Ich bin Circe ~ Madeline Mille

Wer Circe bei mir aus dem Regal nimmt, wird sofort die Gebrauchsspruchen am Umschlag sehen und beim Öffnen rieselt Sand heraus. Circe riecht regelrecht nach Meer und beim Umblättern ist das Knirschen des Sandes zu hören. Circe war mit mir am Strand, da ich so dermaßen im Buch gefangen war, dass mir die äußeren Umstände total egal waren. Zudem bin ich immer noch stolz auf mich, dass ich den Roman von Madeline Miller, aus dem amerikanischen Englisch von Frauke Brodd übersetzt, gelesen habe.

Für mich persönlich eine kleine Challenge, denn wer mich kennt, der weiß, dass ich ein totaler Geschichtsmuffel bin und mit Geschichten über die Götter nichts anzufangen weiß. So nach dem Motto – wer bitte sind Odysseus, Helios und Prometheus. Griechische Mythologie – bitte nicht mit mir. Und dann auch noch auf 520 Seiten.

Circe – Fanshop!

Ich habe echt lange gebraucht, bis ich mich überwunden habe, ins Buch einzutauchen. Die ersten Seiten waren holprig, ich musste an die zähe, langatmige Schulzeit denken und an mein gnadenloses Desinteresse. Umso verrückter die Tatsache, dass die Holperstrecke schnell endete und ich völlig gefangen war. Nie hätte ich gedacht, dass ich so schnell Feuer und Flamme und genauso becirct bin wie alle anderen Leser:innen, die das Buch bereits in höchsten Tönen lobten und sich sogar T-Shirts mit dem Cover des Buches anzogen. Es gibt beim Eisele-Verlag sogar einen Circe-Fan-Shop! Völlig verrückt und mein Mann musste die ganze Zeit lächeln, als ich ihm sagte, wie spannend die griechische Mythologie ist und das ich nun begreife, wer hier mit wem zusammen hängt und das man in der Schule doch lieber zum Werk von Madeline Miller greifen sollte, um zu begeistern.

„…Circe, Falke, wegen meiner gelben Augen und dem seltsamen, jämmerlich dünnen Klang meiner Stimme, wenn ich weinte.“ (Seite 11)

Circe ist anders als ihre anderen Geschwister, die Kinder von Helios, dem Sonnengott und der Nymphe Perse. Es ist ihre Stimme, die sofort auffällt und sie abgrenzt und mit bösen Worten überhäuft. Diese klingt nämlich wie die einer Sterblichen. Außerdem ist Circe nicht nur wegen ihrer Stimme anders, sondern ihre ganze Art ist es, die auffällt. Sie ist empfänglich für das Leid der Menschen und ihr Charakter ist es, der eher schwierig ist und auch ihr Temperament macht es nicht einfach, in die Götterwelt zu passen. Circe ist mehr Mensch als Göttin und wird auf eine einsame Insel verbannt.

Ich bin Circe ~ Madeline Miller

Mensch oder Nymphe

Und genau auf dieser Insel kann Circe Circe sein, sich Pflanzen und Tieren widmen und doch lauert die Gefahr, denn Circe ist nie wirklich allein. Und letztendlich muss die Entscheidung gefällt werden, ob die immer mächtiger werdende Magierin sich mehr als Mensch oder als Göttin fühlt.

Circe hat mich mächtig beeindruckt, ich mochte sie sofort, wahrscheinlich wegen ihrer Andersartigkeit, die ihr Steine in den Weg legt. Sie hat einfach keine Bindung zu den Göttern und die einsame Insel wird ihr Zuhause, ihre Welt, in der sie ein magisches Leben führen kann.

Ich bin Circe

Ich konnte den in der Sonne glitzernden Roman „Ich bin Circe“ (Eisele) nicht mehr aus der Hand legen, nahm die Sandkörner zwischen den Seiten in Kauf und fühlte mich durch das Meeresrauschen sogar näher bei ihr. An Circes Seite habe ich regelrecht gelebt, viel gelitten, gekämpft und noch mehr gelernt. Das ich mich mal der griechischen Mythologie annähere und mich sogar leidenschaftlich darin vertiefe, hätte ich nicht gedacht.

Sehr praktisch ist die Übersicht über alle handelnde Personen am Ende des Romans. Titanen, Olympier und Sterbliche werden mit ihrer jeweiligen Abstammung und Rolle in der Geschichte benannt.

Also, was soll ich sagen? Absolute göttlich-emotional-sinnliche Leseempfehlung für alle Fans und Muffel der griechischen Mythologie!

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