"Die Unsterblichen" ~ Chloe Benjamin // Verlag: btb // Preis: 20€

Zu einigen Bücher wird man via Zufall geleitet. Wie ich zu diesem Buch kam, ist aber letztendlich egal. Fakt ist: ich hätte es nie gelesen, da es mir im hiesigen Bücherland nie begegnete und der wohl heftigste Fakt ist, dass es eines der besten Bücher des Jahres ist. Wahnsinn. Ich bin noch total im Taumel, denn nur wenige Minuten ist es her, dass ich den letzten Satz gelesen habe. Knapp 500 Seite in kaum zwei Tagen, eine Geschichte die mich vom Hocker gerissen hat, vier starke Charaktere die mich regelrecht atemlos gemacht haben. Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube die ersten 200 Seiten habe ich ganz ohne atmen verbracht. Versteh mich nicht falsch, es handelt sich hier weder um einen Thriller, noch um einen Krimi. Nüchtern betrachtet ist es eine Familiengeschichte, die ganz harmlos beginnt, aber so viel in mir ausgelöst hat – puh…

Um mal schnell komplett anders zu beginnen – was wäre eigentlich, wenn du dein Todesdatum kennen würdest? Sag, glaubst du an Wahrsagerei? Was wäre, wenn ich dir sage, dass dein Todestag gar nicht mehr so lange hin ist. Würdest du anders leben? Müsstest du jeden Tag an das Datum denken? Oder würdest du über mich lachen und das Datum was ich dir genannt habe, vergessen? Das sind mal Fragen, was? Magst du mir im Kommentar vielleicht eine Antwort geben? Fragen über die wir wohl stundenlang bei einem Getränk sprechen und philosophieren könnten.

Jüdische Kinder & eine Wahrsagerin? Bestes Buch des Jahres!?

Gut, lassen wir das, schließlich wollte ich dir mehr über „Die Unsterblichen“ (btb) erzählen. Das auf dem Cover Der internationale Besteller aufgedruckt ist, fand ich anfangs recht arrogant und hat mich in der Tat etwas abgeschreckt, aber es ist berechtigt! Die Fragen die ich dir gestellt habe, sind natürlich nicht aus der Luft gegriffen, sondern spielen die Hauptrolle im Roman. Viel mehr spielt der Besuch bei einer Wahrsagerin die Hauptrollen in den Leben der vier Protagonisten – Varya (13), Daniel (11), Klara (9) nd Simon (7). Der Tag an dem sie die Frau aufsuchten, die ihnen sagte, wann sie sterben werden, hat ihre Leben geprägt.

Anfangs dachte ich noch, dass es bestimmt schwierig wird, die vier auseinander zu halten und ich fragte mich zudem, wie Autorin Chloe Benjamin es schaffen will, mich zu fesseln. Mit einer Wahrsagerin? Mit vier jüdischen Kids? Wir das jetzt spirituell und warum überhaupt Die Unsterblichen? Und dann wurde mir die Luft genommen und ich kam mit dem Umblättern kaum hinterher…

Die Unsterblichen ~ Chloe Benjamin

Nun habe ich das Buch eine ganze Stunde auf mich wirken lassen und komme zu dem Entschluss, dass ich es immer noch großartig finde und weiterhin großartig finden werde. Selbst wenn ich es schlecht finden wollen würde, wüsste ich nicht, wo ich beginnen sollte. Nein – es ist toll und es beschäftigt mich immer noch. So sehr, dass ich gar keinen Drang verspüre, sofort in ein neues Buch abtauchen zu wollen. Was ist denn nun aber so gut daran?

Die 4 Geschwister sind es, die mich so fasziniert haben. Man könnte ganz überspitzt sagen, dass es ganz bestimmt keine Familie gibt, in der alle vier Kinder ganz außergewöhnliche Leben haben und so ganz unterschiedlich aus der Art schlagen. Aber warum nicht? Der Sommer 1969 hat sie geprägt und alle vier wissen nicht, was passieren wird und stürzen sich in ihre Leben – stärker als sie es getan hätten, wenn sie ihr Todesdatum nicht gekannt hätten? Reiten sie sich selbst in den Untergang oder in die Unsterblichkeit?

Die Unsterblichen – grandios!

Autorin Chloe Benjamin stellt uns nach und nach die vier Leben vor und zieht ganz unterschiedlich an diesen vier Fäden. Mal mehr und mal weniger, mal muss sie knoten, dann aufribbeln oder einen Schnitt machen. Du merkst, dass ich nicht weiter auf die vier Charaktere eingehen mag? Ich habe Angst zu viel zu verraten, da alles so wunderbar zusammen passt und doch völlig aus der Form gerät. Simon geht mit Klara nach San Francisco. Beide sind eher Künstlertypen, beide auf ihre Art extrem und sehr bunt. Daniel und Varya sind anfangs eher unscheinbar, vernünftig und farblos. Doch der Schein trügt und trügt und trügt! Auf langatmige Stellen lauerte ich vergebens, auch auf die übertriebenen unrealistischen Begebenheiten wartete ich umsonst. Selten wurde ich so verstört und erfreut zugleich. Was für eine Familie, was für Leben.

Ganz ehrlich – ich bin hin und weg. So tief, so erschütternd, so überraschend, so stark, so intensiv, so familiär, so unverschönt und so in Erinnerung bleibend! Lesen – unbedingt lesen und wenn du nach dem Lesen anderer Meinung bist – sag es mir! Und wenn nicht, sag es mir auch. 😉

Eure
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