Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon
Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon

Dresden. Schokolade. Bücher.

Diese drei Worte sind aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken und umso schöner ist es für mich, wenn sich die drei miteinander verbinden. Die spezielle Verbindung trägt den Namen Die Frauen der Rosenvilla (Heyne) und liegt gerade gebunden vor mir. Ein Roman dessen Handlungsort nur knappe 5 km von mir entfernt liegt. Im Stadtteil Blasewitz steht die von Teresa Simon erschaffene Rosenvilla und genau dort entspringt eine Geschichte, die nicht nur jeder Dresdner kennenlernen sollte.

Dresden 2013.

Anna Keppler liebt nicht nur Schokolade, sondern auch Rosen. Die Erbin der Rosenvilla liebt ihr Zuhause und möchte den Rosengarten wieder mit leben füllen. Rosen sollen blühen. Möglichst viele verschiedene Sorten möchte sie pflanzen. Diese sollen mit ihrem Anblick die Augen erfreuen und ihren Duft verströmen. Ihr Traum wäre es, nicht nur Rosen zu pflanzen, sondern auch die Villa mit Leben zu füllen. Kinder, vielleicht ein Hund, Kaffee trinken mit Freunden, Katzen und ein Mann…

Die in Gedanken versunkene Anna, Eigentümerin zweier Chocolaterien, wird schnell zurück in die Realität geholt. Eine Metallkiste verhindert das weitere Umgraben und zieht die Aufmerksamkeit aller Anwesenden im Rosengarten auf sich. Ein Schatz?

Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon
Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon

Für Anna öffnet sich mit dem Blick in die Schatulle die Vergangenheit, denn neben Mundharmonika, Perlenschnur und Babyhaar, kommen ein Eisernes Kreuz, eine Fotografie, Briefe und unzählige lose Blätter zum Vorschein.

Wer ist die Frau auf dem Foto, wer hat die Schatulle versteckt und wer sind die Verfasserinnen der Briefe?

Dresden 1919.

„Ich brenne. Ich glühe. Bin wie im Fieber. Darf ihn niemals wiedersehen und werde es doch schon bald.“ (Seite 43)

Annas Augen fliegen über die Worte, bis der Brief plötzlich endet. Wer ist Emma? Hat sie in der Rosenvilla gelebt? Als die Schatulle am nächsten Tag immer noch da ist, nimmt sie diese mit zu Buchhändlerin und Freundin Hanka. Sie zeigt ihr ihren Fund und versucht gemeinsam mit ihr die Briefe zu ordnen, um die Vergangenheit zu ergründen. Beide Frauen tauchen lesend in geheimnisvollen Geschichten…

Dresden heute.

Ich bin zurück aus der Rosenvilla. Ich habe den Duft der Rosen in meiner Nase und schmecke die Schokolade der Pralinen auf meiner Zunge. Erstmal tief durchatmen, denn was ich auf diesen knapp 450 Seiten erlebt habe, will verarbeitet werden. Gleichzeitig bin ich unglaublich fasziniert von dieser eindringlichen Geschichte. Durch den Handlungsort Dresden fühle ich mich dem Werk unglaublich nahe. Ich bin lesend auf bekannten Straßen entlang gelaufen, war bei Anna im Schokoladengeschäft und ich habe mit ihr zwischen den vielen Blättern gekniet und die Vergangenheit erlesen…

Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon
Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon

Bereits die ersten Worte „Dieser Brief ist an Dich gerichtet, meine geliebte Emma, obwohl er Dich niemals erreichen darf, selbst dann nicht, wenn meine Augen für immer geschlossen sind.“ (Seite 7) sorgen dafür, dass der Roman nicht so schnell wieder aus der Hand gelegt werden kann.

Autorin Teresa Simon umhüllt den Leser mit einer einzigartigen Gefühlsmischung. Ihre Worte verströmen Rosenduft, setzen sich in der Nase fest und belegen die Zunge mit einer geheimnisvollen Schicht, deren Zutaten nicht klar zu definieren sind, aber ein sofortiges Suchtgefühl auslösen.

Protagonistin Anna Keppler ist dem Leser sofort nah. Ihre Art, ihr Wesen begeistert schnell und die Tatsache, dass der Roman in der Gegenwart spielt, begünstigt das Gefühl der sofortigen Verbundenheit. Das gemeinsame Lesen der Briefe ist Genuss und eine Qual zugleich. Es fühlt sich an wie eine zuckersüße Praline mit halbfesten und halbflüssigen Kern.

Wer als Leser den Fuß in die Rosenvilla setzt, muss damit rechnen, dass er nicht gleich wieder hinaus gehen kann. Stellenweise wirkt die Villa wie ein Labyrinth. Aus diesem möchte man nicht heraus und doch möchte man die Tür finden, hinter der das Geheimnis um die Frauen gelüftet wird.

Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon
Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon

Diese Geschichte sollte nicht nur jeder Dresdner lesen. Liebhaber des historischen Genres kommen auf ihre Kosten, genau wie Fans von Familiengeschichten. Liebe, Freundschaft, Verrat, Leidenschaft, Hass, Missgunst und die Verknüpfung eines verschlungenen Familienbandes bilden den Romankern.

Wer sich in auf den Weg in die Rosenvilla macht, sollte dies nicht ohne eine Packung Pralinen tun. Nicht nur auf dem Lesezeichen, welches im Roman zu finden ist, gibt es Pralinen und dazugehöriges Rezept zu sehen, sondern auch am Ende des Werkes. 6 Pralinenrezepte gibt es als Nachtisch zum intensiven Wort-Hauptgang. Als Getränk reicht Teresa Simon hausgemachten Eierlikör, welcher im Roman erwähnt wird und ebenso nachgemacht werden kann. Eine schokoladige Angelegenheit mit genussvollen Worten.

Diese Taschenbuchausgabe ist absolut gelungen. Nicht nur das Cover ist eine optische Augenweide, auch die verschiedenen Schriftarten, in denen die Briefe abgedruckt sind. So wirken diese noch viel echter und verstärken das Gefühl, diese selbst in der Hand zu halten. Besonders ist zudem, dass die Briefe fast nahtlos in die Handlung übergehen. Während des Lesens werden die Briefe lebendig…

Ich bin durch und durch begeistert und kann allen Literaturfans mit Hang zur Schokolade diesen Roman uneingeschränkt ans Herz legen. Mich hat das Elbfeuer angesteckt – vom ersten Brief, bis zum Nachwort, über Rezepte und Danksagung.

~ ~ ~

Die Schreibe der Autorin Teresa Simon erinnert mich an eine Autorin, die heute in München lebt, deren Wurzeln allerdings in Dresden liegen. Sie mag Katzen und in ihren Werken taucht immer ein ganz bestimmter Name auf. Ich bilde mir ein, diesen auch in der Rosenvilla vernommen zu haben…

Pressestimme ~ 27.03.2015 ~

Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon
Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon

Eure

11 comments on “Die Frauen der Rosenvilla ~ Teresa Simon”

  1. Bini, was soll ich sagen, ich habe dieses kleine Wunderwerk von Buch hier vor mir liegen und es juckt in den Fingern, alle anderen Lesepläne über den Haufen zu werfen und sofort einzutauchen und mit dir über die Dresdner Chocolatiers zu philosophieren, noch lieber natürlich mit ner heißen Schoki in der kleinen neckischen Schokoladenbar am Neumarkt *lach* Und danach mit dem Buch an die Elbe, weiter zum Rosengarten und in die Rosenvilla in Blasewitz. Wie du auch, fühl ich mich dem Buch als nun fast 10 Jahre Dresdnerin immens verbunden und bin sehr gespannt, was die Lieblingsautorin diesmal bereit hält, um mich zum träumen zu bringen 🙂 Ich muss jetzt aufhören, weiterlesen und schnell fertig werden, dass ich mit den Frauen der Rosenvilla anbandeln kann *lach*

    Ps: Wunderbar trifft deinen Artikel glaube ich am besten 🙂

  2. Hach. Wenn das Buch nur halb so schön geschrieben ist wie Dein Artikel hier…

    Mal sehen, ob ich das Buch nicht beim nächsten Buchladenbesuch mitnehme. Das ist sowohl für mich als auch für meine Mama was. Spätestens zum Muttertag 😉

  3. Hab das Buch auch gelesen und ein PralinenRezept gleich ausprobiert.
    Hat jemand anders auch schon ein Rezept ausprobiert?
    Wenn ja welches und wie wars?

      • Der Eierlikör ist gut.
        Aber hab die Sommerwiese versucht.
        Es war ein Desaster. Die 125g Sahne gehen in den 150g getrockneten Blüten total unter und es ist einfach nur eine Pampe.Da bringt auch erwärmen nix.War zum Schluß bei ca 1l Sahne, damit ich überhaupt irgendetwas zum“ durchs Sieb gießen „hatte. Hätte ich besser erwartet. Oder sollten es 125 ml getrockneten Blüten sein. Hab mich deshalb nicht an die anderen Rezepte getraut.

        • Hey Claudia,
          soweit hat es bei mir leider noch nicht gereicht. Das klingt ja aber super, auch wenn es im Desaster geendet ist.
          Übung macht den Meister. Wenn du Fragen an die Autorin hast, kann ich gern eine Verbindung herstellen bzw. deine Fragen weitergeben.
          Hab einen schönen Sonntag.
          Bini

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