Auster und Klinge ~ Lilian Loke

Knallpinker Untergrund mit knallorangem Herz – Farben die ins Auge stechen und genauso ungewöhnlich in ihrer Kombination sind, wie die zwei Protagonisten von Autorin Lilian Loke.

Völlig unbefangen begann ich während der Autofahrt mit dem Roman „Auster und Klinge“ (C.H. Beck Verlag). Nach wenigen Seiten musste ich so lachen, dass ich kurz unterbrechen musste, um dann das Gelesene erneut, aber laut, vorzulesen. Ich musste den Inhalt von Anfang an teilen, zu komisch, zu bösartig, zu außergewöhnlich.

Doch bevor ich dir erzähle, mit wem du es im Roman zu tun bekommst und warum ich dir den Roman ans Herz lege, frage ich dich: Einbruch und Kunst sind sich ähnlich, richtig? Man muss schon eine Art Künstler sein, um in Wohnungen einzubrechen. Ob Einbrecher oder Künstler – beide Typen sind für mich speziell und haben außergewöhnliche Denkweisen. Für mich sind diese nicht völlig nachvollziehbar, müssen sie aber auch nicht sein. Oder was sagst du?

Auster & Klinge

Autorin Lilian Loke hat einen Männerroman geschrieben, denn Künstler Georg ist gelernter Schlachter, Einbrecher Victor ist gelernter Hotelfachmann und die meisten Situationen und Begebenheiten spielen sich in der Männerwelt ab. Allerdings ist besagter Männerroman dringend auch von Frauen zu lesen, mir hat er nämlich ausgesprochen gut gefallen. So gut, das ich ihn letztendlich fast komplett laut vorgelesen habe. Ab und an musste der wenig lesende Mann seine Nase selbst (aufkommende Heiserkeit & wenig Spucke ;-))zwischen die Seiten stecken, trotz 100%-iger Abneigung gegenüber der grellen Farbe.

Gleich auf den ersten Seiten treffen wir Georg. Er zeichnet gerade ein Herz, während er dem Menschen am anderen Ende der Telefonleitung totalen Blödsinn erzählt. Vielleicht nicht ganz Blödsinn, aber auf jedem Fall das genaue Gegenteil von dem, was er erzählen soll. Er arbeitet im Beschwerdenmanagement eines Callcenters und antwortet dem Anrufer dessen Display am Handy ständig ausfällt:

„Innereien wie die Ihres Telefons werden sechs Tage die Woche in Zwölf- bis Fünfzehn-Stunden-Schichten zusammengeschraubt, bei einem Monatslohn von vierzig bis zweihundertfünfzig Euro, aber das können Sie sich ja denken beim Preis für Ihr Gerät. Außerdem möchte der Hersteller, dass Sie bald ein neues kaufen, spätestens nach Garantieablauf.“  (Seite 11)

Herrlich, was? Die Kündigung erfolgt prompt, was zur Folge hat, dass Georg auf Victor trifft, der gerade als Fahrer die Mittagsbestellung von Georgs Chef ausliefert.

Auster und Klinge ~ Lilian Loke

Victor & Georg

Victor hat seine Strafe abgesessen und ist endlich wieder auf freiem Fuß. Seine Tochter glaubt immer noch, dass er auf Madagaskar arbeiten war und seine Freundin muss erst wieder Vertrauen zu ihm fassen. Während sie ihn damals als Hotelfachmann beschäftigt dachte, raubte er Wohnungen aus. Victor will sich bessern, dieses Hochgefühl, den Kick beim Bruch vergessen und ein normales Leben führen und vor allem ehrlich Geld verdienen. Ein eigenes nobles Restaurant ist sein Ziel.

Georg ist sein Leben recht egal, er lebt für sich in einer kleinen Wohnung, er gibt Kunstunterricht und er hat Rücklagen, denn sein Vater ist Inhaber eines Schlachtkonzerns. Er möchte im Grunde einfach nur Gerechtigkeit und die Machenschaften seiner Familie stinken ihn an. Als Victor ihm von seiner Vergangenheit erzählt, brodelt in Georgs Kopf eine Idee. Er denkt an einen Deal, der die völlig unterschiedlichen Träume erfüllen könnte.

„Wenn du Menschen bewegen willst, lass sie nicht lieben, sondern hassen.“ (Seite 107)

Feuer frei sag ich nur, denn nun beginnen sich die Ereignisse zwischen den Seiten fast zu überschlagen. Der Roman wird immer schneller und spannender, verliert aber keinesfalls an schwarzen Humor, Sarkasmus oder Ironie. Die Klinge ist scharf und die Auster ist salzig.

Ich kann kaum in Worte fassen, wie die Autorin schreibt. Sie serviert uns auf den über 300 Seiten eine regelrechte literarische Spielwiese. In den Kapiteln sind Rückblenden zu finden und wir erleben Gedankensprünge. Konzentration ist gefragt, dennoch empfand ich den Roman nicht als zu anspruchsvoll. Ich hatte große Freude beim Lesen und beide Hauptprotagonisten sind mir ans Herz gewachsen. Egal ob Victor oder Georg – beide Charaktere sind tief ausgearbeitet, haben echten Biss und fühlen sich so nah an, als ob sie in der Nachbarschaft wohnen. Knallpinke Bestechung, Frau Loke! Wirklich klasse!

Lilian Loke – Danke für diesen guten Stoff mit so viel bösartiger Komik – grandios!

Weißt du was? Am besten lässt du dich von Lilian Loke gleich noch mehr begeistern, in dem du ihr beim Lesen zuhörst und zusiehst. Zudem findest du auf der Verlagsseite gleich noch ein Interview mit 5 Fragen an Lilian Loke.

Eure
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