Worte ins Jahr 1539 zurück und finden uns gleich auf der Hochzeit zweier Kinder wieder. Du liest richtig, ich habe mich hier nicht vertippt. In dieser Zeit war es recht üblich, 11-jährige Kinder zusammen zu führen, so auch Bertrande de Rols und Martin Guerre. Bertrande wird von der plötzlichen Hochzeit überrascht, sie kannte Martin bisher nur vom Sehen – Martin ist erbost und demonstriert dies umgehend mit einer Ohrfeige. Das Ende von Lied – beide Kinder werden ins Bett gebracht.

Trotz des schlechten Starts, arrangieren sich die Kinder, werden reife Jugendliche und tatsächlich entsteht eine Knospe der Liebe. Beide hätten es nicht für möglich gehalten, füreinander Liebe zu empfinden. Doch Bertrande verliert ihr Herz an Martin und diesem bricht auch seins, als er sich entscheidet, das Gut von seinem Vater zu verlassen. Er hat bereits zwei Zähne in Auseinandersetzungen mit seinem Vater verloren und wenn er Martins Diebstahl bemerken würde, prügelt er ihn vielleicht tot. Das Risiko ist zu hoch und Martin kehrt Frau und Sohn den Rücken mit dem Versprechen, bald wieder zurück zu kommen. Aus bald wurden lange acht Jahre. Aber – er hat sein Versprechen gehalten.

Bertrande blüht auf, der graue Schleier über dem Gut verzieht sich und das idyllische Familienleben kann endlich beginnen. Ein Leben voller Glück, voller Zufriedenheit und grenzenloser Liebe.

Die Frau, die liebte ~ Janet Lewis

Wie ein Wiegemesser nach und nach Petersilie zerkleinert, wird Bertrandes Liebe angeschnitten. Zweifel breiten sich in ihr aus. Ist Martin wirklich ihr Ehemann? Bertrande taumelt und letztendlich bahnt sich eine schwerwiegende Tragödie an, die ihr Leben völlig verändert.

Immer stecken in schmalen, unschuldig aussehenden Büchern riesig große Geschichten. Auch Janet Lewis überrascht auf diese Art. Auf knapp 130 Seiten lässt sie uns an einem Fall teilhaben, der auf wahren Begebenheiten beruht und den Roman dadurch noch intensiviert. Überhaupt musste ich mich nach diesem Stoff sammeln. Ich war hin- und hergerissen, da ich andere Erwartungen hegte, Titel und Cover für mich nicht ganz im Einklang mit dem Inhalt waren und das Ende einfach erschütterte. Dennoch brilliant, wie ich betonen möchte.

Janet Lewis lässt durch uns Leser ganz viele Gefühle strömen. Wir lieben und wir zweifeln – wir versuchen herauszufinden und letztendlich finden wir – und dann? Das musste ich für mich herausfinden und du wirst es für dich herausfinden. Die Liebe steht im Mittelpunkt und das Leben von Bertrande und selbst im Jahr 2018 lieben wir noch genauso stark wie früher. Lewis erzählt chronologisch, immer der Reihen nach, ohne viele Schnörkel, aber kraftvoll.

Jeder der liebt, wird sich in Bertrande wiederfinden. Lange habe ich kein so passendes Buch gefunden, was sich zum Verschenken eignet. Es ist schmal, es ist intensiv, sogar spannend, tragisch und voller Liebe. Im Nachwort erfahren wir von Judith Hermann mehr über die Autorin selbst, über ihre Art zu schreiben und über den Prozess in Frankreich.

Eure
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