Wie bin ich denn hierhergekommen ~ Dirk von Petersdorff

Wie bin ich denn hierhergekommen? Du, dass habe ich mich auch schon oft gefragt und ich frage mich es gern wieder. Und wo sind die anderen mit denen ich eine ganze Zeitlang im Gleichtakt gegangen sind? Einige sind zurück geblieben, andere sind schneller gegangen und ein paar stehengeblieben. That´s life, right? Ich laufe gemütlich in meinem Takt weiter, manchmal renne ich, dann bleibe ich liegen oder muss sogar liegenbleiben, aber zumindest bin ich bis hierhergekommen und morgen bin ich schon wieder einen großen Schritt weiter.

Genug gefaselt, aber ich finde schon das es manchmal wichtig ist, im Leben zurückzublicken, eine Bestandsaufnahme zu machen und klar vergleicht man sich dabei ausversehen mit anderen. Oder wie hältst du das? Treibst du immer noch durch dein Leben und studierst vor dich hin, weil es dich erfüllt oder hast du schon eine Großfamilie und lebst verheiratet in einem Eigenheim, weil es dich erfüllt? Dein Leben, deine Antwort.

Wie bin ich denn hierhergekommen

Ich bin heute hierhergekommen um dir von diesem Buch mit dem rosa Cover und dem Wassermeloneneis im Glas zu erzählen. Ich mag das Cover total und finde es mutig, dass Autor Dirk von Petersdorff, Jahrgang 1966, Universitätsprofessor in Jena, sich dafür entschieden hat und auch der C.H.Beck Verlag bekennt erneut Farbe (siehe „Auster & Klinge„). Cover und Inhalt passen so gut, das freut mich immer sehr, eigentlich sollte es ja immer so sein.

Dirk von Petersdorff lässt uns mitten in vier Leben einsteigen. Keines davon ist recht speziell oder außergewöhnlich. Alle vier sind Ende dreißig, was so ziemlich die einzige große Parallele ist. Anna lernen wir zuerst kennen. Sie ist Mutter, mit Tim verheiratet und tritt gerade auf der Stelle. Sie lässt sich durchs Leben treiben und ist Hausfrau, während Tim arbeiten geht und sich fragt, ob Anna auch mal wieder Geld verdienen möchte. Anna träumt sich gern ins freie unbeschwerte Leben zurück.

Wie bin ich denn hierhergekommen ~ Dirk von Petersdorff

Tim plagt sich mit Bauchschmerzen, obwohl er gerade auf Erfolgskurs in der Firma ist und der Chef große Stücke auf ihn hält. Diese sind aber nicht ganz sauber erarbeitet und Tim könnte auffliegen. Sein Freund Johannes treibt wie Anna durchs Leben. Er studiert, hat viel Zeit und er ist Single. Doris lernen wir erst fast zum Schluss kennen, sie ist ebenfalls wieder allein, es hat bisher nicht viel in ihrem Leben geklappt, aber sie ist eine fröhliche Person die nicht so schnell aufgibt. Sie ist Annas Freundin. Achso, Johannes hatte mal was mit Anna und Tim bleibt skeptisch, schließlich könnte da mal wieder eine Annäherung stattfinden.

Vier Protagonisten die so sind wie du und ich, zumindest hat jeder ganz sicher eine übereinstimmende Eigenschaft oder ein Erlebnis, was uns nicht fremd ist. Ich glaube aus dem Grund kommt uns der Roman so nahe. Merkwürdig ist, dass ich mir tatsächlich überhaupt kein Zitat markiert habe. Es gibt aber auch keine Stelle die dafür geeignet ist. Das heißt nicht, dass Dirk von Petersdorff nicht poetisch oder lyrisch ist. Völlig falsch. Er verliert sich in Umgebungsbeschreibungen und umhüllt uns damit.

Ohne Anfang und ohne Ende

Er erzählt verdammt detailliert und leise und lässt uns so richtig zwischen den Seiten treiben. Oft habe ich mich dabei erwischt, wie ich gedanklich in mein Leben übergesiedelt bin, bevor ich wieder bei Anna, Tim, Johannes und Doris war. Von Petersdorff lässt die vier Charaktere zurückblicken und wahllos zu Wort kommen. Selbst wenn er eine ganze Seite lang die Waschstraße beschreibt, langweilt er nicht. Unglaublich. Und am Ende lassen wir die vier einfach zurück – ein Buch ohne Anfang und ohne Ende – wir leben ein Stück mit und gehen dann wieder, ohne das viel passiert ist. Und das ist wirklich nicht schlimm.

„Wie ich hierhergekommen bin“ (C.H. Beck) ist süß, wässrig, schnell verdaut, voller wasserbauchiger Ausschweifungen, leise, lyrisch und das Glas ist mal voll und mal nicht.

Eure
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