In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater
In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater

Nun ist es soweit, alle drei Bände stehen nebeneinander, die Trilogie ist komplett. Nach dem Sommer, Ruht das Licht,In deinen Augen (Script5) von Maggie Stiefvater leuchtet, glänzt und ist abgerundeter als manch andere Reihe. Die feinen optischen Unterschiede sind die gewählten Titel, die nebeneinander den Satz „Nach dem Sommer ruht das Licht in meinen Augen“ ergeben, mehr als romantisch.

Dennoch habe ich mich eher zögerlich dem dritten Teil genähert, in dem Wissen, Grace und Sam ein letztes Mal zu begegnen. Und dann? Werden Sam und Grace ein Paar und können als Menschen für immer zusammen bleiben? Werden sie beide am Ende Wölfe oder wird die Trilogie so enden, dass einer der beiden lebenslang ein Wolf und der andere lebenslang ein Mensch bleibt?

Diese drei Möglichkeiten hatte ich vor Augen und wie ich persönlich von Maggie Stiefvater im Interview erfuhr, ist ihre Vorliebe keines ihrer Bücher mit einem einfachen Ende enden zu lassen. Ich konnte und musste mich also darauf gefasst machen, dass es auf keinen Fall einfach wird. Was ich sicher wusste war, dass ich beide definitiv verlassen muss und am Ende zurückgelassen werde.

Da ich davon ausgehe, dass alle Leser der Rezension bereits Teil eins und Teil zwei gelesen haben, gehe ich ein wenig inhaltlich auf Teil drei ein. Wer bisher noch nie etwas von Maggie Stiefvater gehört hat, der sollte in meine Lesestimmung nach dem Sommer heineinlesen und diesen Artikel hier schließen. 🙂

In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater
In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater

Mercy Falls …

…ein schreckliches Ereignis folgt gleich auf den ersten Seiten, denn ein Mädchen wird tot aufgefunden. Sie ist nackt als sie gefunden wird und ist von Bissspuren eines Wolfes gezeichnet. Die Wölfe – gefürchtet von allen Bewohnern, da es immer wieder zu Übergriffen auf die Menschen kommt. Zudem werden Menschen vermisst, einer davon ist Grace.

Der Frühling kommt endlich, wenn auch nur mit langsamen Schritten nach Mercy Falls und Sam kann es kaum erwarten Grace wieder zu sehen. Bald müsste sie sich wieder in einen Menschen verwandeln. Bald, wenn auch nur vorerst in kurzen Abständen. Die Tage des Wartens sind nicht einfach, doch Sam lenkt sich mit seiner Arbeit in der Buchhandlung weitestgehend ab. Außerdem hat er oft Ärger mit Cole, der mit ihm zusammen lebt. Laute Musik und seine ständigen Experimente sorgen für Unruhe und besorgniserregende Zwischenfälle. Cole will endlich das Serum finden, was vieles erleichtern könnte.

Der Tag der ersten Verwandlung von Grace bricht an und sie findet sich irgendwo am Rande eines kleines Ortes wieder. Sam soll sie holen, doch als er ankommt, ist sie bereits wieder als Wolf im Wald verschwunden. Als Isabel von Grace hört, geht es auch ihr besser, denn Grace lebt. Isabels Vater hasst die Wölfe und das Wort Treibjagd wird immer häufiger von ihm verwendet. Sie ist alarmiert und muss Sam, wie auch ihren ehemaligen Freund Cole, darüber informieren. Cole möchte sie eigentlich nicht begegnen, sie ist genervt von ihm und seiner Art.

In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater
In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater

Ein Plan muss her, denn alle Wölfe sollen erschossen werden. Das beste wäre eine Umsiedlung des Rudels, doch dazu müsste man mit den Wölfen kommunizieren können. Sam und Cole finden Grace im Wald, sie schwebt in Lebensgefahr und zudem hat es die Polizei auf Sam abgesehen, denn er hat damals die vermisst gemeldete Grace zum letzten Mal gesehen.

Mercy Falls ist in vorfreudiger Erwartung auf die Vernichtung der Wölfe, während Sam, Grace, Cole und Isabel den Wettkampf um Leben und Tod bestreiten.

„Das Glück war eine Scherbe, die zwischen meinen Rippen steckte.“

Das Zurückkehren zu den vier Protagonisten fiel mir wieder sehr leicht. Maggie Stiefvater bleibt ihrem jugendlich frischem Schreibstil treu und läutet auch Teil drei mit Spannung, aber auch viel Gefühl ein. Die Liebesgeschichte von Grace und Sam zieht sich durch den ganzen Roman, wie auch das kühle und mit wenig Harmonie versehen Verhältnis zwischen Isabel und Cole. Ein Kontrastprogramm aus Sonnen- und Schattenseiten, in dessen Mittelpunkt das Schicksal der Wölfe steht.

Das Ende muss kommen und das Ende kommt mit großen Schritten. Dabei geht die Tiefe zwischen den überschlagenden Ereignissen nicht unter. Genau wie in den vorherigen Teilen sind die Kapitel mit den Namen der jeweiligen, aus der Ich-Perspektive, erzählenden Charakteren überschrieben. Die Autorin findet absolut in allen Bänden das richtige Maß und gewährt jeder Person den ausreichenden Platz um sich zu entfalten. Kleine Rückblicke durch ihre Protagonisten, betonen wichtige Handlungspunkte aus der Vergangenheit und rücken bildlich vor das Leserauge.

In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater
In deinen Augen ~ Maggie Stiefvater

Gerade der letzte Teil einer Trilogie ist entscheidend, ob diese dem Leser in Erinnerung bleibt und sich mit einem runden Abschlussbild verankert. Maggie Stiefvater verzettelt sich nicht, überwirft sich nicht mit Szenen die nötig sind um Teil drei zu strecken oder aufzublasen. Nein, der Leser spürt wie sorgfältig diese Trilogie in ihrem Kopf verankert war und mit welcher Sicherheit und Harmonie ihre Worte geflossen sind. Kein Verzetteln, kein aus dem Rahmen fallen, sondern eine feste Verankerung ist bemerkbar. Sie hat förmlich mit ihren Protagonisten mitgelebt und mitgelitten, was man ihr nicht abkaufen muss, sondern miterlebt, da sie in jedem Teil den Leser dazu holt. Dies gelingt bei weitem nicht jedem Autor eine Trilogie, wie sicher auch der ein oder andere von euch schon feststellen konnte.

Am Ende wurden die Fragen, welche ich mir anfangs stellte, nicht zu hundert Prozent beantwortet. Es war auch gar nicht möglich, da sich die Antworten der letzten Seiten auf Fragen bezogen, die ich so nie stellte.

Und wie geht es mir nun? Ich verlasse den malerischen, wenig bevölkerten Ort Mercy Falls, winke den liebgewonnenen Protagonisten zu und schaue zurück auf die gemeinsame Zeit. Es hat sich viel verändert und ich wusste, es wird auf kein einfaches Happy End hinauslaufen, wenn überhaupt. Für mich bleiben Grace und Sam ein mutiges Paar, welches ich gern begleitet habe. Ich kann und muss mit dem Ende leben, wie auch die Protagonisten. Ein Ende, ist ein Ende, ist ein Ende.

Zwischen der Einsamkeit die ich nach meiner Abreise fühle, mischen sich Gedanken, die mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Danke Maggie!

Eure

Vorhang auf für eure Worte...