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Schlagwort: Silvia Avallone

Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Marina Bellezza ~ Silvia Avallone
Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Wer zu einem Roman von Silvia Avallone greift, kann sich sicher sein, dass er nicht enttäuscht wird. Schon mit ihrem Debüt „Ein Sommer aus Stahl“ konnte sie mich sehr begeistern und mit „Marina Bellezza“ (Klett-Cotta) schafft sie es erneut.

Er, Andrea. ist völlig anders als sie, Marina, und doch waren die beiden mal vor Jahren ein Paar und doch ziehen sich beide mit ihren Gegensätzen immer noch an. Auf dem Volksfest von Camandona sollten sie sich wiedersehen, ganz unverhofft und zufällig.

In manchen Augenblicken denkst du an nichts, weißt du nichts und bist niemand. (Seite 14)

Andrea, mit seinen Freunden unterwegs, hat einen Wildunfall zu verdauen, als er die Stimme von Marina hört. Marina, oft alleine unterwegs, hat das Treffen mit ihrem Vater und dessen Freundin zu verdauen, steht auf der Bühne und nimmt mit ihrer Stimme am Galá della Canzone teil. Ein einsames Leben und ein wildes Leben treffen nach dem Ende des Programms flüchtig aufeinander und verabreden sich.

Eine kurze Begegnung die für uns Leser und auch für die zwei Protagonisten Wellen schlägt. Andrea und Marina grübeln beide, ob sie sich treffen sollten, ob die Idee eine gute Idee war und beinahe hätte Andrea vergeblich auf Marina gewartet. Doch sie kommt und sie präsentiert sich wie ein Star, als ob sie bereits die Gewinnerin der Castingshow ist. Andrea ist unsicher, eher der ruhig lebende Typ, doch er kann nicht von der aufgedrehten Marina lassen und sein Herz ist entflammt, war nie erloschen.

So unterschiedlich beide sein mögen, eins haben sie gemeinsam: ein nicht wirklich intaktes Elternhaus. Marina hat eine Alkoholiker-Mutter und einen Vater der sich lieber in Monte Carlo aufhält und sich selten für sie interessiert, geschweige denn Zeit mit ihr verbringt. Andrea steht schon immer im Schatten seines Bruders und kommt den Erwartungen seiner Eltern nicht nach. Zwei gebrannte Kinder die eigentlich nur geliebt und geachtet werden wollen. Zwei gebrannte Kinder, die dennoch Träume haben und dafür kämpfen. Und die Liebe?

Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Bis zur besagten Begegnung müssen wir über 100 Seiten lesen, was keinesfalls viel ist. Silvia Avallone wickelt ihre Leser schnell um den Finger. Rasant startet der Roman, wir finden uns durch die bildliche Erzählweise dort wieder, wo ihre Charaktere zuhause sind und es fällt schwer, eine Pause einzulegen. Nach nur wenigen Seiten fühlt man sich, als ob man mit dem Buch verwachsen ist, es besteht eine Vertrautheit, es ist spannend und ihre Worte sind eindringlich leise und sehr melodisch.

Fast 570 Seiten dürfen wir an den Leben von Andrea und Marina teilhaben. Wir erfahren einfach alles, ohne das es uns langweilig wird. Autorin Avallone wechselt die Perspektiven und lässt uns nicht nur an der Vergangenheit teilhaben, sondern auch gefühlvoll in die Protagonisten und deren Seelenleben schauen. Wir fiebern mit, wir verstehen, wollen nicht immer akzeptieren und wir erfahren den Schmerz, denn nicht alle Handlungen sind vertretbar und vorhersehbar.

Katastrophen kommen nie, wenn man sie erwartet, sondern immer am Tag danach, wenn man hilflos, gelassen und ruhig ist, und nicht im Traum daran enkt, dass die Welt über einem zusammenbrechen könnte. (Seite 348)

Wir erfahren das nackte Leben und verspüren ein einzigartiges Lesegefühl durch diese zwei so komplett unterschiedlich tickenden Charaktere – Andrea & Marina. Mit ihren jungen Jahren haben sie schon so viel erlebt, erkämpft und einfach erdulden müssen.

Beide sind noch immer nicht erwachsen, suchen die Liebe und wissen, dass es immer irgendwo ein Stück Hoffnung gibt. Sie machen Fehler, rennen auseinander, zueinander und das Ende ist, wie es ist.

Ein sehr starkes, italienisches, sehnsuchtsvolles, einfach grandioses Stück Literatur. Keine Seite, kein Gefühl, keine Handlung ist zu viel oder zu wenig. Es passt einfach – alles!

Eure
Marina Bellezza ~ Silvia Avallone

Ein Sommer aus Stahl – Silvia Avallone

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Unser Sommer neigt sich dem Ende zu, es wird Herbst. Ein Sommer aus Stahl ist genau für diese Jahreszeit gemacht, finde ich, und ich habe jede Seite des Buches genossen. Mehr möchte ich nicht dazu sagen, außer: lasst es auf euch wirken, taucht vor allem tief in das Buch ein, öffnet euch für eine Ladung von Emotionen und macht euch für diesen gewaltigen Roman bereit. Ein Buch was ich nie vergessen werde, eine literatwoische Empfehlung.

Sommerlektüre für den Strand? Eher nicht, aber dafür ein richtiger Sommer aus Stahl. Ein Geflecht so dick wie ein Stahlband verbindet die Freundinnen Anna und Francesca, aber es scheint dünner zu werden. Der Sommer streckt seine Fühler aus und bringt nicht nur ihr jahreslang dicker gewordenes Stahlband zum Schmelzen. Die Pubertät verändert nicht nur die Körper der beiden fast 14-jährigen, sondern auch ihre Denkweisen und Gefühlswelten.

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