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Realitätsgewitter

Realitätsgewitter ~ Julia Zange

Abgedrehter konnte das Realitätsgewitter zu Silvester wohl nicht sein. Okay, so krass wie Protagonistin Marla bin ich nicht, denn mein Vorsatz lautet nicht, meine Eltern ignorieren, aber ich lese gern krass und es ist immer wieder abgefahren, wenn sich der Zeitraum im Buch mit dem Zeitraum der Realität gleicht. Zumindest geht es mir so und aus diesem Grund habe ich die 152 Seiten wohl auch recht schnell inhaliert. Angestachelt hat mich zudem eine Leserin, die den Roman zu ihrem Flop 2016 zählt.

Nun hat sich das Realitätsgewitter ein wenig gelegt und ich habe Marla in Berlin zurück gelassen. Wie es ihr geht? Keine Ahnung, denn das erfahren wir Leser am Ende nicht wirklich. Ich hoffe aber, dass es ihr gut geht und sie endlich einen Stamm gefunden hat, an den sie sich lehnen kann.

Einsamkeit in Gesellschaft

Marla ist einsam und merkt es nicht. Sie treibt durch Menschenmassen, ist immer umgeben von vielen Leuten, sie ist online, sie treibt sich auf angesagten und weniger angesagten Partys herum und versucht aufzufallen, mitzumischen, sich einzubringen. Was bleibt ist die allumfassende Einsamkeit, die regelrecht aus den Buchseiten herausgeströmt kommt. Marla hat sich selbst noch nicht gefunden. Eher sucht sie andere, die ihren Tag beleben, egal wie. Ob mit tanzen, oberflächlichen Gesprächen, Sex oder gar der ein oder anderen Droge. Wobei sie bei letzterem standhaft bleibt, denn zuviel Elend treibt schon um sie herum auf dem See der Gesellschaft.

Marla will einfach nur geliebt werden. Und sie braucht Geld, denn im Geld ausgeben ist sie wirklich gut. Ihr unorganisiertes Chaos-Leben will finanziert sein und bisher hat sich das Portemonnaie des Elternhauses immer geöffnet. Wenn es nicht mehr auf geht, muss ein Job her. Der findet sich bei einem Modemagazin. Wer sich allerdings nicht findet, ist Marla.

Realitätsgewitter ~ Julia Zange

Letztendlich trifft Marla doch auf ihre Eltern und die Situation eskaliert und Marla flüchtet auf Sylt. Von der Mutter als Prostituierte bezeichnet zu werden, bringt das eigene Lebensseil ganz schön ins Schwingen.

Schwarz und gelb

Schwarz und gelb, wie die Augen einer Katze, ist das Realitätsgewitter. Marla will nur Liebe und gekuschelt werden, wie eine Katze. Sie sucht Geborgenheit und Wärme, sicheren Schutz vor der lauten Welt. Die Traurigkeit umspannt sie und Julia Zange stellt uns eine Protagonistin an die Seite, die immer mehr bricht und bricht und letztendlich ganz unten liegt. Und die Welt? Unsere Welt? Die tobt ohne kurz innezuhalten weiter und weiter und ist dabei brandaktuell. Großstadt, Anschläge, Merkel, Emoji Lindt Schokolade, Brexit und unsere Sprache die immer mehr gemischt wird. Wir beginnen den Satz in Deutsch und beenden ihn mit Englisch und dabei vergessen wir ab und an die Tiefe.

Realitätsgewitter hat mir gezeigt, was ich im letzten Jahr wieder und wieder erkennen durfte. Sei kein sozialer Schmetterling, sondern lebe vor allem für dich und die Menschen, die zu schätzen wissen, dass es dich gibt. Sonst wir die Welt zu groß.

Realitätsgewitter ~ Julia Zange

Flop oder Top – weder noch, kann ich sagen. Anfangs suchte ich Provokation im Buch, doch ich fand Marla. Dennoch kenne ich Marla nicht wirklich, ihre Mitmenschen allerdings überhaupt nicht. Der Roman ist wie Marlas Leben. Wild, schnell, einsam, aber auch zäh und nie wirklich richtig tief, denn dafür fehlt einfach die Ruhe, die sich eine Katze längst genommen hätte.

Wer das Realitätsgewitter erlesen hat, wird ein wenig anders denken. Die Welt von der anderen Seite beleuchten, sich selbst neue Fragen stellen und sogar lernen, den Regen- oder Sonnenschirm im richtigen Moment zu öffnen. Also schalt einfach mal das Handy mit allen sozialen Verlockungen aus und begebe dich ins Leben.

Hin und wieder musste ich beim Lesen an Ronja von Rönne mit ihrem Buch Wir kommen denken. Außerdem liebe ich das Wort Realitätsgewitter!

Eure
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Briefe vom Weihnachtsmann

Briefe vom Weihnachtsmann

Vor zwei Jahren war dieses Buch schon aktuell und ich glaube, dass es in zwei Jahren immer noch aktuell sein wird. J. R. R. Tolkien wird zum Klassiker und verankert sich fest neben Charles Dickens im Regal.

Die Briefe vom Weihnachtsmann sind in einer Prachtausgabe erschienen und nun steht auf der Verlagsseite „leider vergriffen“. Ohje…das ist mehr als schade. Aber aufgepasst – denn die Briefe sind nicht ganz vergriffen, sie haben sich lediglich ein neues Gewand zugelegt.

Wer sich die damalige Prachtausgabe gesichert hat, hat definitiv in ein Buch investiert, was strahlt und glitzert und vom Format her besonders ist. Hardcover, illustriert, gut in der Hand liegend – hier bleibt das Schwärmen nicht aus. Aber auch das neue Gewand kann sich sehen lassen, denn auch wenn der äußere Glanz fehlt, ist der Tolkien-Zauber innen dennoch zu spüren.

Briefe vom Weihnachtsmann

Nordpol – Heiligabend 1923

Mein lieber John,

heute ist es sehr kalt, und meine Hand zittert stark – immerhin werde ich am Weihnachtstag tausendneunhundertundvierundzwanzig                                  (nein! siebenundzwanzig!) Jahre alt – ein ganzes Stück älter als dein Großvater. Kein Wunder kann ich die Schreibfeder nicht ruhig halten! Aber mir ist zu Ohren gekommen, dass Du inzwischen richtig gut lesen kannst, also wird es Dir nicht schwerfallen, meinen Brief zu entziffern. […]

Jetzt muss ich los, es ist eine wunderschöne, herrliche Nacht, und bis zum Morgen muss ich noch viele Hundert Meilen zurücklegen – so viel gibt es zu tun.

Ein kalter Kuss von

Deinem Nikolaus Weihnachtsmann

(S. 11)

Ein erster kleiner Blick und eine Lesegeschmacksprobe für euch.

Die Weihnachtszeit war für Familie Tolkien immer eine besondere Zeit, es gab nicht nur Geschenke, sondern auch jedes Jahr einen oder mehrere Briefe vom Weihnachtsmann. Diese wurden manchmal in schneebestäubten Umschlägen und manchmal vom Postboten selbst überbracht.

Briefe vom Weihnachtsmann

J.R.R. Tolkien zu Weihnachten

In zittriger Schrift berichtet der Weihnachtsmann von seinem Leben am Nordpol. Wir erfahren von dem faulen und nervenden Polarbären, von einem Koboldangriff und überhaupt dem üblichen Stress in der Vorweihnachtszeit. Manchmal, wenn er gerade zu beschäftigt war, sind seine Briefe auch von dem Elbchen Ilbereth, seinem Sekretär, zu Ende geschrieben worden. Und selbstverständlich meldet sich auch der Polarbär selbst zu Wort, kommentiert entweder die Briefe des Weihnachtsmannes oder schreibt den Kindern in Koboldschrift selbst einen Brief.

Wer Tolkien einmal von einer ganz anderen Seite, weitab von Hobbits, Smaug und Ringen, kennenlernen möchte, sollte zu diesem Büchlein greifen. Es enthält über einen Zeitraum von 20 Jahren alle Briefe vom Weihnachtsmann, die Tolkien seinen Kindern jedes Jahr geschickt hat. Letztendlich sind nicht nur die Abenteuer des Weihnachtsmannes allein ein literarischer Schatz, sondern ebenso die Bilder der Originalbriefe. Gerade diese verdeutlichen Tolkiens zweites Talent, das Illustrieren und Zeichnen. Jeder Brief wurde eigens mit Bildern oder verschnörkelter Schrift versehen und lässt so das geheimnisvolle Leben des Weihnachtsmannes nur noch lebendiger werden. Zusammenfassend lässt sich also sagen: ein MUSS unter jedem Weihnachtsbaum.

Schreibt mir an literatwo@aol.de und hier im Kommentar, warum ihr die Briefe haben müsst und welchen Stellenwert J.R.R. Tolkien in eurem literarischen Leben hat und schon seid ihr im Lostopf.

Update: 20.12.2016 Katja du hast gewonnen. Die Briefe kommen zu dir – Glückwunsch! Danke für euch fürs Mitmachen!

Eure
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Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Am Arsch vorbei geht auch ein Weg
Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Am Arsch vorbei, aber trotzdem kein Arschloch

Als ich den Titel des Buches sah, musste ich innehalten und schmunzeln. Tage später erzählte ich im Job von dem Titel, da das Thema gerade gut passte und schon informierte uns eine Kollegin über den groben Inhalt und letztendlich musste ich es lesen. 😉

Wir denken wohl alle, dass wir locker sind, aber wir sind es nicht. Alexandra Reinwarth dachte, dass sie auch locker ist, doch dann war das Fass voll und sie sagte zu ihrer Freundin kurzerhand die Worte: „Fick dich“. Dabei ist sie überhaupt nicht der Fick-dich-Typ. Die zwei Worte waren der Start in ein neues Leben, in ein befreites Leben und die Autorin zeigt uns auf knappen 190 Seiten wie einfach es ist, sich Dinge und Leute am Arsch vorbei gehen zu lassen. Und ganz wichtig: dabei aber selbst nicht zum Arschloch zu werden.

Schon die Einleitung lässt mich grinsen und nach keinen 10 Seiten fühlen sich meine Mundwinkel wie festgetackert an. Reinwarth schreibt so locker und leicht und mit so vielen humorigen Spitzen, dass ich nicht mehr mit dem Grinsen aufhören kann. Ihre Vergleiche sind so herrlich:

„Und warum bin ich eigentlich immer noch in dieser beknackten WhatsApp-Gruppe, die dafür sorgt, dass mein Handy mitten in der Nacht vibriert wie anderer Leute Sexspielzeug?“ (Seite 11)

Wie sieht es bei dir aus? Bist du immer noch in Gruppen in denen du nur liest, dich vielleicht aufregst und doch nichts schreibst? Austreten und am Arsch vorbei. Und warst du heute wieder bei einem Treffen zu dem du eigentlich nicht wolltest? Dann sag das nächste ab und faulenze lieber auf dem Sofa, wenn es dir damit besser geht. Absagen und am Arsch vorbei.

Am Arsch vorbei geht auch ein Weg
Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Weltverbesserer?

Du willst was an dir verbessern? Du hättest gern eine Bikinifigur? Willst allgemein besser aussehen und überhaupt ganz viele Dinge ändern? Einsicht hilft – einiges kann nicht geändert werden, die Welt wird immer dunkle Flecken haben und das Leben ist nun mal ab und an ein Arschloch. Dagegen kann keiner was tun. Akzeptanz ist das Zauberwort, welches den Druck rausnimmt und dafür sorgen kann, dass wir uns auf das konzentrieren, was wir können und nicht anders.

„Statt sich permanent schlecht zu fühlen, weil sich das eigene Leben nicht mit Glück und Liebe füllen lässt, wäre ein realistisches ZIel, stolz darauf zu sein, wie man das Leben trotzdem hinbekommt.“ (Seite 46)

Ob man zum Fisch roten oder weißen Wein trinkt ist doch egal, wenn es schmeckt. Oder? Und wieso werfen wir manche Dinge weg oder denken stundenlang über Medienspektakel nach die wir nicht beeinflussen können? Dinge abschaffen, Dinge am Arsch vorbei lassen – die Autorin sagt wie, nennt Beispiele aus ihrem Leben und gibt uns Platz, die eigenen überflüssigen Dinge zu notieren.

Bleib locker

Wenn die groben Dinge so relativ im Griff sind, geht es um Freunde, Bekannte und Unbekannte. Gibt es wirklich Unbekannte die dich stressen? Wenn ja, dann sollte das schnell geändert werden. Auch im zweiten Kapitel zeigt uns die Autorin, was wir einfach nicht an uns heranlassen sollten und was wichtig ist, um locker zu bleiben.

Ohne es zu merken, steckte ich tief im Buch. Alexandra Reinwarths Worte gehen runter wie Öl und das eigentliche Sachbuch liest sich wie ein Roman. Durch die Möglichkeit sich in Minitests zu prüfen, kurze Fragen in Diagrammen zu beantworten und sich ab und an selbst zu überdenken, fliegen die Seiten nur so dahin. Reinwarths erhebt keinesfalls den mahnenden Finger, sondern führt uns Unterbewusst an bestimmte Lebensstellen, indem sie viel von sich selbst erzählt und dennoch unser Gedankenkarussell antreibt.

Kapitel 3 dreht sich um die Familie, Kapitel 4 um den Beruf, Kapitel 5 um Eltern und Kinder und letztendlich geht es im 6. Kapitel um die Liebe. Herrlich – einfach herrlich und doch so lehrreich.

Uns soll ja nicht gleich das ganze Leben am Arsch vorbei gehen, aber wenigstens ein Teil davon und zwar der Teil der uns stresst und unzufrieden macht. Wir leben alle nur einmal und wollen uns dabei nicht krank leben.

Ihr könnt heute drei Exemplare vom Buch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ gewinnen. Verratet mir im Kommentar, welche Lebenssituationen euch demnächst einfach am Arsch vorbei gehen sollten und schickt mir parallel eine Mail an literatwo@aol.de.

Das ultimative Am-Arsch-vorbei-Lebensgefühl kann auch zur Schau getragen werden, denn es gibt ganz passend zum Buch ein T-Shirt. 😉

Update: 18.12.2016 – Herzlichen Glückwunsch an die drei Gewinnerinnen Stefanie, Amelie und Stundenblume. Möge euch bald allerhand am Arsch vorbei gehen… 😉

Eure
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Altes Land – Gummistiefelwelt

Altes Land ~ Dörte Hansen
Altes Land ~ Dörte Hansen

Ich habe es nun endlich gelesen. Das war auch schon lange überfällig, denn von diesem Roman schwärmten mir schon gefühlt hunderte Leute vor. Lies es, du wirst es lieben. Altes Land? Was für ein wundervoller Roman.

Warum ich nicht eher zu diesem Buch griff – keine Ahnung. Lesewege sind nicht immer zu erklären. Und nun reihe ich mich bei den Leuten ein, die mich immer entsetzt angesehen haben, wenn ich sagte, dass ich Dörte Hansens Buch nicht kenne. Ihr müsst es lesen und zwar bald. Zieht euch Gummistiefel an, denn es geht raus aus der Stadt und rein ins Dorf, rein in die Gummistiefelwelt.

Hildegard und Vera – Mutter und Tochter – Flüchtlinge aus Ostpreußen, 1945.

Anne und Leon – Mutter und Sohn – Flüchtlinge aus Hamburg, heute.

Alle vier suchen ein neues Leben und stranden in dem alten Haus auf dem alten Land. Ida Eckhoff, Besitzerin von Hof und Haus, hält das Leben mit Hildegard nicht mehr aus. Sie nimmt sich kurzerhand das Leben und lässt ihren Sohn mit den zwei Frauen zurück. Hildegard geht es ohne Ida besser, aber nicht gut genug. Sie flüchtet weiter in die Stadt und lässt ihre Tochter zurück. Vera bleibt an Karls Seite und erbt letztendlich den großen Hof und das alte Haus. Vera wird zur Einzelgängerin. Sie hat das Haus nie geliebt. Vera fürchtet sich darin, lässt es verwildern und sitzt ihre Zeit darin ab. Sie widmet sich den Pferden, der Jagd und Heinrich Lührs, ihrem Nachbarn, denn ganz ohne sozialen Kontakt lässt es sich auch nicht leben. Das Leben ist kalt, düstere Träume von der damaligen Flucht plagen sie und Liebe und Wärme sind die zwei großen Unbekannten.

Altes Land ~ Dörte Hansen
Altes Land ~ Dörte Hansen

Auf dem Land sollte man nicht immer nur hinschauen, sondern wegschauen.

„Kiek man nicht hen.“ (Seite 208)

Neue Stadt – Altes Land

Anne dachte, dass sie fest im Leben steht. Ihre berufliche Laufbahn kann zwar nicht als solche bezeichnet werden, denn sie hat zwar Tischlerin gelernt, arbeitet aber als nicht wirklich talentierte Musiklehrerin. Sie hat einen Sohn mit Autor Christoph und wohnt in Hamburg zwischen Ökomüttern.

„Sie waren zwei Leute mit einem Kind, lose verhäkelt, drei Luftmaschen.“ (Seite 70)

Christoph zieht scheinbar seit einiger Zeit seine Lektorin vor, welche relativ schnell Leon zum Halbbruder macht. Marlene war Anne nie eine richtige Mutter, das Verhältnis zu Bruder Thomas ist kein richtiges Verhältnis. Tante Vera scheint der einzige Ankerpunkt zu sein. Hamburg-Ottensen im Rücken – das alte Land vor der Brust.

Viel mehr möchte ich vom Inhalt nicht erzählen. Der Roman lebt von den Charakteren, die so verschieden sind, dass sie sich ähneln. Die Robustheit vom Dorf, trifft auf die Zärtlichkeit der Stadt. Verletzlichkeit, Verzweiflung und Verdrängung fühlen sich fast überall gleich an. Dörte Hansens Protagonisten leben sich aus und schleichen sich ins Leserherz, egal wie eigenartig sie sind. Sie wollen kein Mitleid, sie wollen keinen Platz für seitenlange Gefühlsduselei, sie wollen erlesen und erlebt werden und ab und an Plattdeutsch sprechen. Gerade Vera ist eine Person, über die man stundenlang reden könnte, sie lässt sich in kein Muster drängen, so unvorhersehbar außergewöhnlich ist sie. Der Roman lebt von der bildlichen Sprache, dem Sarkasmus und der Ironie. Der trockene Humor ist bei diesem Inhalt Pflicht und Dörte Hansen kann ganz wunderbar mit ihm umgehen.

Altes Land ~ Dörte Hansen
Altes Land ~ Dörte Hansen

Gummistiefelwelt

Beim Lesen stehen wir in Gummistiefeln neben dem alten Haus, riechen die Landluft und wollen nicht mehr in die Stadt zurück. Ankommen – so heißt das Zauberwort, von dem Anne und Vera nur träumen können. Ein gemeinsames Projekt könnte das Ziel einer langen innerlichen Reise sein. Einer Reise bei der immer wieder hoffnungslos versucht wurde, die richtigen Wurzeln zu finden, das jeweilige Mutterherz zu erobern. Die Quittung war die Fremde, die Ruhelosigkeit und die Enttäuschung.

Auch außerhalb der großen Stadt ist die Welt nicht heile. Aber sie blüht mit jedem Jahr neu auf, auch wenn das Dorf nicht jeden Gast mit offenen Armen begrüßt. Doch dafür gibt es Bauern, wie Dirk zum Felde. Er findet den richtigen Umgang mit Stadtmenschen, die sich gern als leidenschaftliche Landwirtschaftsmenschen ausgeben und das Land in die Stadt tragen wollen.

„Altes Land“ ist ein ruhiges Buch, welches am Kaminfeuer gelesen werden möchte. Es darf ruhig regnen, der Wind ums Dach fegen und die bunten Herbstblätter dürfen gern vorm Fenster tanzen. Bei einer Tasse Tee lässt sich dieses durch und durch lyrisch literarische Werk außerordentlich gut genießen. Nach der letzten Seite wirkt das Gelesene intensiv nach und lässt uns nicht sofort in das schnelle Stadtleben zurück kehren. Einige Leser bringt Dörte Hansen vielleicht sogar dazu, ihre High-Heel-Gedanken in Gummistiefel-Realitäten zu wandeln.

Eure
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Porno – keine Literatur

Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

Ja, der Titel von dieser Rezension soll provozieren. Wenn nicht euch, dann eben mich selbst, denn ich frage mich immer noch, ob es hier mehr um Porno, als um Literatur geht oder ob dieser Roman einfach pornografische Literatur oder literarische Pornografie ist.

Der Roman von Gustaaf Peek (DVA) schlägt in den Niederlanden hohe Begeisterungswellen. Ich bin mir nicht sicher, ob diese auch hier nach Deutschland schwappen können. Bei mir hat der Roman Wellen erzeugt, aber keine mit Begeisterung. Schon der Einstieg war holprig und ich kam erst nach knappen 40 Seiten richtig in Fahrt. Immer mehr konnte ich mich mit dem Aufbau des Romans anfreunden. Die Schreibe Peeks hat mir keine Probleme bereitet, auch nicht, dass er die wörtliche Rede nicht kennzeichnet. Wohl aber, dass der Roman am Ende beginnt und am Anfang aufhört. Es ist nicht so, dass ich damit nicht zu Recht komme, der Einfachheit halber hätte ich auch einfach mit Seite 332 – Kapitel 0 – beginnen können. Nein – das war es eigentlich auch nicht. Mir fehlte es an Inhalt in den regelrecht kurzgeschichtenartigen Kapiteln.

Der Sex lockte mich allerdings immer tiefer und tiefer ins Geschehen. Tessa und Marius. Marius und Tessa. Sex von oben nach unten. Von rechts nach links. Von schräg über quer. Mal schnell und mal langsam. Zart und wild, heftig derb und liebevoll zärtlich. Es wird keine Lebenslage ausgelassen, nicht nur das Bett wird im Hotelzimmer getestet und auch außerhalb ist alles möglich. Beide wollen mehr, wollen alles, wollen sich durch und durch und immer wieder neu und in allen möglichen Facetten.

Pornografische Literatur? Literarisches Porno?

Okay – der Sex ist gut, der Sex ist aufregend schön und ja, wer mag keinen Sex. So – und sonst? Irgendwann kommt doch der Punkt, an dem ich mich nach Inhalt gesehnt habe. Wie Tessa und Marius aussehen, egal in welcher Stellung, habe ich voll und ganz verinnerlicht. Ob Eichel, ob Vulva, ob Anus, ob Nippel oder Lippen – ich bin umfassend über sämtliche Körperteile informiert und kann mir nach letztendlich ähnlichen Beschreibungen vorstellen, wie diese spritzen, feucht werden und schmecken können. Tessa und Marius treffen sich oft, die Szenen wiederholen sich, aber wer sind denn eigentlich Tessa und Marius?

Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

In „Göttin und Held“ stelle ich fest, dass Sex tatsächlich langweilig werden kann. Dies ist aber nur möglich, weil wir als Leser nicht selbst beteiligt sind, sondern ständig und intensiv zu lesen müssen und mehr wollen. In dem Fall nicht mehr Sex, sondern mehr von Tessa und Marius. Gustaaf Peek geht in den 5 Teilen mit insgesamt 50 Kapiteln eher sparsam mit den Gedanken und Gefühlen der Protagonisten um, zumindest außerhalb des Geschlechtsverkehrs.

Tessa und Marius kennen sich ihr ganzes Leben lang. Tessa macht mit Marius ihre ersten Erfahrungen, sie verbringen ihre Jugend miteinander und auch im Erwachsenenleben sehen sie sich oft. Manchmal heimlich und manchmal öffentlich, mal mehr und mal weniger. Doch wieso hat Tessa einen Sohn mit Paul und wieso hat dieser sich das Leben genommen? Wieso bedarf es einer Prostituierten und wie war das mit Billy?

Tiefgang?

Die Lebensgeschichten mit Tiefgang bleiben einfach verborgen, da die Details den sexuellen Handlungen gehören. Fragen bleiben offen. Es fehlen schlicht und ergreifende die Hintergründe, die Wandlungen im Gefühlsleben, allgemein sämtliche Beziehungsverbindungen. Die Charaktere bleiben grau und der rote Faden wird ständig zerschnitten.

Natürlich spüren wir als Leser den langsamen Verlust der Lebensliebe und merken, welche verpassten Wege im Alter nachhängen. Peek verdeutlicht das ständige Hin und Her zwischen zwei Menschen, die sich lieben und begehren oder doch eher nur um den Trieb zu stillen, benutzen…?!

Mir hat schlicht und ergreifend die inhaltsreiche Literatur gefehlt. Schade. Schade. Schade, denn Peek kann schreiben. Er spielt mit der Länge der Sätze, verschachtelt und verkompliziert genauso stark, wie er vereinfacht. Er schürt die Neugierde und das spannungsgeladene Verlagen, lässt uns dann aber wie auf einer Wippe mit der Frage „Warum?“ verhungern.

Eure
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365-Tage-Projekt 2. HJ 2016

Literatwo ~ 365 Tage-Projekt
Literatwo ~ 365 Tage-Projekt

„365-Tage-Projekt“?

Beim Lesen im Flow-Magazin wurde mir bereits nach kurzem Überlegen klar, dass ich ein Projekt starten möchte, über das ich täglich im Netz berichte.

Ich möchte täglich ein Foto vom aktuellen Roman, in dem ich lese, posten. Ab und an werde ich auch darauf zu finden sein, je nach Leselage. *lach* Den ersten Satz des Tages, den ich im jeweiligen Roman lese, werde ich inkl. Seitenzahl festhalten und natürlich auch den Namen und den Autor des Werkes vermerken.

Mein buchiges Tagwerk, welches gleichzeitig für mich auch ein ganz persönliches Lese-Foto-Tagebuch ist, hat am 03.08.2014 begonnen.

Ihr dürft gern darin blättern. Hier findet ihr das 2. HJ 2016.

Hier entlang geht es ins 1. HJ 2016, hier entlang ins Jahr 2015 und findet ihr das Jahr 2014.

Eure Bini

  • 05. – 31.12.2016
Bodentiefe Fenster ~ Anke Stelling

„Ich bin wie meine Mutter.“ (Seite 5)

  • 27.11. – 04.12.2016
Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

„Es find damit an, dass ich zu Kathrin „Fick dich“ gesagt habe.“ (Seite 7)

  • 24. – 26.11.2016
back to blue ~ Rusalka Reh
back to blue ~ Rusalka Reh

„Ich habe den totalen Hass.“ (Seite 141)

  • 21. – 23.11.2016
back to blue ~ Rusalka Reh
back to blue ~ Rusalka Reh

„Jetzt sitze ich hier seit einer geschlagenen halben Stunde und starre auf dieses leere Buch, und weil ich das allmählich bescheuert finde, schreibe ich genau das einfach hin: dass ich es bescheuert finde, seit einer geschlagenen halben Stunde uf dieses leere Buch zu starren.“ (Seiten7)

  • 20. – 22.11.2016
Das Bild aus meinem Traum ~ Antoine Laurain
Das Bild aus meinem Traum ~ Antoine Laurain

„Waren es die Wachteln in Pommeau oder der köstliche Burgunder?“ (Seite 77)

  • 16. – 19.11.2016
Das Bild aus meinem Traum ~ Antoine Laurain
Das Bild aus meinem Traum ~ Antoine Laurain

„Am Ende eines Feldes gelegen, fensterlos, ohne funktionierendes Licht.“ (Seite 9)

  • 10. – 15.11.2016
Schlaflose Nacht ~ Margriet De Moor
Schlaflose Nacht ~ Margriet De Moor

„Erst im Frühjahr kam ich auf die Idee, seinem Tun und Treiben nachzuspüren.“ (Seite 74)

  • 01. – 13.11.2016
Schlaflose Nacht ~ Margriet De Moor
Schlaflose Nacht ~ Margriet De Moor

„Dies ist wieder eine dieser Nächte, die ich schlaflos durchlebe.“ (Seite 7)

  • 23. – 31.10.2016
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

„Ich weiß noch, wie die anderen reagiert haben, als ich mit Justin zusammenkam, wir ein Paar wurden.“ (Seite 123)

  • 17. – 22.10.2016
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan
Letztendlich geht es nur um dich ~ David Levithan

„Sein Auto kommt auf dem Parkplatz zum Stehen.“ (Seite 7)

  • 16.10.2016
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Der Buchhändler aus Kabul ~ Åsne Seierstad

„Die nackten Leiber dampfen.“ (Seite 180)

  • 15.10.2016
Der Buchhändler aus Kabul ~ Åsne Seierstad
Der Buchhändler aus Kabul ~ Åsne Seierstad

„Als Sultan Khan die Zeit für gekommen hielt, eine neue Frau zu finden, wollte ihm niemand helfen.“ (Seite 19)

  • 14.10.2016
Altes Land ~ Dörte Hansen
Altes Land ~ Dörte Hansen

„Vera hatte geschlafen wie ein Kind, drei Nächte lang.“ (Seite 171)

  • 13.10.2016
Altes Land ~ Dörte Hansen
Altes Land ~ Dörte Hansen

„In manchen Nächten, wenn der Sturm von Westen kam, stöhnte das Haus wie ein Schiff, das in schwerer See hin undhergeworfen wurde.“ (Seite 7)

  • 10. – 12.10.2016
Smith & Wesson ~ Alessandro Baricco
Smith & Wesson ~ Alessandro Baricco

„Unweit der Niagarafälle, 1902.“ (Seite 7)

  • 09.10.2016
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

„Während der ersten Tage in Belgrad hatte er kaum sein Zimmer verlassen.“ (Seite 252)

  • 07. – 08.10.2016
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

„Endlich, die Stimme seines Bruders, schlechte Nachrichten, er müsse kommen.“ (Seite 228)

  • 06.10.2016
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

„Sie hatten Glück, es war ein warmer, strahlender Tag.“ (Seite 145)

  • 05.10.2016
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

„Eine der Nachbarskatzen hatte einen Vogel erwischt.“ (Seite 48)

  • 03. – 04.10.2016
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek
Göttin und Held ~ Gustaaf Peek

„Es war eines dieser neuen Gebäude, einer Kirche nachempfunden und ein Stück außerhalb der Stadt in einem Autobahnbogen gelegen.“ (Seite 11)

  • 01. – 02.10.2016
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Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen ~ Clara Maria Bagus

„Die Worte des Winzers klangen noch einige Zeit in seinen Ohren nach.“ (Seite 97)

  • 29. – 30.09.2016
Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen ~ Clara Maria Bagus
Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen ~ Clara Maria Bagus

„Er war die ganze Nacht marschiert, als er endlich an die Abzweigung gelangte, die er am Abend zuvor übersehen haben musste.“ (Seite 29)

  • 28.09.2016
Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen ~ Clara Maria Bagus
Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen ~ Clara Maria Bagus

„Der Morgen riss die schwarze Nacht vom Himmel.“ (Seite7)

  • 27.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Nun war ganz Frankreich von den Deutschen okkupiert, was für Viannes Alltag jedoch kaum einen Unterschied machte.“ (Seite 465)

  • 22. – 26.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Während Vianne und der Junge zurück in die Stadt gingen, setzte Regen ein.“ (Seite 451)

  • 21.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Der Sommer ging zu Ende.“ (Seite 379)

  • 20.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Anfang Mai ließ der Frühling noch immer auf sich warten.“ (Seite 320)

  • 19.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„“Wahrscheinlich kann ich von Glück reden, eine Frau zu sein“, murmelte Isabelle vor sich hin.“ (Seite 282)

  • 18.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Vianne schloss die Augen und dachte: Komm schnell nach Hause, Antoine.“ (Seite 137)

  • 02. – 17.09.2016
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah
Die Nachtigall ~ Kristin Hannah

„Wenn ich in meinem langen Leben eines gelernt habe, dann ist es Folgendes: In der Liebe finden wir heraus, wer wir sind.“ (Seite 7)

  • 27.08. – 01.09.2016
Hool ~ Philipp Winkler
Hool ~ Philipp Winkler

„Vier in Anzüge gesteckte Figuren standen auf dem Acker und machten sich die Lackschuhe dreckig.“ (Seite 145)

  • 26.08.2016
Hool ~ Philipp Winkler
Hool ~ Philipp Winkler

„Ich wärme meinen neuen Zahnschutz in der Hand an.“ (Seite 5)

  • 24. – 25.08.2016
Charlie and the Chocolate Factory ~ Roald Dahl
Charlie and the Chocolate Factory ~ Roald Dahl

„These two very old people are the father and mother of Mr. Bucket.“ (Seite 11)

  • 21. – 23.08.2016
London - mit Buch, aber ohne lesen
London – mit Buch, aber ohne lesen
  • 15. – 19.08.2016
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg
Zum Glück braucht mich niemand ~ Liv Marit Weberg

„Als Mensch bin ich jetzt einer von zweien.“ (Seite 5)

  • 14.08.2016
Das Lächeln meiner Mutter ~ Delphine De Vigan
Das Lächeln meiner Mutter ~ Delphine De Vigan

„Unsere Jahre in Bagneux sind die Jahre, zu denen ich in den Gesprächen am wenigsten Erinnerungen an Lucile erzählt bekam.“ (Seite 198)

  • 13.08.2016
Das Lächeln meiner Mutter ~ Delphine De Vigan
Das Lächeln meiner Mutter ~ Delphine De Vigan

„Meine Mutter war blau, blassblau mit Aschetönen, die Hände seltsamerweise dunkler als das Gesicht, als ich sie an jenem Januarmorgen in ihrer Wohnung fand.“ (Seite 11)

  • 12.08.2016
Fünf Viertelstunden bis zum Meer ~ Ernest van der Kwast
Fünf Viertelstunden bis zum Meer ~ Ernest van der Kwast

„Dann gab es noch einen Ungarn, mit dem Giovanna Ende der Fünfzigerjahre in Budapest zusammenzog.“ (Seite 80)

  • 11.08.2016
Fünf Viertelstunden bis zum Meer ~ Ernest van der Kwast
Fünf Viertelstunden bis zum Meer ~ Ernest van der Kwast

„Es war der schönste Tag im Lebens des Postboten.“ (Seite 5)

  • 10.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„L. war fortgegangen, bevor ich das Haus verlassen hatte.“ (Seite 314)

 

  • 09.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Ich wartete einen Moment ab, der mir geeignet schien, um L. zu fragen, warum sie am Tag meines Struzes unten vor meinem Haus gewesen war.“ (Seite 280)

  • 08.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Zwei Tage hörte ich nichts von L.“ (Seite 159)

  • 07.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Im Herbst kamen Loiuse und Paul zwei oder drei Mal gemeinsam oder einzeln übers Wochenende nach Hause.“ (Seite 139)

  • 06.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„An den Tagen, an denen sie sich sicher sein konnte, Francois nicht bei mir anzutreffen, besuchte mich L. zum Abendessen oder auf einen Tee.“ (Seite 129)

  • 03. – 05.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Ich möchte L.s Persönlichkeit in all ihren Facetten wiedergeben, so wiedersprüchlich diese auch gewesen sein mögen.“ (Seite 119)

  • 26.07. – 02.08.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Als ich einmal, nachdem ich bei Francois übernachtet hatte, sehr früh morgens nach Hause ging, begegnete ich L. an der Ecke zu meiner Straße.“ (Seite 116)

  • 21.07. –  25.07.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Im September verließ ich Paris wieder, um meine Kinder bei der Einrichtung ihrer neuen Bleibe zu helfen.“ (Seite 5)

  • 16.07. – 20.07.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Ich habe immer gern Frauen beobachtet.“ (Seite 64)

  • 15.07.2016
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan
Nach einer wahren Geschichte ~ Delphine De Vigan

„Einige Monate nach dem Erscheinen meines jüngsten Romans hörte ich auf zu schreiben.“ (Seite 5)

  • 14.07.2016
George ~ Alex Gino
George ~ Alex Gino

„George holte einen silberfarbenen Haustürschlüssel aus der kleinesten Innentasche eines großen roten Rucksacks.“ (Seite 9)

  • 13.07.2016
Die vier Jahreszeiten des Sommers ~ Grégoire Delacourt
Die vier Jahreszeiten des Sommers ~ Grégoire Delacourt

„So hatte ich vielleicht einen Menschen gerettet.“ (Seite 67)

  • 12.07.2016
Die vier Jahreszeiten des Sommers ~ Grégoire Delacourt
Die vier Jahreszeiten des Sommers ~ Grégoire Delacourt

„In jenem Sommer sang Francis Cabrel Hors Saison, und alle sangen Cabrel.“ (Seite 9)

  • 11.07.2016
Solitaire ~ Alice Oseman
Solitaire ~ Alice Oseman

„Lucas hat früher viel geweint.“ (Seite 223)

  • 10.07.2016
Solitaire ~ Alice Oseman
Solitaire ~ Alice Oseman

„Becky verbringt jede freie Minute in der Schule“ (Seite 161)

  • 09.07.2016
Solitaire ~ Alice Oseman
Solitaire ~ Alice Oseman

„Ich komme in den Oberstufenraum und weiß genau, dass die meisten Leute hier so gut wie tot sind.“ (Seite 11)

  • 01. – 08.07.2016
Das Glück der handgemachten Dinge ~ Marina Boos
Das Glück der handgemachten Dinge ~ Marina Boos

„Die unfreundliche Begegnung im Brauhaus hatte Jule mehr aufgewühlt, als sie gedacht hätte.“ (Seite 43)

Pilgerjahre des Herrn Tazaki ~ Haruki Murakami

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Wir lesen Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (btb) von Haruki Murakami

Seit unserem gemeinsamen Spontanbuchkauf steckten Jule und ich nun zwischen den Murakami-Seiten. Eigentlich wollten wir irgendwann mal beginnen, doch dann ging alles schneller als gedacht. Jule ist gleich beim ersten Reinlesen im Roman hängen geblieben. Murakami hat sie sofort gefesselt und ich bin gefolgt. Wir haben eine aufregende Lesezeit hinter uns und so einiges so erzählen…

Wie ist das passiert? Welchen Trick hat Murakami benutzt, um dich im Buch zu halten?

Haha und direkt muss ich schmunzeln, wenn ich an unseren Sonntag zurückdenke. So wenig Zeit und so vieles gemacht. Und am Ende Murakami… ja Murakami, viel gelesen darüber, viel gehört, immer selber lesen wollen und es dann doch nicht gemacht. Warum jetzt? Keine Ahnung, vielleicht weil meine Reise farblos war ohne Buch und doch so farbenfroh durch die vielen Erlebnisse? Vielleicht sollte es so sein, dass genau dieses Buch, in dem es um das Zerbrechen einer wunderbaren Freundschaft geht, unsere Freundschaft wieder mit vollem Leben erfüllt?

Wie konnte Murakami mich im Buch halten? Eine weitere gute Frage, weißt du ja, dass ich in rastlosen Phasen oft durch die Bücher switche, ohne mich festlegen zu können, welches ich nun lesen will. Das war diesmal anders. Murakami hatte mich sofort. Vielleicht ist es der asiatische Stil, die Ruhe und Besonnenheit und dennoch bildhafte Vielseitigkeit des Schreibens. Eine Ruhe, teils melancholisch, die mich irgendwie aufgeräumt hat und die ich momentan auch brauche.

Farbloses Bunt

Als ich das Buch daheim in Ruhe betrachtete, fiel mir sofort ein großer Widerspruch auf. Ein bunter Schmetterling ziert das Cover und im Titel steckt das Wort „farblos“. Was sagst du zu diesem farblosen Bunt?

Farbloses Bunt – ein wahnsinnig tolles Gleichnis, finde ich. Denn sind wir mal ehrlich: Geht es uns nicht auch manchmal so, dass wir uns viel unspektakulärer sehen, als das andere tun? Denken, dass wir doch gar nix besonderes können, den anderen manchmal ihre Fähigkeiten neiden, versuchen, spezieller zu sein, irgendwie zu glänzen, irgendetwas zu finden, das uns einzigartig macht. Und über all den Gedanken vergisst man, dass man schon etwas ganz besonderes ist. Die anderen Menschen, Familie und Freunde sehen dieses oft und man selbst mag es gar nicht glauben. Und dazu kommt noch der Schmetterling: Er beginnt sein Leben als Raupe, dann eine nahezu blassgrau-braune, ja fast schon hässliche Puppe, bevor er in schillerndsten Farben aus dem Kokon bricht und sein Leben lebt. Vielleicht ist das alles ein Symbol für die Pilgerfahrt, die Tsukuru durchmachen muss, um sich selbst zu finden? Oder was waren deine Gedanken dazu?

Murakami-Literatwo
Murakami-Spontankauf

Murakami-Leserinnen

Bei mir gehen bei solchen Bildern auch Gedanken über das Leben durch den Kopf. Das Leben bunt malen zum Beispiel. Ich mag bunt und ich glaube, dass ich selbst und auch niemand in meiner Umgebung farblos ist. Oder farblos bunt. Lach. Viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht, nur den Widerspruch überdacht und schon wenig Seiten weiter, habe ich erfahren, warum farblos und bunt so vereint sind. Die 5-er Clique ist nicht nur durch die Charaktere besonders, sondern auch was die Nachnamen betrifft. In allen vier Nachnamen kommt eine Farbe vor, außer in Tsukurus. Das nenne ich mal Zufall und auch wenn Namen nur Schall und Rauch sind, wie man so schön sagt, fühlt es sich doch ein wenig nach Außenseiter an. Oder?

Da hast du total recht, gerade in so einer eingeschworenen Gemeinschaft ist es fast schon ein Makel, wenn man der einzige farblose Freund ist. Auch wenn die anderen das nie zeigen, bleibt in einem doch immer das Gefühl, nicht komplett dazuzugehören, das Gefühl, dass die Farbigen doch noch einen Tick eingeschworener sind. Eigentlich dumm, so zu denken, aber der Mensch ist ein seltsames Wesen, das gern mal zu viel um die Ecke denkt und so in solche Gedanken abdriftet. Schaut man sich den weiteren Verlauf der Geschichte an, ist es doch auch definitiv ein weiteres Indiz, dass Tsukuru doch eine andere Rolle zugedacht ist, als nur „einer von 5“ zu sein. Denn er bleibt ja doch irgendwie übrig..

Gleich auf der ersten Seite erfahren wir, das Protagonist Tsukuru Tazaki Sehnsucht nach dem Tod hatte – erschrecken dich solche Sehnsüchte oder erging es dir schon ähnlich?

Todessehnsucht?

Ja, durchaus erschrecken mich solche Sehnsüchte immer irgendwie, wenngleich man sie auch in manchen Fällen nachvollziehen kann. Denn ich muss sagen, dass ich – egal in welcher wirklich schlimmen Situation ich mich wiedergefunden habe, und du weisst, davon gab es einige – immer kleine Momente des Glücks gefunden habe, die mir gezeigt haben, dass das Leben weitergeht und auch schön sein kann. Die immense Leere kann ich sehr gut nachfühlen, wenn einem ein so wichtiger Stützpfeiler aus dem eigenen Leben gerissen wird. Das ist, als würde man ein Bein amputiert bekommen und nicht wissen, wie man nun weiterleben soll.

Es schmerzt, es tut weh, es ist dumpf… Aber man muss dagegen ankämpfen, genauso wie Tsukuru es tut. Und in diesem Zusammenhang ist Sara ein wirklich wichtiger Faktor. Man verliert schnell den Blick nach außen, wenn man in solch einer Situation ist. Da braucht man so manchen Stups von Freunden, die einen wieder auf die Spur bringen, und das braucht Zeit. Jeder braucht in so einer Situation eine Sara, die rational denkt… Ging es dir schon mal so??

Ich glaube, dass ich alles schon mal erlebt habe. Gerade in dunklen Lebensstunden ist man dem Tod nahe. Zumindest bewegen sich gerade dann die Gedanken an den Lebensrand und schauen, was es da unten alles gibt. Um Sehnsucht nach dem Tod zu haben, ist mir das Leben zu bunt und zu wild. Dazu lebe ich wohl viel zu gerne und ich versuche nur noch das beste aus jedem Tag zu machen. Einfach drauf los und nicht so viel denken, auch wenn denken manchmal vernünftiger wäre. Hey – wir leben nur einmal und das eine mal muss doch richtig krachen. Deine Situation kenne ich, du kennst meine und wir haben wohl beide schon Brüche in einer Freundschaft erlebt. Wir müssen kämpfen und uns bewegen, um nicht von Sorgen und Ängsten gefressen zu werden. Tschakka!

Facetten

Genauso sehe ich das auch! Tausend bunte Facetten gibt es und die müssen und sollen jeden Tag aufs Neue genutzt werden! Da sind wir uns glaube sehr einig. Wir leben unser Leben und genießen es trotz aller harten Phasen in vollen Zügen – und so gehört sich das.

Murakami
Zwei Bücher – ein Lesen

Murakamis Zitate

Das erste Zitat, das ich mir im Text markiert habe, ist: 

„Es ist eine beachtliche Leistung, im Leben einen Gegenstand zu finden, für den man sich besonders interessiert.“ (S. 51)

Hast du einen solchen Gegenstand? Und was bedeutet er dir?

Das ist ein sehr schöner Satz, auf jeden Fall und ich glaube, dass wir alle im Leben einen Gegenstand finden, den wir besonders lieben. Interessant – ist ein Wort, was ich nicht so mag. Bei Gegenstand toben mir viele Dinge durch den Kopf. Ein Satz der viel auslöst. Jeder Herzmensch in meinem Leben ist wohl auch durch einen Gegenstand mit mir verbunden, Details mag ich an der Stelle nicht nennen, da müsste ich zu weit ausholen. Jeder weiß, wer gemeint ist und um was es geht. Um ein Stück zurück zum Buch zu kommen – das Buch ist ein besonderer Gegenstand für mich, verbunden mit vielen gemeinsamen Erinnerungen und es bedeutet mir allerhand, denn die Erinnerungen sind in mir und immer wenn ich es sehe, werden diese vor meinem Auge wieder lebendig.

Wie sieht es bei dir aus?

Gegenstand finde ich eine etwas doofe Umschreibung, denn genau wie bei dir sind es bei mir Momente, Erinnerungen und insbesondere Menschen, für die ich mich interessiere, die mein Leben bereichern und es mit besonderen Werten füllen. Natürlich ist dies an Gegenstände gebunden. Bei mir sind das insbesondere Fotos. ich bin ja ein Foto-Junkie, Instagrammer,… aber auch Lieder sind es, die mich an besondere Dinge erinnern. Einen Gegenstand gibt es da nicht. Mich interessieren viele Dinge sehr. Denn wenn man keinerlei Interessen hat, ist das Leben doch sehr traurig. Ich bin neugierig, lerne gern dazu, lerne neue Dinge und Menschen kennen, lasse mich von Erfahrungen bereichern, auch wenn diese nicht immer toll sind, oder auch manchmal schmerzhaft. Aber diese sind auch wichtig, um das Leben in allen Farben zu gestalten.

Murakami fordert

„Dein Vater fragt sich, ob er dir mit dem komplizierteren Zeichen die Last des Lebens nicht noch schwerer machen würde. Er fand, mit dem einfacheren Zeichen würdest du vielleicht ein sorgloseres Leben führen. Er hat sich wirklich ernsthafte Gedanken gemacht.“ (S. 56-57)

Diese Textstelle knabbert in Anbetracht von Tsukurus Leben sehr an mir. Wie empfindest du, wenn du das liest?

Bei der Textstelle geht es um seinen Namen. Weißt du, was mir da gerade auffällt? Mein Vorname beinhaltet auch eine Farbe. Ich passe regelrecht in Tsukurus Clique rein. Verrückt. Wenn man nur über komplizierte Zeichen und die Last des Lebens nachdenkt, kann man richtig tief zwischen Gedankenwelten versinken, auf jeden Fall. Wenn ich die Stelle nüchtern betrachte, also wirklich nur die Entscheidung zwischen einem einfachen Namen mit einfachem Zeichen und einem schweren Namen mit kompliziertem Zeichen, dann ziehe ich das einfachere Zeichen wohl vor. Das Leben ist so schon kompliziert, warum einen Namen tragen den man ständig erklären muss, erst mit 6 Jahren richtig aussprechen kann und ein extra großes Türschild braucht? Ich empfinde die Entscheidung des Vaters richtig. Du nicht?

Namen – Schall und Rauch?

Unterschreibe ich. Namen sind das erste, das man meist von anderen Menschen erfährt. Man trägt seinen Namen wie ein Aushängeschild vor sich her und gerade in unserer Zeit wird man so sehr über seinen Namen definiert. Man denke an die ganzen Exoten, die da jetzt auftauchen und sofort mit Klischees verbunden werden. Eine Chantal kann noch so viele Einser schreiben und wird es dennoch immer schwerer haben als eine Marie. Ungerecht, aber leider Realität. Deshalb verstehe ich den Vater auch sehr gut. Einfach und schlicht, das Leben verleiht dem Ganzen dann sowieso noch den Schliff, den es für einen vorgesehen hat.

Wie findest du die Geschichte, die Haida erzählt? Wie fügt sie sich für dich in das gesamte Buch ein?

Eigentlich wollte ich dich fragen, was du von Haida hältst. Wir können schlecht auf Details eingehen, aber so im Großen und Ganzen? Diese eine Schlüsselstelle beschäftigt mich wahnsinnig stark. War es ein Traum? War es echt?

Ich kann es dir nicht beantworten, genauso fühlte ich auch. Es war schräg, berührend, krass, verrückt. Ein Wechselbad der Gefühle… Knabbert an mir, genau wie das Ende des Buches.

Haidas Geschichte gehört für mich zu einer Lebensstation die wir alle kennen. Begegnungen mit Menschen sind Stationen auf unseren Lebenspilgerjahren. Wir erleben sie immer und immer wieder und bestimmte Menschen müssen wir im langen Leben nur knappe 10 Minuten treffen. Diese 10 Minuten beeinflussen uns, geben Kraft und verändern bestimmte Blickrichtungen und Emotionen. Doch nicht nur die Begegnungen, sondern auch die Geschichten über Begegnungen können bewegen und Haidas Geschichte fügt sich nahtlos in Tsukurus Lebensgeschichte ein. Magst du mir deine Gedanken verraten?

Begegnungen

Begegnungen mit Menschen sind Stationen – das hast du sehr schön gesagt, denn es trifft die Sache auf den Punkt. Manche Menschen kommen, hinterlassen Schmerz und verschwinden wieder – Spuren bleiben dennoch. Andere kommen, bleiben und bereichern in allen Zeiten, andere wiederum kommen wie eine Sternschnuppe für einen kurzen Zeitraum durch dein Leben gerauscht und hinterlassen einen strahlenden Schweif von Glück, Freude und guten Erinnerungen, bevor sie weiterziehen. Wieder andere lässt man tief in sein Herz, um dann den Veränderungen der Zeit und des Charakters zu erliegen. Veränderungen, die aus Freundschaft Schmerz machen – aus Gründen des Neids, der Ungerechtigkeit,… Manche Wege bleiben gemeinsam, manche trennen sich irgendwann (im Guten oder Schlechten).

Manche Wege verlaufen im Sand, manche gehen ein Stück miteinander, verlieren sich und finden wieder zusammen. Ein komisches Spiel des Lebens, das am Ende irgendwie aber meist Sinn ergibt. Alle diese „Optionen“ habe ich erlebt, einige davon waren und sind sehr schmerzhaft und der Umgang damit, bzw. die Akzeptanz dessen fällt phasenweise sehr schwer, gerade wenn man ein starker Gefühlsmensch ist. Wie geht es dir dabei? An einer späteren Stelle steht: „Wahrscheinlich war es sein Schicksal, allein zu sein.“ Denkst du, dass es ein solches Schicksal gibt? Dass Menschen wirklich zur Einsamkeit verdammt sein können, die innerlich doch so gute Menschen sind?

Murakami
Murakami – farblos?

Einsamkeit

Oh nein, wenn sind das nur Phasen im Leben. Richtig verdammt zur Einsamkeit – das ist ein grausamer Gedanke und nein, sowas gibt es nicht. Irgendwie finden wir Menschen immer ein Gegenstück, was uns begleitet.Deine geschilderten Situationen kenne ich wohl ebenso – ich glaube sogar, dass jeder Mensch alle Situationen erleben wird, einmal so erleben muss.

Die große Frage im Buch ist, warum die Clique damals auseinander brach, warum von jetzt auf gleich der Kontakt zu Tsukuru abgebrochen wurde. Ich bin ein emotionaler Mensch und ich verkrafte es nicht, wenn ich nicht weiß, warum sich Menschen abwenden und nicht mehr melden. Furchtbar. Mir hat es stellenweise das Herz zerrissen und ich glaube ich hätte immer und immer wieder Kontakt gesucht, bis ich einen Grund erfahre. Brauchst du auch einen Grund oder kannst du bestimmte Verhaltensweisen einfach akzeptieren und damit weiterleben?

Kurioserweise stecke ich gerade mitten in einer solchen Situation. Ein Freund hat sich komplett von uns allen abgewendet. Er war ein Vertrauter, ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Er ist aber gefangen in seiner eigenen kleinen Welt, neidzerfressen, selbstgerecht, verletzt nach außen hin und spinnt sich einen Kokon. Mehrmals hat er mich schwer verletzt, ich habe immer verziehen und Kontakt gesucht. Aber mittlerweile muss ich das ignorieren, ihn höflich aber bestimmt aus meiner Nähe verbannen. Denn ich will mich von ihm nicht zerstören lassen. Und das würde über Kurz oder Lang passieren, wenn ich ihn in meinem Herzen behalten würde. Nachdem ich diesen Punkt erreicht hatte, fiel es mir leichter, damit klarzukommen, auch wenn es immer wieder Situationen gibt, in denen ich ihn schütteln will und anschreien mag, warum er so geworden ist und wann das passierte.

Freundschaft?

Ein anderer Freund hat eine neue Freundin bekommen, die mich nicht mochte und mag und so gegen die Freundschaft intrigiert, dass er seit knapp 2 Jahren kein Wort mit mir spricht und mich schneidet. Das war ein sehr schmerzhaftes Erlebnis, da wir sehr viel durch haben gemeinsam und es hat sehr lang gedauert, bis ich damit klar kam, dass es da wohl nie eine Absprache geben wird, warum das geschah. Aber je länger ich reflektiert habe, desto mehr ist mir bewusst geworden, dass man daran nichts ändern kann, da die ganze Freundschaft schon in eine Einseitigkeit abgedriftet war, die einem in dem Moment aber gar nicht bewusst war.

Insgesamt suche ich auch sehr lange nach Antworten, nach Gründen, da es einen innerlich zerreißt. Nun, manchmal gibt es keine Antworten oder kein Interesse nach Klärung von der anderen Seite. Da muss man dann einfach lernen, die Dinge zu akzeptieren, so schmerzhaft das auch ist. Am Ende geht man gestärkt daraus hervor.

Lebensantwort

Ohje. Das klingt nicht gut. Zerstören lassen dürfen wir uns auf keinen Fall. Ab und an scheint es doch besser zu sein, einen Schritt zurück zu akzeptieren, so weh es auch tut.

Haida sagte:

„Ich bin nicht gern an einen Ort gebunden. Ich will gehen, wohin es mir gefällt und wann es mir gefällt. Leben, wie ich will, und denken, was ich will.“ (S. 62)

Murakami
Haruki Murakami – eine Lesereise

Haruki Murakami – eine Lesereise

Was sagst du dazu? Hat er recht? geht es dir genauso? Bist du heimatverbunden oder doch eher auf der Reise und rastlos auf der Suche nach Neuem??

Das ist eine sehr schöne Frage. Ich bin nie auf der Suche nach Neuem, ich glaube, das Neue sucht und findet mich. Gehen wohin und wann es mir gefällt – klingt gut, ist aber nicht immer umsetzbar, gerade dann, wenn der Job dran hängt. Das kennen wir wohl alle. Aber ich versuche alle Pläne auszublenden und leben im Jetzt und im Hier und mache was mir gefällt und gut tut und genau dort halte ich mich dann auch örtlich auf. Meine Wurzeln allerdings sind unversetzbar und das ist auch gut so. Ich bin hier und ich bleibe hier und ich mag nicht weg. Haida muss ich nicht Recht geben, er handelt nach seinem Gefühl und ich denke, so handelt er richtig. Das Herz bestimmt unsere Lebensreise – oder?

Und wie stehst du zur Aussage:

„Alles hat seine Grenzen. Auch das Denken. Man sollte diese Grenzen respektieren, aber sich auch nicht fürchten, sie zu durchbrechen. Das ist das Wichtigste, um frei zu werden. Respekt und Abneigung gegenüber den Grenzen. Die wichtigsten Dinge im Leben haben immer zwei Seiten.“ (S. 63)

Grenzen

Ich finde, diese Aussage hat so viel Wahres in sich. Wie oft denkt man nach, traut sich nicht, darüber zu reden oder sich auszutauschen. Wie oft wird man von anderen ausgebremst. Kann man in unserer Gesellschaft überhaupt noch frei denken?

Das ist so eine schöne Stelle. Und ich mag deine Frage sehr. Frei denken – ich denke schon und ich denke, dass es auch sehr wichtig ist. Ob man es kann, liegt an uns selbst. Ich kann es und ich will es und ich lasse mich nicht bremsen. Das Thema hatte ich erst mit einem Herzmenschen. Grenzen respektieren, auf jeden Fall, aber nicht fürchten. Und durchbrechen ist gut, denn durchbrechen befreit. So sehe ich das. Ich lege viel Wert darauf, über Gedanken zu sprechen. Gedanken gehören uns, aber es gibt viele Gedanken die geteilt werden sollten, denn mit geteilten Gedanken und Gefühlen wird vieles viel leichter, auch wenn es erst schwerer erscheint. Aber Gespräche können so viel ändern und bewegen. Lasst die Gedanken frei!

„Obwohl wir eigentlich in einer Zeit zunehmender Beziehungslosigkeit leben sind wir von so vielen Informationen über andere Menschen umgeben. Wen man will, kann man sich ganz leicht Zugang zu diesen Informationen verschaffen. Und doch wissen wir fast nichts über andere Menschen.“  (S. 123)

Ich finde, das ist die „Krankheit“ unserer Zeit. Man hat hunderte virtueller Freunde mit denen man sich über Interessen austauscht. Will man etwas wissen: „Ach, ich google mal, ich facebooke den mal,…“ Doch wissen wir wirklich, wie es den Menschen geht? Sie malen lustige Smileys, sitzen dabei aber vielleicht weinend am PC. Sie schreiben: „Mir geht es gut.“ Doch tut es das wirklich? Ich nehme mir ja bewusste Auszeiten von Facebook und anderen sozialen Medien. Ich will leben, Freunden beim Kaffee trinken in die Augen schauen und mit ihnen lachen, weinen, reden,… wie siehst du das?

Achtsam sein

Das kann ich nur unterschreiben. Ich glaube wer Achtsamkeit ab und an übt und weiß, was das ist, der muss sich nicht ständig mitteilen. Ich habe mich privat von FB zum Beispiel sehr zurück gezogen. Warum muss jeder wissen, was ich mache und was mich bewegt? Es reicht doch, wenn ich es weiß und wenn die Menschen mit denen ich zusammen bin, die Bilder gleichzeitig mit mir sehen und die Erlebnisse teilen. Warum noch andere dazu holen und teilhaben lassen?

Das Herz zählt und ja, genau, das in die Augen schauen. Miteinander lachen und erleben und nicht genau in dem Moment zeigen. Es gibt Situationen über die man dann erzählen kann, aber der Moment ist es doch, der uns erfüllt. Das sich einige Mitmenschen hinter positiven Worten verstecken und eine Fassade aufgebaut haben, glaube ich sehr. Leider. Ich lasse die vielen Informationen nicht mehr an mich heran und ich wirke gern der zunehmenden Beziehungslosigkeit entgegen.

Murakami Leseglück
Murakami Leseglück

Offenes Ende?

Da hast du recht und so versuche ich es auch mehr und mehr zu handhaben. Ich will keine Marionette meines Lebens sein, sondern dieses Leben und genießen, ich will spontan sein, jeden Tag aufs Neue. 🙂

Das Ende hat mich sehr verstört zurück gelassen. Ich mag nicht spoilern, aber vielleicht können wir verraten, das Murakami ein offenes Ende gewählt hat, welches aber durchaus nach Tagen verkraftbar ist? Mit welchen Gefühl hast du den Roman verlassen?

Auch hier stimme ich dir zu. Das Ende lässt wichtige Fragen offen, die mich in einer Zwickmühle zurückgelassen haben. Unbedingt will man doch wissen, wie sich das eine oder andere nun letztendlich entwickelt hat oder was es mit dem oder der Person auf sich hat. Aber erfüllt hat mich das Buch trotzdem komplett. Erfüllt und auch beruhigt bin ich aus den Seiten getaucht… Beruhigt, da aus dem Kern der Geschichte nun doch die Wahrheit entsprungen ist. Ich denke, das kann man so sagen, ohne dass zu viel verraten wird.

Tsukuru besucht drei seiner alten Freunde. Welcher Freund ist dir ans Herz gewachsen? Oder haben sich alle drei Persönlichkeiten fremd für dich angefühlt?

Ans Herz gewachsen ist mir eigentlich so direkt nur Erik am Ende des Buches. Denn zwischen ihr und Tsukuru gab es diese besondere Verbindung, die es bei den anderen Freunden nicht gab. Man merkt deutlich, dass sich jeder irgendwie weiterentwickelt hat und dass das Leben weiterging. Aber Eri ist hinter der Fassade noch genau dieselbe, die sie früher war. Ich finde diese letzten Kapitel so wahnsinnig emotional und tief. Wahrscheinlich hat das dafür gesorgt, dass ich sie so fest an mich gebunden habe. Hast du auch einen Favoriten für dich entdecken können.

Murakami – Fan?

Wirst du nun zum Murakami-Fan? Wirst du ein weiteres Buch von ihm lesen?

Haha, der nächste Murakami liegt schon bereit: „Kafka am Strand“ – brauche nur noch die Zeit dafür. Du hast mir ja ein Bild von deinem Regal geschickt, in dem sich schon einiges von Murakami tummelt. Welches ist dein Favorit?

Nun sind wir ziemlich am Ende des Buches angekommen, denke ich! Gibt es noch etwas, was dir besonders auf der Seele brennt? Ich möchte gern noch ein letztes Zitat erwähnen, das mich tief berührt hat, da es einfach so wahr ist. Nichts funktioniert, wenn es nicht im Gleichgewicht ist:

„In diesem Moment erkannte Tsukuru Tazaki es. Er begriff endlich in den Tiefen seiner Seele, dass es nicht nur die Harmonie war, die die Herzen der Menschen verband . Viel tiefer war die Verbindung von Wunder zu Wunde. Von Schmerz zu Schmerz. Von Schwäche zu Schwäche. Es gab keine Stille ohne den Schrei des Leides, keine Vergebung, ohne das Blut floss, und keine Überwindung ohne schmerzhaften Verlust. Sie bilden das Fundament der wahren Harmonie.“ S. 266

Das Zitat habe ich mir auch markiert. Wohl wahre Worte. Einen Murakami Favorit habe ich noch nicht. Bisher habe ich nur „Wilde Schafsjagd“ gelesen und der war schon ziemlich abgedreht, wenn ich mich richtig erinnere. Fantasy eben – eine ungewöhnliche Mischung.

Liebe Leser? Habt ihr uns bis zum Schluss gelauscht? Das freut uns und noch mehr freut es uns, wenn ihr uns im Kommentar über eure Murakami – Leseerfahrung erzählt.

„Nicht alles verschwindet i Fluss der Zeit.“ (Seite 318)

Eure
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Kopfkissenbuch ~ Sei Shōnagon

Kopfkissenbuch ~ Sei Shonagon
Kopfkissenbuch ~ Sei Shōnagon

Kolumne 24/2016: #Kopfkissenbuch

Einige von euch haben schon mitbekommen, dass ich noch nicht alle meine Geburtstagsgeschenke ausgepackt habe. Auch wenn der 16. Mai schon ein paar Tage her ist – drei Geschenke sind immer noch zu. Ich nenne es einfach mal Selbstschutz und Disziplin und ich bin schon voller Vorfreude, denn bald öffne ich wieder eins. Danke an die Schenker für die Geduld! Außerdem kam in den letzten Tagen erst wieder eins an – also dieses Jahr ist das mit dem Geburtstag und den Geschenken so eine Sache. *lach*

Dadurch, dass ich wieder so wahnsinnig schöne, kreativ buchige Dinge bekommen habe, habe ich mir überlegt, euch diese nach und nach zu zeigen. Los gehts mit dem ersten Geschenk, welches mich pünktlich offline und online erreichte. Ein Doppelgeschenk – ja, sowas gibt es.

Lest ihr im Liegen? Geht es eurem Kopf gut? Wenn nicht oder wenn doch – bettet euren Kopf auf dem Kopfkissenbuch. Es ist seidig weich und ein echter goldglänzender Schatz. Guckt ihr mal? Ist das nicht edel? Das Buch darf ich nun schon seit März meinen Buchschatz nennen. Zum Geburtstag gab es eine Schatzergänzung. Ihr fragt euch wohl schon, was es mit der Reisedokumentenmappe auf sich hat. Diese habe ich zum Geburtstag bekommen und diese ist reichlich gefüllt. Wenn ihr euch das nächste Foto anseht, könnt ihr vielleicht sogar ersehen, von wem. Na, habt ihrs?

Kopfkissenbuch ~ Sei Shonagon
Kopfkissenbuch ~ Sei Shōnagon

Einige wissen jetzt bestimmt, was sich hinter dem Doppelgeschenk – online und offline – verbirgt. Arndt hat mir zum Geburtstag einen ganz besonderen Artikel gewidmet. Noch bevor ich sein Geschenk auspackte, habe ich den Artikel gelesen. Natürlich war ich total baff, denn eigentlich war zwischen uns ausgemacht, dass wir zusammen reinlesen und uns austauschen und erst dann darüber schreiben. Ich war wehmütig, als ich erfuhr, dass er darüber schreibt. Gleichzeitig konnte ich ihn aber auch verstehen, denn bereits in Leipzig zuckten seine Schreibfinger und er wollte nicht nur mich, sondern auch euch infizieren. Ohne ihn würde ich wohl nicht jede Nacht auf dem Kopfkissenbuch schlafen. Er hat es entdeckt, es hat ihn angestrahlt.

Kopfkissenbuch – legt euch…

Vielleicht solltet ihr jetzt die Gelegenheit ergreifen und in seinen Artikel „Das Kopfkissenbuch“ springen. Arndt lässt euch ins Buch blicken, gibt ein paar Zitate aus dem Werk preis, er schreibt über die Hofdame und beleuchtet Hintergründe. Viel Freude!

Dieses Werk – ohja, es ist ein Werk – lässt sich nicht in einem Artikel vorstellen. Wir wollen mit dem Buch leben und uns immer wieder darin fallen lassen und zurück ziehen. Wir wollen es mit euch entdecken und mit euch gemeinsam nach Japan reisen.

Japan? Reise?

Kopfkissenbuch ~ Sei Shonagon
Kopfkissenbuch ~ Sei Shōnagon

Wichtige Unterlagen

Ihr habt die Reiseunterlagen gesehen und ich habe darin gelesen, dass ich mich darauf einlassen soll. Arndt schrieb mir, dass ich einfach Gedanken weiter spinnen soll und das ich wann auch immer ich mag, genießen und antworten soll. Das werde ich – Herzensdank!

Er hat wirklich eine ausgefallene Möglichkeit gefunden, um mir zu gratulieren und vor allem hat er einen Weg aufgezeigt, wie wir immer wieder darin tauchen, nach Japan reisen können.

Wir fliegen nach Japan – Herzensprojekte machen solche Reisen möglich. Wart ihr schon in Japan? Wie war es? Wir fliegen gedanklich dahin, denn unsere Flügel sind aus Fantasie und machen es möglich, dass wir am legendären Hof des japanischen Kaisers landen. Wir hüllen uns in Seide, nehmen das Kopfkissenbuch unter den Arm und schon stehen wir inmitten der fast vergessenen Zeit und atmen japanische Luft.

Lasst euch auf eine Reise ein – gesellt euch zu uns.

Die Reise begann am 16.05.2016 und im Buch finden wir unter dem 16. Eintrag:

Kaisergräber

Ogurusu-Kaisergräber, Kashiwagi-

Kaisergräber. Ame-Kaisergräber.

Kopfkissenbuch ~ Sei Shonagon
Kopfkissenbuch ~ Sei Shōnagon

Mir fehlte bis jetzt die Zeit und die Ruhe, um richtig tief in das Kopfkissenbuch hineinzuschnuppern. Arndt hat schon tief darin getaucht und mir in der Dokumentenmappe verraten, was sein Herz anrührt, über Unausstehliches geschrieben und Vergangenes betrachtet, was ihn wehmütig stimmt. In diesen Zeilen aus dem Buch hat er sich wieder gefunden. Doch nicht nur er – wir finden uns alle darin wieder, auch wenn wir weder in der damaligen Zeit, noch in Japan leben. Glaub ihr mir? Ihr werdet schmunzeln und laut AHA sagen. 😉

Ich zeige euch mit  Worten, was ich damit meine und ende mit diesen Sätzen für heute, denn es wird bald weiter gehen. Wir sind noch ganz am Anfang und so ein Kopfkissen hält lesenslang!

Zitate

Unausstehliches

Wenn ein Besucher dann kommt, wenn man dringend weg muss und endlos daherschwatzt.

oder

Unausstehlich sind Leute, die immerzu auf andere neidisch sind und sich über ihre Lage beklagen, die über andere tratschen und letztendlich nichts an ihrer Selbstunzufriedenheit ändern.

Was mein Herz anrührt

Ich wasche mir die Haare, schminke mich sorgfältig und lege wunderbar driftende Gewänder an.

oder

Spatzen, die ihre Jungen aufziehen.

Vergangenes, das mich wehmütig stimmt

Wenn ich an müßigen Regentagen beim Kramen auf Briefe stoße, die mir einmal sehr viel bedeutet haben.

Wir wollen mit euch auf die Japan-Reise gehen. Sagt uns doch bitte, was euer Herz anrührt und erzählt von Vergangenem, was euch wehmütig stimmt und sagt uns, was ihr gerade ganz  unausstehlich findet?!

Eure

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DTM – Literatur auf dem Ring

DTM Rennwochenende
DTM Rennwochenende

Kolumne 23/2016: #DTM

Heißer, schneller, lauter und immer ganz nah dran. So sah mein Sonntag auf dem Lausitzring aus. Zum ersten Mal habe ich mich also mit einem Buch an die Rennstrecke begeben. Vor kurzer Zeit bin ich noch mit einem Buch durch die Luft geflogen und gestern gab es dann richtig Gummi.

Da ihr euch so lesegierig auf den Helikopterbericht gestürzt habt, dachte ich mir, dass ich einfach mal über Autos und Bücher und Motorräder schreibe. Eigentlich möchte ich nicht detailliert von gestern erzählen, aber ich zeige euch einfach mal ein paar Bilder. Manche Menschen denken angeblich, dass Buchmenschen nur daheim sitzen und lesen und zwischen ihren Seiten kaum hervor gucken. Das ist ja mal totaler quatsch. Ich bin so wahnsinnig oft an der Luft, denn Bücher kann man tatsächlich einpacken und mitnehmen. Schnappt euch euer Buch und geht damit raus ins bunte Leben und seid verrückt und wild.

Gestern ging es also gegen 8 Uhr auf die Bahn in Richtung Lausitzring und ich durfte ans Steuer. Das war schon mal genial, denn ich gebe sehr gerne Gas und fahre gern schnelle Autos. Und dann ertönte direkt auf dem Parkplatz der Sound der Motoren – DTM freies Training. Also raus aus dem Auto, rein in die Sonne und ab auf die Tribüne.

Achso – welches Buch darf eigentlich mit auf den Ring?

DTM
DTM – Boxenstopp

Die Buchwahl war noch völlig offen. Bei der Wahl des Buches gibt es meist überhaupt keine Wahl, da ich mein aktuelles Buch mitnehme. Das ist aber so dick und schwer, das es total unpraktisch und ungeeignet für ein sportliches Event ist. Was nun? Es muss ein Buch mit, was ich bald lesen werde, was vom Titel recht gut passt und nicht viel Platz wegnimmt. Es muss sportlich sein. Die Wahl fiel letztendlich auf Wir Glücklichen von Amy Bloom (Hoffmann und Campe). Kennt ihr es schon?

Auf dem ersten Bild habt ihr gesehen, wie gut es sich so anpasst und wie treffend es schon vom Titel her ist. Wir  5 unserer „Reisegruppe Asphalt“ waren sehr glücklich und werden gern an den Tag zurück denken. 😉

Ihr könnt euch denken, dass ich nicht gelesen habe, wann auch. Der Tag stand im Zeichen der Motorenmusik und es war ständig was los. Aber ein Buch war mit und es durfte sogar ab und an die gummigeschwängerte Luft atmen.

Einige von euch wissen, dass mein Autoherz Porsche schlägt. Nah dran hieß es dann gegen 10 Uhr beim Porsche Carrera Cup. Es war einfach grandios. Das Gefühl nur wenige Meter ganz unten am Zaun zu sehen und die Luft der vorbeirasenden Fahrzeuge ins Gesicht zu bekommen – hach…

Einfach genial, anders kann ich es nicht sagen.

Und dann ging es auch schon relativ zügig weiter. DTM Qualyfining stand auf dem Plan. Wer schon einmal an der Rennstrecke war, kennt den Rhythmus den das Autoherz dann schlägt. Laut. Nah. Dran.

Formel 4
Formel 4

Die anschließende Motorrad-Stuntshow hat das Publikum natürlich auch begeistert. Der Junge hatte es schon voll drauf, ja, absolut und doch hab ich immer und immer wieder ein mulmiges Gefühl. Aber so ist es. Die Welt ist bunt, das Leben wild und ohne Risiko kein Spaß – so in der Drehe und wenn ich in mich hineinblicke, dann sehe ich auch eher einen Menschen der nicht vor der Grenze zurück geht, sondern zwei Schritte drüber ist. Meistens jedenfalls…

13 Uhr hieß es dann Bahne frei für die ADAC GT Masters. Sehr genial und für wen wurden die Daumen gehalten? Für Porsche – klaro. Wir haben dem Porsche 911 GT3 R die Daumen gedrückt und Matteo Cairoli und David Jahn sind auf dem 4. Platz gelandet.

15.13 Uhr hieß es dann DTM. Bahne frei und nun maximale Lautstärke. Wahnsinn – echt der Wahnsinn.

Dann begann die Sonne ein wenig zu schwächeln und machte für den Regen Platz. Ein paar Runden konnten wir die SUPERBIKE*IDM verfolgen, doch dann wurde abgebrochen. Schade!

Ein Highlight wartete noch auf uns – die Formel 4. Und wer fährt da mit? Der Sohn von Michael Schumacher.

g
Lausitzring

Mick – gibt alles! Ich habe die Formel 1 geliebt und vor Jahren bin ich nachts aufgestanden, um kein Rennen zu verpassen. Seit Michael Schumacher allerdings nicht mehr dabei ist, hat sich mein Interesse am Motorsport ein wenig verändert. Keine Ahnung wann der Bruch genau kam, aber ich gucke nur noch sporadisch und nicht mehr so intensiv. Am Sonntag konnte ich dann wieder Formel-Luft schnuppern.

Michael Schumachers Sohn – noch keine 18 und schon mitten drin, statt nur dabei und er hat gezeigt, dass eine Menge Rennfahrerblut in ihm steckt. Auch wenn er es nicht aufs Treppchen geschafft hat, hat er ordentlich gezeigt, wie das Gaspedal gedrückt wird. Der Fahrer mit der Nummer 29 konnte sich nach einem 360Grad Dreher auf nasser Fahrbahn bis Rang 6 zurück kämpfen. Echt spitze. Was wohl in Mick vorgeht, wenn er im Rennauto sitzt? Gedankliche Verbundenheit mit seinem Vater ganz bestimmt. Gänsehaut…

Ein runder Tag durch und durch – Lausitzring: ich komme wieder!!!

Wer von euch war bereits dort? Schlägt euer Herz auch buchig motorisiert?

Eure

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180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

180° Meer (S. Fischer Verlag) von Sarah Kuttner wurde mir von meiner lieben Buchhändler-Moni schmackhaft gemacht. Irgendwann konnte ich nicht mehr widerstehen und habe es letztendlich gelesen. Begeisterung soll man teilen und es gibt doch nichts Schöneres, als sich intensiv über ein gelesenes gutes Buch auszutauschen – richtig?

Leider konnte sich Moni aus zeitlichen Gründen nicht mit mir ans literatwoische Lagerfeuer setzen. Dafür hat sich die liebe Mareike vom Blog Herzpotenzial dazu gesellt und sich mit mir über die „Kuttner“ ausgetauscht. Wir wollen euch kein Wort vorenthalten, also nehmt Platz. Keine Angst – wir spoilern nicht, also macht es euch richtig bequem und dreht euch 180° zu uns. 😉

180° Grad Meer – mein erstes Buch von Sarah Kuttner. Meine Freundin Moni hat mich mit ihren Worten angesteckt und auch du, liebe Mareike, hast dazu beigetragen, dass ich auf der Buchmesse in Leipzig letztendlich schwach geworden bin. Ich habe mich um 180° gedreht und das Buch recht schnell gelesen und freue mich nun, auf regen Austausch mit dir. Die erste Fragen, die mir gleich nach der letzten Seite durchs Leserhirn getrieben ist – Was sagst du zum Ende?

Für mich war es ebenfalls das erste Buch von Sarah Kuttner. Die anderen Bücher hatten mich allein optisch schon nicht angesprochen. Dieses hier wirkt schon vom Cover her ruhiger, reifer und irgendwie tiefer. Das ist wohl das Meer auf dem Cover, das schon Vieles vorausdeutet.

Das Ende finde ich unheimlich konsequent, die Wut, die Jule im ganzen Buch in sich trägt, ist auch hier da. Sie wird nicht urplötzlich – wie durch ein Wunder – ein anderer Mensch. Sie ist nicht der Typ, der vergibt und verzeiht und allen ein zart-verzeihendes Lächeln schenkt. Sie ist wütend bis in die letzte Faser, auch am Schluss, als man eigentlich andere Reaktionen erwartet. Ich finde es gut, dass Sie sich nicht hinter Konventionen versteckt. Und dann kommt ganz am Schluss doch eine kleine, zarte Wende, die nicht alles in ein anderes Licht stellt, aber eine kleine Brücke baut. Dinge etwas begreiflicher macht. Alle Figuren haben weiterhin ihre Fehler und doch spürt man plötzlich die Verbindung. Das ist schön und hat mich sehr berührt.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Ich habe „Mängelexemplar“ hier liegen. Es sieht auf jeden Fall noch nicht so reif aus. Dennoch – der Film erscheint bald. Wirst du es bis dahin lesen, wirst du ins Kino gehen?

Maike war sehr begeistert von „Mängelexemplar“ und deshalb werde ich es sicherlich irgendwann lesen – oder den Film gucken, wenn es im Fernsehen läuft. Ich denke nicht, dass ich dafür ins Kino gehe und direkt vor einem Kinofilm lese ich nie das Buch. Ich denke, wenn Buch und Film zeitlich zu nah beieinander liegen, dann kann der Film gar nicht gut abschneiden. Es kommt viel häufiger vor, dass ich erst den Film schaue und wenn er mir gefallen hat, dann greife ich zum Buch. 😉

Wie ist das bei dir? Erst Film oder erst Buch? Willst du in den Film gehen?

Das kommt irgendwie immer drauf an. Eigentlich immer zuerst Buch. Mir fehlt dann wohl auch die Zeit dafür, nach einem Film in ein Buch zu tauchen. Zudem sind dann die Bilder vom Film übermächtig und die eigenen Kopfbilder können sich nicht zeigen. Mängelexemplar reizt mich schon lange – aber der Film wird wohl die Überhand haben, aus heutiger Sicht. Das Buch behalte ich dann trotzdem, als Erinnerung an den Kinoabend. 😉

Zurück zu „180° Meer“.  Den Titel mag ich sehr.  Mir gefällt auch das Cover – aber das liegt wohl auch an dem Grün. Ich liebe dieses grün. Hast du mal den Umschlag abgemacht? Wie das darunter strahlt – so frisch, so frühlingshaft, so gefühlig. Aus meiner Sicht passt das grün zu Protagonistin Jule. Findest du auch?

Das Grün ist wirklich frisch und ungewöhnlich. Ich muss dir aber jetzt ein Geständnis machen: Ich hasse Grün 😉 Tatsächlich meine persönliche Hassfarbe. Irgendwie finde ich sie unangenehm und auch hier auf dem Buch drückt sie für mich eher all das aus, was nicht gut in Jules Leben läuft – und dann kommt das Meer. Der Titel ist toll und mich hat es gefreut, dass er tatsächlich immer wieder im Buch aufgegriffen wurde. Ein Titel, der sich nicht nur gut anhört, sondern auch wirklich eine Funktion im Buch hat. Das gibt es viel zu selten.

Es ist ja Jules absolute Liebe, das Meer 180° ungebremst durch Häuser oder Menschen vor sich zu sehen. Nur das reine, weite Meer – am liebsten ein wenig düster und rau, kühl und nicht zu gefällig.

Das passt auch zur Sprache des Buchs, oder?

Auf jeden Fall. Das sich der Titel durchs Buch zieht, mag ich ebenfalls.

Ja, und nicht nur die Sprache – der ganze Inhalt ist rein und weit und rau und kühl – wie das Meer. Die Worte sind wie das Meerwasser – sie kommen langsam, sie kommen schnell und dann kommen sie so heftig und stark, wie eine hohe Welle und schon findest du dich darunter begraben wieder. Auch die Worte von Autorin Sarah Kuttner sind stellenweise sehr salzig und schmecken nach wildem Strudelwasser. Ihre bildhafte Sprache zeigt uns Lesern Ebbe und Flut. Das du kein Grün magst, ist ja „witzig“– wir sind hier völlig verschiedener Meinung – in Sachen Literatur sprechen wir aber eine Sprache, wie es scheint.

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Das Meer – hach, ich liebe es und freue mich auf den diesjährigen Ostseeurlaub. Das Buch hätte ich eigentlich erst dort lesen sollen. Ich habe es drinnen gelesen – und du? Wie sah deine Umgebung – 180° aus?

Ich lebe ja in Hamburg, Wasser ist also allgegenwärtig. Wusstest du, dass Hamburg mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen hat? Nun, ich las das Buch oft im Zug auf dem Weg zur Arbeit und habe dabei viel aufs Wasser geschaut, wenn ich am Hafen vorbeikam oder über eine Brücke fuhr. Der Drang, in diesen Momenten aufzuschauen, war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Buch. Du hast vermutlich recht, dass man das Buch vielleicht am Meer lesen sollte – aber nicht im Sommer! Es ist kein Buch für Sonnenschein und Hitze. 

Welche Stelle im Buch hat dir besonders gefallen? Hast du ein für dich besonderes Zitat markiert?

Ich mochte ihre Annäherung an den vernachlässigten Hund besonders. Die beiden eher beziehungsgestörten Wesen, die auf ihre sehr eigenartige Weise langsam und mit kleinen Rückschlägen zueinanderfinden fand ich besonders eindrücklich. Keine andere Beziehung im Buch zeigt so sehr ihre stetige, wenn auch langsame Weiterentwicklung, ihr Reifen. Der Hund ist abhängig von ihr und doch kann er ihr jederzeit in die Hand beißen – das ist wohl die harte, nackte Wahrheit über die Liebe: Vertraust du ihr zu sehr, beißt sie zu.

Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein Zitatmarkierer bin. Mich interessieren „herausgerissene“ Sätze nicht so sehr wie die Geschichte an sich. Ich mag den Fluss der Sätze, den Rhythmus, der eine Geschichte treibt. Wenn ich alles um mich herum vergesse und voll im Kopfkino bin, nehme ich einzelne Sätze gar nicht als solche wahr. Wie ist es bei dir? Welches Zitat hast du dir markiert?

„Herausgerissen“ – irgendwie hast du da Recht. So habe ich Zitate noch nie betrachtet. Danke für den Denkanstoß. Ich markiere immer und immer wieder. Dabei sind es nicht nur Sätze, die mich besonders beeindrucken und mit dem Buch in Verbindung stehen, sondern auch Sätze, die ich mit mir und meinem Leben verbinde. Die Markierungen kommen ganz spontan und manchmal, wenn ich Jahre später in bestimmten Büchern blättere, erinnere ich mich dadurch an damalige Situationen, Begegnungen etc. Wenn du dir meine Ausgabe von 180° anguckst, findest du, wenn ich mich auf die Schnelle nicht verzählt habe, 20 knallgrüne Postits. (siehe Foto) Wenn du diese Stellen nachliest, wirst du nicht immer verstehen, warum mich gerade die Sätze bewegt haben. Es sind sozusagen meine Lebensweggedanken, Lebenswegempfindungen, die ich während des Lesens hatte.

180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um ein Zitat zu nennen, gleich von der ersten Seite, von Seite 11:

„Meine Präsenz fühlt sich an wie ein Kuss von jemandem mit schlechtem Atem, der sich aber gerade eben die Zähne geputzt hat: eine irritierende Nuance unter neutral.“ (Seite 11)

Wie findest du dieses Zitat? Mich haben die Worte beeindruckt. Dieses spielen mit Bildern im Kopf des Lesers. Ich habe innegehalten, mir das Gelesene bildlich vorgestellt und gedacht, dass ich gern ab und an genau solche Sätze schreiben würde. Hattest du auch solche Momente in denen du so dachtest?

Ja, tatsächlich hab ich mich auch recht häufig dabei erwischt, dass ich dachte: Wow, Sarah Kuttner findet Worte für Gefühle, die ich ziemlich gut kenne. Die Sätze könnten von mir stammen. Ich fand sie bisher eher mäßig sympathisch, doch dieses Buch und seine  Bilder haben mich ihr doch näher gebracht. Wer solch kraftvolle und stimmige Bilder in sich hat, beeindruckt mehr sehr.

Lass uns über ihre Familie sprechen: Wie sieht du ihre Beziehung zum Vater. Dieser hat ja früh die Familie verlassen und die depressive Mutter mit den beiden kleinen Kindern allein gelassen. Ist er für dich der Böse in der Geschichte oder wird er für dich mit der Zeit greifbarer?

Eine Frage, die man wohl nicht so einfach beantworten kann. Zuviel verraten mag ich auch nicht, aber ich muss sagen, dass er mir natürlich am Anfang total unsympathisch war. Aber so sind wir Menschen – wir bekommen eine Information, die nicht der „Norm“ entspricht und schon fällen wir ein kleines Urteil. Richtig? Ich bin zum Glück kein Trennungskind und kann die Situation nur von außen bewerten. Ob er der Böse ist – er hatte seine Gründe und im Laufe der Geschichte werden diese sichtbar – ich mag es nicht sagen. Greifbarer wird er auf jeden Fall. Auch er ist kein einfacher Charaktertyp, aber ein interessanter, der mich neugierig machte.

Ja, das finde ich auch. Er wird greifbarer und etwas verständlicher. Doch insgesamt finde ich, dass Sarah Kuttner ihre Figuren nicht „erklärt“, alle vielleicht in ihrer Komplexität gar nicht vollends begreifbar machen möchte. Sie gibt Einblicke in deren Seelenleben, doch so wie im richtigen Leben wird man das Gegenüber nie vollkommen verstehen können. Literarisch gesehen finde ich es sehr mutig, die Figuren dem Leser nicht komplett zu offenbaren, sondern ihren ihre eigenen Geheimnisse zu lassen. Vielleicht gibt es auch nicht für jedes Verhalten, für jeden Fehler eine genaue Erklärung. Das gefällt mir unheimlich gut. 

180° Meer ~ Sarah Kuttner
180° Meer ~ Sarah Kuttner

Um bei Familie zu bleiben – Jule flieht zu ihrem Bruder Jakob nach England. Ein Ausbruch aus dem Leben – ein Schnitt quer durch den Alltag. In England hat Jule keine Pflichten, sie kifft, sie raucht, sie ist frei und muss sich keinen unangenehmen Worten stellen. Findest du die Flucht feige? Ist kiffen und rauchen die neue Freiheit? Waren dir bestimmte Situationen zu viel oder einfach passend?

An dem vielen Kiffen habe ich mich persönlich etwas gestört – bin ich spießig? Sie entzieht sich eh schon vielen Verantwortlichkeiten, lebt in den Tag hinein. Zu ihrem eher ziellosen Treiben passt kiffen vermutlich ziemlich gut. Es soll wohl eine gewisse Lockerheit und Lässigkeit ausdrücken. Vielleicht eine Form von trotziger, jugendlicher Rebellion, die übrig geblieben ist? Ich persönlich könnte mich nie aus aller Verantwortung so herausstehlen, einfach fliehen und Probleme aussitzen, doch Jule ist authentisch. Ihr Fluchtmechanismus ist tief mit ihrer Kindheit verbunden, sie muss so reagieren, kann gar nicht konkret werden – bei ihrer Familiengeschichte kein Wunder. Ich fand es logisch, wenn auch nicht immer sympathisch, wie sie sich verhalten hat. Doch muss eine Protagonistin immer genauso handeln, wie man es mag oder erwartet?

Nein – eben nicht. Es ist doch gerade für uns Leser schön, wenn eine Protagonistin anders handelt, als erwartet. Das Kiffen gehört zu Jule dazu, das Abhängen auf dem Balkon, das Herumschlendern mit dem Hund – aber alles das ist auch ein Stück große Freiheit – zumindest ab und an und in meiner Gedankenwelt. Einfach mal raus – aber zurückkehren sollte man schon und das in absehbarer Zeit.

Gab es eine Stelle, in der dir ihr Verhalten zu viel wurde?

Vor allem zum Ende des Buches. Da brodelte ihr verdammter Hass immer und immer mehr hoch. Ich hätte sie gern mal angebrüllt und ihr gesagt, dass sie mal die Augen aufmachen soll. Und doch kann ich Jule verstehen…

Vielen Dank für das literatwoische Lagerfeuergespräch, liebe Mareike und Danke fürs Lesen an dich!

Eure
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