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Schlagwort: Selja Ahava

[Insel] „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ ~ Selja Ahava

Literatwo: Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm ~ Selja Ahava
Literatwo: Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm ~ Selja Ahava

„Wenn die Menschen allmählich ihre Gesichter verloren, die Tage ihre Bezeichnungen und die Räume ihre Möbel, wenn vier Stunden einfach so verschwanden, nahm Anna ihr Notizbuch zur Hand und konzentrierte sich auf die Tatsachen.“ (Seite 33)

Langsam ließ ich mich in diesen Roman gleiten, ganz langsam, ganz behutsam. Ich wollte mich zwischen die Seiten legen, so wie auf dem Cover die Blätter aufs Wasser. So leise wie möglich wollte ich sein, Anna, die Protagoinistin, nicht aufrütteln oder aus ihrer Lebensbahn werfen.

Nein – zuhören wollte ich, ihren Gedankenbahnen folgen, zwischen ihren Worten tauchen und die bildlichen Erzählungen auf mich wirken lassen.

Anna – sie wird alt, sie ist alt, ihre Erinnerungen wollen entgleiten, die Gedanken stehlen sich immer wieder davon, ihr Gedächtnis ist nicht mehr so, wie es einmal war. Wortlisten sollen Anna helfen, um wichtige Lebensmomenten nicht zu vergessen, um ihr Gehirn zu trainieren, um ihr Leben trotzdem bunt zu halten.

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[„finnisch lesen – lue suomi“] Selja Ahava & Johan Bargum

Der Tag an dem ein Wal durch London schwamm - Selja Ahava
Der Tag an dem ein Wal durch London schwamm – Selja Ahava

„Wäre es möglich, Augenblicke einzufrieren, würde ich diesen in eine Plastikdose legen. Dann könnte man den Winter über davon zehren.“ Als es Anna immer weniger gelingt, ihre Erinnerungen festzuhalten, und ihr Gedächtnis langsam unzuverlässiger wird, klammert sie sich an Wortlisten („Stein, Birke, Gras, Stuhl“) und erfindet Wörter für Dinge, die keinen Namen haben. Im Lauf der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr mit ihrer Vorstellungskraft.

Als alte Frau blickt Anna zurück auf ihr Leben, so, wie sie sich daran erinnert, an schöne wie an schwere Momente, an die Zeit in Finnland wie auch den Neuanfang mit Thomas in England. Vor allem erinnert sie sich an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte – und natürlich an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm.

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