Die Untermieterin ~ Wioletta Greg

Mein Vorhaben, mich mit der Untermieterin anzufreunden, ist gescheitert. Woran es lag, habe ich mich trotzdem gefragt, schließlich haben wir uns immer wieder angenähert. Aber der darauf folgende Abstoß war wohl immer zu heftig. Ich versuche dir und mir hier eine Erklärung zu liefern, mal sehen, ob es klappt. 😉

Hallo, hier Wega

…lese ich zu Beginn des ersten Kapitels. Hallo, hier ist Bianca aus Dresden, ich freue mich, hier im kleinen Hotel Wega, im Jahr 1994, in Tschenstochau angekommen zu sein. Meine Freunde hält sich allerdings in Grenzen, denn das Wega ist ein recht verruchtes, ein recht herunter gekommenes Arbeiterhotel. Was solls, denke ich, schließlich bin ich wegen Wiolka hier. Ich möchte erfahren, was sie hier treibt und wer dieser Herr Kamil ist, den sie gerade im Bus erhoffte, der sich aber als fremder Typ entpuppte.

Ums kurz zu machen – wir bleiben nicht lange im Wega, sondern ziehen ins Haus der Ordensgemeinschaft der Schwestern vom Herzen Jesu. Was gut klingt, hält in Wirklichkeit kaum Besserung bereit, was vorwiegend an der Oberin liegt. Sie ist verwirrt, traumatisiert, recht vergesslich und alt. Sie trinkt gern fragwürdige Kräutertees und sieht in Wiolka ihre Tochter, die im Lager umgekommen ist. Das alles ist weder lustig noch komisch, eher schlimm und leider nur oberflächlich beschrieben. Wiolka treibt wie ein Blatt im Wind – bleibt hier und da liegen, um letztendlich abzuheben und erneut zu landen.

Dann kommt wieder der 10 Jahre ältere Herr Kamil ins Spiel, aber eher als Randfigur. Wiolka – wer bist du denn? Warum hast du nicht mehr über dich erzählt? Die Fragen stelle ich mir immer noch, denn die Seiten über den eigentlichen 20-jährigen Hauptcharakter hatten Tiefe und Potenzial und haben mich gefesselt und neugierig gemacht.

Die Untermieterin ~ Wioletta Greg

Wioletta Greg schreibt so, dass keine der Figuren so richtig greifbar ist. Ich habe im Nachhinein das Gefühl, dass ich genauso viel über die Personen im Buch weiß, wie von meinen Nachbarn aus den Hochhäusern am Ende der Straße. Ich habe den roten Faden gesucht, Träume, Geschichten und Frequenzen von verschiedenen Situationen gefunden. Ein bunter Eintopf, der mich nicht satt gemacht, mir aber eine neue Erfahrung beschert hat.

Buchiger Irrgarten

Ich bin durch „Die Untermieterin“ (C.H. Beck) wie durch einen Irrgarten geirrt, der einige Stationen mit Stempeln bereit hielt. Dort konnte ich kurz ausruhen, mich sammeln, um dann weiter in Richtung Ziel zu gehen. Nach 152 Seiten war ich dann völlig fertig, vorher aufhören ging aber auch nicht. Irrgarten eben und ich erhoffte bis zum Ende, mehr über Wiolkas Leben zu erfahren.

Das versprochene, lustige und wilde Lesevergnügen blieb aus. Poesie gab es, die heiße Liebe dafür überhaupt nicht, es sei denn, damit ist die eine knisternde Szene gemeint.

Schade…

Eure
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