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Kategorie: Literatwoisches Lagerfeuer

Die Holunderschwestern treffen drei Bloggerinnen

Die Holunderschwestern ~ Teresa Simon
Die Holunderschwestern ~ Teresa Simon

Teresa Simon hat es erneut geschafft. Sie hat mich letzten Sommer erneut mit ihren Worten gefesselt und mir die Holunderschwestern vorgestellt. Zuletzt war ich in Dresden bei den Frauen der Rosenvilla unterwegs. Da es mir dort gut gefallen hat, wusste ich schon vorab, dass ich wohl erneut begeistert sein werde. Julia von Ruby´s Cinnamon Dreams (J) und auch Yvonne von Lesende Samtpfote (Y) haben sich mit mir (B) ans Lagerfeuer gesetzt und über die Holunderschwestern geplaudert.

Holunderschwestern am Lagerfeuer

B: Ich habe „Die Frauen der Rosenvilla“ von Teresa Simon verschlungen. Als ich von ihrem neuen Roman „Die Holunderschwestern“ (Heyne) erfuhr, war mir klar, dass ich es ebenso lesen muss. Ist es euch auch so ergangen? Kennt ihr die Frauen der Rosenvilla?

J: Aber natürlich kenne ich „Die Frauen der Rosenvilla“. Schon allein, dass es in meiner Wahlheimat Dresden spielt und noch dazu von meiner Herzensautorin geschrieben wurde, war Grund genug, es lesen zu müssen! Und ich habe es verschlungen, geliebt, inhaliert. Ich mache ja selbst oft Pralinen, liebe Rosen und habe so viele Orte wiedererkannt. Ein wirklich buschiger Traum!

Y: Mir hat Julia dieses Buch empfohlen und mir gesagt, dass es in Dresden spielt. Da war mir klar, dass ich es auch lesen musste und auch ich habe es einfach geliebt. Diese Geschichte mit den Tagebüchern war einfach packend!
Der Schauplatz der Holunderschwestern gefällt mir auch. Ich wollte schon immer mal nach München.

Die Holunderschwestern ~ Teresa Simon

Histofiktion

J: O ja, da sagst du was. Vor allem, wie immer Historie und Fiktion mit dem jeweiligen Schauplatz verknüpft sind.

Y: Hast du es nicht so treffend Histofiktion genannt?

J: Ich glaube, ja 🙂

B: Ich bin wahnsinnig schnell in die Geschichte eingetaucht und konnte mich auch sehr schnell mit den Protagonisten anfreunden. Wenn ich euch frage, ob ihr eher mit Fanny oder eher mit Fritzi warm geworden seid – wie fällt die Antwort und die Begründung aus?

Y: Also vom Beginn des Buches her eher mit Fanny. Eifersüchtige Schwestern sind nicht so mein Fall.
Aber vielleicht ändert sich mein Bild noch.

B: Das stimmt – ich mag auch keine eifersüchtigen Schwestern. Fritzi ist kein einfacher Charakter, ich möchte sie auch nicht geschenkt bekommen. Die Autorin hat sich überhaupt wieder tief in ihren Charakteren fallen gelassen und einmalige Persönlichkeiten gezaubert. Oder wie sehr ihr das? Auch die männlichen Protagonisten sind speziell-interessant – nicht wahr?

Die Holunderschwestern ~ Teresa Simon

Charakterstarke Protagonisten

J: Aber ich mag Fanny auch lieber, wobei ich mich auch in gewisser Weise gut in Fritzi hineinversetzen konnte. Sie wurde von der engsten Person zurückgelassen, schwer verletzt, auf dem kleinen Dorf während die Schwester in der Großstadt scheinbar ein fantastisches Leben führt – so stelle ich mir zumindest die Fantasien der kleinen Fritzi vor. Das wollte sie auch haben!
Männliche Protas sind herrlich! Mein Alex ❤ und die Alpakabesitzer – beide so göttlich, was hab ich da schmunzeln müssen!

Y: Ja, die männlichen Protagonisten sind schon ganz okay, auch wenn sie am Anfang irgendwie alle ein bisschen merkwürdig auf mich wirkten. Das ist schwer zu erklären, aber ich als Frau hätte glaub ich sowohl um Alex als auch um die Alpakabesitzer einen großen Bogen gemacht. Aber dafür gefallen mir die tollen Rezepte.

B: Oh ja – die zwei Männer. Beim Alpakabesitzer gebe ich dir Recht, bei Alex…er wurde schon „lecker“ beschrieben. Jetzt aber mal wieder zum Buch zurück – welchen Lesern würdet ihr es empfehlen?

Y: Ich würde es all denen empfehlen, die gern einen guten Roman lesen, die tragisch-spannende Geschichten mögen, die schon die Frauen der Rosenvilla geliebt haben und auch denen, die sich für das Leben zwischen den Kriegen interessieren. Aber wenn ich es mir recht überlege, würde ich es auch allen anderen empfehlen 😊

J: Empfehlen würde ich das Buch allen Freunden spannender und komplexer Familienromane mit einem Hauch von Geschichte und viel Gefühl 🙂

Konnten wir euch mit unserem Gespräch neugierig machen oder kennt ihr die Holunderschwestern schon?

Eure
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84, Charing Cross Road ~ Helene Hanff

84, Charing Cross Road ~ Helene Hanff
84, Charing Cross Road ~ Helene Hanff

84, Charing Cross Road“ von Helene Hanff – ihr habt es doch sicher schon in einer Buchhandlung gesehen oder in den Weiten des Internets angetroffen? Oder? Egal wie, es wird jetzt endlich Zeit, dass ihr den Roman, dieses wundervolle Büchlein, bestehend aus vielen Briefen, kennenlernt. Gemeinsam mit Lesebienchen habe ich es gelesen und wir haben uns natürlich darüber unterhalten. Ganz locker und recht kurz und knapp, so wie es sich für ein schmales Buch gehört.

Vor gefühlt einer halben Stunde bin ich in Helen Hanffs Briefe eingetaucht. Als ich auftauchte, hatte ich alle Briefe regelrecht inhaliert, eine Lesepause war unmöglich. Ging es dir ähnlich oder hast du dir die Briefe eingeteilt?

Mir ging es ähnlich. Das Buch liest sich aufgrund des flüssigen Schreibstils sehr schnell und ich habe es relativ rasch hintereinander weg gelesen. Und außerdem wollte ich, wie es ja bei guten Briefromanen meistens ist, schnell wissen, wie die jeweilige Antwort lautet.

Einfach mal einen Brief mit einer Liste voller buchiger Probleme an eine Buchhandlung in einem anderen Land schreiben. Wäre das heute noch möglich?

Wenn man an eine kleine Buchhandlung schreibt, die persönlich und mit Herzblut geführt wird, kann ich mir das gut vorstellen. Bei großen Ketten stell ich mir das schwierig vor.

Wenn du an das Antiquariat geschrieben hättest – welche Bücher hättest du auf die Liste der „Probleme“ gesetzt?

Da fallen mir auf Anhieb entweder zu viele oder gar keines ein. Heutzutage stehen wir ja zum Glück oder auch Pech? nicht mehr vor dem Problem, irgendetwas nicht bekommen zu können, denn dank bekannter Riesenunternehmen kann man heute bestellen und bekommt es morgen oder vielleicht noch am selben Tag geliefert. Die entschleunigte Art und Weise des Romans führt einem aber noch einmal sehr deutlich die Gehetztheit und permanente Verfügbarkeit unserer Gesellschaft vor Augen.

84, Charing Cross Road ~ Helene Hanff
84, Charing Cross Road ~ Helene Hanff

Brieffreundschaft

Die Briefe sind voller Humor, voller Ironie und Witz und stellenweise richtig schön trocken geschrieben. Findest du auch? Magst du Helens Schreibe?

Absolut. Helen Hanff schreibt frisch von der Seele weg und nimmt kein Blatt vor den Mund. Da muss dann auch mal der Antiquar eine kleine Schimpftirade über sich ergehen lassen.

Könntest du dich über einen Brief, über mehrere Briefe lang verlieben? Mir hat es stellenweise beim Lesen im Bauch gekribbelt…

Ehrlich gesagt nein, weil ein Mensch für mich in der Realität verankert sein muss.

Das Buch gibt es in zwei verschiedenen Ausgaben. Welche gefällt dir persönlich besser?

Die Ausgaben sind beide schön. Ich habe die eher altmodische aus dem Hause btb, du die aus meiner Sicht neumodische aus dem Hause Atlantik. Deine ist heller und sieht nach Buchhandlung aus, meine eher dunkel und antiquarisch angestaubt. Man kann herrlich über die Cover diskutieren und sich ausdenken, um was es geht. In beiden Büchern finden wir wahnsinnig tiefe, lustige und lebensechte Briefe.

Helen Hanff lebt in New York und korrespondiert mit einem Antiquariat in London. Welche Stadt bevorzugt dein Leserherz?

Schwer zu sagen. Ich glaube mein Leserherz ist nicht stadtabhängig. Ich habe in beiden Städten schon gelesen und ich war in beiden Städten in Buchhandlungen. Gleichstand würde ich sagen.

84, Charing Cross Road

Merkt euch den Namen vom Buch, nur merkt euch den Namen nicht als Adresse, es sei denn, ihr wollt in London zu McDonalds gehen. Ihr solltet es einfach lesen, denn Bücher mit Briefen lockern das Leseleben neu auf und machen so viel Lust, selbst zu schreiben und Briefe zu bekommen. Ein rasantes und durch und durch buchiges Lesevergnügen wartet auf euch. 160 Seiten gespickt mit wachsender Freundschaft und völlig facettenreichen Briefen.

Eure
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Pilgerjahre des Herrn Tazaki ~ Haruki Murakami

Murakami-Literatwo
Wir lesen Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (btb) von Haruki Murakami

Seit unserem gemeinsamen Spontanbuchkauf steckten Jule und ich nun zwischen den Murakami-Seiten. Eigentlich wollten wir irgendwann mal beginnen, doch dann ging alles schneller als gedacht. Jule ist gleich beim ersten Reinlesen im Roman hängen geblieben. Murakami hat sie sofort gefesselt und ich bin gefolgt. Wir haben eine aufregende Lesezeit hinter uns und so einiges so erzählen…

Wie ist das passiert? Welchen Trick hat Murakami benutzt, um dich im Buch zu halten?

Haha und direkt muss ich schmunzeln, wenn ich an unseren Sonntag zurückdenke. So wenig Zeit und so vieles gemacht. Und am Ende Murakami… ja Murakami, viel gelesen darüber, viel gehört, immer selber lesen wollen und es dann doch nicht gemacht. Warum jetzt? Keine Ahnung, vielleicht weil meine Reise farblos war ohne Buch und doch so farbenfroh durch die vielen Erlebnisse? Vielleicht sollte es so sein, dass genau dieses Buch, in dem es um das Zerbrechen einer wunderbaren Freundschaft geht, unsere Freundschaft wieder mit vollem Leben erfüllt?

Wie konnte Murakami mich im Buch halten? Eine weitere gute Frage, weißt du ja, dass ich in rastlosen Phasen oft durch die Bücher switche, ohne mich festlegen zu können, welches ich nun lesen will. Das war diesmal anders. Murakami hatte mich sofort. Vielleicht ist es der asiatische Stil, die Ruhe und Besonnenheit und dennoch bildhafte Vielseitigkeit des Schreibens. Eine Ruhe, teils melancholisch, die mich irgendwie aufgeräumt hat und die ich momentan auch brauche.

Farbloses Bunt

Als ich das Buch daheim in Ruhe betrachtete, fiel mir sofort ein großer Widerspruch auf. Ein bunter Schmetterling ziert das Cover und im Titel steckt das Wort „farblos“. Was sagst du zu diesem farblosen Bunt?

Farbloses Bunt – ein wahnsinnig tolles Gleichnis, finde ich. Denn sind wir mal ehrlich: Geht es uns nicht auch manchmal so, dass wir uns viel unspektakulärer sehen, als das andere tun? Denken, dass wir doch gar nix besonderes können, den anderen manchmal ihre Fähigkeiten neiden, versuchen, spezieller zu sein, irgendwie zu glänzen, irgendetwas zu finden, das uns einzigartig macht. Und über all den Gedanken vergisst man, dass man schon etwas ganz besonderes ist. Die anderen Menschen, Familie und Freunde sehen dieses oft und man selbst mag es gar nicht glauben. Und dazu kommt noch der Schmetterling: Er beginnt sein Leben als Raupe, dann eine nahezu blassgrau-braune, ja fast schon hässliche Puppe, bevor er in schillerndsten Farben aus dem Kokon bricht und sein Leben lebt. Vielleicht ist das alles ein Symbol für die Pilgerfahrt, die Tsukuru durchmachen muss, um sich selbst zu finden? Oder was waren deine Gedanken dazu?

Murakami-Literatwo
Murakami-Spontankauf

Murakami-Leserinnen

Bei mir gehen bei solchen Bildern auch Gedanken über das Leben durch den Kopf. Das Leben bunt malen zum Beispiel. Ich mag bunt und ich glaube, dass ich selbst und auch niemand in meiner Umgebung farblos ist. Oder farblos bunt. Lach. Viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht, nur den Widerspruch überdacht und schon wenig Seiten weiter, habe ich erfahren, warum farblos und bunt so vereint sind. Die 5-er Clique ist nicht nur durch die Charaktere besonders, sondern auch was die Nachnamen betrifft. In allen vier Nachnamen kommt eine Farbe vor, außer in Tsukurus. Das nenne ich mal Zufall und auch wenn Namen nur Schall und Rauch sind, wie man so schön sagt, fühlt es sich doch ein wenig nach Außenseiter an. Oder?

Da hast du total recht, gerade in so einer eingeschworenen Gemeinschaft ist es fast schon ein Makel, wenn man der einzige farblose Freund ist. Auch wenn die anderen das nie zeigen, bleibt in einem doch immer das Gefühl, nicht komplett dazuzugehören, das Gefühl, dass die Farbigen doch noch einen Tick eingeschworener sind. Eigentlich dumm, so zu denken, aber der Mensch ist ein seltsames Wesen, das gern mal zu viel um die Ecke denkt und so in solche Gedanken abdriftet. Schaut man sich den weiteren Verlauf der Geschichte an, ist es doch auch definitiv ein weiteres Indiz, dass Tsukuru doch eine andere Rolle zugedacht ist, als nur „einer von 5“ zu sein. Denn er bleibt ja doch irgendwie übrig..

Gleich auf der ersten Seite erfahren wir, das Protagonist Tsukuru Tazaki Sehnsucht nach dem Tod hatte – erschrecken dich solche Sehnsüchte oder erging es dir schon ähnlich?

Todessehnsucht?

Ja, durchaus erschrecken mich solche Sehnsüchte immer irgendwie, wenngleich man sie auch in manchen Fällen nachvollziehen kann. Denn ich muss sagen, dass ich – egal in welcher wirklich schlimmen Situation ich mich wiedergefunden habe, und du weisst, davon gab es einige – immer kleine Momente des Glücks gefunden habe, die mir gezeigt haben, dass das Leben weitergeht und auch schön sein kann. Die immense Leere kann ich sehr gut nachfühlen, wenn einem ein so wichtiger Stützpfeiler aus dem eigenen Leben gerissen wird. Das ist, als würde man ein Bein amputiert bekommen und nicht wissen, wie man nun weiterleben soll.

Es schmerzt, es tut weh, es ist dumpf… Aber man muss dagegen ankämpfen, genauso wie Tsukuru es tut. Und in diesem Zusammenhang ist Sara ein wirklich wichtiger Faktor. Man verliert schnell den Blick nach außen, wenn man in solch einer Situation ist. Da braucht man so manchen Stups von Freunden, die einen wieder auf die Spur bringen, und das braucht Zeit. Jeder braucht in so einer Situation eine Sara, die rational denkt… Ging es dir schon mal so??

Ich glaube, dass ich alles schon mal erlebt habe. Gerade in dunklen Lebensstunden ist man dem Tod nahe. Zumindest bewegen sich gerade dann die Gedanken an den Lebensrand und schauen, was es da unten alles gibt. Um Sehnsucht nach dem Tod zu haben, ist mir das Leben zu bunt und zu wild. Dazu lebe ich wohl viel zu gerne und ich versuche nur noch das beste aus jedem Tag zu machen. Einfach drauf los und nicht so viel denken, auch wenn denken manchmal vernünftiger wäre. Hey – wir leben nur einmal und das eine mal muss doch richtig krachen. Deine Situation kenne ich, du kennst meine und wir haben wohl beide schon Brüche in einer Freundschaft erlebt. Wir müssen kämpfen und uns bewegen, um nicht von Sorgen und Ängsten gefressen zu werden. Tschakka!

Facetten

Genauso sehe ich das auch! Tausend bunte Facetten gibt es und die müssen und sollen jeden Tag aufs Neue genutzt werden! Da sind wir uns glaube sehr einig. Wir leben unser Leben und genießen es trotz aller harten Phasen in vollen Zügen – und so gehört sich das.

Murakami
Zwei Bücher – ein Lesen

Murakamis Zitate

Das erste Zitat, das ich mir im Text markiert habe, ist: 

„Es ist eine beachtliche Leistung, im Leben einen Gegenstand zu finden, für den man sich besonders interessiert.“ (S. 51)

Hast du einen solchen Gegenstand? Und was bedeutet er dir?

Das ist ein sehr schöner Satz, auf jeden Fall und ich glaube, dass wir alle im Leben einen Gegenstand finden, den wir besonders lieben. Interessant – ist ein Wort, was ich nicht so mag. Bei Gegenstand toben mir viele Dinge durch den Kopf. Ein Satz der viel auslöst. Jeder Herzmensch in meinem Leben ist wohl auch durch einen Gegenstand mit mir verbunden, Details mag ich an der Stelle nicht nennen, da müsste ich zu weit ausholen. Jeder weiß, wer gemeint ist und um was es geht. Um ein Stück zurück zum Buch zu kommen – das Buch ist ein besonderer Gegenstand für mich, verbunden mit vielen gemeinsamen Erinnerungen und es bedeutet mir allerhand, denn die Erinnerungen sind in mir und immer wenn ich es sehe, werden diese vor meinem Auge wieder lebendig.

Wie sieht es bei dir aus?

Gegenstand finde ich eine etwas doofe Umschreibung, denn genau wie bei dir sind es bei mir Momente, Erinnerungen und insbesondere Menschen, für die ich mich interessiere, die mein Leben bereichern und es mit besonderen Werten füllen. Natürlich ist dies an Gegenstände gebunden. Bei mir sind das insbesondere Fotos. ich bin ja ein Foto-Junkie, Instagrammer,… aber auch Lieder sind es, die mich an besondere Dinge erinnern. Einen Gegenstand gibt es da nicht. Mich interessieren viele Dinge sehr. Denn wenn man keinerlei Interessen hat, ist das Leben doch sehr traurig. Ich bin neugierig, lerne gern dazu, lerne neue Dinge und Menschen kennen, lasse mich von Erfahrungen bereichern, auch wenn diese nicht immer toll sind, oder auch manchmal schmerzhaft. Aber diese sind auch wichtig, um das Leben in allen Farben zu gestalten.

Murakami fordert

„Dein Vater fragt sich, ob er dir mit dem komplizierteren Zeichen die Last des Lebens nicht noch schwerer machen würde. Er fand, mit dem einfacheren Zeichen würdest du vielleicht ein sorgloseres Leben führen. Er hat sich wirklich ernsthafte Gedanken gemacht.“ (S. 56-57)

Diese Textstelle knabbert in Anbetracht von Tsukurus Leben sehr an mir. Wie empfindest du, wenn du das liest?

Bei der Textstelle geht es um seinen Namen. Weißt du, was mir da gerade auffällt? Mein Vorname beinhaltet auch eine Farbe. Ich passe regelrecht in Tsukurus Clique rein. Verrückt. Wenn man nur über komplizierte Zeichen und die Last des Lebens nachdenkt, kann man richtig tief zwischen Gedankenwelten versinken, auf jeden Fall. Wenn ich die Stelle nüchtern betrachte, also wirklich nur die Entscheidung zwischen einem einfachen Namen mit einfachem Zeichen und einem schweren Namen mit kompliziertem Zeichen, dann ziehe ich das einfachere Zeichen wohl vor. Das Leben ist so schon kompliziert, warum einen Namen tragen den man ständig erklären muss, erst mit 6 Jahren richtig aussprechen kann und ein extra großes Türschild braucht? Ich empfinde die Entscheidung des Vaters richtig. Du nicht?

Namen – Schall und Rauch?

Unterschreibe ich. Namen sind das erste, das man meist von anderen Menschen erfährt. Man trägt seinen Namen wie ein Aushängeschild vor sich her und gerade in unserer Zeit wird man so sehr über seinen Namen definiert. Man denke an die ganzen Exoten, die da jetzt auftauchen und sofort mit Klischees verbunden werden. Eine Chantal kann noch so viele Einser schreiben und wird es dennoch immer schwerer haben als eine Marie. Ungerecht, aber leider Realität. Deshalb verstehe ich den Vater auch sehr gut. Einfach und schlicht, das Leben verleiht dem Ganzen dann sowieso noch den Schliff, den es für einen vorgesehen hat.

Wie findest du die Geschichte, die Haida erzählt? Wie fügt sie sich für dich in das gesamte Buch ein?

Eigentlich wollte ich dich fragen, was du von Haida hältst. Wir können schlecht auf Details eingehen, aber so im Großen und Ganzen? Diese eine Schlüsselstelle beschäftigt mich wahnsinnig stark. War es ein Traum? War es echt?

Ich kann es dir nicht beantworten, genauso fühlte ich auch. Es war schräg, berührend, krass, verrückt. Ein Wechselbad der Gefühle… Knabbert an mir, genau wie das Ende des Buches.

Haidas Geschichte gehört für mich zu einer Lebensstation die wir alle kennen. Begegnungen mit Menschen sind Stationen auf unseren Lebenspilgerjahren. Wir erleben sie immer und immer wieder und bestimmte Menschen müssen wir im langen Leben nur knappe 10 Minuten treffen. Diese 10 Minuten beeinflussen uns, geben Kraft und verändern bestimmte Blickrichtungen und Emotionen. Doch nicht nur die Begegnungen, sondern auch die Geschichten über Begegnungen können bewegen und Haidas Geschichte fügt sich nahtlos in Tsukurus Lebensgeschichte ein. Magst du mir deine Gedanken verraten?

Begegnungen

Begegnungen mit Menschen sind Stationen – das hast du sehr schön gesagt, denn es trifft die Sache auf den Punkt. Manche Menschen kommen, hinterlassen Schmerz und verschwinden wieder – Spuren bleiben dennoch. Andere kommen, bleiben und bereichern in allen Zeiten, andere wiederum kommen wie eine Sternschnuppe für einen kurzen Zeitraum durch dein Leben gerauscht und hinterlassen einen strahlenden Schweif von Glück, Freude und guten Erinnerungen, bevor sie weiterziehen. Wieder andere lässt man tief in sein Herz, um dann den Veränderungen der Zeit und des Charakters zu erliegen. Veränderungen, die aus Freundschaft Schmerz machen – aus Gründen des Neids, der Ungerechtigkeit,… Manche Wege bleiben gemeinsam, manche trennen sich irgendwann (im Guten oder Schlechten).

Manche Wege verlaufen im Sand, manche gehen ein Stück miteinander, verlieren sich und finden wieder zusammen. Ein komisches Spiel des Lebens, das am Ende irgendwie aber meist Sinn ergibt. Alle diese „Optionen“ habe ich erlebt, einige davon waren und sind sehr schmerzhaft und der Umgang damit, bzw. die Akzeptanz dessen fällt phasenweise sehr schwer, gerade wenn man ein starker Gefühlsmensch ist. Wie geht es dir dabei? An einer späteren Stelle steht: „Wahrscheinlich war es sein Schicksal, allein zu sein.“ Denkst du, dass es ein solches Schicksal gibt? Dass Menschen wirklich zur Einsamkeit verdammt sein können, die innerlich doch so gute Menschen sind?

Murakami
Murakami – farblos?

Einsamkeit

Oh nein, wenn sind das nur Phasen im Leben. Richtig verdammt zur Einsamkeit – das ist ein grausamer Gedanke und nein, sowas gibt es nicht. Irgendwie finden wir Menschen immer ein Gegenstück, was uns begleitet.Deine geschilderten Situationen kenne ich wohl ebenso – ich glaube sogar, dass jeder Mensch alle Situationen erleben wird, einmal so erleben muss.

Die große Frage im Buch ist, warum die Clique damals auseinander brach, warum von jetzt auf gleich der Kontakt zu Tsukuru abgebrochen wurde. Ich bin ein emotionaler Mensch und ich verkrafte es nicht, wenn ich nicht weiß, warum sich Menschen abwenden und nicht mehr melden. Furchtbar. Mir hat es stellenweise das Herz zerrissen und ich glaube ich hätte immer und immer wieder Kontakt gesucht, bis ich einen Grund erfahre. Brauchst du auch einen Grund oder kannst du bestimmte Verhaltensweisen einfach akzeptieren und damit weiterleben?

Kurioserweise stecke ich gerade mitten in einer solchen Situation. Ein Freund hat sich komplett von uns allen abgewendet. Er war ein Vertrauter, ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Er ist aber gefangen in seiner eigenen kleinen Welt, neidzerfressen, selbstgerecht, verletzt nach außen hin und spinnt sich einen Kokon. Mehrmals hat er mich schwer verletzt, ich habe immer verziehen und Kontakt gesucht. Aber mittlerweile muss ich das ignorieren, ihn höflich aber bestimmt aus meiner Nähe verbannen. Denn ich will mich von ihm nicht zerstören lassen. Und das würde über Kurz oder Lang passieren, wenn ich ihn in meinem Herzen behalten würde. Nachdem ich diesen Punkt erreicht hatte, fiel es mir leichter, damit klarzukommen, auch wenn es immer wieder Situationen gibt, in denen ich ihn schütteln will und anschreien mag, warum er so geworden ist und wann das passierte.

Freundschaft?

Ein anderer Freund hat eine neue Freundin bekommen, die mich nicht mochte und mag und so gegen die Freundschaft intrigiert, dass er seit knapp 2 Jahren kein Wort mit mir spricht und mich schneidet. Das war ein sehr schmerzhaftes Erlebnis, da wir sehr viel durch haben gemeinsam und es hat sehr lang gedauert, bis ich damit klar kam, dass es da wohl nie eine Absprache geben wird, warum das geschah. Aber je länger ich reflektiert habe, desto mehr ist mir bewusst geworden, dass man daran nichts ändern kann, da die ganze Freundschaft schon in eine Einseitigkeit abgedriftet war, die einem in dem Moment aber gar nicht bewusst war.

Insgesamt suche ich auch sehr lange nach Antworten, nach Gründen, da es einen innerlich zerreißt. Nun, manchmal gibt es keine Antworten oder kein Interesse nach Klärung von der anderen Seite. Da muss man dann einfach lernen, die Dinge zu akzeptieren, so schmerzhaft das auch ist. Am Ende geht man gestärkt daraus hervor.

Lebensantwort

Ohje. Das klingt nicht gut. Zerstören lassen dürfen wir uns auf keinen Fall. Ab und an scheint es doch besser zu sein, einen Schritt zurück zu akzeptieren, so weh es auch tut.

Haida sagte:

„Ich bin nicht gern an einen Ort gebunden. Ich will gehen, wohin es mir gefällt und wann es mir gefällt. Leben, wie ich will, und denken, was ich will.“ (S. 62)

Murakami
Haruki Murakami – eine Lesereise

Haruki Murakami – eine Lesereise

Was sagst du dazu? Hat er recht? geht es dir genauso? Bist du heimatverbunden oder doch eher auf der Reise und rastlos auf der Suche nach Neuem??

Das ist eine sehr schöne Frage. Ich bin nie auf der Suche nach Neuem, ich glaube, das Neue sucht und findet mich. Gehen wohin und wann es mir gefällt – klingt gut, ist aber nicht immer umsetzbar, gerade dann, wenn der Job dran hängt. Das kennen wir wohl alle. Aber ich versuche alle Pläne auszublenden und leben im Jetzt und im Hier und mache was mir gefällt und gut tut und genau dort halte ich mich dann auch örtlich auf. Meine Wurzeln allerdings sind unversetzbar und das ist auch gut so. Ich bin hier und ich bleibe hier und ich mag nicht weg. Haida muss ich nicht Recht geben, er handelt nach seinem Gefühl und ich denke, so handelt er richtig. Das Herz bestimmt unsere Lebensreise – oder?

Und wie stehst du zur Aussage:

„Alles hat seine Grenzen. Auch das Denken. Man sollte diese Grenzen respektieren, aber sich auch nicht fürchten, sie zu durchbrechen. Das ist das Wichtigste, um frei zu werden. Respekt und Abneigung gegenüber den Grenzen. Die wichtigsten Dinge im Leben haben immer zwei Seiten.“ (S. 63)

Grenzen

Ich finde, diese Aussage hat so viel Wahres in sich. Wie oft denkt man nach, traut sich nicht, darüber zu reden oder sich auszutauschen. Wie oft wird man von anderen ausgebremst. Kann man in unserer Gesellschaft überhaupt noch frei denken?

Das ist so eine schöne Stelle. Und ich mag deine Frage sehr. Frei denken – ich denke schon und ich denke, dass es auch sehr wichtig ist. Ob man es kann, liegt an uns selbst. Ich kann es und ich will es und ich lasse mich nicht bremsen. Das Thema hatte ich erst mit einem Herzmenschen. Grenzen respektieren, auf jeden Fall, aber nicht fürchten. Und durchbrechen ist gut, denn durchbrechen befreit. So sehe ich das. Ich lege viel Wert darauf, über Gedanken zu sprechen. Gedanken gehören uns, aber es gibt viele Gedanken die geteilt werden sollten, denn mit geteilten Gedanken und Gefühlen wird vieles viel leichter, auch wenn es erst schwerer erscheint. Aber Gespräche können so viel ändern und bewegen. Lasst die Gedanken frei!

„Obwohl wir eigentlich in einer Zeit zunehmender Beziehungslosigkeit leben sind wir von so vielen Informationen über andere Menschen umgeben. Wen man will, kann man sich ganz leicht Zugang zu diesen Informationen verschaffen. Und doch wissen wir fast nichts über andere Menschen.“  (S. 123)

Ich finde, das ist die „Krankheit“ unserer Zeit. Man hat hunderte virtueller Freunde mit denen man sich über Interessen austauscht. Will man etwas wissen: „Ach, ich google mal, ich facebooke den mal,…“ Doch wissen wir wirklich, wie es den Menschen geht? Sie malen lustige Smileys, sitzen dabei aber vielleicht weinend am PC. Sie schreiben: „Mir geht es gut.“ Doch tut es das wirklich? Ich nehme mir ja bewusste Auszeiten von Facebook und anderen sozialen Medien. Ich will leben, Freunden beim Kaffee trinken in die Augen schauen und mit ihnen lachen, weinen, reden,… wie siehst du das?

Achtsam sein

Das kann ich nur unterschreiben. Ich glaube wer Achtsamkeit ab und an übt und weiß, was das ist, der muss sich nicht ständig mitteilen. Ich habe mich privat von FB zum Beispiel sehr zurück gezogen. Warum muss jeder wissen, was ich mache und was mich bewegt? Es reicht doch, wenn ich es weiß und wenn die Menschen mit denen ich zusammen bin, die Bilder gleichzeitig mit mir sehen und die Erlebnisse teilen. Warum noch andere dazu holen und teilhaben lassen?

Das Herz zählt und ja, genau, das in die Augen schauen. Miteinander lachen und erleben und nicht genau in dem Moment zeigen. Es gibt Situationen über die man dann erzählen kann, aber der Moment ist es doch, der uns erfüllt. Das sich einige Mitmenschen hinter positiven Worten verstecken und eine Fassade aufgebaut haben, glaube ich sehr. Leider. Ich lasse die vielen Informationen nicht mehr an mich heran und ich wirke gern der zunehmenden Beziehungslosigkeit entgegen.

Murakami Leseglück
Murakami Leseglück

Offenes Ende?

Da hast du recht und so versuche ich es auch mehr und mehr zu handhaben. Ich will keine Marionette meines Lebens sein, sondern dieses Leben und genießen, ich will spontan sein, jeden Tag aufs Neue. 🙂

Das Ende hat mich sehr verstört zurück gelassen. Ich mag nicht spoilern, aber vielleicht können wir verraten, das Murakami ein offenes Ende gewählt hat, welches aber durchaus nach Tagen verkraftbar ist? Mit welchen Gefühl hast du den Roman verlassen?

Auch hier stimme ich dir zu. Das Ende lässt wichtige Fragen offen, die mich in einer Zwickmühle zurückgelassen haben. Unbedingt will man doch wissen, wie sich das eine oder andere nun letztendlich entwickelt hat oder was es mit dem oder der Person auf sich hat. Aber erfüllt hat mich das Buch trotzdem komplett. Erfüllt und auch beruhigt bin ich aus den Seiten getaucht… Beruhigt, da aus dem Kern der Geschichte nun doch die Wahrheit entsprungen ist. Ich denke, das kann man so sagen, ohne dass zu viel verraten wird.

Tsukuru besucht drei seiner alten Freunde. Welcher Freund ist dir ans Herz gewachsen? Oder haben sich alle drei Persönlichkeiten fremd für dich angefühlt?

Ans Herz gewachsen ist mir eigentlich so direkt nur Erik am Ende des Buches. Denn zwischen ihr und Tsukuru gab es diese besondere Verbindung, die es bei den anderen Freunden nicht gab. Man merkt deutlich, dass sich jeder irgendwie weiterentwickelt hat und dass das Leben weiterging. Aber Eri ist hinter der Fassade noch genau dieselbe, die sie früher war. Ich finde diese letzten Kapitel so wahnsinnig emotional und tief. Wahrscheinlich hat das dafür gesorgt, dass ich sie so fest an mich gebunden habe. Hast du auch einen Favoriten für dich entdecken können.

Murakami – Fan?

Wirst du nun zum Murakami-Fan? Wirst du ein weiteres Buch von ihm lesen?

Haha, der nächste Murakami liegt schon bereit: „Kafka am Strand“ – brauche nur noch die Zeit dafür. Du hast mir ja ein Bild von deinem Regal geschickt, in dem sich schon einiges von Murakami tummelt. Welches ist dein Favorit?

Nun sind wir ziemlich am Ende des Buches angekommen, denke ich! Gibt es noch etwas, was dir besonders auf der Seele brennt? Ich möchte gern noch ein letztes Zitat erwähnen, das mich tief berührt hat, da es einfach so wahr ist. Nichts funktioniert, wenn es nicht im Gleichgewicht ist:

„In diesem Moment erkannte Tsukuru Tazaki es. Er begriff endlich in den Tiefen seiner Seele, dass es nicht nur die Harmonie war, die die Herzen der Menschen verband . Viel tiefer war die Verbindung von Wunder zu Wunde. Von Schmerz zu Schmerz. Von Schwäche zu Schwäche. Es gab keine Stille ohne den Schrei des Leides, keine Vergebung, ohne das Blut floss, und keine Überwindung ohne schmerzhaften Verlust. Sie bilden das Fundament der wahren Harmonie.“ S. 266

Das Zitat habe ich mir auch markiert. Wohl wahre Worte. Einen Murakami Favorit habe ich noch nicht. Bisher habe ich nur „Wilde Schafsjagd“ gelesen und der war schon ziemlich abgedreht, wenn ich mich richtig erinnere. Fantasy eben – eine ungewöhnliche Mischung.

Liebe Leser? Habt ihr uns bis zum Schluss gelauscht? Das freut uns und noch mehr freut es uns, wenn ihr uns im Kommentar über eure Murakami – Leseerfahrung erzählt.

„Nicht alles verschwindet i Fluss der Zeit.“ (Seite 318)

Eure
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180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer (S. Fischer Verlag) von Sarah Kuttner wurde mir von meiner lieben Buchhändler-Moni schmackhaft gemacht. Irgendwann konnte ich nicht mehr widerstehen und habe es letztendlich gelesen. Begeisterung soll man teilen und es gibt doch nichts Schöneres, als sich intensiv über ein gelesenes gutes Buch auszutauschen – richtig?

Leider konnte sich Moni aus zeitlichen Gründen nicht mit mir ans literatwoische Lagerfeuer setzen. Dafür hat sich die liebe Mareike vom Blog Herzpotenzial dazu gesellt und sich mit mir über die „Kuttner“ ausgetauscht. Wir wollen euch kein Wort vorenthalten, also nehmt Platz. Keine Angst – wir spoilern nicht, also macht es euch richtig bequem und dreht euch 180° zu uns. 😉

180° Grad Meer – mein erstes Buch von Sarah Kuttner. Meine Freundin Moni hat mich mit ihren Worten angesteckt und auch du, liebe Mareike, hast dazu beigetragen, dass ich auf der Buchmesse in Leipzig letztendlich schwach geworden bin. Ich habe mich um 180° gedreht und das Buch recht schnell gelesen und freue mich nun, auf regen Austausch mit dir. Die erste Fragen, die mir gleich nach der letzten Seite durchs Leserhirn getrieben ist – Was sagst du zum Ende?

Für mich war es ebenfalls das erste Buch von Sarah Kuttner. Die anderen Bücher hatten mich allein optisch schon nicht angesprochen. Dieses hier wirkt schon vom Cover her ruhiger, reifer und irgendwie tiefer. Das ist wohl das Meer auf dem Cover, das schon Vieles vorausdeutet.

Das Ende finde ich unheimlich konsequent, die Wut, die Jule im ganzen Buch in sich trägt, ist auch hier da. Sie wird nicht urplötzlich – wie durch ein Wunder – ein anderer Mensch. Sie ist nicht der Typ, der vergibt und verzeiht und allen ein zart-verzeihendes Lächeln schenkt. Sie ist wütend bis in die letzte Faser, auch am Schluss, als man eigentlich andere Reaktionen erwartet. Ich finde es gut, dass Sie sich nicht hinter Konventionen versteckt. Und dann kommt ganz am Schluss doch eine kleine, zarte Wende, die nicht alles in ein anderes Licht stellt, aber eine kleine Brücke baut. Dinge etwas begreiflicher macht. Alle Figuren haben weiterhin ihre Fehler und doch spürt man plötzlich die Verbindung. Das ist schön und hat mich sehr berührt.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Ich habe „Mängelexemplar“ hier liegen. Es sieht auf jeden Fall noch nicht so reif aus. Dennoch – der Film erscheint bald. Wirst du es bis dahin lesen, wirst du ins Kino gehen?

Maike war sehr begeistert von „Mängelexemplar“ und deshalb werde ich es sicherlich irgendwann lesen – oder den Film gucken, wenn es im Fernsehen läuft. Ich denke nicht, dass ich dafür ins Kino gehe und direkt vor einem Kinofilm lese ich nie das Buch. Ich denke, wenn Buch und Film zeitlich zu nah beieinander liegen, dann kann der Film gar nicht gut abschneiden. Es kommt viel häufiger vor, dass ich erst den Film schaue und wenn er mir gefallen hat, dann greife ich zum Buch. 😉

Wie ist das bei dir? Erst Film oder erst Buch? Willst du in den Film gehen?

Das kommt irgendwie immer drauf an. Eigentlich immer zuerst Buch. Mir fehlt dann wohl auch die Zeit dafür, nach einem Film in ein Buch zu tauchen. Zudem sind dann die Bilder vom Film übermächtig und die eigenen Kopfbilder können sich nicht zeigen. Mängelexemplar reizt mich schon lange – aber der Film wird wohl die Überhand haben, aus heutiger Sicht. Das Buch behalte ich dann trotzdem, als Erinnerung an den Kinoabend. 😉

Zurück zu „180° Meer“.  Den Titel mag ich sehr.  Mir gefällt auch das Cover – aber das liegt wohl auch an dem Grün. Ich liebe dieses grün. Hast du mal den Umschlag abgemacht? Wie das darunter strahlt – so frisch, so frühlingshaft, so gefühlig. Aus meiner Sicht passt das grün zu Protagonistin Jule. Findest du auch?

Das Grün ist wirklich frisch und ungewöhnlich. Ich muss dir aber jetzt ein Geständnis machen: Ich hasse Grün 😉 Tatsächlich meine persönliche Hassfarbe. Irgendwie finde ich sie unangenehm und auch hier auf dem Buch drückt sie für mich eher all das aus, was nicht gut in Jules Leben läuft – und dann kommt das Meer. Der Titel ist toll und mich hat es gefreut, dass er tatsächlich immer wieder im Buch aufgegriffen wurde. Ein Titel, der sich nicht nur gut anhört, sondern auch wirklich eine Funktion im Buch hat. Das gibt es viel zu selten.

Es ist ja Jules absolute Liebe, das Meer 180° ungebremst durch Häuser oder Menschen vor sich zu sehen. Nur das reine, weite Meer – am liebsten ein wenig düster und rau, kühl und nicht zu gefällig.

Das passt auch zur Sprache des Buchs, oder?

Auf jeden Fall. Das sich der Titel durchs Buch zieht, mag ich ebenfalls.

Ja, und nicht nur die Sprache – der ganze Inhalt ist rein und weit und rau und kühl – wie das Meer. Die Worte sind wie das Meerwasser – sie kommen langsam, sie kommen schnell und dann kommen sie so heftig und stark, wie eine hohe Welle und schon findest du dich darunter begraben wieder. Auch die Worte von Autorin Sarah Kuttner sind stellenweise sehr salzig und schmecken nach wildem Strudelwasser. Ihre bildhafte Sprache zeigt uns Lesern Ebbe und Flut. Das du kein Grün magst, ist ja „witzig“– wir sind hier völlig verschiedener Meinung – in Sachen Literatur sprechen wir aber eine Sprache, wie es scheint.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Das Meer – hach, ich liebe es und freue mich auf den diesjährigen Ostseeurlaub. Das Buch hätte ich eigentlich erst dort lesen sollen. Ich habe es drinnen gelesen – und du? Wie sah deine Umgebung – 180° aus?

Ich lebe ja in Hamburg, Wasser ist also allgegenwärtig. Wusstest du, dass Hamburg mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen hat? Nun, ich las das Buch oft im Zug auf dem Weg zur Arbeit und habe dabei viel aufs Wasser geschaut, wenn ich am Hafen vorbeikam oder über eine Brücke fuhr. Der Drang, in diesen Momenten aufzuschauen, war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Buch. Du hast vermutlich recht, dass man das Buch vielleicht am Meer lesen sollte – aber nicht im Sommer! Es ist kein Buch für Sonnenschein und Hitze. 

Welche Stelle im Buch hat dir besonders gefallen? Hast du ein für dich besonderes Zitat markiert?

Ich mochte ihre Annäherung an den vernachlässigten Hund besonders. Die beiden eher beziehungsgestörten Wesen, die auf ihre sehr eigenartige Weise langsam und mit kleinen Rückschlägen zueinanderfinden fand ich besonders eindrücklich. Keine andere Beziehung im Buch zeigt so sehr ihre stetige, wenn auch langsame Weiterentwicklung, ihr Reifen. Der Hund ist abhängig von ihr und doch kann er ihr jederzeit in die Hand beißen – das ist wohl die harte, nackte Wahrheit über die Liebe: Vertraust du ihr zu sehr, beißt sie zu.

Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein Zitatmarkierer bin. Mich interessieren „herausgerissene“ Sätze nicht so sehr wie die Geschichte an sich. Ich mag den Fluss der Sätze, den Rhythmus, der eine Geschichte treibt. Wenn ich alles um mich herum vergesse und voll im Kopfkino bin, nehme ich einzelne Sätze gar nicht als solche wahr. Wie ist es bei dir? Welches Zitat hast du dir markiert?

„Herausgerissen“ – irgendwie hast du da Recht. So habe ich Zitate noch nie betrachtet. Danke für den Denkanstoß. Ich markiere immer und immer wieder. Dabei sind es nicht nur Sätze, die mich besonders beeindrucken und mit dem Buch in Verbindung stehen, sondern auch Sätze, die ich mit mir und meinem Leben verbinde. Die Markierungen kommen ganz spontan und manchmal, wenn ich Jahre später in bestimmten Büchern blättere, erinnere ich mich dadurch an damalige Situationen, Begegnungen etc. Wenn du dir meine Ausgabe von 180° anguckst, findest du, wenn ich mich auf die Schnelle nicht verzählt habe, 20 knallgrüne Postits. (siehe Foto) Wenn du diese Stellen nachliest, wirst du nicht immer verstehen, warum mich gerade die Sätze bewegt haben. Es sind sozusagen meine Lebensweggedanken, Lebenswegempfindungen, die ich während des Lesens hatte.

180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um ein Zitat zu nennen, gleich von der ersten Seite, von Seite 11:

„Meine Präsenz fühlt sich an wie ein Kuss von jemandem mit schlechtem Atem, der sich aber gerade eben die Zähne geputzt hat: eine irritierende Nuance unter neutral.“ (Seite 11)

Wie findest du dieses Zitat? Mich haben die Worte beeindruckt. Dieses spielen mit Bildern im Kopf des Lesers. Ich habe innegehalten, mir das Gelesene bildlich vorgestellt und gedacht, dass ich gern ab und an genau solche Sätze schreiben würde. Hattest du auch solche Momente in denen du so dachtest?

Ja, tatsächlich hab ich mich auch recht häufig dabei erwischt, dass ich dachte: Wow, Sarah Kuttner findet Worte für Gefühle, die ich ziemlich gut kenne. Die Sätze könnten von mir stammen. Ich fand sie bisher eher mäßig sympathisch, doch dieses Buch und seine  Bilder haben mich ihr doch näher gebracht. Wer solch kraftvolle und stimmige Bilder in sich hat, beeindruckt mehr sehr.

Lass uns über ihre Familie sprechen: Wie sieht du ihre Beziehung zum Vater. Dieser hat ja früh die Familie verlassen und die depressive Mutter mit den beiden kleinen Kindern allein gelassen. Ist er für dich der Böse in der Geschichte oder wird er für dich mit der Zeit greifbarer?

Eine Frage, die man wohl nicht so einfach beantworten kann. Zuviel verraten mag ich auch nicht, aber ich muss sagen, dass er mir natürlich am Anfang total unsympathisch war. Aber so sind wir Menschen – wir bekommen eine Information, die nicht der „Norm“ entspricht und schon fällen wir ein kleines Urteil. Richtig? Ich bin zum Glück kein Trennungskind und kann die Situation nur von außen bewerten. Ob er der Böse ist – er hatte seine Gründe und im Laufe der Geschichte werden diese sichtbar – ich mag es nicht sagen. Greifbarer wird er auf jeden Fall. Auch er ist kein einfacher Charaktertyp, aber ein interessanter, der mich neugierig machte.

Ja, das finde ich auch. Er wird greifbarer und etwas verständlicher. Doch insgesamt finde ich, dass Sarah Kuttner ihre Figuren nicht „erklärt“, alle vielleicht in ihrer Komplexität gar nicht vollends begreifbar machen möchte. Sie gibt Einblicke in deren Seelenleben, doch so wie im richtigen Leben wird man das Gegenüber nie vollkommen verstehen können. Literarisch gesehen finde ich es sehr mutig, die Figuren dem Leser nicht komplett zu offenbaren, sondern ihren ihre eigenen Geheimnisse zu lassen. Vielleicht gibt es auch nicht für jedes Verhalten, für jeden Fehler eine genaue Erklärung. Das gefällt mir unheimlich gut. 

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um bei Familie zu bleiben – Jule flieht zu ihrem Bruder Jakob nach England. Ein Ausbruch aus dem Leben – ein Schnitt quer durch den Alltag. In England hat Jule keine Pflichten, sie kifft, sie raucht, sie ist frei und muss sich keinen unangenehmen Worten stellen. Findest du die Flucht feige? Ist kiffen und rauchen die neue Freiheit? Waren dir bestimmte Situationen zu viel oder einfach passend?

An dem vielen Kiffen habe ich mich persönlich etwas gestört – bin ich spießig? Sie entzieht sich eh schon vielen Verantwortlichkeiten, lebt in den Tag hinein. Zu ihrem eher ziellosen Treiben passt kiffen vermutlich ziemlich gut. Es soll wohl eine gewisse Lockerheit und Lässigkeit ausdrücken. Vielleicht eine Form von trotziger, jugendlicher Rebellion, die übrig geblieben ist? Ich persönlich könnte mich nie aus aller Verantwortung so herausstehlen, einfach fliehen und Probleme aussitzen, doch Jule ist authentisch. Ihr Fluchtmechanismus ist tief mit ihrer Kindheit verbunden, sie muss so reagieren, kann gar nicht konkret werden – bei ihrer Familiengeschichte kein Wunder. Ich fand es logisch, wenn auch nicht immer sympathisch, wie sie sich verhalten hat. Doch muss eine Protagonistin immer genauso handeln, wie man es mag oder erwartet?

Nein – eben nicht. Es ist doch gerade für uns Leser schön, wenn eine Protagonistin anders handelt, als erwartet. Das Kiffen gehört zu Jule dazu, das Abhängen auf dem Balkon, das Herumschlendern mit dem Hund – aber alles das ist auch ein Stück große Freiheit – zumindest ab und an und in meiner Gedankenwelt. Einfach mal raus – aber zurückkehren sollte man schon und das in absehbarer Zeit.

Gab es eine Stelle, in der dir ihr Verhalten zu viel wurde?

Vor allem zum Ende des Buches. Da brodelte ihr verdammter Hass immer und immer mehr hoch. Ich hätte sie gern mal angebrüllt und ihr gesagt, dass sie mal die Augen aufmachen soll. Und doch kann ich Jule verstehen…

Vielen Dank für das literatwoische Lagerfeuergespräch, liebe Mareike und Danke fürs Lesen an dich!

Eure
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Zwei Mädels im Flow der Achtsamkeit

Zwei Mädels im Flow...
Zwei Mädels im flow…

Seit langer Zeit lese ich die flow. Ich glaube ab Ausgabe 4 habe ich die flow im Abo und somit habe ich alle bisher erschienenen Zeitschriften, denn die ersten drei habe ich mir einfach nachbestellt. Dies kann man übrigens immer noch machen, wie ich vor kurzer Zeit erst erneut festgestellt habe. Mich schrieb ein Leser an und wollte wissen, wie er an die abgedruckte Ideenliste zum 365-Tage Projekt kommt. Dieses hat er bei mir entdeckt und ebendieses ist verantwortlich dafür, dass mich die flow-Redaktion angeschrieben hat, um mich fürs Sonderheft „Ferienbuch“ zu interviewen. Das 365-Tage-Projet ist auch daran schuld, dass ich nun das Sonderheft „Achtsamkeit“ vor mir liegen habe. Ich wurde gefragt, ob ich es meinen Lesern vorstellen möchte und klar, möchte ich. Aber ich bin nicht alleine, denn meine Freundin und flow-Leserin Julia steht mir zur Seite, denn wir haben uns ausgiebig über das Heft unterhalten und an dieser Unterhaltung möchten wir euch teilhaben lassen.

Also setzt euch ans buchige Lagerfeuer zu Julia und mir und lasst euch „beflowen“

Ich glaube ich habe die Sonderausgabe „Achtsamkeit“ bei dir als erstes entdeckt, genau wie das Ferienbuch. Alles was den Namen „flow“ beinhaltet, findet bei dir ein Lesezuhause, oder?

Haha schön hast du das gesagt, aber irgendwo ist es ja wahr. Eigentlich ist es ganz witzig, wie ich zur flow kam, bzw. wie sie mich gefunden hat. Letztes Jahr sind ja einige wirklich unschöne Dinge passiert, die mich auch ordentlich durcheinander gewirbelt haben und in diesem Moment kam die flow daher. Ich stand am Bahnhof und habe dort gestöbert und da war sie: die flow. Sah interessant aus, das Design hat mich sofort angesprochen und schwupps war sie an Bord. Habe in der folgenden Zeit dann einige Zeitschriften diesen Kalibers ausprobiert, aber es gibt keine, die flow das Wasser reichen kann. (Meine Meinung, eingefleischte Happyness-Leserinnen denken das von ihrer Zeitung sicher genau so *lach*). Seither bin ich regelmäßige flow-Leserin, ganz einfach weil diese Zeitschrift wie ein Kurzurlaub ist. Sie ist so vielseitig, inspirierend und gibt auch ab und an den Schubs in die richtige Richtung. Und dazu die tollen Papierprodukte… *hach*

Was für eine Leserin bist du? Hast du das Heft oder eigentlich müsste man es als Buch bezeichnen, einmal durchgeblättert und hier und da drin gestöbert und gelesen oder hast du hintereinander Artikel für Artikel gelesen?

Oh ich bin noch mitten drin *lach* – ich genieße die Beiträge und lese sie gemütlich wie es die Zeit gerade zulässt! Wie machst du es? Hast du direkte flow-Time oder stöberst du immer mal wieder durch die Seiten?

Ich bin eher von der Sorte einmal komplett durchblättern. Dabei lasse ich meine Augen von Seite zu Seite wandern, über die genialen Bilder streifen und ich erfühle das wundervolle Papier. Die flow ist vor allem nicht nur optisch, sondern auch haptisch ein Genuss. Meistens blätter ich dann gleich ein weiteres Mal durch und sondiere gleich, welche Artikel ich sofort lesen mag und welche her für später mal passen werden und passend sind. Zudem schweifen beim Durchblättern auch oft meine Gedanken zu meinen Freunden, denn bei manchen Worten muss man einfach an Herzensmenschen denken und ebendiese sollen bestimmte Worte einfach erfahren. Artikel für Artikel lese ich selten, aber ich gebe zu, ab und an nehme ich mir es vor.

Hihi das klingt doch prima! Ich gebe zu, meine letzte flow ist ganz und gar noch ungelesen, aber das wird sich jetzt hoffentlich bald ändern, wenn es etwas ruhiger wird.

Welche Extras hast du schon verwendet?

Ich hab schon Postkarten versendet und das “Ein Gedanke am Tag” Notizheft begonnen und du? Bist du schon aktiv?

Manchmal habe ich Hemmungen, die wundervollen Beilagen zu verwenden. Aus diesem Grund habe ich die flow auch im Abo. Da gibt es alle Beilagen doppelt und ich kann ohne darüber nachzudenken und ganz befreit, die wundervollen Papiere, Karten, Hefte etc. benutzen und verschenken und damit basteln.

Oh ja, da hast du recht. Ich hab da auch manchmal ein richtig schlechtes Gewissen, die tollen Produkte zu verwenden. Sie sind immer so mit Liebe gemacht, dass man gar nicht reinschreiben mag! Aber manchmal überwinde ich mich dann doch. Beilagen im Doppelpack ist da schon praktischer! Bin ich ja direkt bissl neidisch *hihi*

Bei der flow-Achtsamkeit ist das nicht so, es gibt alles einzeln und ja, ich gestehe, es fällt mir schwer und ich habe noch nicht wirklich losgelegt. Die Karten, welche gleich zu Beginn im Heft sind, habe ich aber schon verwendet, denn die waren mal in einer flow-Ausgabe dabei. Das Heft – Ein Gedanke am Tag – finde ich echt genial. Das kommt dem 365-Tage-Projekt so nah und ich finde es grandios und auch schwer, einen Gedanken pro Tag festzuhalten. Heute wäre es wohl der Gedanke – Glühwein – denn ich habe wundervolle Stunden mit Ehemann, Oma, Mama und engem Freund auf dem Striezelmarkt hier in Dresden verbracht. Das Papier ist wieder richtig grandios und die Karten „Schneckenpost“ ebenso. Ich mag die flow genau aus diesem Grund.

Dank flow und meiner eigenen Situation und einer anderen sehr lieben Freundin bin ich ja aufs Thema “Achtsamkeit” gestoßen. Ist ja mittlerweile ein richtiger Trend geworden, aber eben auch hilfreich, wenn man sich gescheit damit auseinandersetzt. Man muss in seinem Leben achtsam sein, nicht auf sein Umfeld, sondern auf sich selbst – eine Tatsache, die ganz schön schwierig ist, aber an der man arbeiten muss – gerade in unserer heutigen schnelllebigen Zeit!

Alles ging gut, man hat funktioniert, ist den Ansprüchen gerecht geworden, bis zu dem Tag, wo dein Körper dir die Grenzen zeigt. Das passiert über kurz oder lang jedem, der irgend eine gravierende Veränderung durchmachen muss. Erst dann erkennst du, wer Freunde sind, wer dir hilft, was dir gut tut. Aber meist fällt es dann schwer, auf die negativen Einflüsse zu verzichten. Wer will schon gern wissen, dass zum Beispiel eine langjährige Freundschaft nur so lang gut geht, wie man es den anderen stets und ständig recht macht und sobald man lernt “Nein” zu sagen nur noch der Depp ist, der schräg behandelt wird?

Da beginnt die Achtsamkeit. Man lernt, oft auch mit Schmerz, was einem nicht gut tut, ausbremst oder wie kraftraubend Dinge, Situationen und auch Menschen sein können. Und dann heißt es, effektiv dagegen anzugehen – für sich selbst. Es ist wirklich schwer, aber ich merke nun nach fast 1,5 Jahren wirklich gute Fortschritte, gerade letzte Woche meinte ein enger Freund so: “Boah, wie geerdet du bist!”. Macht stolz und froh, heißt aber nicht, dass es keine doofen Situationen mehr gibt. Man verfällt ab und an in alte Muster und muss sich besinnen auf sich selber.

Vor allem muss man aufräumen im eigenen Leben, mit Dingen, mit Menschen. Ein schwerer Schritt – aber er lohnt sich wirklich!

Zwei Mädels im Flow...
Zwei Mädels im flow…

Was denkst du zum Thema Achtsamkeit? Was bedeutet sie für dich?

Ohja – in den Punkten, die du aufzählst, kann ich dir nur uneingeschränkt zustimmen. Ja, Achtsamkeit ist nun immer öfter zu lesen und Achtsamkeit ist wichtig. Es gibt Wissenschaften darüber, dicke Wälzer und, und, und. Aber gerade an der flow mag ich, dass die Achtsamkeit so spielend rüber gebracht wird. Kleine Sätze, die wirken, befinden sich in den Artikeln, die uns zum Nachdenken anregen und uns richtig schön bremsen. Die Achtsamkeit ist bei mir in letzter Zeit sehr kurz gekommen. Ich habe mir vorgenommen, dies nun ab dem Heiligen Abend zu ändern. Ich möchte mehr mich wahrnehmen, mehr meine innere Stimme hören und ich muss lernen, auch nein sagen zu können und ich muss lernen Prioritäten zu setzen. Aber eigentlich ist doch das Leben zu kurz, um nicht überall und nirgends zu sein – oder? Manchmal will ich einfach zu viel, mein großer Fehler. Lesen, schreiben, bloggen, mit Freunden und Ehemann und Familie draußen unterwegs sein, einfach nichts tun, diverse Geschenke basteln, tanzen gehen, häkeln, telefonieren und Co –ich mag am liebsten alles sofort und gleichzeitig und das zu 100%. Achtsamkeit – AN – so das neue Motto.

Achtsamkeit ist für mich, im hier und jetzt leben und den Moment zu genießen. Ich ertappe mich gern dabei, dass ich zwar hier und jetzt lebe, aber meine Gedanken schon längst viel weiter in der Zukunft feststecken. Wann mach ich dies? Wann tue ich das? Das Gedankenkarussell kreist und kreist und ich merke ab und an nicht, was gerade eben passiert. Man darf vor und zurück denken, aber dann, wenn es passt und nicht den ganzen Tag. Genauso mit den Sorgen. Manchmal überkommen sie mich und ich möchte lernen, sie wegzuschalten, auf später zu verschieben, um mir die kostbaren Momente nicht davon zerdrücken zu lassen.

Oh, das kann ich dir sehr gut nachfühlen. Ertappe mich auch so oft, wie ich in die Vergangenheit schweife, oder wie mich Zukunftsängste plagen. Dann heißt es: tief durchatmen und sich feste auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Man verpasst so viel, weil man schon aus der Gesellschaft heraus zu einer Art funktionierendem Duracell-Häschen mutiert und darüber die kleinen Schönheiten des Moments einfach übersieht. Man müsste einfach mal den Verstand ausschalten können, weniger grübeln und dafür mehr leben und genießen. Aber leider ist das auch leichter gesagt als getan.

Hast du die Karten mit den schönsten Momenten schon gefüllt? Ich noch nicht, wie du dir denken kannst. Wohin steckst du die ausgefüllten Karten? Hast du ein Sammelglas?

Nein, die habe ich noch nicht gefüllt, obwohl es einige sehr schöne Momente gab. Aber kommt Zeit, kommt Rat. Wenn ich es beginne, werden sie auf jeden Fall in meine wundervolle Paris-Schachtel wandern, die im Regal steht und Platz für kleine Papierschätze, Briefe und Ähnliches bietet. Sie ist so schön und ich schaue sie so gern an, da passen die schönsten Momente einfach dazu. Und du? Wo wirst du sie hin tun? Wie bewahrst du die Papierschätze überhaupt auf? Lässt du sie im Heft oder lagerst du sie einzeln?

Wie gefällt dir das Buch „Eins nach dem Anderen Büchlein“? Es passt ja genau zu meinen oben geschilderten Gedanken. Ich mag alles gleichzeitig und das Buch hält an, eine Sache zu tun und sich auf diese zu konzentrieren.

Das ist ein mega Extra, finde ich. Eins nach dem Andern. Wie du schon sagst, alles gleichzeitig und am besten sofort *lach*. Das kenne ich zur Genüge. Sind es schöne Sachen, ist das auch positiver Stress, wobei man da auch sehr viele kleine besondere Momente einfach verpasst. Noch wichtiger ist es aber in alltäglichen Situationen. Mir ging es jetzt im Dezember so. Unsere Chefin wurde krank und ich bin seither Vertretung. Gerade Dezember ist mit knapp 70 Vorstellungen Hardcore. Und dann voll ins kalte Wasser, musste viel zusammensuchen, herausfinden, planen, …. und alle wollten etwas von einem. Tausend Dinge zugleich. Da muss man sich dann wirklich auf die Devise “Eins nach dem Anderen” besinnen, da man sonst komplett im Chaos versinkt. Immer ist das leider nicht geglückt und ich wurde hektisch und bissl panisch, aber jetzt pegelt sich alles langsam ein. Sogar der Fakt, dass der Januar auch nochmal so extrem voll wird, bis auf die erste Woche, hat mich relativ gelassen erwischt, weil ich mich wirklich darauf zu besinnen versuche, alles ruhig und nacheinander zu machen.

Den Spruch von Louis L´Amour halte ich mir nun gern vor Augen. „Wenige von uns leben in der Gegenwart. Immerzu wollen wir wissen, was kommt, oder uns erinnern was war“. Der passt gut zu mir – er soll aber nicht mehr passen. Wie denkst du über die Worte?

Oh, diese Worte könnten mir als Lebensmotto auf die Stirn getackert sein. So viele Dinge, die meine Vergangenheit prägen, die Schicksalsschläge, die einen immer aufs Neue einholen, auch wenn man denkt, dass man darüber weg ist. Menschliche Enttäuschungen, Misstrauen… all solche vergangenen Erlebnisse prägen nachhaltig und halten auch fest. Genauso hat es sich in der Zukunft. Was wird werden, wird es nun endlich der Job sein, habe ich alles richtig gemacht, … Fragen über Fragen – habe es ja oben schon erwähnt: Man muss sich selber immer aufs Neue animieren, auch im Hier und Jetzt zu bleiben. Man lebt zu kurz, um all die kleinen schönen Momente zu verpassen. Lebe – Lache – Liebe. Mach was draus, besuche spontan Freunde, mach Kurztrips, spann aus, gönn dir ein Buch,…. denk an dich und sei lieb zu dir. Denn das ist man meist unbemerkt viel zu wenig!

Noch eine Frage von mir: Unerwartete Ereignisse oder Veränderungen. Werfen sie dich aus der Bahn oder kannst du da gelassen mit umgehen? Funktioniert die Achtsamkeit da bei dir oder musst du dich da auch immer wieder selbst ermahnen?

Eine letzte Frage an dich zum flow-Achtsamkeitsheft – wem empfiehlst du es? Hast du es schon verschenkt?

Verschenkt noch nicht, aber wir haben immer großen Spaß daran, es uns als Mädelstruppe im Rudel auf Arbeit anzuschauen, uns durch die Seiten und Extras zu wühlen und durch die Artikel zu stöbern. Was hältst du von den Malbüchern? Malst du? Ich habe ja letztes Jahr schon 2 Zeichenkurse mitgemacht, die wunderbar entspannend waren und habe mir nun mal ein Malbuch gekauft – leider war das von flow schon vergriffen – und muss sagen, es entspannt und leitet sehr gut an, zum einmal innehalten!

Also…ich kann ja gerade mal so eine Sonne malen. Im Malbuch wird vorwiegend ausgemalt und beim Ausmalen soll entspannt werden, aber es ist trotzdem nix für mich. Ich kann am besten beim Lesen entspannen. Aus diesem Grund habe ich es mir auch nicht geholt. Dennoch finde ich die Idee gut, denn was Kindern Spaß macht, macht Erwachsenen doch auch immer noch große Freude.

Ach ich mag es, mit dir über die flow zu philosophieren *lach*. Fühl dich gedrückt!

Ich freue mich schon, gemeinsam mit Julia in der nächsten flow zu stöbern. Es ist einfach herrlich, mit dem Magazin in unserem Lieblingscafe zu sitzen. Kennst du die flow bereits? Oder eines ihrer Ableger wie zum Beispiel das Achtsamkeitsbuch, das Ferienbuch oder vielleicht das Malbuch?

Du magst gern erste flow-Erfahrungen machen und die aktuelle flow-Ausgabe, das Malbuch und das Achtsamkeitsbuch gewinnen? Dann hast du hier die Chance dazu. Verrate einfach im Kommentar, warum.

Natürlich könnt ihr uns im Kommentarfeld Worte und Fragen hinterlassen, die wir gern beantworten. Wir freuen uns!

Bis zum 22.01.2016 hast du dazu Zeit.

*trommelwirbel*

Update 25.01.2016: Es wrude soeben ausgelost. Die männliche Losfee hat „Bettina“ gezogen! Herzlichen Glückwunsch! Bitte schreib schnell an literatwo@aol.de, damit die drei Schätze sich auf die Reise zu dir machen können. .-)

*trommelwirbel*

Eure

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Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Wir sitzen am Lagerfeuer und um uns herum sterben die Bienen – besser: wir sprechen über „Bienensterben“ von Lisa O´Donnell. Pamela und ich freuen uns, dass ihr euch heute zu uns setzt. Schweigt nicht – redet mit uns, stellt Fragen, bringt euch einfach mit ein.

Woher wir uns kennen? Pamela hat mich bei Lovelybooks Midsommar-Wichteln bewichtelt und ich konnte mich nicht nur über dieses Werk hier freuen, wie ihr im Artikel sehen könnt. Pamela kam dann die Idee, gemeinsam ins Werk zu tauchen. Dies freute mich natürlich sehr und so verabredeten wir uns schon im Juli für ein literarisches Lagerfeuer. Wir haben beide das Werk gelesen und nun erzählen wir euch darüber. Viel Freude!

Binea fragt ~  Pamela antwortet

Bist du eine Leserin die lieber lange Kapitel mag? Oder gefallen dir die teilweise schon recht kurzen Kapitel im Werk?

Also ich bevorzuge schon längere Kapitel und hatte, bevor ich das Buch angefangen habe zu lesen, etwas bedenken, dass mir wegen den kurzen Kapiteln das Buch weniger gefallen wird. Jedoch war das Gegenteil der Fall. Ich fand es super, dass man als Leser die Geschehnisse aus den Blickwinkeln von Marnie, Nelly und Lennie sehen konnte. Jeder Mensch denkt anders über Dinge und Situationen und nimmt diese anders wahr.

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Marnie und Nelly – zwei Schwestern – sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Wem hast du im Werk näher gestanden und warum?

Ganz klar Marnie. Auch wenn ich mit ihrem Lebenswandel nichts anfangen kann, hat sie immer versucht das Richtige für ihre Schwester und sich zu machen. Sie hat die Führung übernommen und einiges getan um für sie beide eine Sicherheit zu schaffen. Ich als grosse Schwester kann sie daher sehr gut verstehen.

Nelly hingegen mochte ich zum Schluss hin auch wirklich gerne, aber ich fand sie leicht verwirrend.

Eine meiner Fragen an dich ist, ob du Nelly auf 12 geschätzt hättest, wenn es nicht im Buch erwähnt worden wäre?

Zwischenantwort Binea:

Die Sache mit dem Alter. Altersfragen sind immer sehr schwer zu beantworten. Nelly ist naiv und erwachsen gleichzeitig, wie ich finde und sie ist manchmal sehr weit und könnte als fast 16 durchgehen. Ab und an kam sie mir älter als Marnie vor, aber das liegt auch an Marnies Charakter. Ich hätte sie wohl auf 14 geschätzt, um mal eine Zahl zu nennen.

ich nämlich nicht. Ich hätte sie auf 15/16geschätzt und Marnie auf etwa 18.

Ihre etwas exzentrische Art ist bestimmt etwas Schuld, dass sie für mich älter wirkt und vielleicht auch das Umfeld und die Umstände, wie sie aufgewachsen ist, aber ich fand es etwas schade wie wenig Kind sie noch war.

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

War das bei dir genauso?

Zwischenantwort Binea:

Das stimmt. Für ihre 12 Jahre muss sie schon ganz schön in die Rolle des vernünftigen heranwachsenden Mädchens übernehmen. Auf jeden Fall. Sie wächst an ihren Aufgaben und kann sich auf Dinge die Mädchen in ihrem Alter sonst machen, überhaupt nicht konzentrieren. Aber beide Mädchen stehen eher am Rand der Gesellschaft, als in der Mitte und schon alleine diese Tatsache, nimmt ihnen ihr altersgerechtes Leben. Leider…

Wem würdest du den Roman empfehlen?

Lesern, die gerne YA (Young Adult) lesen und vor allem Mädels oder jungen Frauen.

Auch wenn das Buch etwas düster ist, stehen die Schwestern und ihre Beziehung für mich im Vordergrund und darum ist es ganz klar ein Mädels -Buch.

Bilden Titel, Cover und Inhalt für dich eine Einheit? Wenn ja, warum und wenn nicht, was würdest du ändern?

Ja, sie bilden eine Einheit.

Zuerst ist mir das gar nicht aufgefallen. Normalerweise kaufe ich Bücher nach Cover, aber bei diesem Buch habe ich gar nicht auf das Cover geachtet und auf einmal schau ich drauf und sehe, dass dort mehr als Silhouetten von Köpfen zu sehen sind. Alles ist verbunden und geht ineinander über. Die Drogen, Gewalt, Musik, der Tod, aber alles steht im Hintergrund während die Schwestern im Vordergrund und Mittelpunkt stehen.

Hast du eine Lieblingsstelle im Werk?

Meine Lieblingsstelle ist Seite 249, als Marnie in den Schuppen geht und ihre Mutter um Antworten fragt. Und natürlich das Ende. 🙂

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Pamela fragt ~ Binea antwortet

Als du den Titel gelesen hast was hast du gedacht könnte er bedeuten?

Ehrlich gesagt, habe ich mir sehr wenig über die Bedeutung des Titels Gedanken gemacht. Ich bin überhaupt eine Leserin, die nicht nach dem Titel entscheidet und auch nicht während des Lesens an den Titel denkt. Überhaupt bin ich ein Mensch, der wohl schnell nach der ersten Seite giert, egal was Titel und Klappentext sagen, denn wenn es empfohlen wird, muss es gut sein und es wurde mir sehr empfohlen.

Wenn ich im Nachhinein über den Titel nachdenke – er passt sehr, denn Bienen sterben nicht einfach so, meist werden sie krank und infizieren sich untereinander und im Werk geht es ähnlich zu…

Zum Cover wollte ich noch sagen, dass es damals knallig orange und pink war (siehe oben) – jetzt ist es dezent gehalten, was zwar auch schön ist, aber so knallig hat es mir besser gefallen. Ein Werk was regelrecht in die Augen „stechen“ muss.

Ich habe mir gedacht, dass die Bienen Teil unserer Umwelt sind und ihren Teil zur Welt beitragen. Wenn die Bienen sterben und nicht mehr ihre Aufgaben in der Natur übernehmen, dann gerät einiges aus den Fugen.

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Was bedeutet für dich Familie? Wer gehört für dich zur Famile?

Familie bedeutet für mich alles, auch wenn das vielleicht übertrieben ist. Ich liebe meine Familie und ich komme aus einem wahrlich liebevollen Elternhaus, auch wenn es ab und an ein wenig streng war, aber es war gut so und wichtig, für mein Leben als Erwachsene. Familie bedeutet nach Hause kommen, Geborgenheit, Offenheit und viel Schutz. MIr blutet regelmäßig das Herz, wenn ich höre, wie es einigen Freunden mit ihrer Familie geht und mir blutet das Herz, wenn ich an die zwei Protagonistinnen Nelly und Marnie denke.

Zu meiner Familie gehören in erster Linie natürlich meine Eltern, Großeltern, mein Bruder, mein Mann, Haustiere (ja!) und auch viele enge Freunde. Alle Herzmenschen die mir sehr, sehr nahe stehen, sind für mich Familie.

Die Mädels verlieren zwar ihre Eltern und im konventionellen Sinne einen Teil ihrer Familie, aber ich habe das nicht so empfunden. Für mich sind die Mädels eine Familie. Die Mädels und Lennie sind eine Familie. Die Mädels und Vlado sind eine Familie.

Ich finde das Buch zeigt sehr gut, dass Familie mehr bedeutet als DNA. Familie ist Liebe, Zuneigung, Strenge in bestimmten Situationen und vor allem bedingungslose Unterstützung in schwierigen Zeiten.

Bienensterben ~ Lisa O´Donnell
Bienensterben ~ Lisa O´Donnell

Nun zu meiner letzten Frage: Wie ist das Buch auf deiner Wunschliste gelandet?

Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Als das Werk erschienen ist, gab es einen regelrechten Ansturm auf das Werk. So fühlte ich jedenfalls und überall habe ich nur positive Meinungen gelesen und es wurde mir oft empfohlen. Da ich aber nie an Büchermangel leide, habe ich es mir verkniffen, es sofort zu kaufen. Es ist mir nicht leicht gefallen und nun, nachdem ich es gelesen habe, ist mir klar, dass ich es viel eher hätte lesen sollen. Aber so ist es eben – es gibt so viel gute Bücher. Kurzerhand habe ich es auf meine Wunschliste gesetzt, da ich es nie aus den Augen verlieren wollte und nun habe ich es und ich habe es zeitnah gelesen. Ich kann es nur empfehlen und verstehe, dass alle davon geschwärmt haben.

Großen Dank an dich, liebe Pamela, dass du mir den Wunschlisten-Wunsch erfüllt und zudem mit mir gemeinsam das Werk gelesen und darüber gesprochen hast.

Literatur verbindet – grandios!

Eure
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Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Willst du wirklich ganz alleine springen? Diese Frage stellten wir uns und wir wussten gleich, dass wir gemeinsam springen werden. Klaro!

Springt ihr mit Lesebienchen und mir mit?

Auf geht´s…

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Lesebienchen fragt ~ Binea antwortet

Amy, die Hauptfigur, verfügt über die Gabe, in Bücher zu springen und die Handlung live mitzuverfolgen. Im Laufe des Romans springt sie in verschiedene Bücher. Um welchen Sprung hast du sie beneidet und warum?

Ohja – wir Leser konnten uns über so einige Sprünge freuen. Ich fand es sehr spannend mit Amy unterwegs zu sein. Ob bei „Alice im Wunderland“, im „Dschungelbuch“ oder beim „Zauberer von Oz“. Richtig beneidet habe ich Amy nie. Ich habe es allerdings genossen, so viele Werke mit ihr zu bereisen. Dies war wirklich grandios, zumal mir einige davon, wie z.B. „Sturmhöhe“ oder „Der Seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ noch völlig unbekannt, waren.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Jedes neue Kapitel im Roman beginnt mit Fragmenten aus einem Märchen. Was hast du beim Lesen dieser kleinen Textstücke gedacht? Welche Vermutungen hattest du?

Keine einfache Frage, da ich auf der einen Seite nicht zu viel verraten mag und auf der anderen Seite muss ich mal etwas kritischer sein. Die Idee der Textfragmente ist eigentlich schön, ich mag es zumindest, wenn Kapitel kleine Überschriften haben. Aber in dem Fall war ich nicht wirklich angetan, da mich diese Stellen immer aus dem Roman gerissen haben. Keine Ahnung wieso. Dies ist bei mir sonst nie der Fall, aber irgendwie habe ich keinen Gefallen daran gefunden und mich sogar dabei erwischt, wie ich die diese Ausschnitte überlesen habe. Sie haben mich ein wenig genervt und dadurch hatte ich auch wenig Vermutung.

Welcher Altersgruppe würdest du „Die Buchspringer“ empfehlen?

Bücher und Altersgruppen – es ist meist sehr schwer, genaue Angaben zu machen, da die Leser von heute oft schon anspruchsvollere Literatur lesen wollen, welche wir ihnen aber noch nicht recht zutrauen. Ich denke schon, dass sich ein 12-jähriges Mädchen (Junge natürlich auch) darin wohl fühlen würde, wenn es nicht gerade zum ersten Mal liest. Es ist eine große buchige Abenteuergeschichte, in der es natürlich nicht immer nur friedlich zu geht. Seid mutig und springt! Zu alt ist übrigens kein Leser für dieses Werk. Du magst Zahlen? Dann von 12 bis unendlich. 🙂

Amy kann in Bücher hineinspringen, Meggie, die Heldin aus Cornelia Funkes „Tintenherz“ kann Figuren aus Büchern herauslesen, Furias aus Kai Meyers „Die Seiten der Welt“ besitzt ein Seelenbuch, zu dem sie eine tiefe Verbindung hat und mit dessen Hilfe sie Magie entfesseln kann. Welche bibliophile Fähigkeit hättest du gern? Eine von den dreien, keine oder eine ganz andere?

Die drei Fähigkeiten sind absolut grandios und zauberhaft einzigartig. Eigentlich möchte ich keine dieser Fähigkeiten. Allerdings wünsche ich mir ab und an die jeweiligen Protagonisten etwas fragen zu können. In Echtzeit – z.B. Warum tust du das? Natürlich funktioniert das nicht, aber ab und an wäre es grandios. Ich würde gern mit einigen Figuren telefonieren können und ab und an vielleicht mal eine Tasse Kaffee mit ihnen trinken gehen. Aber nicht hier, auch nicht dort, sondern wo ganz anders – vielleicht in einer Zwischenwelt.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Binea fragt ~ Lesebienchen antwortet

Auf Seite 43 wird Amy vom Dschungelbuch gerufen. Es schimmert ihr verheißungsvoll entgegen und ruft. „Lies mich!“ Welches Buch hätte dich wohl gerufen und warum?

Also „Das Dschungelbuch“ wäre es nicht gewesen, das habe ich zwar gelesen, aber es hat bei mir jetzt nicht den allertiefsten Eindruck hinterlassen. Wenn ich in Amys Alter sein würde, also ungefähr vor zwei Jahren, dann würden mich „Die Nebel von Avalon“ lautstark rufen. Dieser wunderbare Roman der genialen Autorin Marion Zimmer Bradley verwebt auf Elemente der Artussage mit fantastischen Momenten und schafft so ein einmaliges, mystisches Leseerlebnis. „Die Nebel von Avalon“ haben mit einen Grundstein für meine Begeisterung für Fantasyliteratur gelegt, gleich danach habe ich den „Herr der Ringe“ verschlungen.

Vielleicht macht es Mechthild Gläser wie Kai Meyer. Sie schreibt noch einen zweiten und vielleicht sogar einen dritten Teil? Wie würdest du das finden und mal ganz ehrlich, würdest du erneut springen wollen?

Schwierige Frage, da Fortsetzungen ja immer so eine Sache sind. Ich hoffe, sie schreibt keine, denn das Buch hat ein rundes, offenes Ende. Kein Kitsch, kein Cliffhangerdrama, sondern ein Ende, mit dem man als Leser absolut leben kann. Ich weiß nicht, ob ich bei einer Fortsetzung noch einmal springen würde. Nicht dass ich das Buch nicht gut finde, ganz im Gegenteil, die Idee des Romans und dessen Umsetzung ist mehr als lesenswert, doch ich möchte dann nicht von der üblichen Dreiecksgeschichte lesen, die gerne in den Folgebänden hochdramatisch aufgebauscht wird. Also von mir aus kann hier Schluss sein. Ein tolles Buch, das einmalig bleiben sollte.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

Gibt es im Werk einen ganz bestimmten Satz bei dem du innehalten musstest und wenn ja, warum?

Einen Satz habe ich mir markiert, der die Bibliothek von Amys Großmutter beschreibt.

„Sie wurde erfüllt vom Wispern der Worte, dem Locken all der Geschichten, die darauf warten, gelesen zu werden, einem raschelnden Versprechen, das in der Luft hing. Wie viele Abenteuer verbargen sich hier zwischen Papier und Tinte, wie viele große Liebesgeschichten, wie viele epische Schlachten? Schon jetzt liebte ich diesen Ort.“ (S. 40)

Ich liebe diese Sätze, da sie genau das beschreiben, was ich an Literatur so mag. Jedes Buch, jedes Wort ist ein Versprechen, eine neue Möglichkeit, etwas zu entdecken. Wenn ich solche Sätze lese, frage ich mich immer, wie es Menschen geben kann, die nicht lesen, die nicht auf Entdeckungsreise gehen, keine Abenteuer erleben, nichts Unbeschreibliches erfahren.

Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser
Die Buchspringer ~ Mechthild Gläser

In Gläsers Jugendbuch werden diverse Dinge entwendet, bzw. nicht in Gläsers Werk, sondern eher aus den Werken, in denen die Buchspringer unterwegs sind. Aus welchem Buch würdest du gern einen bestimmten Gegenstand entwenden und welcher wäre es?

Einen bestimmten Gegenstand bräuchte ich gar nicht, viel liebe würde ich auch in die Bücher springen können. Avalon sehen, Mittelerde bereisen, nach Hogwarts mit der Eisenbahn fahren, Lizzy und Mr. Darcy kennenlernen, Peter Pan in seinem Nimmerland besuchen und gemeinsam mit Bastian Fantasien besuchen. Die Liste könnte ich endlos weiterführen, denn es gäbe so viele Bücher, in die ich auch gerne einmal springen würde. Amys Talent ist schon mehr als beneidenswert.

Eure zwei Buchspringerinnen – Lesebienchen & Binea

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Zum Glück bemerkt mich niemand…dachte ich ~ Liv Marit Weberg

Zum Glück bemerkt mich niemand...dachte ich ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück bemerkt mich niemand…dachte ich ~ Liv Marit Weberg

Lagerfeuer außer Kontrolle

Seit unserem ersten Gespräch am Lagerfeuer („Der Wald der träumenden Geschichten“ ~ Malcolm McNeill) wussten wir, dass wir bald wieder ein Buch gemeinsam lesen und dann darüber plaudern wollen.

Schnell waren wir uns einig, dass es der Roman Zum Glück bemerkt mich niemand…dachte ich  von Liv Marit Weberg (FISCHER SAUERLÄNDER) sein soll. Ein Lagerfeuer läuft so ab, dass jeder für sich liest und dann stellt jeder seinem Gegenüber 3 bis 5 Fragen. Bei diesem Lagerfeuer lief alles komplett anders. Der Roman brachte das ganze Lagerfeuergespräch außer Kontrolle.

Wir haben das 223 Seiten Werk relativ schnell verschlungen und waren erstmal sprachlos. „Durchwachsen…untenschlossen…also ähnlich wie bei dir…“ so die ersten Worte zum Gesamtwerk.

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Anders ~ Andreas Steinhöfel

Anders ~ Andreas Steinhöfel
Anders ~ Andreas Steinhöfel

Ein besonderes Buch – eine große Überraschung – zwei Mädels am Lagerfeuer.

Sind wir nicht alle etwas „Anders“?

Verena Julia und ich laden euch ganz herzlich zu uns ans Lagerfeuer ein. Wir unterhalten uns heute überAnders (Carlsen / Imprint Königskinder) von Andreas Steinhöfel. Ich wurde mit diesem Werk (signiert!) von Verena Julia zu Weihnachten überrascht und habe  damit mein Lesejahr 2015 eingeläutet.

Setzt euch, rutscht ran, nehmt euch ein warmes Getränk, ein paar Knabbereien und lauscht…

Binea fragt ~ Verena Julia antwortet

Beim Lesen muss der Funke überspringen. Gerade der Funke von Leser zu Hauptprotagonist. So geht es mir zumindest. Wie siehst du das und konntest du dich mit Felix bzw. Anders identifizieren?

Mir geht es in der Regel auch so. Tue mich auch immer sehr schwer, wenn ich niemanden finde, der mir sympathisch ist oder in den ich mich hineinversetzen kann. Durch die Identifizierung wird das Lesen für mich ganz anders. Viel aufregender, viel tiefer und es gewinnt an Tempo. Anders ist ja nun wirklich anders, aber mir war er von Anfang an sehr sympathisch. Mir hat es Riesenspaß gemacht in seinen Kopf gucken zu können – seine Gedanken und Gefühle sind in meinen Augen immens wichtig für die Geschichte.

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[Blogtour] Die Krieger des Horns: Feuermond ~ Josefine Gottwald

Die Krieger des Horns: Feuermond ~ Josefine Gottwald
Die Krieger des Horns: Feuermond ~ Josefine Gottwald

Es gibt immer ein „Erstes Mal“ und aus diesem Grund findet hier und heute die erste Blogtour statt. Eine richtige Blogtour habe ich bisher noch nie gemacht und ich bin etwas aufgeregt, ehrlich gesagt. Und dann darf ich auch noch den Anfang machen. Also los, auf gehts…

Josefine Gottwald hat mich mit ihrem Werk Die Krieger des Horns – Feuermond (BookRix) wirklich begeistert. Ja, dies sage ich als Nur-ab-und-an-Fantasy-Leserin. Ich habe den Roman an einem Tag verschlungen und daraufhin gleich das Gespräch über dieses Werk gesucht.

Besondere Werke ~ besondere Besprechungen und aus diesem Grund lade ich euch ans literatowische Lagerfeuer ein. Meine Gesprächspartnerin kenne ich bisher nicht persönlich und auch noch nicht lange und doch hat es mir sehr viel Freude gemacht, mich mit der lieben Christiane auszutauschen.

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