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Ich bin ein Taugenichts

die taugenichtse ~ Samuel Salvon

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was ich euch mit diesem Bild sagen will. Porsche taugt nichts oder das sind selbst Taugenichtse – so denkt ihr, was? Da liegt ihr daneben, denn ich mag doch Porsche und das Wort Taugenichts, steht in keinerlei Verbindung mit Porsche – wobei… Okay – ich sag es euch vorweg: Samuel Selvons Roman (dtv) ist wie ein literarischer Porsche. Das Buch hat nicht jeder (noch nicht), es ist speziell, es ist anders, es ist herausragend. Sprachlich voller Power, sparsam an Worten und trotzdem voller Sound. Ihr nehmt beim Lesen sofort Geschwindigkeit auf.

Aber um was geht es eigentlich? Das würde ich euch gern erzählen, allerdings frage ich mich, warum überhaupt, denn Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat im Nachwort, welches über 10 Seiten umfasst, alles Wesentliche gesagt. Besser könnte ich es kaum sagen, allerdings würde ich einige Fachbegriffe und überaus literarische Sätze, in einfache Worte wandeln. Auch das Ende würde ich weglassen, falls ihr das Buch doch lesen wollt. Ich bin nicht Sigrid Löffler, versuch es aber trotzdem. 😉

„Aber das Leben ist so, es passiert einfach. Man legt sich was zurecht im Kopf, eine Art Muster, eine Art Reihenfolge, und auf einmal bam! passiert was, und alles ist aus der Spur. Was man erwartet, passiert niemals, was man niemals erwartet, passiert, und dann muss man wieder alles neu bedenken.“ (Seite 50)

Taugenichts

Gleich auf der ersten Seite geht es los – der spezielle Rhythmus, das übersetzte kreolische Englisch. Man vermutet erst Fehler, doch schnell kommt man in den Takt. Man benötigt kaum noch Satzzeichen, akzeptiert die nie enden wollenden Sätze und lauscht Moses, der sich gerade auf den Weg zur Waterloo Station macht, um mal wieder jemanden abzuholen. Jemand der ein „Mokka“ ist, jemand der ein besseres Leben erwartet, jemand der aus Trinidad kommt, denn Moses lebt in der Zeit, als die Zuwanderer aus der Karibik nach London kamen. Er selbst ist Zuwanderer und keiner kennt sich besser aus als er, wenn es um einen Job, um einen Schlafplatz, um Frauen oder und das Leben in London geht. Moses selbst ist das Leben in London leid, er hat es zu nichts Großem gebracht, sein Leben ist eintönig und das soll der Neue, Galahad, gleich wissen. In London glänzt nichts golden, die Menschen sind zurückhaltend und wollen keine schwarzen Menschen hier haben, die nehmen lieber Polen oder andere Europäer.

Natürlich geht es im Roman nicht nur um Moses. Selvons Buch ist so bunt wie das Cover. Ihr werdet herrliche Menschen treffen, die euch an ihrem Leben teilhaben lassen. Ihr werdet so lachen müssen (vollgemöbelte Wohnung – herrlich!) und klar, ihr werdet auch Mitleid empfinden. Aber die Jungs sind so gut drauf, sie leben einfach und sind grundpositiv. Egal wer – ich mag sie alle so sehr. Jeder hat seine eigenen Macken und Probleme. Ich sag nur Tolroy, der seine Mutter am Bahnhof erwartet, welche als Gepäck keinen Koffer, sondern die ganze Familie hat. Oder Harris, der sich selbst als Brite sieht und immer den Regenschirm und die Times in der Tasche dabei hat. Und warum Five Past Twelve so heißt, sag ich euch über ein Zitat: „Junge, du bist ja schwarz wie die Mitternacht…Nee, da ist schon fünf nach zwölf.“ (Seite 117). Was Bart, Cap und Big City machen und gemacht haben, solltet ihr erlesen.

Buntes Cover, lebhafte Figuren

Steckt euch auf jeden Fall Geld ein und passt darauf auf, denn als Neuankömmling wird man gerne angepumpt und braucht selbst jeden Schilling und Sonntagmorgen müsst ihr zu Moses. Dort gibt es neues Palaver und es wird gelacht und gespottet und geschimpft und gelästert. Passt auf die Tauben auf, ab und an sind die wichtig und zur Not könnt ihr inzwischen auch anschreiben lassen.

Jetzt muss ich schon wieder lachen, das Werk ist so köstlich, so humorvoll und doch so wahr und nah. Und nun gebe ich das Buch weiter, ich glaube meinem Papa könnte dieser Klassiker wirklich gut gefallen.

Miriam Mandelkow – ich ziehe den Lesehut, denn diese Übersetzung ist grandios und muss mehr als aufwendig gewesen sein, denn eine künstliche Sprache mit Dialekt zu übersetzen, ist keine Selbstverständlichkeit. Echt irre!

Ich bin ein Taugenichts, denn ich vergleiche dieses Werk mit Porsche und finde es durch und durch grandios. Es ist eine echte Marke! #ichbineintaugenichts

Eure
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Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Ohne zu wissen, um was es ganz genau in dem Roman geht, musste ich ihn einfach haben. Ja, dass passiert auch. Der Junge am Wasser auf dem Cover und der Titel „Ein besonderer Junge“ haben mich einfach magisch angezogen.

Und so bin ich ins Paris Anfang der siebziger Jahre zurück gereist, um Louis zu treffen. Louis ist kein junger Mann, wie man ihn sich vielleicht vorstellen würde. Er bezeichnet sich selbst als etwas anders, ist eher verschlossen als aufgeschlossen und geht seinen eigenen, ziemlich ruhigen Weg. Er hatte noch keine Freundin, ist schüchtern und mag keinen großen Trubel um sicher herum, zudem hat er sowieso keine Freunde, mit denen er etwas unternehmen könnte.

Der große Schweiger wird Louis von seinen Eltern genannt. Ob er sein Jurastudium schaffen wird, weiß er nicht, allerdings weiß er genau, dass er dringend Geld braucht, um es zu finanzieren. Ein Stellenangebot spricht ihn sofort an, viel mehr die darin enthaltenen Wörter „besonderen Jugendlichen“, da er sich selbst so fühlt.

„Suche motivierten jungen Mann für die Betreuung eines besonderen Jugendlichen während eines Aufenthalts mit seiner Mutter in Horville (Calvados).“

Louis greift kurz entschlossen zum Telefon und erreicht den Vater des besonderen Jungen namens Iannis. Die Familie hatte wohl schon einige Betreuer eingestellt, doch alle haben nach kurzer Zeit die Flucht ergriffen. Aus diesem Grund zögern die Eltern nicht und Louis macht sich auf die Reise nach Horville.

Horville, der kleine Ort am Strand in der Normandie war ein zusätzlicher Grund den Job anzunehmen, da Louis viel Zeit dort verbrachte. Erinnerungen werden in ihm wach, wenn er an die vergangene Zeit, die vergangenen Urlaubsausflüge denkt.

Die erste Begegnung mit Iannis ist nicht einfach und auch die weiteren gemeinsamen Tage werden zur speziellen Herausforderung. Iannis Mutter Helena zieht sich ziemlich schnell in ihre eigene Welt zurück. Sie ist froh endlich wieder jemanden zu haben, der ihr die „Last“ Iannis abnimmt. Sie möchte schreiben, sich ihren erotischen Romanen hingeben und mit einem gutaussehenden jungen Mann im Haus, gelingt ihr das umso besser.

Louis hingegen ist schnell auf sich allein gestellt und versucht sich auf Iannis und seine unterschiedlichen Verhaltensmuster einzustellen. Iannis redet nicht, obwohl er bereits 16 Jahre ist. Er kann nicht schreiben, er ist immer noch ein Bettnässer, er ist verschlossen und in sich gekehrt. Niemanden lässt Iannis an sich heran. Trotz seiner Art ist er nicht dumm, er nimmt alles in sich auf und verarbeitet diese Dinge auf seine Weise.

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Louis erkennt in Iannis, dass er genauso besonders ist wie er. Er unterhält sich mit ihm, erzählt ihm von seiner Vergangenheit und unternimmt viel mit ihm, um Helena viel Ruhe zu ermöglichen.

Seinen Job hat sich Louis anfangs nicht so anstrengend vorgestellt und auch hätte er es sich nicht träumen lassen, dass Iannis Mutter Helena mit ihm flirtet, ihn verführen will.

Verlief Louis sein Leben wie ein ruhiger See auf dem kein Lüftchen wehte, kommt nun auf ihn eine hohe Welle zu, die ihn verändert. Aus schwarz-weiß, wird farbig, aus farbig wird schwarz-weiß.

Der Griff zum Roman von Philippe Grimbert, war der richtige, da ich genau diese Stimmung suchte, jemand anderen treffen wollte, eine tiefe Geschichte mit vielen Besonderheiten brauchte. Louis wie auch Iannis sind besonders, völlig anders und genau die Tatsache, macht das Buch und die Zeit in der Normandie so außergewöhnlich.

Iannis hat autistische Züge und Louis hat es nicht leicht, mit ihm klar zukommen. In seiner zweisamen Einsamkeit blickt Louis auf sich selbst zurück, auf seine damalige Zeit mit seinem damaligen besten Freund. Diese Erinnerungen ziehen an seinem inneren Auge vorbei, aber unterbewusst, beginnt er darüber zu reden, Iannis zu erzählen.

Iannis ist in seiner Welt eingeschlossen, ohne spürbar aus seiner Welt heraus zu kommen. Und doch bekommt Iannis mehr mit, als Louis oder seine Eltern zu ahnen scheinen. Die Zeit rückt näher, Louis seine Zeit endet bald, da ein Heimplatz für Iannis frei wird. Beide Jungen haben ein festes, transparentes Band untereinander geknüpft, ein besonderes Band des Zusammenhaltes und fällen eine besondere Entscheidung.

Mehr als bildlich schreibt Grimbert und lässt seine zwei Hauptprotagonisten schnell ans Herz wachsen. Sie sind so besonders, dass sie sich im Leserkopf fest verankern. Grimbert lässt tief in die Seelen der beiden blicken und macht unsichtbare Dinge sichtbar für den Leser, die er vielleicht so nie wahrgenommen hätte.

Ein berührendes, besonderes Buch voller bildlicher, teils poetischer Klarsicht.

Eure
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Matt Haig hat ziemlich gute Lebensgründe

Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig
Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig

für euch, denn ihr solltet, genau wie er, am Leben bleiben! Abhauen ist feige – okay?!

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben (dtv) von Matt Haig wollte ich eigentlich überhaupt nicht lesen. Ehrlich gesagt, ist meine Mama dran schuld, dass ich das Buch gelesen habe. Dabei hat sie es noch nicht einmal selbst gelesen. Warum nicht? Na, weil ich es habe. Und nun? Bekommt sie es demnächst und bei aller Euphorie muss ich euch ein wenig bremsen, denn ich bin nicht so begeistert, wie ich anfangs dachte. Die ersten Seiten haben sich wie Nichts weggelesen und dann?

Genauso habe ich es auch meiner Mama gesagt, obwohl ich mit diesen Worten nicht negativ beeinflussen will. Absolut nicht, denn ich glaube, dass der Roman einfach zur falschen Zeit in mein Lesen gekommen ist. Das passiert mir zum Glück nur sehr sehr selten, aber in dem Fall ist es mir einfach passiert. Keine Ahnung warum und ehrlich gesagt, keine Ahnung wann der richtige Moment im Leben für Matt Haigs Buch ist, aber es wird ihn bestimmt geben.

„Der Unterschied zwischen Depression und Trauigkeit ist ungefähr so groß wie der zwischen wirklichem Verhungern und leichtem Appetit.“ (Seite 109)

Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig
Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig

Das Leben ist schön und Matt Haig erzählt euch in seinem Werk davon. Zumindest am Ende, denn zuerst nimmt er euch mit durch seine tiefen Phasen der Depression. Ja, wer noch keine Depressionen hatte und sich mit der Krankheit noch nicht auseinander setzten musste, wird das Wort belächeln. Keine anderen Krankheit wird wohl so oft belächelt wie die Depression. Warum eigentlich? Weil Despression so harmlos klingt? Weil es von vielen unserer Mitmenschen einfach abgetan wird? Es ist das große Loch der Unwissenheit, welches uns wahrscheinlich abwinken lässt.

Als mich meine Mama nach dem Buch fragte, wurde ich hellhörig. Natürlich ist es mir schon über den buchigen Weg gelaufen. Auf der Messe, auf anderen Blogs, in Buchhandlungen und immer dachte ich: nein, das musst du nicht lesen. Neugierig war ich allerdings, dass möchte ich nicht leugnen. In der Tageszeitung hat meine Mama dann die kleine Werbeanzeige gefunden und genau diese hat sie mir unter die Nase gehalten und gefragt, ob ich dieses Buch kenne und mir gesagt, dass sie es gerne lesen möchte, egal ob ich es empfehle oder nicht.

Nun denn – jetzt bekommt sie es und ich habe es anfangs verschlungen und zum Ende hin mehr oder weniger durchgeblättert.

In fünf Kapitel mir Vor- und Nachworten hat Matt Haig sein Buch geteilt.

  1. Fallen
  2. Landen
  3. Aufstehen
  4. Leben
  5. Sein

Haig berührt fast durchweg mit seinen Worten. Auf 300 Seiten erzählt er vom Fallen, wie er gelandet ist und wie er es geschafft hat, wieder aufzustehen. Dabei zeigt er, wie wichtig es ist, dass anderen Menschen gerade dann im Leben bleiben, wenn eine Krankheit um sich schlägt. Hut ab vor seiner Freundin und allen Menschen die immer bei ihm waren. So muss es sein. Keine Selbstverständlichkeit – bewundernswert!

Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig
Ziemliche gute Gründe, am Leben zu bleiben ~ Matt Haig

In meinem Umfeld leidet zum Glück keiner an Depressionen. Was diese anrichten können, habe ich nun gelernt. Die Krankheit gilt es ernst zu nehmen. Matt Haig kann inzwischen leben und sein. Ein gutes Gefühl.

Auch wenn Haig mich nicht immer im Buch halten konnte, hat er mich berührt. Vor allem wie der Roman, das Sachbuch, seine Biografie, wie auch immer man es nennen mag, aufgebaut ist, ist genial. Sein Schreibstil ist schon unwahrscheinlich nah und dazu die lockeren Passagen mit trockenem Humor und die schmal bedruckten Seiten, mit Auszügen aus Gesprächen mit seinem damaligen und heutigen ICH – einfach anders und anders gut, um an den Leser heranzudringen. Oftmals sind die kurzen Kapitel mit einem Wort überschrieben und dieses wird dann tiefgründig anhand einer Lebenssituationen beleuchtet. Haig zählt Symptome auf, er erstellt Listen, er gibt Ratschläge und er hat andere Menschen gefragt, warum man am Leben bleiben sollte. Lebensgründe mit Tiefgang.

Die Seiten haben mich wohl mit am meisten berührt – uff…

Das Leben ist bunt und wir müssen es genießen und es wird immer und immer wieder Hochs und Tiefs geben – dazu sind Freunde und Familie da – zusammen halten, egal ob das Leben hell oder dunkelbunt ist. Uns gibt es alle nur einmal – dies hat mir Haig erneut bewusst gemacht. Danke dafür!

Eure
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Margos Spuren ~ John Green

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Vor gut über zwei Jahren machte ich meinen ersten Ausflug in die Schreib- und Gedankenwelt des Autors John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter hat mich sehr berührt und ich habe das Werk regelrecht verschlungen. Wenn man gute Leseerfahrungen gemacht hat, möchte man diese natürlich erneut machen. Als ich Margos Spuren (dtv) in der Hand hielt, war die Spannung groß. Kann mich Green erneut begeistern oder klappt es dieses Mal nicht?

Wer ist Margo? Welche Spuren werden hinterlassen? Nun wollte ich es wissen und ich zögerte nicht lange und prompt stand ich ihr gegenüber.

Margo Roth Spiegelman – eine undurchschaubare Person, die Rätsel liebt und schon mit neun Jahren für Quentin eine Art Rätsel war. Quentin und Margo sind nicht nur seit dem zweiten Lebensjahr Nachbarn, sondern wohnen regelrecht Fenster an Fenster. Quentin freut sich, wenn Margo seine Nähe sucht, denn schon immer schlägt sein Herz für sie. Er ist durch und durch in sie verliebt. Und Margo? Margo ist und bleibt rätselhaft, wird mit fortschreitendem Alter immer rätselhafter, eigener und teilweise sogar unnahbar.

„Margo hat Rätsel immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde.“ (Seite 13)

Lange Zeit haben Quentin und Margo nicht wirklich Kontakt. Das Band der Freundschaft lockert sich durch die charakterlichen Entwicklungen, Vorlieben und durch das Lebensumfeld. Margo ist besonders speziell – sie ist verrückt, hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen, sie ist anders, sie ist rebellisch, sie ist einfach DIE Margo. Doch dann kommt der Tag der Tage. Margo steht vor Quentins Fenster und er ist halb sprachlos, da es keinen Grund gibt, warum Margo ausgerechnet Kontakt zu ihm suchen sollte. Vor allem nach dieser langen Zeit nicht…

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Grund: Margo braucht ein Auto.

Problem: Der Autoschlüssel zu ihrem Auto liegt verschlossen in einem Safe – Sicherheitsvorkehrungen der Eltern.

Lösung: das Auto von Quentins Mutter

Was Quentin machen wird? Genau das, was wir wohl alle machen würden, wenn unsere Lebensliebe vorbei kommen würde. Er gibt ihr das Auto, nein, noch besser, er begleitet sie auf ihrer Unternehmung. Doch was hat Margo mitten in der Nacht vor? Quentin hätte sich nicht im Traum ausmalen können, was auf ihn zukommt, denn so verrückt würde er niemals träumen. Margo übt Rache und das richtig. Quentin ist nicht wohl bei der Sache, aber er hilft seiner Margo, er ist ihr halb hörig und taut nach und nach neben ihr auf. Er ist stellenweise so verrückt wie sie, ein kompletter Ausbruch aus seinem üblichen Verhalten. Das frisch gefundene Paar durchlebt eine abgedrehte Nacht, in der es gemeinsam gefährliche und verbotene Sachen macht.

Was für eine Nacht…

Der nächste Tag hingegen fühlt sich gut an, allerdings nur solange, bis Quentin feststellt, das Margo weg ist. Wie vom Erdboden verschluckt. Er kann nicht fassen, dass die gemeinsame Zeit, das rießige Abenteuer der Anfang vom Ende gewesen sein soll. Quentin ist verliebt und verzweifelt  und in seiner verliebten Verzweiflung bereit für eine große Suche namens Margo…

„Ich werde die Saite spielen. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen. Ich werde dich finden.“ (Seite 169)

Margos Spuren ~ John Green
Margos Spuren ~ John Green

Was die Liebe mit uns anstellen kann, wissen wir wohl alle ganz genau. Würden wir nicht ebenso auf die Suche gehen? Würden wir nicht genauso unkonzentriert in den Abschlussprüfungen sitzen und den anstehenden Abiball, den man nur einmal im Leben erleben kann und um den sich gerade alle Gespräche drehen, ignorieren? Quentins Kopf denkt Margo.

„Warte, bis sie von alleine wieder nach Hause kommt. Irgendwann musst du aufhören, in den Himmel zu starren, sonst schaust du dich eines Tages um und merkst, dass du selber längst davongeschwebt bist.“ (Seite 165)

Warten ist für Quentin ein unbekanntes Wort und Freundschaft zeigt sich dann, wenn alle da sind, obwohl alle gerade mitten in ihrem eigenen Leben stecken und dort nicht fehlen dürften. Quentins Freunde stellen alle hintenan und begeben sich mit ihm auf eine Suche – einen Roadtrip quer durch Amerika.

„Vielleicht ist es mehr so, wie du vorher gesagt hast, dass wir Risse bekommen. Am Anfang sind wir alle wasserdicht, aber dann passieren Dinge – Leute verlassen uns, lieben uns nicht oder verstehen uns nicht, oder wir verstehen sie nicht, und wir verlieren und scheitern und tun einander weh. Und so bekommen wir Risse. … Erst wenn wir Risse haben, kommt das Licht herein. Und das Licht kann heraus.“ (Seite 328)

Das wohl schönste Zitat im Werk. Ich könnte stundenlang darüber nachdenken. John Green hat auch in diesem Werk wieder tief in die Gefühlskiste gegriffen. Er konnte mich zwar nicht von Anfang an so mitnehmen, wie damals. Es geht in diesem Werk um keine richtige Krankheit, aber um die Krankheit namens Liebe. Die Liebe macht uns blind, sie führt uns runter vom vorgesehenen Lebensweg, sie lässt uns anders sein. Wir handeln ohne nachzudenken und stellen die Liebe in den Lebensvordergrund, ohne nach rechts oder links zu schauen. Wir lebenlieben auf der Überholspur, was nicht immer gut enden kann. Blind vor Liebe – man kann Quentin keinen Vorwurf machen – Gefühle sind Gefühle…

Die Hoffnung geht bis zum Schluss des Werkes mit uns Hand in Hand – und dann?

John Greens Protagonisten muss man wirklich erleben. Ich hatte jede Menge Spaß mit ihnen, musste wahnsinnig während des Roadtrips lachen, konnte allerdings auch tief nachdenken und fühlte mich weitestgehend gut unterhalten. Aber ein kleines bisschen Unzufriedenheit bleibt, irgendwie habe ich noch eine Portion mehr erwartet. Ich kann und mag es nicht definieren, sondern einfach so im Seitenraum stehen lassen.

Die Verfilmung des Werkes werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Schon der Trailer zeigt die Bilder, die ich auch während des Lesens hatte. Selbst ungesehen mag ich behaupt, dass der Film sehr nahe an den Roman heran kommt.

Schaut selbst…

Eure

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Aufstieg und Fall großer Mächte ~ Tom Rachman

Aufstieg und Fall großer Mächte ~ Tom Rachman
Aufstieg und Fall großer Mächte ~ Tom Rachman

Puzzleteile: Aufstieg und Fall großer Mächte

Manche Bücher brauchen einen besonderen Zugang, eine besondere Art der Besprechung. Puzzleteile müssen sich zusammenfügen, um ein großes Ganzes zu ergeben. So auch in diesem außergewöhnlichen Meisterwerk von Tom Rachman Aufstieg und Fall großer Mächte(dtv).

Eine „normale“ Rezension wird diesem Roman über Erinnerung, Wahrheit und Verlust nicht gerecht. Vielmehr müssen einzelne Bausteine zusammengesetzt werden, um einen Zugang zu diesem Buch zu finden.

Aufstieg und Fall großer Mächte ~ Tom Rachman
Aufstieg und Fall großer Mächte ~ Tom Rachman (Quelle: Büchermagazin 1/2015)

Puzzlebaustein 1: Der Inhalt

Worum geht es in diesem Werk? Wer ist die Hauptfigur? Am besten spricht der Autor selbst zu diesen Fragen.

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