Die Überflüssigkeit der Dinge ~ Janna Steenfatt

Schon alleine wegen des genialen Beutels mit dem Aufdruck „Die Überflüssigkeit der Dinge“ wollte ich das Buch schnell lesen und natürlich ausgiebig lieben. Das mit dem Lieben ist scheinbar nix geworden, den Beutel mag ich trotzdem und ganz ohne ist der Roman von Janna Steenfatt dann doch nicht.

Was denn nun…?!

Also der Beutel ist toll, das Cover mag ich ebenfalls und das Protagonistin Ina in Hamburg, der Partnerstadt von Dresden, wohnt, ist schön. Ich mag Hamburg und bin schon oft in den Straßen unterwegs gewesen. Viele eigene Bilder sind beim Lesen entstanden und ich habe mich daran erinnert, wie ich mich vor Jahren in der Herbertstraße verlaufen habe. Das war ja was.

Die Überflüssigkeit der Dinge

Ina ist eine junge Frau die in den Tag hineinlebt. Sie ist recht gechillt, müde und sie wartet, dass in ihrem Leben etwas passiert. Etwas, das sie rauszieht und nach vorne bringt und ihre Planlosigkeit verändert. Auch Falk treibt vor sich hin, aber eher in sich gekehrt. Er teilt sich mit Ina eine WG oder besser Ina mit Falk. Beide zusammen haben die Wirkung eines Joints nach einer anstrengenden Arbeitswoche.

Dann stirbt Inas Mutter und Falk ist an ihrer Seite. Die Emotionen bleiben knapp, da Inas Kindheit nicht sonderlich geborgen war und ihre Mutter dem Alkohol Zuspruch gegeben hat. Ihre Mutter – als Schauspielerin hat sie auf Bühnen geglänzt und dort ihre Bestätigung gesucht. Ob es ein Unfall war oder Selbstmord – die Frage stellt sich und doch ist keine Antwort erforderlich. Inas Vater bleibt unerwähnt, sie kennt aber seinen Namen und der taucht am Hamburger Theater auf. Um nicht ganz einsam zu bleiben, versucht Ina an ihren Vater, den gefeierten Regisseur, heranzukommen. Dabei trifft sie Schauspielerin Paula und ihre Gefühle werden aktiv, die Liebe keimt.

Große Wellen – kleine Wellen

Wie die Wellen der Elbe verhalten sich Janna Steenfatts Worte, so fühlte sich der Roman für mich an. Immer wieder schwappen die Worte hoch, kleine Wellen bauen sich auf, treiben voran und dann ist wieder alles ruhig und langsam. Die Wellen werden kleiner, lösen sich auf, alles ist still. Und dann kommt neuer Wind und es kommen neue Wellen…

Die Überflüssigkeit der Dinge ~ Janna Steenfatt

Ina zu mögen fiel mir wirklich schwer. Schnell glaubte ich, dass es genau das ist, was ich wenig erlebe – eine Depression, depressive Stimmung, Ziellosigkeit, versumpfen im Leben, das gerade richtig beginnen müsste. Anfangs war ich noch ruhig, habe abgewartet und Ina ihren Raum gelassen. Ich habe sie akzeptiert, verinnerlicht, dass ihr bisheriges Leben mehr Tiefen als Höhen hatte und das sie nach dem Studium eine kleine Auszeit hat, bis der perfekte Job kommt. Doch Ina trieb wie das Paddelboot auf offener See, nicht fähig, Kraft aufzuwenden.

Depressive Stimmung

Mag sein, dass Ina mein völliges Gegenteil ist oder das ich selbst Angst habe, zu versumpfen. Ich muss immer etwas machen, etwas erleben, mag optimistisch sein und Ziele erreichen. Mit Ina zu chillen wäre ja okay, das tut mir schon gut, aber es tut mir weniger gut, mich runter ziehen zu lassen. Leider passiert eben auch nichts, nichts was, mit emotional erreichte, noch was mich irgendwie bereichern konnte. Viele lose, nicht unbedingt uninteressante Anfangsfäden, die am Ende nie verknotet werden. Eine Überflüssigkeit der Dinge…

Dabei schreibt Janna Steenfatt nicht schlecht. Es ist wohl wirklich nur Ina, die nicht passt und sich so sperrt und zu viel wartet. Ich bin gern durch die Straßen Hamburgs gezogen, viele Bilder hatte ich vor Augen. Das war schön. Auch das Theaterleben habe ich gern gespürt. Eine kleine Welt für sich, die mich neugierig machte. Und auch wenn ich zu Falk ebenfalls wenig Zugang hatte, ist mir sein Beruf, er fotografiert Leichen, in Erinnerung geblieben und die dazugehörigen Gespräche, die er mit Ina führte. Das hat mir gut gefallen.

Szenenspuren

Szenenspuren sind am Ende geblieben und sogar ein vertrautes Gefühl, bei dem die Fremdheit trotzdem überwiegt, was für mich persönlich nicht schlecht ist. Denn wäre ich eine Mittzwanzigerin und wüsste nicht recht wohin mit mir, hätte wenig Freunde und keinen Elternrückhalt, dann würde ich wohl weiter so dahin treiben. Scheinbar kann ich froh sein, meinen Weg gefunden zu haben und vielleicht sogar ein wenig erwachsen zu sein.

Ina – falls du das liest: Das Leben kann so bunt sein, such dir andere Mitmenschen, lass dich lieben und von Emotionswellen tragen. Lass das Leben beginnen, du musst es nicht nur beobachten!

Eure
literatwo_banner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.