River of Violence ~ Tess Sharpe

Falls du in diesem Jahr nur einen Thriller lesen willst, der dich so richtig berührt, dann greif zu „River of Violence“ (bold) von Tess Sharpe. Das ich eigentlich keine Thriller mehr lese, habe ich während der über 500 Seiten direkt vergessen.

Ich habe den Roman inhaliert, ich habe mich diebisch über den Erzählstil gefreut und die verdammt starke Protagonistin Harley bewundert und angefeuert und auch gefeiert. Auf den ersten Seiten wurde mir allerdings übel…

…denn ich verfolgte gemeinsam mit der achtjährigen Harley, wie ihr Vater einen Mann umbringt. Eine recht gewaltvolle und blutige Szene. Ihre Mama ist zu dem Zeitpunkt bereits seit über drei Wochen tot.

„Leben gegen Leben.“ (Seite 18)

Ihr Vater Duke ist mächtig, ihm gehören nicht nur ein großes Stück Land, sondern auch einige Crystal-Meth-Labore und viele Waffen. Er ist der Chef des McKenna-Clans und Tochter Harley seine Nachfolgerin. Bereits jetzt, als junge Erwachsene, arbeitet sie für ihn als Schuldeneintreiberin. Ihr Herz hängt allerdings am Ruby, dem Motel ihrer toten Mutter, der sicherste Ort für alle Frauen mit Problemen im gesamten North Country.

River of Violence

Harley möchte Freiheit, sie möchte Leben, das Projekt ihrer Mutter fortführen und gern den Hass der in der Luft liegt, aus ihrem Leben verbannen. Doch es ist ihr als Nachfolgerin nicht vergönnt das zu tun, wonach ihr Herz schreit, denn die Konkurrenz im Drogengeschäft schläft nicht. Freiheit oder Familie – Harley muss sich entscheiden und ein harter Kampf beginnt…

„Du musst sein wie Stacheldraht. Hart, egal was passiert, und bereit, jedem wehzutun, der dir zu nahe kommt. Dann bist du so stark, dass dich keiner verletzen kann. Nicht in dir drin. Nicht da, wo es zählt.“ (Seite 192)

River of Violence ~ Tess Sharpe

Keine 2 Tage habe ich gebraucht, um Harley bei ihrer Mission zu begleiten, die nicht viel länger dauert. Ich stand beim Lesen unter Hochspannung und habe versucht so hart wie Harley zu werden, die gelernt hat, keine Angst zu zeigen. Überhaupt hat sie in ihrer Kindheit alles gelernt, um in der gewaltigen Welt ihres Vaters bestehen zu können. Sie beherrscht es, mit den unterschiedlichsten Waffen umzugehen, sie wurde darauf trainiert, in sämtlichen Notlagen zu überleben. Eine Powerfrau vor der die Feinde ihres Vaters Angst haben und zudem cleverer als es ihr je einer zutrauen würde…

„Dass es nichts Stärkeres gibt als eine Frau, die aus der Asche eines Feuers auferstanden ist, das ein Mann gelegt hat.“ (Seite 505)

Wir Leser sind nah bei Harley und erleben nicht nur die Gegenwart, sondern springen immer wieder in ihre Vergangenheit zurück. Ganz beliebig und doch schlüssig. Dieser Kniff intensiviert und beschleunigt den Thriller ungemein. Wahnsinn!

Powerfrau

Und warum eigentlich „River of Violence“ und nicht 1:1 wie das Original „Barbed Wire Heart“? Und warum kein deutscher Titel? Die Antwort vom Verlag: Der Originaltitel „Barbed Wire Heart“ ist leider (so schön wir ihn bildlich finden) schwer aussprechbar, schwer übersetzbar und schwer in einen tauglichen deutschen Titel zu übertragen.  „River of Violence“ spiegelt für uns die Geschichte des Buches auf zweierlei Ebenen gut wieder und schafft ein verständliches, treffendes Bild. Zum einen steht „River of Violence“ symbolisch für Harley und das Leben, in das sie hineingewachsen ist und hineinerzogen wurde, zum anderen spielt aber auch ein Fluss selbst eine Rolle im Buch.

Ich kann nur zustimmen – der Titel passt hervorragend, das Cover auch – der Inhalt ist grandios, die Protagonistin so verdammt weiblich und stark und taff und tapfer und so authentisch. Bei aller Gewalt kommt der Thriller ganz ohne Vergewaltigung aus, was ich super finde und bei all dem Hass ist kaum zu glauben, dass auch Respekt zwischen den Feinden existiert.

Harley ist eine verdammt starke Frau, die den Männern zeigt, was in einer Frau steckt. Harleys Leben ist eine grenzenlose Herausforderung mit schockierenden Momenten und der Roman ein gewaltiges Highlight!

Eure
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2 Comments on River of Violence ~ Tess Sharpe

  1. Du verstehst es, einen neugierig zu machen: Wird sie nun die große Drogen-Baronin, oder das Gegenteil?
    Überlegung: Wie authentisch ist die Beschreibung der Tochter eines Mörders, der Drogen-Baron ist? Also „weiblich und stark und taff und tapfer“ aber ja.
    Oder kennst du eine? 😉
    Liebe Grüße vom Bücherjungen.

    • Ich freue mich immer, wenn ich auf Bücher neugierig machen kann – logisch. Der Roman ist einfach spitze – eines meiner Highlights in diesem Jahr. Harley hat mir so verdammt viel Kraft gegeben – sie ist so grandios und so authentisch.
      Liebe Grüße zu dir

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