„Der Poet der kleinen Dinge“ – lässt denken, gefühlig sein…

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Von weitem sieht sie aus wie ein Junge. Alex, männliche Frisur, 30 Jahre, lässiger Gang, somit unsichtbar für Männer die nach Mädchen pfeifen. Sie bezeichnet sich als unreif, als Entwurf ihrer selbst. Sie ist gerade fertig mit ihrer Arbeit, verlässt die Hühnerfabrik um morgen wieder zu kommen. Mal sehen wie lange noch, bald wird ihr Vertrag beendet zu sein.

Bald wird sie weiter ziehen, irgendwo hin, das Bauchgefühl hat ihr bisher immer gesagt, ob es richtig ist und wo sie sich wieder niederlassen soll. Dorthin gehen, wo es ihr gefällt. Jetzt allerdings geht sie in ihr gemietetes Zimmer, in die Wohnung von Marlene, Bertrand und Gerard. Gerard ist Bertrands Bruder, Marlene hasst ihn, duldet ihn gerade so noch, nennt ihn Dödel, Strohkopf, Dummerjan, Trottel. Marlene hat viele Namen für ihn. Sie würde ihn, das lästige Anhängsel, am liebsten loswerden, vielleicht einfach aussetzen, er würde sich der Polizei sowieso nicht mitteilen können.

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Bücher schenken zu Weihnachten? Eine Empfehlung von Literatwo…

Es ist soweit. Die Zeit eilt in Riesenschritten in Richtung Weihnachtsfest und unser literatwoisches Adventstürchen Nummer 9 wurde heute Morgen geöffnet. So langsam wird es Ernst und die Weihnachtsgeschenke müssen eingekauft werden! Mit umfangreichen Wunschzetteln bewaffnet hasten wir durch die weihnachtlich geschmückten Geschäfte und suchen die großen und kleinen Präsente für den Gabentisch.

Das Spektrum ist gigantisch, vom Hightech-Herzenswunsch bis zum Verlegenheitsgeschenk. Alles ist dabei.

Man kann und wird allerdings auch BÜCHER schenken. Damit diese literarischen „Christkindchen“ nicht in die Kategorie „Der hat schon alles – da hol ich halt das Buch zur Krawatte“ fällt, möchten wir euch Bücher empfehlen, die es einfach verdient haben, unter dem Tannenbäumchen zu liegen. Phantasievoll und weihnachtlich geht es zu in diesen Schätzen – nur das letzte kleine Wunderwerk hat so gar nichts mit den festlichen Tagen zu tun, gilt aber als zeitloser Geheimtipp für alle Menschen, die ihr Herz in Büchern verloren haben!

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Literatwo reist zu den Kindern auf die besondere Insel…

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Es war einmal ein Junge, der hieß Jacob. Der hatte einen Großvater, der war 85 Jahre alt, und dieser erzählte Jacob in seiner Kindheit oft von ganz besonderen Kindern. Er zeigte ihm sogar Fotos dieser Kinder. Diese lebten auf einer Insel und hatten alle ganz besondere Fähigkeiten. Jedes Kind war außergewöhnlich und alle Kinder hatten aus diesen Gründen etwas Gruseliges an sich. Jacob hörte seinem Großvater gern zu, denn Märchen liebt jedes Kind. Allerdings waren es keine Märchen, die ihm erzählt wurden, sondern es waren wahre Begebenheiten. Jacob allerdings wurde älter und älter und kam in die Pubertät und von Tag zu Tag glaubte er diese Geschichten weniger.

Es können keine Wahrheiten sein, das gab es nur im Märchen.

Welche Kinder konnten schon fliegen, welche Kinder konnten lodernde Flammen in ihren Händen halten, welche Kinder konnten mit dem Hinterkopf essen. Mit 15 Jahren glaubt man so etwas nicht mehr und in dem Alter von Großvater kann man schon einiges durcheinander bringen und beginnen, Märchen zu erfinden. Die Bilder allerdings sprachen für die Wahrheit, wobei aber auch diese reine Fotomontagen sein können. Schluss mit Märchen, Augen vom Märchentraumsand befreien, kräftig reiben und das Buch „Jugend und Erwachsen werden“ aufschlagen.

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Charles Dickens – eine Annäherung…

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„Unser“ Blog.Lovelybooks bietet nicht nur ein Forum für die literarischen Neuerscheinungen oder den aktuellen Querschnitt der Bestsellerlisten, sondern ist seit seinem Bestehen auch Heimat für diejenigen Schriftsteller, die vor langer Zeit die Basis für unsere Leseleidenschaft gelegt haben. Über Mark Twain und Robert Louis Stevenson habe ich bereits berichtet und heute möchte ich meine Aufmerksamkeit einem weiteren Klassiker widmen:

CHARLES DICKENS

„Unser Vater Charles Dickens“, gerade beim Aufbau Verlag erschienen, beinhaltet die erstmals übersetzten Lebenserinnerungen der Kinder an ihren berühmten Vater und zeigen ihn von einer unbekannten Seite. Der große Erzähler wird als intensiver Familienmensch geschildert, der sich am Wohlsten fühlt, wenn er von seiner Kinderschar umgeben ist und in seinem trauten Heim an seinen Werken arbeiten kann. Dabei begleiten ihn seine erfunden Figuren auf eine ganz besondere Art und Weise durch sein ereignisreiches Leben.

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Literatwo und die Bestimmung

Die Bestimmung von Veronica RothWer sind wir, wer seid ihr?

Wo wollen wir hin, wo wollt ihr hin?

Wem gehören wir an, wem gehört ihr an?

Im nächsten Jahr erscheint „Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Eine Dystopie in der es, wie der Titel des Romans bereits sagt, um die Bestimmung gehen wird. Die Protagonistin Beatrice muss wählen, muss sich für eine Fraktion die sie von nun an als ihre Familie betrachen will, entscheiden.

Alle Sechzehnjährigen müssen dies tun und ein Eignungstest soll zeigen, welcher Weg der richtige ist. Diese Entscheidung muss gut überlegt sein, denn sie wird das Leben prägen. Altruan – die Selbstlosen, Candor – die Freimütigen, Ken – die Wissenden, Amite – die Friedfertigen und schließlich Ferox – die Furchtlosen, sind die fünf Franktionen, doch Beatrice scheint eine Unbestimmte zu sein. Sie gilt somit als Gefahr für die Gesellschaft…

Wir haben unsere Bestimmung gefunden und sind uns unserer Wege sicher. Wir werden Beatrice begleiten und Beatrice ist uns auch schon sehr nahe. Seit einigen Tagen haben wir den Roman neben uns liegen und greifen ganz bestimmt noch nicht zum neuen Lesestoff. Wir wollen mit euch gemeinsam unsere Vorfreude steigern. Allerdings fällt es uns schwer, wir können euch dafür auch einige Gründe nennen.

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Und in mir der unbesiegbare Sommer…

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…unscheinbar, leise und weiß wie frisch gefallener Schnee schleicht sich der unbesiegbare Sommer ins literatwoische Wohnzimmer. Das Buch scheint eingefroren zu sein. Der Schutzumschlag fühlt sich kalt an. Und doch zieht es magisch an, etwas unbesiegbares scheint in ihm zu warten. Es ruft, es möchte gelesen werden, es trägt eine Geschichte in sich, die warm und kalt zugleich ist. Die wunderschön und doch so grausam ist, die etwas Liebe und mehr Leid in sich bereit hält. Weiß die Hauptfarbe des Covers – rein, unbefleckt, unschuldig, frisch. Weiß – die Farbe des Glaubens, des Lichts, der Bescheidenheit, der Wahrheit und der Klugheit.

Bereits die erste Begegnung mit Lina, einem fünfzehnjährigen Mädchen aus Litauen, verläuft hektisch. Lina muss packen, jetzt sofort. Es stehen Männer vor der Tür, böse uniformierte Männer, sie reden mit ihrer Mutter in einem unfreundlichen Tonfall. Lina soll sich beeilen, es bleiben 20 Minuten in denen sie schnell ein paar Sachen einpacken soll, viele warme Sachen und auch wertvolle Gegenstände, nur nützliches darf mit. Lina versteht die Welt nicht mehr, sie steht unter Schock, ihr Vater ist nicht da, ihr 10jähriger Bruder Jonas ist völlig durcheinander und ihre Mutter ist voller Panik und die Männer der sowjetischen Geheimpolizei schauen auf die Uhr und warten ungeduldig.

Aufbruch ins Ungewisse

Sie müssen los, ein Lastwagen steht vor der Tür, in dem bereits einige andere Menschen mit ihrem Gepäck sitzen. Menschen die auch auf der Liste stehen. Angstvolle Gesichter blicken Lina an, Lina die noch immer ihr geblümtes Nachthemd an hat, wie sie erst jetzt merkt. Eine lange Reise ins Ungewisse beginnt, eine Reise die leider kein fürchterlicher Alptraum ist.

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Claudia-Marina ist in Raum…

Raum ~ Emma Donoghue
Raum ~ Emma Donoghue

In unserem Bericht zu „Raum“ suchten wir einen Leser der sich tief in „Raum“ fallen lassen will und Claudi-Marina hat es getan, sie hat nach uns beiden den „Raum“ lesend betreten. Sie hat uns nun ihre Raumansichten geschickt, die wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen.

Jack ist fünf. Er lebt in Raum. Zusammen mit seiner Ma. 12 Quadratmeter Realität. Denn echt ist nur in Raum. Draußen – das gibt es nicht. Nicht für Jack. Sein ganzes Leben hat er in Raum verbracht. Er sieht gern Cartoons im Fernsehen, das sind seine Freunde – aber echt sind die nicht. Echt ist nur in Raum. In Raum isst er und spielt er und in Raum versteckt er sich nachts in Schrank – wenn Old Nick kommt. Denn Old Nick ist ein böser Mann.

Dann kommt der Tag, an dem ihm seine Ma erklärt, dass es draußen gibt. In echt. Und dass sie genau da hinwollen. Nach draußen. Weg von Raum, weg von Schrank, weg von Old Nick.

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“Zu Grabe”-Autorin Daniela Larcher ganz lebendig im Interview

Alleine lesen war gestern – gemeinsam lesen ist heute und die Zukunft des Social Reading findet bei Lovelybooks statt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie verfestigt sich immer mehr und durch die aktuellen Entwicklungen in der Ausweitung dieses Grundgedankens auf das Medium eBook beschreitet unsere Community innovatives Neuland.

Das Gemeinschaftserlebnis Lesen ist natürlich für uns Bücherwürmer ein purer Genuss, was die unzähligen Leserunden und Streams im Forum belegen. Was aber bedeutet dieser unmittelbare Kontakt zum Leser für einen Schriftsteller? Begibt er sich auf eine Bühne, die Fluch und Segen sein kann, oder ist das gleichzeitige Feedback seiner Leser ein zwingend benötigter Schritt auf dem Weg zur persönlichen Weiterentwicklung.

Am Beispiel der österreichischen Autorin Daniela Larcher und ihres neuen Krimis „Zu Grabe“ können wir wertvolle Erkenntnisse aus der recht theoretischen Ausgangssituation ziehen. Vor fast genau zwei Jahren wurde eine Testlesegruppe zu ihrem Debüt „Die Zahl“ ins Leben gerufen und nun wurden einige Leser des ersten Teils mit der Fortsetzung der Krimireihe konfrontiert. Nicht ganz zufällig – Daniela Larcher selbst hat sich dieser Betrachtung gestellt und seitdem die Bücher bei den „Dinos“ von damals auf dem Tisch liegen wird in der Gruppe diskutiert, gefachsimpelt und Daniela steht natürlich Rede und Antwort zu allen Fragen.

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Dietrich Faber – Toter geht`s nicht im Interview für Lovelybooks

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Henning Bröhmann. Diesen Namen sollte man sich zuerst auf der Zunge zergehen lassen und dann im polizeilich geschulten Lesergedächtnis verankern. Lag das hessische Vogelsberg bisher im tiefsten Schatten der Weltliteratur, idyllisch versunken zwischen Bauernmarkt, Karnevalsverein und industrieller Diaspora, so rückt der malerische Landstrich nun plötzlich in den Mittelpunkt des regionalkriminalistischen Interesses.

Henning Bröhmann könnte schuld daran sein… er ist es auch mit Sicherheit. Bröhmann ist Kriminalkommissar und für die Aufklärung aller Kapitalverbrechen des Kleinstädtchens verantwortlich. Natürlich steht er hier nicht alleine gegen die geballte Macht der hessisch mafiösen Krimikultur… nein – ein gutes Team hat er um sich geschart, um mit aller Akribie seiner Profession zu folgen….

Ähm Stopp… das stimmt nicht so ganz! Eigentlich stimmt bis auf Vogelsberg gar nichts. Wenn ein Kommissar das Klischee eines Kommissars nicht bedient, dann eben jener Hennig Bröhmann.

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Am Beispiel des Hummers – David Foster Wallace

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Man stelle sich folgende Ausgangssituation vor:

Das renommierte kulinarische Fachmagazin „Gourmet“ beauftragt einen ebenso renommierten Schriftsteller (in diesem Falle den aufgehenden Stern am amerikanischen Literaturfirmament David Foster Wallace), eine Reportage über das größte Hummerfestival der Welt – das Maine Lobster Festival – zu schreiben.  Natürlich verspricht sich der feinschmeckende Auftraggeber eine stilistisch wohlgeformte und einzigartige Lobeshymne auf diesen Tempel des modernen Lebensgefühls bei gleichzeitiger Hervorhebung der Vorzüge der Haute Cuisine [ot kɥiˈzin] . Und dies eben „Am Beispiel des Hummers“.

All dies stelle man sich vor. Xenos

Man stelle sich darüber hinaus den beauftragten Autor vor.

David Foster Wallace hatte 1996 mit dem Unendlichen Spaß einen Sensationserfolg aufs literarische Parkett gelegt und gehörte unumstritten zu den hoffnungsvollsten englischsprachigen Autoren. Trotzdem war es nicht ausschließlich die Kreativität, die sein treuer Lebensbegleiter war. Depression – die dunkle Seite der Phantasie – hatte ihn seit Jahren fest im Griff. Mal intensiver, mal mit ein wenig gelockertem Griff um die schreibende und fühlende Seele. Jedoch – sie war immer da…. immer….

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