Der Tod fährt Audi - Kristian Bang Foss - Roadmovie
Der Tod fährt Audi – Kristian Bang Foss – Roadmovie

Oh wie schön – Literatwo mit einem Bulli unterwegs? Von Kopenhagen nach Marokko – na wie klingt das? Ein schönes Bild, also rein in den Bulli und ab mit uns. Das Roadmovie mit dem Namen Der Tod fährt Audi (carl´s books) wartet auf uns.

Dann schmeißen wir mal den Motor an und schauen wie weit uns die Reifen tragen. Wir fahren aber nicht alleine, sondern nehmen Waldemar und Asgar mit. Eigentlich nehmen die beiden uns mit, aber bevor wir starten, noch ein kurzes Vorwort zu den Mitreisenden.

Wie wir uns getroffen haben, wisst ihr, aber wie haben sich Waldemar und Asgar in Kopenhagen kennengelernt? Ganz einfach. Asgar hat sich ein dickes Problem eingebrockt. Um genauer zu sein, er wollte mal schnell seinen Arbeitstag etwas einkürzen und so hat sich der Werbetexter mal schnell aus dem Internet ein paar Bilder gezogen, zusammengebastelt und voilá, die Kampagne für den Kulturfuzzi war fertig.

Blöd nur, dass es sich bei dem Mann auf dem Foto nicht um einen x-beliebigen Mann handelte, sondern um einen italienischen Faschisten. Dumm gelaufen! Somit hatte Asgar zwar Zeit sich um die Tochter seiner Freundin Sara zu kümmern, aber seinen Job konnte er an den Nagel hängen. Es kommt wie es kommen musste, Asgar hängt in seinem Zuhause vor dem Fernseher ab, beginnt Bier zu trinken und irgendwann reicht es Sara und sie setzt ihn vor die Tür.

Der Tod fährt Audi - In Stentofte bleiben? NEIN!
Der Tod fährt Audi – In Stentofte bleiben? NEIN!

Pflegehelfer in Stentofte – dem sozialen Brennpunkt der Stadt? Nein. Oder eher doch. Er nimmt den Job an und verirrt sich in einen Stadtteil, den er nie zuvor betreten hat und wünscht sich gleichzeitig ihn nie betreten zu haben. Doch das erste Aufeinandertreffen mit dem todkranken Waldemar läuft besser als Asgar dachte und von Tag zu Tag wachsen der Mann auf dem Rollstuhl und der Ex-Werbetexter immer mehr zusammen.

Sie verstehen sich blendend und der schwarze Humor quillt aus ihren Mündern. Waldemar schießt schließlich die Idee ins Hirn, nach Marokko zu einem Heiler zu fahren. Asgar sind die Hände gebunden und er kann sich nicht wehren, denn es ist wohl Waldemars letzte Reise…

Das Roadmovie beginnt in der Hälfte des Romans und wir haben es uns längst im VW-Bus gemütlich gemacht. Waldemar und Asgar sind zwei echt lustige Kerle und der Lebensmut spricht auch in schlechten Lebenszeiten aus ihnen.

Autor Kristian Bang Foss lässt seinen Protagonisten Asgar erzählen und vor allem ist er darauf bedacht, dass er uns Leser nicht aus den Augen lässt. Direkte Ansprachen finden sich im Werk wieder, welche uns näher an die eher leere Figur, wie er selbst in einem Interview sagt, binden.

Der Tod fährt Audi - Der Leser darf selbst ans Steuer...
Der Tod fährt Audi – Der Leser darf selbst ans Steuer…

So viel Mühe wir uns auch geben, der eigentliche große Funke springt nicht über. Wir starten den Motor immer wieder neu, aber der Wagen springt nicht an. Falscher Zündschlüssel? Oder vielleicht besser gesagt, er springt nicht wieder an, Schlüsselabbruch.

In der Hälfte des Romans, genau als das eigentliche Roadmovie beginnt, säuft der Motor im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder ab. Für uns ist der angepriesene Spitzentitel Frühjahr 2014 leider kein solcher. Wir mögen den trocknen Humor, wir gehen eine ganze Weile mit den beiden Protagonisten mit und doch schaffen wir es nur mit heraushängender Zunge, als wären wir gelaufen, bis nach Marokko.

Die klare Empfehlung, dass der Roman für alle Fans von „Ziemlich beste Freunde“ und dem „Hundertjährigen“ geeignet ist, können wir nicht bestätigen. „Der Tod fährt Audi“ (carl´s books) kann mit beiden Werken aus unserer Sicht nicht mithalten, diese Messlatte liegt eindeutig zu hoch.

Wir wünschten uns, dass der Autor, der in Dänemark zu den wichtigsten gehört, überzeugt, uns in seinen Roadmovie-Bann zieht und uns eine unvergessliche Lesetour beschert. Rückwirkend glauben wir, dass wir beim Tod im Audi auf der Rückbank saßen und nicht im VW-Bulli.

Der Tod fährt Audi... vielleicht saßen wir gar nicht im VW-Bulli...
Der Tod fährt Audi… vielleicht saßen wir gar nicht im VW-Bulli…

Unsere Tour hätte so abenteuerlich sein können, ohja, so abenteuerlich und die Idee, dass der Tod Audi fährt, ist bei uns echt gut angekommen. Humor und Witz sind ausreichend vertreten denn solche Sätze sind einfach grandios:

„…Stentoftes Netto dagegen ist etwas ganz anderes, ja, dieser Supermarkt ist der Inbegriff der Hoffnungslosigkeit: Die Bratwürste in den Kühltruhen bestehen aus einer grauen Masse aus Angst und Verzweiflung, die Wurst ist Elend in Scheiben, die Kassiererin vollkommene Verkörperung einer Selbstmordkandidatin.“  (Seite 26)

Aber der Reifenschaden an unserem Bulli ist schließlich trotz aller Lachanfälle, origineller Sätze und stellenweiser herausragender Komik einfach nicht abzuwenden. Die Luft war plötzlich raus – Reifen platt.

Wir hätten das nicht wirklich zusammenpassende Duo gern näher kennengelernt, aber scheinbar haben wir das Montagsauto /-buch erwischt.

Passiert uns eigentlich selten…

Der Tod fährt Audi - Kein Montagsbuch
Der Tod fährt Audi – Kein Montagsbuch

Wir empfehlen euch: Lest den Roman an jedem anderen Wochentag, nur nicht an einem Montag 😉

Man kennt uns dafür, dass wir niemals den Anspruch hegen, die allgemeingültige Sichtweise zu einem Buch zu vertreten. Unsere Gefühle müssen sich nicht mit anderen Meinungen decken und es macht viel Spaß, sich mit Büchermenschen auch über diese Unterschiede zu unterhalten. „Der Tod fährt Audi“ ist seit weinigen Tagen als Wanderbuch zu befreundeten Bloggern und Lesern unterwegs.

Der Vorabdruck unserer Buchvorstellung liegt im Kofferraum des Bullis und wir sind sehr gespannt darauf, ob man unsere Meinung teilt, oder ob das Buch pannenfrei gelesen wird…!

Wir werden darüber berichten… Versprochen!

Hier geht es weiter, wenn der Bulli am Ziel ist... Bald...
Hier geht es weiter, wenn der Bulli am Ziel ist… Bald…

0 comments on “[Roadmovie] „Der Tod fährt Audi – Kristian Bang Foss”

  1. So ihr Lieben, bin gerade wieder in Dänemark gelandet und kann euch bei eurer Meinung nur zustimmen. Der Anfang hat mir noch sehr gut gefallen, aber als es dann auf große Fahrt gehen sollte war echt schnell die Luft raus und bei den „aufeinandergestapelten Nougathäusern“ bin ich irgendwie vollends kleben geblieben. Vielleicht war aber auch ein Joint zuviel – die schläfern scheinbar ein 😉
    Also … es war ja recht schnell gelesen und ich habe mich auch nicht sonderlich quälen müssen bis zum Schluss durchzuhalten, aber der Oberknaller war es wirklich nicht. Und überhaupt sollte man immer sehr vorsichtig sein, wenn man Büchervergleiche auf die Heckklappe pappt.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

  2. Soooo das Wanderbuch kam an, wurde ausgepackt, innerhalb kurzer Zeit gelesen und meine Gedanken habe ich auch schon zusammengefasst 🙂 hier nur noch kurz ein paar Worte: Ich muss absolut zustimmen, was den Ablauf der Handlung betrifft… leider verpufft sie, besonders nach dem Aufenthalt bei der Kommune in ein entspanntes Dahinplätschern. Es waren gute Ansätze da, auch der Bezug zur Gegenwart hat mich sehr angesprochen, tiefe Momente und ein toller schwarzer Humor… aber am Ende einfach flach… schade eigentlich… Auch das Motiv des Tods im Audi, der immer gegenwärtiger wird, je schlechter es Waldemar geht… ein guter Ansatz und eine gute Idee. Man hätte dem Buch mehr Zeit in der Entstehung geben sollen, um die Schwachstellen zu erkennen und auszubügeln. Sobald klar wurde, bei wem Asgar arbeiten wird, hatte ich – genau wie ihr – die „Ziemlich besten Freunde“ im Hinterkopf. Da kann Bang Foss leider nicht mithalten. Dennoch war es ein Buch, das ich nicht bereue, gelesen zu haben 🙂 (gesamte Meinung hier:
    https://zimttraeumereien.wordpress.com/2014/03/21/achtung-wanderbuch-der-tod-fahrt-audi-von-kristian-bang-foss/)

    Danke fürs Wanderbuch (es wird nächste Woche zurückwandern und ich hoffe auf weitere tolle Leseaktionen mit Euch) 😀

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