Schlagwort: Kinderbuch

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Inzwischen halte ich mich in den Buchhandlungen nicht mehr so oft in der Kinderbuchecke auf. Und es kommt relativ selten vor, dass ich mal ein Buch aus meiner Kindheit lese oder zu einem Märchenbuch greife. Eigentlich schade, wie ich jetzt erst wieder gemerkt habe. Aber ja, so ist es eben mit den Büchern – man kann nicht jedes Buch lesen, aber ab und an kann ein Ausflug aus der derzeit geliebten Gegenwartsliteratur in die Kinderbuchecke nicht schaden. Der letzte Ausflug in die Bilderbuchecke – ich sag nur: „Oje, ein Buch!“ war ein voller Erfolg und an diesen knüpft nun „Das Mädchen, das den Mond trank“ von Kelly Barnhill an. Ist das Cover nicht wundervoll? So niedlich gemacht und der Titel passt ebenfalls sehr gut.

Ach, Märchen sind immer grausam, aber gut und wichtig und meist mit einem schönen Ende. Was hältst du von der Tatsache, dass dieses Buch so richtig schön ist und es nicht ganz so grausam, dennoch gemein und ungerecht und traurig zugeht? Es gibt eine Hexe, Drachen, gute und böse Menschen, es ist magisch und auch einige Papiervögel sind dabei.

Besagte Hexe, namens Xan, macht sich jedes Jahr auf, um ein Baby im Wald zu retten. Sie kann nicht verstehen, was im Protektorat vorgeht, warum die Menschen immer ein Kind, vermutlich zum Sterben, wegbringen. Xan nimmt sich dem Baby an und bringt es in ihr Zuhause, um es später in eine der Freien Städte zu bringen. Die Kinder sollen glücklich aufwachsen und dort gibt es viele Familien, die sich über den Zuwachs freuen.

Mondlichtmagie

Doch erst muss das Baby sicher ins Haus der Hexe gebracht werden, in dem schon Sumpfmonster Glerk und der winzige Drache Fyrian warten. Und natürlich muss das Baby gefüttert werden. Ich möchte nicht lange um den heißen Brei reden, sondern dir gleich sagen, dass natürlich ein kleines Unglück passiert. Statt dem gut verträglichen Sternenlicht, trinkt das Kind Mondlicht und nimmt damit jede Menge Magie auf…

„Ein Baby mit Magie zu versehen, das ist, wie einem Kleinkind ein Schwert in die Hand zu drücken – zu viel Kraft kombiniert mit zu wenig Vernunft.“ (Seite 35)

Das Mädchen, das den Mond trank ~ Kelly Barnhill

Du darfst dich wahnsinnig auf dieses Baby, das Mädchen namens Luna freuen. Was hat diese bezaubernde Figur mich bezaubert? Autorin Kelly Barnhill schreibt so richtig, richtig schön. Gleich auf den ersten Seiten hören wir zu, wie eine Mutter ihrem Kind eine Geschichte über die Hexe erzählt, die jährlich ein Baby geopfert bekommt. Ebendiese keinesfalls böse Hexe treffen wir im anschließenden Kapitel und dann dürfen wir immer mal wieder lesend ins Protektorat reisen, in dem wir die tieftaurige Mutter vorfinden, die ihr Baby opfern musste.

Was habe ich mich in die Charaktere verliebt. Jeder einzelne ist so herrlich, so einzig und tiefgründig. Der Roman versprüht regelrecht Magie und wickelt den Leser einfach um den Finger. Mir ist es schwergefallen, überhaupt lesend zu pausieren, da die Kapitel so spannend und recht kurz sind und vor allem die Kapitelüberschriften so richtig neugierig machen. Ich sag nur Kapitel 14 „…in dem eine Handlung Konsequenzen hat“ und so ziehen sich diese Überschriften durch alle 48 Kapitel.

Kinderbuchhighlight 2018

Wie ein Märchen ist auch dieser Roman nicht durchweg herzallerliebst, das muss ich zugeben. Die Geschichte hat immer gute und schlechte Seiten, so auch hier. Stellenweise hängt ein melancholischer Nebel über den Seiten, der sich aber immer wieder schnell verzieht, schließlich gibt es so einiges zu lachen, denn Luna hat ihre neugewonnenen Kräfte natürlich nicht unter Kontrolle. Am Ende gibt es ein großes Finale, bei dem schon mal ein Auge feucht werden kann.

Ich empfehle dieses wundervolle Buch so gern weiter. Vor allem wenn der Mond scheint, muss ich an Luna denken. In diesem Jahr lese ich kein weiteres Kinderbuch, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es ein noch schöneres geben kann. Mein Kinderbuchhighlight 2018 habe ich definitiv gefunden.

Ein Märchen für junge & ältere Leser. Fabelhaft, magisch, bezaubernd & trotzdem tiefgründig!

Eure
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[LeseLustAuslöser] „Bootsmann auf der Scholle“ – Benno Pludra

LeseLustAuslöser
LeseLustAuslöser

Es kommt ja immer mal wieder die Frage auf, welche Bücher den Lesevirus übertragen bzw. die Buchsucht ausgelöst haben. Wenn ich mich so dunkel zurück erinnere, waren es bei mir vier Bücher. Die Bücher habe ich einfach immer wieder gelesen und ich liebe sie auch heute noch und sie dürfen in meinem Bücherregal nie fehlen. Regelrechte LeseLustAuslöser.

Die vier Bücher sind:

  • „Bootsmann auf der Scholle“ von Benno Pludra (hach!)
  • „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner (ich wäre so gerne eines der Mädels gewesen)
  • „Der Trotzkopf“ von Emmy von Rhoden (vor allem auch den Namen der Autorin fand ich als Kind immer so klasse)
  • „Försters Pucki“ – Band 1 von Magda Trott (die weiteren 11 Bände habe ich natürlich ebenso verschlungen)

Welches Buch nun die Hauptschuld trägt weiß ich nicht, aber eins möchte ich heute mal in den Mittelpunkt rücken. „Bootsmann auf der Scholle“ – welches auch eines der Lieblingsbücher meiner Mutti ist. Darum fand ich es damals natürlich klasse, in IHREM Buch zu lesen. Auch sie liebt Bücher und gibt nicht gern Schätze her und darum gibt es den Bootsmann doppelt. 😉

Bootsmann auf der Scholle - Benno Pludra
Bootsmann auf der Scholle – Benno Pludra

Meine Ausgabe ist also ein wenig jünger und stammt aus dem Jahre 1988, 15. Auflage, Kinderbuch Verlag Berlin.

Ich liebe Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ und speziell die Nummer 3. Nebenbei erwähnt, versuche ich immer noch alle Trompeterbücher zu bekommen. Über 100 sind bereits in meinem extra angefertigtem Regal.

„Bootsmann auf der Scholle“ habe ich als Kind mal fast auswendig gekonnt, so oft habe ich es gelesen. Ich war viel draußen in der Kälte und habe mit Bootsmann und den drei Kindern namens Uwe, Jochen und Katrinchen, getobt. Was hatten wir für einen Spaß. Schon immer habe ich mir natürlich so einen kleinen Hund wie den Bootsmann gewünscht. Heute würde ich meinen Hund allerdings nicht mehr Bootsmann nennen. Glaub ich jedenfalls.

Bootsmann auf der Scholle -
Bootsmann auf der Scholle – glücklich tanzend

Putt Bräsing gehört der kleine Hund namens Bootsmann. Beide leben auf dem großen Schlepper und die drei Kindern Uwe, Jochen und Katrinchen dürfen mit ihm spielen. Der Schlepper verweilt allerdings nicht lange im Hafen, darum sollen die vier nicht zu lange wegbleiben. Kinder sind nun mal Kinder und das Eis lockt vor allem zum Betreten an. Die vier toben im Schilf und auf dem Eis und dann kommt es wie es kommen musste. Eine Scholle beginnt sich zu lösen…

Auf dieser befinden sich der mutige Jochen und der kleine Bootsmann. Völlig im Spielstrudel gefangen, hört Jochen Uwes Warnungen kaum. Als die Scholle beginnt auf die Ostsee zu treiben, schafft es Jochen gerade so noch zurück aufs sichere Land. Der Schreck sitzt ihm in den Knochen und der große mutige Junge wird zum Angsthasen und rennt weg. Bootsmann allerdings sitzt auf der Scholle fest und treibt immer schneller aufs offene Meer hinaus.

Uwe schickt Katrinchen schnell los, um Hilfe zu holen. Er selbst findet einen Kahn und versucht so schnell wie möglich der Scholle hinterher zu rudern, um den Hund zu retten. Jochen ist weg, auch von Katrinchen ist noch keine Hilfe-Spur in Sicht und Uwe begibt sich immer mehr selbst in Gefahr.

Bootsmann auf der Scholle -
Bootsmann auf der Scholle – Uwe, Jochen und Katrinchen

Die 80 Seiten des kleinen Büchleins haben mich durch und durch fasziniert und tobten durch meinen Kopf. Jedes Mal hätte ich Uwe so gern geholfen und mit Jochen geschimpft. Immer wieder habe ich mir gesagt, dass ich ebenso mutig sein möchte, wenn ich mal in eine Situation komme, bei der schnell Hilfe gefragt ist. Der Mut Uwes hat sich in mir festgebrannt.

Bei jedem Schlittschuhlaufen auf dem Schlossteich in Moritzburg habe ich an Bootsmann denken müssen und auch heute denke ich an ihn, wenn ich zugefrorene Seen betrete. Benno Pludras Werk begeisterte mich nicht nur in meiner Kindheit, sondern auch heute noch.

Verantwortung übernehmen ist wichtig und davonlaufen einfach sehr, sehr feige. Für Dinge die man sich selbst eingebrockt hat, sollte man einfach gerade stehen und vor allem sollte man echte Freunde nie im Stich lassen.

Die kleinen Trompeterbücher
Die kleinen Trompeterbücher

Ich liebe dieses kleine Büchlein aus der DDR, welchem man diese Zeit anmerkt und irgendwie ist das auch gut so.

Wer sich jetzt in den kleinen Bootsmann verliebt hat, muss nicht traurig sein und denken, dass er dieses Büchlein sowieso nirgends mehr kaufen kann. Doch, es gibt ihn wieder zu kaufen. Seit 2012 in der bereits 7. Auflage bei Beltz | Der KinderbuchVerlag.

Vielleicht habt ihr ja selbst noch ein paar Trompeterbücher daheim. Hütet sie gut und wer seine Bücher loswerden mag, ich gebe ihnen gern ein gutes neues Zuhause.

😉

[Verrückt] Caroline – total feerückt!

Caroline - total feerückt - witzig & frech
Caroline – total feerückt – witzig & frech

Verrückt. Ich liebe dieses Wort und sage es oft und gern. Einfach verrückt. Was gibt es da passenderes, als „Caroline – total verrückt“ zu lesen? Huch, bei Caroline scheint es noch viel verrückter zuzugehen, denn aus verrückt wurde feerückt. Caroline – total feerückt(Sauerländer), aber total feerückt.

Caroline geht es gerade richtig gut, als ihre Eltern sie von jetzt auf gleich in einen Zug nach Heudorf verfrachten. Ein Brief wird ihr mit auf die Reise gegeben, in dem sie ihr mitteilen, dass sie ganz dringend was erledigen müssen. Einfach so, ab in den Zug, abgeschoben.

Ausgerechnet jetzt, wo sie Philipp fast geküsst hätte. Auch mit ihrer Freundin Jana verbrachte sie eine tolle Zeit und nun soll sie zu ihren Tanten mit den außergewöhnlichen Namen Äsotheria und Elfie, die eigentlich gar nicht ihre Tanten sind und sich zudem für Feen halten. Sie kennt die beiden überhaupt nicht und innerhalb kurzer Zeit hat sich alles verändert, als ob jemand einen Zauberstab geschwungen hätte.

Caroline ist verwundert über ihre Eltern und soll nun in Heudorf zur Schule. Heudorf, ein kleines Nest in dem sie niemanden kennt und das komplette Gegenteil von der Großstadt Berlin ist. Zum Glück findet sie schnell Anschluss, denn Natalya, ihre neue Klassenkameradin, hilft ihr durch den neuen  und ungewohnten Schultag. Unverhofft und noch verwunderlicher ist das Auftauchen von Spin-Air Cari-op-Ralidostalskyin. Er ist ein Schmetterlingself und bezeichnet sie selbst als eine Fee, eine Fadette.

Caroline - total feerückt - Brief der Eltern an Caroline
Caroline – total feerückt – Brief der Eltern an Caroline

Total feerückte Zeiten brechen für Caroline an, erst recht als sie von geheimnisvollen Dunkelmännern und fiesen Schicksalsspinnerinnen verfolgt wird. Carolines Leben ist auf den Kopf gestellt und sie muss herausfinden, wie und ob sie in ihr bisheriges normales Leben zurückfindet. In all dem Chaos steht auch noch ihr Geburtstag an. 13 Jahre und abgeschoben von den Eltern, dafür in Gesellschaft feerückter Tanten.

Total feerückt, absolut frech, witzig und frisch kommt Protagonistin Caroline daher und zieht den Leser in ihren Bann. Fantastische Elemente schleichen sich nach und nach in den absolut wundervollen Roman für Kids, die gerade ihren ersten Ausflug ins fantastische Genre wagen wollen. Ein großes Abenteuer voller Spannung gibt es hier zu erleben. Caroline ist nicht auf den Mund gefallen und weiß auch im langweiligen Heudorf, die passenden Antworten, die den Leser auflachen lassen.

Ein taffes Mädchen, was sich nicht so leicht abschieben lässt und das man gern auf ihrem feenhaften Ausflug begleitet. Die zwei Tanten setzen dem Geschehen die Krone auf. Caroline selbst macht zudem Bekanntschaften mit Spiegeln und erfährt einiges über eine andere zauberhafte Welt, was uns gedanklich zu Alina Bronskys Roman Spiegelkind trieb.

„Caroline – total feerückt“ – ein herrlich verrücktes Kinderbuch, welches einfach gestrickt, flüssig zu lesen ist und für umfangreiches Lesevergnügen sorgt.

Caroline total feerückt - Lesestimmung
Caroline total feerückt – Lesestimmung

Unsere persönliche Empfehlung für große und kleine Leser! Während sich die größeren Leser mit „Spiegelkind“ vergnügen, sollten sich die kleineren Leser mit Caroline in ihr magisches Lesezelt zurückziehen.

Die Charaktere sind ebenso herzallerliebst und versprühen durch ihre große Abenteueroffenheit gute Laune. Für jede Menge Spaß ist gesorgt und für Spannung sowieso, denn mit den Dunkelmännern und Schicksalsspinnerinnen ist nicht zu spaßen. Ein fulminantes Ende rundet den feerückten Roman ab und lässt keine Fragen offen.

Besonders lieb habe ich den kleinen Flattermann Spin-Air gewonnen und ab und an dachte ich sogar, er kommt zwischen den Seiten hervor geflogen. Wäre das nicht schön, so ein kleiner Elf den kein anderer sehen kann? Wobei es allerdings auch schwierig werden kann, denn wenn man ihm antwortet und jemand daneben steht der es hört, verwirrt man denjenigen und anschließend stempelt derjenige einen selbst als verwirrt ab. Verwirrt verrückt, ähm, feerückt.

Caroline solltet ihr wirklich kennenlernen, denn diese Feerücktheit muss man erlebt haben.

P.S.: Ich selbst, unter dem Spitznamen Bini bekannt, habe immer besonders schmunzeln müssen, denn Caroline wird ab und an von ihrer Mutter als Lini-Bini bezeichnet.

Warum? Findet es heraus 😉

Update – 01-03-2013: „Voll feerspiegelt“ wird der zweite Band heißen – geplant ist eine Trilogie.

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Caroline total feerückt – Trilogie