Drei Bücher ~ drei Autorinnen

Die drei Bücher auf dem Bild möchte ich dir schon seit 2019 vorstellen, da habe ich sie nämlich gelesen. Nun habe ich mich entschlossen, gleich alle drei auf einmal vorzustellen, da alle drei von Autorinnen stammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Überhaupt sind alle drei Bücher auf ihre Art bewegend, gehören unterschiedlichen Genres an und jede Autorin hat eine andere Herkunft.

Das passt sehr gut und ich denke, eines der drei Bücher solltest du auf jeden Fall kennen!

Drei Bücher ~ drei Autorinnen – „Gnade“ von Toni Morrison

Gnade ~ Toni Morrison

Obwohl der von Thomas Piltz übersetzte Roman vom Umfang her recht schmal gehalten ist, hat er es in sich. Ich bin nicht sofort mit den Worten warm geworden und muss gestehen, dass ich mich ein wenig durch die knapp über 200 Seiten gequält habe. Quälen passt nicht ganz, da ich den Roman schnell gelesen habe. Ich habe mich mit der Sprache, der Struktur und den Schicksalen schwergetan. Definitiv keine einfache Kost!

Toni Morrison ist am 5. August 2019 gestorben, im November 2019 habe ich ihr Buch gelesen. Ein merkwürdiges Lesegefühl. Auf den Roman selbst bin ich durch den Lesekreis auf Instagram von Maria Christina Piwowarski aufmerksam geworden, sonst hätte ich die afroamerikanisch Autorin und Literaturnobelpreisträgerin (1993) wohl nie entdeckt.

Milton, Delaware, 1682: Gegen seine Überzeugung nimmt der Pflanzer Vaark aus Mitleid ein junges Sklavenmädchen in Zahlung. Doch bald stirbt er, und das Mädchen bleibt mit drei anderen Frauen, die das Schicksal dort zusammengeweht hat, allein auf seiner Farm zurück. Zusammen kämpfen sie gegen die Wildnis – die der harschen Natur um sie herum und die in ihnen selbst …
Eine ergreifende Geschichte über Freiheit, Unabhängigkeit und die geschichtlichen Ursprünge des Rassismus. (Inhaltsangabe © rowohlt Verlag)

Leidensbuch

Ich habe „Gnade“ wie auf einem Schiff bei Sturm gelesen. Ich bin ständig tief in die Wortwellen getaucht, habe intensiv gelitten, mitgefiebert und gehofft. Habe die Hand der Herrin gehalten, Lina bei der Arbeit geholfen, mich über die Vereinigung von Florens und dem Schmied gefreut und Sorrow bei den Gesprächen mit ihrem Zwilling zugehört. Ab und an bin ich aufgetaucht, habe orientierungslos auf der Oberfläche gesucht und die Tiefe schnell wieder gefunden. Ich war verwirrt, habe nicht immer alles verstanden und vielleicht nicht verstehen wollen und können.

Nicht nur die genannten Frauen haben Spuren in mir hinterlassen. Ich habe die zwei Jungs der Farm sehr gemocht und Jacob geschätzt. Schwere Kost, nicht immer einfach zu lesen und doch voller Sätze die Pausen forderten.

Kein Lieblingsbuch, aber ein Leidensbuch, was mir viel gegeben hat. Nie die Hoffnung verlieren 💚

Die Herrschaft über andere zu erhalten ist eine schwere Bürde; die Herrschaft über andere an sich zu reißen ist ein schwerer Fehler; die Herrschaft über sich selbst anderen zu überlassen ist eine schwere Sünde.“ (Seite 218)

Drei Bücher ~ drei Autorinnen – „Das Mädchen im blauen Mantel“ von Monica Hesse

Das Mädchen im blauen Mantel ~ Monica Hesse

Amsterdam ist von den Nazis besetzt. Hanneke verbringt ihre Tage damit, Schwarzmarktgüter zu beschaffen, ihre Abende damit, ihren besorgten Eltern genau das zu verheimlichen, und jede wache Minute damit, um ihren Freund zu trauern, der an der Front gefallen ist. Ihre illegalen Geschäfte betrachtet sie als kleinen Akt der Rebellion. Aber eines Tages erhält sie einen sehr ungewöhnlichen Auftrag. Eine ihrer Kundinnen bittet sie, ein Mädchen zu finden. Ein jüdisches Mädchen, das aus dem Geheimversteck in ihrem Haus verschwunden ist.

Auf der Suche nach diesem Mädchen gerät Hanneke in ein Netz aus Lügen, Rätseln und Geheimnissen. (Inhaltsangabe © cbj random house)

Gegen das Vergessen

Ich muss gestehen, dass ich lange kein Buch mehr gegen das Vergessen gelesen habe. Ein großer Fehler, denn die damalige Zeit gehört immer und immer wieder in Erinnerung gerufen und das Jugendbuch habe ich an einem Tag gelesen, so sehr hat es mich mitgerissen. Mit fast 400 Seiten kein schmales Buch, aber das Schriftbild ist recht groß.

Die Geschichte um Hanneke ist wahnsinnig ergreifend und spannend zugleich. Oft hat mich die Gänsehaut überrollt. Schon allein zu wissen, dass der Roman in Amsterdam spielt, hat in meinem Kopf Bilder hervorgeholt und mich ganz klar auch an Anne Frank denken lassen. Das Mädchen im blauen Mantel ist nicht nur eine Geschichte. Amerikanerin Monica Hesse hat so wundervolle Charaktere entworfen, dass man emotional tief in die Handlung einsteigt. Oft habe ich mich gefragt, ob die heranwachsende Generation noch heute so mutig, stark und waghalsig ist. Ich bewundere Hanneke sehr.

Judenverfolgung

Zudem sind im von Cornelia Stoll übersetztem Buch die historischen Aspekte natürlich vorhanden und geschickt eingewebt. Der Roman ist zurecht für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominiert wurden. Für mich ganz klare Pflichtlektüre.

„Ich erinnere mich daran, dass in diese Krieg nichts ist, wie es scheint, und dass ich zu viel Zeit damit vergeudet habe, nicht zu sehen, was ich direkt vor Augen habe.“ (Seite 354)

Anmerkung der Autorin:

Da aber Menschen immer wieder fragen, wie ein so ungeheures und grausames Ereignis wie der Holocoust geschehen konnte, wollte ich eine Geschichte über den kleinen, alltäglichen Verrat inmitten eines großen Krieges erzählen. Ich wollte den Sekundenbruchteil darstellen, in dem wir Entscheidungen von moralischer Aufrichtigkeit oder von Feigheit treffen und zu Helden oder Verbrechern werden. (Seite 377)

Drei Bücher ~ drei Autorinnen – „Wie du mich siehst“ von Tahereh Mafi

Wie du mich siehst ~ Tahereh Mafi

Zum Weinen, zum Verlieben, zum Wütendwerden

Bestsellerautorin Tahereh Mafi erzählt einen bewegenden, kraftvollen, autobiographisch geprägten Roman, der Vorurteile enthüllt und uns daran teilhaben lässt, wie Liebe alles Trennende überwindet.

Eine Kleinstadt in den USA: Shirins Alltag ist zum Albtraum geworden. Sie hat genug von den unverschämten Blicken, den erniedrigenden Kommentaren und den physischen Attacken, die sie ertragen muss, weil sie Muslima ist. Sie flüchtet sich ins Musikhören und in das Breakdance-Training mit ihrem Bruder und dessen Freunden. Shirin hat beschlossen, niemandem mehr zu trauen. Bis sie an ihrer neuen High School den Jungen Ocean trifft. Er ist der erste Mensch seit langem, der Shirin wirklich kennenlernen möchte. Erschrocken weist Shirin ihn harsch zurück. Ocean ist für sie aus einer Welt, aus der ihr bisher nur Hass und Ablehnung entgegenschlugen. Aber dann kommt alles anders … (Inhaltsangabe © FISCHER Sauerländer)

Dieses Buch hat mir wirklich viel Freude bereitet. Ich habe richtig dolles Bauchkribbeln beim Lesen bekommen.

Tahereh Mafi ist 1988 geboren und somit die jüngste von den vorgestellten Autorinnen. Sie ist iransichere Abstammung und ebenfalls in den USA geboren. Ihre Schreibe ist so liebevoll herzerfrischend, Katarina Ganslandt hat die 349 Seiten grandios übersetzt. Ich hatte großen Spaß beim Lesen, denn Shirin ist so ein wundervoller Charakter – sie ist nicht nur schüchtern, leicht naiv, sondern besonders rebellisch und einfach so normal.

Liebesgeschichte ohne Kitsch

Ein wirklich grandioses und vor allem thematisch wichtiges Jugendbuch – eine zaghafte Liebesgeschichte die zum Nachdenken anregt und wirklich völlig ohne Kitsch auskommt. Dringend lesen!

Drei Bücher ~ drei Autorinnen

Drei Autorinnen

Das hat wirklich Spaß gemacht, die drei so völlig unterschiedlichen Romane vorzustellen. Drei Autorinnen, alle haben eine völlig andere Abstammung, sind aber in den USA geboren. Sie schreiben über ganz verschiedene Zeiten – 1682; 1944 und heute. Sie vermitteln wichtige Hintergründe und sind emotional bewegend.

Konntest du einen Roman für dich entdecken? Lass mich gern wissen welchen und warum! Viel Freude beim Lesen.

Eure
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