Die Geschichte der Bienen ~ Maja Lunde

Es summt zwischen den Seiten

…auch wenn auf dem Cover eine tote Biene zu sehen ist. Maja Lunde bringt uns Leser zu den Anfängen der Imkerei, führt uns mitten in den Alltag einer Imkerfamilie und zeigt uns das Leben in der Zukunft, ohne Bienen.

Der Roman beginnt in der Zukunft. Wir schreiben das Jahr 2098, befinden uns in China und lernen Tao kennen. Sie ist eine junge Arbeiterin und mit der monotonen Arbeit beschäftigt, Bäume zu bestäuben. Sie lebt in ärmlichen Verhältnissen mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn, Luxus ist für sie ein Fremdwort. Auch die freie Zeit mit ihrer Familie ist begrenzt. Während eines Ausflugs verunglückt ihr Sohn Wei-Wen. Tao und ihr Mann stehen vor einer Lücke der Unwissenheit.

In England läuft die Zeit langsam. William scheint gelähmt von seinem Leben als Forscher. Er findet nicht mehr auf seinen Weg zurück und sein Mentor steht nicht mehr hinter ihm. Das Summen der Bienen scheint verstummt, die Familie gespalten.

Im Jahr 2007, fast Gegenwart, treffen wir auf George. Er ist Imker mit Leib und Seele und möchte, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt. Doch Tom macht sich auf davon und die Bienen tun es ihm nach.

Die Geschichte der Bienen ~ Maja Lunde

Tao ~ William ~ George

Die norwegische Autorin leitet uns von Erzählstrang zu Erzählstrang, ohne sofort literarische Gewalt anzuwenden. Es braucht anfangs keine Cliffhanger, um sich mit den Charakteren anzufreunden. Sie schreibt so leicht und nah und natürlich, dass es sich so anfühlt, als ob wir nicht nur die drei Hauptprotagonisten schon ewig kennen, sondern auch deren Familien, deren Umgebung, deren Lebensstil.

Maja Lunde schreibt einfach und sehr bildlich. Sie flechtet Emotionen in ihre Worte und lässt ihre Charaktere sprechen. Obwohl weder Tao, noch William, noch George sich kennen oder von ihrer Existenz erahnen, gehören sie zusammen. Alle drei haben eine Verbindung zu den Bienen und alle drei werden mit Ereignissen konfrontiert, welche sich im Lebenslauf der Bienen verankern.

Tao – William – George – über 100 Seiten wechseln sich die Charaktere in genau dieser Reihenfolge ab. Besagte Reihenfolge geht ins Leseblut über, die Namen am unteren Rand jeder Seite bestärken diese und so verschmerzen wir die immer stärker werdenden Cliffhanger an den Kapitelenden. Doch dann kommt der geschickte Bruch, die Reihenfolge wird verwirbelt und das so schon hohe Lesetempo kann nicht mehr gestoppt werden. Das Gefühl der Hin- und Hergerissenheit, die Neugierde, wird übermächtig und ehe man sich verliest, findet man sich auf der 508. Seite und der Kopf summt…

Summ, summ, summ…

Es summt immer noch in meinem Kopf, denn Maja Lundes Fikiton ist nicht unrealistisch, was mich gruseln lässt. Vorhin war ich in einer Buchhandlung und habe gesehen, dass ihr Roman auf Platz 3 der Spiegel Bestseller Liste ist. Tendenz steigend. Wert auf diese Liste habe ich nie gelegt, werde ich auch nicht. Dieser Platz lässt sich kritisch diskutieren, umso mehr man den Roman auseinander nimmt und die einzelnen Charaktere in ihren Eigenschaften untersucht. Ich mag alle drei, mich haben alle Lebenssituationen berührt und nachdenklich gemacht und ja, alle drei haben Söhne und ja, alle drei haben nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst und ja, alle drei befinden sich mehr oder weniger dadurch in einem Problemstrudel. Ja und? So ist es eben!

Für mich ist der Roman schlicht und ergreifend schön, sehr aktuell und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Und nein, ich habe keine Woche gebraucht, sondern nur zwei Tage und hätte ich nicht schlafen und arbeiten müssen, hätte ich ihn wohl am Stück gelesen.

Muss ich mehr sagen?

Es summt weiter, spätestens dann, wenn ich mich wieder zwischen die Seiten des Romans „Die Bienen“ von Laline Paull begebe. Derzeit pausiere ich als Biene Flora im Bienenstock auf Seite 220. Ein Roman über Bienen aus Sicht der Biene.

Eure
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2 comments on “Die Geschichte der Bienen – es summt”

  1. Liebe Bini,

    ich finde es großartig, dass sich eine Autorin den Bienen angenommen hat und scheinbar so fesselnd über sie schreibt. Viel zu wenige wissen um das Schicksal der kleinen Nützlinge, die eben viel mehr für uns tun,als nur Honig zu liefern.
    In unserem Garten stehen Bienenvölker eines befreundeten Imkers und jedes Mal, wenn wir eine Biene sehen, sage ich „guck mal, die Gute, kümmert sich wieder um unser Essen“. Deshalb habe ich extra ganz viele Stauden gepflanzt. Die mögen sie gerne. In den 4 Jahren, die wir nun schon hier leben, bin ich übrigens noch nie gestochen worden.
    Ganz abgesehen davon klingt der Roman wirklich toll erzählt und ist schon auf meiner Wunschliste. Momentan ist er wohl vergriffen, aber so bleibt mir die Möglichkeit erstmal Platz im Regal frei zu lesen

    Viele liebe Grüße
    Nanni

    • Liebe Nanni, ohja, ich mag Bienen immer lieber und finde es auch prima, diese immer näher kennenzulernen.
      Deine Worte über die Bienen sind echt niedlich und so wahr. Die sind wirklich super fleißig und stechen kaum, ja.

      Der Roman ist richtig gut erzählt und wenn man nicht nach kritischen Dingen sucht, wird man auch keine finden.

      Bei mir sind die Bienen gerade ausgeflogen – ich habe das Buch verliehen und freue mich schon jetzt, darüber reden zu können.

      Summ, summ, summ…die Bienen fliegen bei dir rum und hoffentlich auch bald der Roman – nicht fliegend. 🙂

      Dicke Umarmung zu dir. Bini

Vorhang auf für eure Worte...