Schlagwort: Sachbuch

Die Sache mit dem Sachbuch

Halt die Klappe, Kopf! ~ Lisa Sophie Laurent

Wie oft habe ich schon gedacht: Halt die Klappe, Kopf!, aber das geht wohl uns allen so. Da kreisen die Gedanken, die Gefühle machen auch noch mit und dann redet die Realität dazwischen und die Wünsche mischen auch kräftig mit. Unerhört und doch notwendig! ?

Eigentlich wollte ich aber schreiben, dass ich überhaupt nicht gern zu Sachbüchern greife. Das erscheint mir nur gerade unplausibel, wenn ich bedenke, dass ich vor kurzer Zeit erst „Unter der Haut“ gelesen und vorgestellt habe. Dann anders: ich mag keine Sachbücher, weil…

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Die Herzlichkeit der Vernunft ~ Ferdinand von Schirach Alexander Kluge

Die Herzlichkeit der Vernunft ~ Ferdinand von Schirach & Alexander Kluge

„Die Herzlichkeit der Vernunft von Ferdinand von Schirach & Alexander Kluge“ (Luchterhand) habe ich zuletzt mit dem Buchclub gelesen. Ich gebe zu, dass ich über die Buchwahl nicht begeistert war und schon auf der Buchmesse in Leipzig habe ich von dieser „tollen Wahl“ begeistert erzählt. Hach – dieser Titel wird wohl mein Jahreshighlight. (Achtung Ironie)

Jetzt wirst du erstaunt sein, wenn ich dir das Sachbuch sogar ans Herz lege, stimmts? Was? Ist das dein Ernst? Ja, ist es und ich bin immer noch begeistert von den tollen Gesprächen, die ich mit anderen führen konnten. Total genial, durch und durch. Am Ende wirst du merken, dass es wirklich lohnenswert ist, ab und an außerhalb der Buch-Komfortzone zu lesen. Der Blick über den buchigen Tellerrand lohnt tatsächlich.

Kluge & von Schirach

Der Griff zum Buch ist nicht schwer, denn das kleine Format ist gut griffig und schreckt nicht ab. Keine 200 recht grob bedruckten Seiten sind zu lesen und das richtig Gute ist, dass die Gespräche zwischen Alexander Kluge & Ferdinand von Schirach nur selten trocken sind. Vielleicht ist der Teil mit Sokrates ein wenig öde, dafür reist es aber der Teil über Kleist raus. Die beiden sprechen über Voltaire und sehr aktuell über Politik und Terror. Ein recht breites Feld und immerhin habe ich 22 Klebezettel im Buch zurück gelassen, die mich an den Inhalt erinnern sollen. Welche Stellen sind das eigentlich und was ist nach dem Lesen hängen geblieben? Das Kleists „Findling“ heute als „Flüchtling“ bezeichnet werden würde. (Kluge/Seite 75)

Außerdem habe ich markiert:

„Wir können dem anderen unsere Meinung nicht aufzwingen, weil wir uns nicht sicher sind, dass sie die Richtige ist.“ (Schirach/Seite 70)

„Literatur ist kein Abbild der Wirklichkeit. Es ist eine eigene Wahrheit.“ (Schirach/Seite 78)

„Wir haben nur das Staunen verlernt. Vielleicht ist das der Preis der Aufklärung und der Vernunft.“ (Schirach/Seite 143)

„“Je pense, donc je suis“, ich denke, also bin ich. Auch das ist eine Form von Freiheit, vielleicht ist es sogar unsere einzige.Es ist die Freiheit in unserem Kopf.“ (Seite/Schirach 171)

Fällt dir auch auf, dass die Zitate alle von Schirach sind? Schirach ist poetisch, spricht viel – Kluge ist eher der Impulsgeber. Gern hätte ich über ihn mehr erfahren, aber er bleibt sachlich, unnahbar und wird keineswegs privat.

Die Herzlichkeit der Vernunft ~ Ferdinand von Schirach & Alexander Kluge

Herzlichkeit & Vernunft miteinander verschmelzen lassen, in einem Buch, im Gespräch – gesagt, getan und ein mehr als gelungenes Experiment aus dem ich für mich viel mitgenommen habe. Natürlich habe ich das enzige farbige Bild – eines der letzten Fotos der Voyager 1 von 1990 – welches im Sachbuch zu finden ist, kritisch betrachtet. Die Krönung wäre natürlich, live bei den Gesprächen zwischen Kluge und von Schirach dabei gewesen zu sein. So hätte man sich gleich einschalten, nachfragen und eigene Ansichten preisgeben können.

Vernunft & Herzlichkeit

32 Jahre trennen Kluge und von Schirach, intellektuell ist kein Unterschied spürbar – hättest du das gedacht? Vor dem Lesen habe ich nicht wirklich viel von den beiden Autoren mit anwaltlichen Interesse an rechtsstaatlicher Genauigkeit gewusst. Nun kenn ich einige Fotos und habe mir mehr Informationen zu den Lebenswegen eingeholt – das kann ich dir nur empfhlen.

Kluge gibt dem Gespräch den prägenden Rahmen und von Schirach füllt diesen mit Inhalt auf und er ist natürlich auch Rampensau. Meist erzählt doch der Ältere dem Jüngeren – hier hat der Jüngere den größeren Anteil an den Gesprächen. Interessant!

Beide Autoren sprechen sich mit „Sie“ an – eine Frage des Respekts und weil diese Form einfach besser zum Thema passt? Ist das Absicht? Der extra eingeräumte Abstand? Und wie wurden diese Gespräche eigentlich festgehalten? Oder wurden sie nachträglich konstruiert? In Interviews im Internet sollen Auszüge aus dem Buch zu finden sein – ein Zusammenschnitt? Viele Fragen habe ich mir gestellt, gemunkelt und natürlich wäre es genial, die Antworten von Kluge & von Schirach selbst zu bekommen.

Hören wir bei Entscheidungen eher auf unser Bauchgefühl, unser Herz oder eher auf den Kopf, aus dem die Vernunft spricht? Fühlen wir uns eigentlich sicher? Was bedeutet Sicherheit und was Freiheit? Was sagst du? Lass mich/uns doch gern in den Kommentaren teilhaben, gern diskutieren und philosophieren.

In recht kurzer Zeit habe ich das Buch gelesen, ich mag es und die aktuellen Themen haben dazu beigetragen, es nicht abzubrechen. Empfehlenswert – absolut! (ohne Ironie!)

Eure
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