peach ~ emma glass

peach – Pfirsich – harmlos, schmeckt.

Das Cover lässt allerdings genau das Gegenteil vermuten. Und die Vermutung passt, denn der Roman von Emma Glass lässt nicht nur erahnen, dass einem Mädchen etwas schlimmes widerfahren wird. Protagonistin Peach erlebt gleich zu Beginn ihre persönliche Hölle und ich rate hier weder ab noch empfehle ich. Ich fange mit einem langen Zitat an…

„Plump klebt klebrig nasse Wolle. Klebt. Windet sich um Wunden, schließt Schnitt um Schnitt mit jedem Schritt, an der Wand entlang; meine Hand, behandschuht, schrammt daran. Rohe rote Steine zerfetzen Wolle. Zerfetzen Haut. Rohe rote Haut. Roh der rote Kopf. Ich ziehe den zerlumpten Handschuh von den Fingern, zucke als Fetzen zupacken, festhalten…“ (Seite 7)

peach

Kurze Sätze, lange Sätze, merkwürdige und auch sehr eigenwillige, aber vor allem viele schlimme Sätze prägen den Debütroman. Die Worte haben keinen Rhythmus, genauso wie das Leben von Peach nach der grausamen Tat. Das ihre Eltern davon wenig merken, ist fast noch viel schlimmer.

Obwohl ich nicht alle Worte gleich verinnerlichen konnte, hatte ich kaum Zeit langsamer zu lesen, geschweige denn von vorn zu beginnen. Erst am Ende hatte ich Ruhe, um den Anfang erneut zu lesen und doch war ich zu aufgewühlt. Die knapp 100 Seiten haben mich aus der Bahn geworfen, mich gefordert, geekelt und ich habe mich beim Lesen wie berauscht gefühlt.

peach ~ emma glass

„…Buchstaben bluten…“ (Seite 86)

Ja, die Buchstaben bluten regelrecht, wenn man ganz nah bei Peach ist. Dieser Roman ist schrecklich unfassbar, er tut weh, rüttelt wach und wird einige von uns triggern. Ungläubig habe ich beim Lesen mit dem Kopf geschüttelt und über die Charaktere gestaunt, die sich in ihren Namen spiegeln, ihren Namen alle Ehre machen.

Blutende Buchstaben

Puh – ich habe kaum Worte für diesen Roman und doch reiht er sich bei den extremen Romanen ein, die ich mag. Vielleicht ist er ein wenig wie „Tu dir weh“ und doch ganz anders.

Es reizt mich ins englische Original hinein zu lesen, denn ich bin neugierig und skeptisch zugleich, ob dann die Wucht der Worte noch härter oder eher schwächer ist. Übersetzerin Sabine Kray hat so oder so ganze Arbeit geleistet. Die Worte hallen nach, schmettern ins Gesicht, brennen und stinken. Und ja, die Übersetzerin ist auch Autorin – der Titel „Freiheit von der Pille. Eine Unabhängigkeitserklärung“ ist dir sicher schon begegnet.

Emma Glass erschüttert, macht fassungslos, wütend und schürt die Emotionen, obwohl ich zu Peach immer eine unerklärbare Distanz hatte. Woran ich denken werde, wenn ich den nächsten Pfirsich esse, steht jetzt schon fest.

Eure
literatwo_banner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.