Die Leuchtturmwärter ~ Emma Stonex

Es ist vollbracht, ich habe den ersten Roman im neuen Jahr 2022 gelesen. Die Wahl finde ich immer etwas schwierig oder findest du nicht auch, dass das erste Buch immer irgendwie besonders sein sollte? Im letzten Jahr bin ich mit „Hard Land“ von Benedict Wells gestartet und habe einen 100%-Treffer gelandet.

2022 fiel meine Wahl auf „Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex – kurzfristig habe ich den Roman zu Weihnachten bekommen. Tatsächlich habe ich erst KEIN! Buch unter dem Weihnachtsbaum gefunden und gab Heilig Abend diese Tatsache traurig bekannt. Mein Papa sprang daraufhin auf und holte schnell den Roman, den er sich mit meiner Mama zuletzt gekauft hat und schenkte ihn mir. Am nächsten Tag wurde sogar noch eine kleine Widmung hineingeschrieben und schon war klar, welchen Roman ich lese.

Leuchtturmwärter

Ich liebe das Meer und Leuchttürme gehören ebenso dazu. Wenn es die Möglichkeit gibt, einen Leuchtturm zu besichtigen, nehme ich diese natürlich wahr. Viele Inselleuchttürme konnte ich schon erklimmen. Natürlich war meine Neugierde auf den Roman groß, denn bisher habe ich nie über den Beruf des Leuchtturmwärters gelesen, geschweige denn über drei Leuchtturmwärter, die verschwunden sind.

Ihre Frauen haben sie zurückgelassen – gewollt? Was ist passiert? Was bewegte die Männer, deren Beruf es kaum noch gibt und die diesen leidenschaftlich ausüben, den Leuchtturm zu verlassen? Haben sie sich gegenseitig ermordet? Sind sie einfach zu neuen Ufern aufgebrochen? Haben die drei Selbstmord begangen oder sind sie doch noch auf dem Turm? Natürlich habe ich mir diese Fragen gestellt und gespannt über knapp 430 Seiten mitgerätselt und mitgefiebert. Emma Stonex hält die Spannung hoch, vielmehr besticht sie aber mit einer Geschichte, die sich wie ein Krimi liest und doch sehr dunkel und mystisch ist.

Drei Männer – drei Leuchtturmwärter – verschwunden

Es ist der gedeckte Tisch, der unberührt zurückgelassen wurde. Es ist die verschlossene Tür des Leuchtturms, die das große Rätsel aufgibt und es sind die stehen gebliebenen Uhren, die Gänsehaut bescheren. Die Männer vom Leuchtturm vor der Küste Cornwalls sind weg und noch zwei Jahrzehnte später sind Helen, Jenny und Michelle im Unklaren, was in der Silvesternacht wirklich passierte. Ihre Männer sind nie zurückgekehrt und doch sind sich die drei Frauen durch das gemeinsame Schicksal nie näher gekommen, es ist keine Freundschaft entstanden. Doch eine Gemeinsamkeit gibt es – die Frauen erzählen ihre Geschichte.

Die Leuchtturmwärter ~ Emma Stonex

„Die einen hören in einem dunklen, einsamen Haus ein Knarren und schließen die Fenster, weil es der Wind gewesen sein muss. Und die anderen hören in einem dunklen, einsamen Haus ein Knarren, zünden eine Kerze an und gehen nachsehen.“ (Seite 50)

Und natürlich lauschen wir Leser:innen gespannt, denn die Frauen legen Wunden offen, die immer noch bluten. Sie lassen die Liebe an die Luft und geben dem Schmerz Auslauf. Die Gefühle tanzen und wir dürfen beide Seiten betrachten und uns durch das Wellenmeer kämpfen. Emma Stonex lässt uns die Luft des Meeres schnuppern und die Einsamkeit fühlen.

„Ein Wärter lässt sein Feuer nie im Stich.“ (Seite 56)

Ich mag es sehr, wenn sich die Medaille immer wieder dreht. Und Emma Stonex lässt sie drehen, indem sie uns Einblick in das Leben der Frauen gibt, uns dann auf den Leuchtturm zurückkehren lässt, um uns dann zu zeigen, wie das Leben der drei Paare stattfand. So bleibt die Spannung bestehen und Stonex belässt es dabei nicht, denn sie gibt uns Briefe zu lesen und lässt uns ganze Tage auf dem Turm erleben.

Mystisch-mysteriös

Und dann bleibe ich doch mit einem kleinen Knoten im Kopf zurück, den ich mir da selbst hingesetzt habe. Warum? Ich habe mir noch eine Wendung am Ende ausgemalt, die es allerdings nicht gab. Das ist mir auch noch nie passiert und ich schiebe es einfach auf Schlafmangel und Lesegier.

Wer zu Emma Stonex Roman greift, kann sich auf eine mystisch-mysteriöse, geheimnisvolle, dunkle und spannende Lesezeit freuen. Die Wellen schäumen hoch – Liebe, Eifersucht, Betrug, viel Einsamkeit und jede Menge frische Meeresluft sind garantiert und die Gänsehaut stellt sich immer wieder ein, denn es gibt tatsächlich verschwundene Leuchtturmwärter, nämlich die von den Flannan Isles welche die Autorin inspirierten.

Für mich ein völlig neues Thema und doch kann ich mir nicht ganz erklären, warum das Romanleuchtfeuer eher kurz entfacht ist und nicht dauerhaft brennt.

literatwo_banner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.