Bevor wir uns in buchigen Etappen dem Jakobsweg und seiner literarischen Seite ausführlich widmen, ist es zwingend erforderlich einen kleinen Grundkurs der Pilgerwegweiser zu absolvieren, damit wir uns nicht im Geflecht des traditionsreichen Camino Francés verlaufen. Sich an diesen Zeichen zu orientieren bedeutet, einer Einbahnstraße folgend, einen mehr als 800 Kilometer langen Weg einzuschlagen und davon auszugehen, dass er einerseits zum erwünschten Ziel führt und man andererseits keine Beschilderung für einen Rückweg benötigt, da man diesen bequem in Bahn oder Flugzeug hinter sich bringt. Und dies vielleicht sogar als „neuer Mensch“.

Die klassischen Wegbegleiter, Wegmarken und Wegweiser vermitteln dem einsamen Pilger stets das sichere Gefühl, sich noch auf dem richtigen Weg nach Santiago de Compostela zu befinden. Unzählige Anstrengungen mag es gekostet haben, den Jakobsweg so umfassend „gangbar“ zu machen und zu erhalten und ihn darüber hinaus mit Wegweisern so zu versehen, dass sogar eine selbst erklärte „Couch Potato“ wie Hape Kerkeling sich kaum verlaufen hat, während er „dann mal weg war“.

Die christlichen Pilger des Mittelalters benutzten die Jakobsmuschel zum Wasserschöpfen. Ein unter Jakobspilgern verbreiteter Brauch war es, den Pilgergang 60 km weiter am Cap Finisterre zu beenden, um dort aus dem Meer eine echte Jakobsmuschel zu sammeln. Als Pilgerzeichen am Hutband des Hutes oder am Gürtel getragen, ist sie geschichtlich mit der Wallfahrt nach Santiago de Compostela verbunden, um damit an den Besuch des Grabs des heiligen Jakobus zu erinnern. Die Muschel war mehr als nur ein Souvenir. Nach der Rückkehr in die Heimat sicherte sie ihrem Träger Ansehen, und mancher ließ sich die Muschel ins Grab legen. Unzählige Wegzeichen mit der Jakobsmuschel weisen den Weg nach Santiago.

Das Kreuz ist das Ordenszeichen des spanischen Ordens zum Heiligen Jakob vom Schwert. Vermutlich wurde es von König Ramiro II. von Aragon (1134 bis 1137) gestiftet und nach der päpstlichen Bestätigung 1175 angenommen. Andere bekannte Kreuze sind das Tau, das Franziskuskreuz, das Andreaskreuz oder das Benediktskreuz. Es in Verbindung mit Muschel oder Pfeil zu finden bedeutet immer nur Gutes.

Die Renaissance des Jakobsweges in der Mitte des 2o. Jahrhunderts machte eine grundlegende Erneuerung der gesamten Strecke erforderlich, um die anschwellenden Pilgerströme sicher durchs Land zu leiten. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde der gesamte Weg mit den berühmten Gelben Pfeilen, den „Flecha Amarilla“ gekennzeichnet. Sie finden sich auf Wegweisern, an Häuserwänden, auf der Straße, an Bäumen und an anderen gut sichtbaren Stellen – und das Wichtigste ist: Sie finden sich wirklich immer genau dort, wo man den Pfeil sehnsüchtig herbei sehnt. So mancher Flecha Amarilla wurde von seinem Entdecker schon als das wahre Wunder des Tages gefeiert.

Für diese Bemühungen, den Jakobsweg flankiert von gastlichen Herbergen und hervorragend „beschildert“ in diesem Zustand zu halten, der jährlich bis zu 150000 Pilger in einem relativ kurzen Zeitfenster nach Santiago schleust, wurde Spanien belohnt, indem 1993 die Ernennung des Jakobsweges zum Welt-kulturerbe der UNESCO erfolgte.

Und Morgen wird etwas typisch Spanisches aus einem Jakobsweg-Kochbuch zubereitet, präsentiert und natürlich gegessen. Bis dann. Ultreia.

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