Schlagwort: Dystopie

VOX ~ Christina Dalcher

VOX ~ Christina Dalcher

Nur noch 100 Wörter am Tag sprechen? Ganz ehrlich, schon vor dem Frühstück wäre mein Kontingent aufgebraucht und ich dürfte dann den restlichen Tag nichts mehr sagen, es sei denn, ich nehme immer stärker werdenden Stromschläge meines Wortzählers am Handgelenk in Kauf. Ich rede viel zu gern, viel zu viel und vielleicht auch zu viele unnütze Wörter – aber das macht mich aus und ohne Wörter wäre ich nicht mehr ich. Noch schlimmer wäre dann allerdings, wenn ich nicht mehr arbeiten gehen dürfte und nur noch Hausfrau sein müsste. Männer dürfen ihre Träume und Berufe leben – Frauen nicht (mehr)…

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1984 ~ George Orwell [Big Brother]

1984 ~ George Orwell

1948 schrieb Orwell „1984“ und nachdem ich 2014 entschieden habe, es nicht zu lesen, habe ich es letztendlich 2017 getan. Ein Roman der an Dystopie verliert und an Realität gewinnt und die Gänsehaut des Lesers dadurch von Jahr zu Jahr intensiviert.

Orwell schrieb im Jahr 1948 bereits über Big Brother – wer hat jetzt noch alles Gänsehaut?

1984

Ich lese ja nicht mehr so gerne Dystopien, diese hier hat sich allerdings gelohnt, denn die Themen sind vielleicht aktueller als uns Lesern lieb ist. Aber keine Angst, ich werde nicht zu viel verraten. Der Roman beginnt sehr langsam und ruhig und ich hätte beinahe den Fehler gemacht, den Roman abzubrechen. Ich wurde anfangs mit dem Protagonisten Winston Smith nicht warm. Der Beginn ist recht fad und Winston auch, mag ich sagen. Er arbeitet für eine Partei, hat einen recht unspektakulären Alltag und hängt in seinem Trott fest. In seinem Inneren sieht es aber zum Glück ganz anders aus und sein Job ist alles andere als langweilig. Er ist im Ministerium für Wahrheit angestellt und er ist dafür zuständig, die Vergangenheit zu verändern und zwar so, dass diese mit der Gegenwart zusammen passt. Wie das genau aussieht, erzählt er euch selbst und darüber hinaus noch so einiges mehr.

Ihr solltet auf jeden Fall schon vor dem Lesen die drei Parolen der Partei kennen. Prägt sie euch gut ein;

KRIEG IST FRIEDEN

FREIHEIT IST SKLAVEREI

UNWISSENHEIT IST STÄRKE

Und wenn wir schon bei den Parolen und der Partei sind, solltet ihr noch wissen, dass ihr die ganze Zeit überwacht werdet. Der „große Bruder“ sieht alles und so ist es für Winston nicht leicht, eine geheime Affäre zu führen. Und dann ist da noch das sogenannte „Neusprech“ was mehr und mehr angewendet werden soll und noch besser wäre es, wenn das Denken mehr und mehr eingestellt wird. Und eigentlich ist schon immer alles so, wie es heute ist. Alles klar?

1984 ~ George Orwell

KRIEG IST FRIEDEN

Meine Damen und Herren – ich bin wirklich ziemlich angetan von diesem Roman, auch wenn er einige Längen im Mittelteil hatte. Im Nachhinein wird mir aber bewusst, dass diese so dazu gehörten. Ihr solltet dieses Buch kennen, es wird nicht umsonst immer und immer wieder neu aufgelegt – diese hier ist die 41. Auflage und ich finde die schwarz-weiße Aufmachung von Ullstein echt genial – und als Klassiker bezeichnet. Habt keine Scheu es zu lesen, denn es lohnt sich.

FREIHEIT IST SKLAVEREI

Was George Orwell wohl heute zu unserer Welt sagen würde?

Die Themen die er auf diesen knapp 360 Seiten aufgreift, sind breit gefächert und bescheren beim Lesen Gänsehaut. Worte wie Gedanken-Loch, Großer Bruder, Ozeanien, Überwachungsstaat, Neusprech, Lustlager und Co.lassen tief denken und regen zum Vergleichen an. Jeder der 3 Teile wirkt anders auf unsere Lesegefühle ein.

Orwell regt unsere Emotionen an, obwohl er uns an Winstons Seite durch eine kalte Welt führt. Es herrscht dauerhaft Krieg, wir werden überwacht und sollen in eine Richtung laufen. Doch auch im stärksten Strom, gibt es Rebellion…

UNWISSENHEIT IST STÄRKE

Die Dystopie ist verdammt nah an unserer Realität dran. Ist 2 + 2 = 4 oder nicht etwa doch 5? Habt ihr darüber schon einmal nachgedacht? Ich bin von diese Werk begeistert, auch wenn nicht jede Seite einfach zu lesen war. Ich habe mir viele Sätze markiert und glaube, dass das Buch in vielen Jahren nicht nur als „eines der einflußreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts“, sondern auch des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird. Ich werde es wohl ganz bestimmt ein 2. Mal lesen.

Eure
1984

[Dystopieauftakt] Bitterzart von Gabrielle Zevin

Bittterzart - Schokoladiges Lesen
Bittterzart – Schokoladiges Lesen

Bücher und Schokolade, welch tödliche Mischung. Kennt ihr das auch?

Ihr lest ein wahnsinnig spannendes Buch und schon ist die Tafel Schokolade, die ihr euch soeben erst geholt habt, auf einmal alle? Für uns kein Problem, denn wir holen uns einfach eine neue, aber was ist oder was wäre, wenn es keine Schokolade mehr gäbe? Was wäre, wenn Schokolade verboten wäre?

Nicht auszudenken. Viel schlimmer wäre es noch, wenn das Wasser knapp wäre, Kaffee verboten und auch am Papier gespart werden müsste. Und wenn genau dies alles eintritt? Was dann?

Dann klingt es nach einem dystopisch angehauchten Roman, bei dem es die Protagonisten sicher nicht so einfach haben werden und für den Leser spannende Zeiten bevor stehen.

Beim ersten Blick hinter das absolut retro-stylische Cover, was ich sehr schön finde, da es viel darauf zu entdecken gibt und ein Ausschnitt davon einige Seiten im inneren des Romans ziert, begegnet mir ein Charles Dickens Zitat, welches meine Leselust gleich anfachte. Die darauf folgende Inhaltsübersicht, hätte ich nicht benötigt und doch verlieh diese den Eindruck, in einem Tagebuch zu lesen.

Vorfreudig begann ich zu lesen…

Bitterzart - Blick zwischen die Zeilen
Bitterzart – Blick zwischen die Zeilen

Bitterzart

Ich verteidige meine Ehre

Am Abend bevor ich in die elfte Klasse kam – ich war so gerade sechszehn -, sagte Gable Arsley, er wolle mit mir schlafen. Nicht in ferner oder absehbarer Zukunft. Nein, sofort. Zugegebenermaßen hatte ich keinen bsinders guten Geschmack, was Jungen anging. Ich fühlte mich zu denen hingezogen, die es nicht…

Gerade im Roman angekommen, klingelte es an der Tür. Psst…Schmuggelpost, flüsterte mir der Postbote zu und drückte mir eine kleine Schachtel in die Hand. In dieser befand sich ein großes Stück Schokolade mit den folgenden Worten:

„Deine Dusche läuft nur 90 Sekunden, Papierbesitz ist illegal und Schokolade ein verbotenes Rauschmittel. Willkommen im Jahr 2083, in der Welt von „Bitterzart“. Dumm nur, wenn deine Familie den illegalen Schokohandel in New York anführt – und du den Chefsessel erbst. Da braucht man schon ein Stück kostbarer Schokolade für die Nerven.“

Nach diesen Worten und dieser gelungenen Aktion, musste ich mich umgehend in den Roman stürzen und lernte die Hauptprotagonistin Anya kennen und diese nahm mich sofort an ihre Seite, um an ihrem Leben  teilzunehmen.

Bitterzart - Schmuggelpost
Bitterzart – Schmuggelpost

Sie selbst ist eher kühl und ihre Emotionen wie Traurigkeit, Sorge und Angst, lässt sie in Wutanfällen raus. Direkt abweisend ist sie nicht, aber auf Abstand geprägt, seit ihrem 9. Lebensjahr, als ihre Eltern bei einem Anschlag umkamen. Ihr Vater war ihr großes Vorbild, von ihm hat sie die meisten Lebensgrundlagen und viele wichtige Worte für ihr Leben mitbekommen. Diese Worte trägt sie in ihrem Herzen und erinnert sich ständig an diese, genau wie an ihren Vater.

Anya hat die volle Verantwortung für ihre Großmutter Nana und für ihre zwei Geschwister Leo und Natti. Leo ist ein besonderer Junge mit einem Handicap und Nana ist alt und ans Bett gefesselt. Richtig entspannen kann Anya eher wenig und die Trennung von ihrem Freund Gable Arsley bringt sie in Schwierigkeiten. Einzig Freundin Scarlet hat jederzeit ein Ohr für sie, welches Anya oftmals nur für negative Nachrichten und Probleme in Anspruch nimmt.

Anyas nicht einfaches Leben beginnt sich weiter zu verkomplizieren, denn ihre Mafiafamilie drängt sich immer weiter an sie heran und das Thema Schokolade drängt sich ebenso gefährlich und unangenehm in den Vordergrund. Zudem taucht ein Junge namens Win auf, der Anyas abgekühltes Herz um einiges erwärmt.

Bitterzart - Edelherb
Bitterzart – Edelherb

Bitterzart hat sich für mich leider nicht als richtige Dystopie geoutet und auch die darin enthaltene Liebe ist keine Liebe wie zwischen Romeo und Julia. Und doch hat der Roman einen besonderen Sog und ich bereue nicht, ihn gelesen zu haben. Ich mag Charaktere wie Anya, die etwas kühler und zurückhaltender sind. Durch den jugendlichen Slang ist Anya dennoch nahbar und durch die gewählte Erzählperspektive läuft man mit ihr im Gleichschritt. Der wohl spannendste Charakter war für mich auf jeden Fall Großmutter Nana, denn sie ist Jahrgang 1995.

Für Leser die im Jahr 1995 geboren sind, muss die Identifikation mit ihr noch größer sein, denn viele Dinge und Geschehnisse aus ihrem Leben kommen uns so bekannt vor, da diese genau jetzt gelebt und bis jetzt verlebt wurden. 2083 – in diesem Jahr würde ich 98 Jahre zählen und der Gedanke daran, dass ich so gebrechlich wie Nana sein würde, hat mich durch den Roman begleitet.

An Spannung hätte Gabrielle Zevin noch einiges hinzufügen können und doch habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Der besondere Kniff genau in dem Moment, wenn die Gedanken der Leser abschweifen könnten, einige wachrüttelnde Zeilen einzufügen, ist grandios. Denn ebendiese Zeilen sind mir an besagten Stellen durch den Kopf gegangen.

Am Ende des Romans kann bereits über 10 Seiten in den nächsten Band mit dem Titel „Edelherb“ eingetaucht werden. Dieser erscheint noch in diesem Jahr und auch wenn ich von „Bitterzart“ nicht durchweg schwärme, freue ich mich auf den zweiten Teil.

Eine bittere Familiengeschichte mit zartem Gefühlsband durchwirkt, unterhält dystopisch und lässt beim Lesen heimlich zu Schokolade greifen!

[Dystopie] BREATHE – Gefangen unter Glas

BREATHE - Gefangen unter Glas - ATME
BREATHE – Gefangen unter Glas – ATME!

Atme.

Atme tief ein.

Atme tief aus.

Atme.

Du atmest ungefähr 23.000 Mal am Tag und es ist egal ob du dich draußen oder drinnen aufhältst.

Du atmest, egal ob du in Deutschland wohnst oder am Ende der Welt.

Du atmest.

Doch was wäre, wenn Sauerstoff nur noch begrenzt zur Verfügung stehen würde? Was wäre, wenn Sauerstoff immer knapper werden würde? Was wäre, wenn du nur unter einer Kuppel aus Glas frei ohne Sauerstoffgerät atmen könntest? Was wäre, wenn du in einer Welt ohne Luft leben würdest?

Breathe_Gefangen unter Glas_Sarah Crossan_Spacer

Alina, Quinn und Bea leben unter dieser besagten Glaskuppel, gefangen in einer begrenzten Welt, in einer Welt, in der es noch Sauerstoff gibt. Sauerstoff ohne Sauerstoffgerät, so wie bei uns weltweit, so wie vor dem Switch, der alles zusammen brechen ließ.

Außerhalb der Glaskuppel ist ein Überleben nur möglich, wenn eine Sauerstoffflasche mitgeführt wird. Aber, ein Aufenthalt im sogenannten Ödland bedeutet Luxus, denn Sauerstoff ist teuer und nicht jeder kann sich diesen leisten.

Vor allem die Bürger welche keinen Premiumstatus besitzen, müssen mit dem Sauerstoff haushalten. Sie führen dadurch sämtliche Bewegungen mit Bedacht aus und üben sich im Verzicht jeglicher sportlichen Aktivitäten. Eben dieses Leben mit Einschränkungen führt auch Bea.

Quinn kann sich diesen Luxus leisten, denn er ist Premium Bürger und hat jede Menge Geld, wie auch Sauerstoff zur Verfügung. Bea hat großes Glück mit Quinn befreundet zu sein, denn so kommen ihr immer wieder ein paar Vorteile zu Gute. Zum Beispiel kann sie mit ihm einen Ausflug ins besagte Ödland machen und bei dieser Gelegenheit versuchen, ihm endlich näher zu kommen. Bea wünscht sich mehr als die bereits bestehende Freundschaft, tiefe Gefühle toben in ihr.

BREATHE - Gefangen unter Glas - Alina, Bea & Quinn
BREATHE – Gefangen unter Glas – Alina, Bea & Quinn

Dass sie „nur“ eine Tochter eines Zweitklassbürgers ist, spürt Bea allerdings nicht nur anhand des Sauerstoffs, sondern auch anhand der Entscheidung der Regierung. Gemeinsam mit Quinn ist sie in die Finalrunde des BREATHE-Führungskräfteprogramms eingezogen, doch gewonnen hat nicht sie, die Second, sondern Quinn, der Premium.

Alina, die dritte jugendliche Hauptprotagonistin, gehört zu den heimlichen Rebellen und möchte so schnell wie möglich wieder frei atmen können. Atmen war mal ein Grundrecht, jetzt ist es ein Privileg und das will sie, wie einige andere auch, nicht mehr dulden.

Auch Alina möchte die Kuppel so schnell wie möglich verlassen, denn sie möchte ihren soeben gestohlenen Setzling nach draußen bringen, ihre Mission erfolgreich beenden.

Bea und Quinn, mit zwei großen Sauerstoffflaschen ausgerüstet, begeben sich auf den Weg ins Ödland und treffen an der Grenze auf Alina, welche Ausreiseprobleme hat. Quinn nimmt sich ihrer selbstlos an und hilft ihr vor Soldaten zu flüchten. Zu dritt gelangen sie nach draußen und genau da beginnen die Probleme. Quinn scheint Interesse an Alina zu haben und nicht nur das, denn die beiden Ausflügler geraten in einen Konflikt mit großem Gefahrenpotenzial.

Der geplante Ausflug verläuft komplett anders, als ihn sich die beiden vorgestellt haben und ein Albtraum beginnt Realität zu werden. Zudem werden Bea und Quinn die Augen geöffnet, was das Thema Glaskuppel betrifft…

BREATHE – Gefangen unter Glas (DTV)

BREATHE - Gefangen unter Glas - tödlicher Konflikt
BREATHE – Gefangen unter Glas – tödlicher Konflikt

Der in sich in fünf Teile gegliederte Roman wird abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten erzählt. Alina treffen wir gleich zu Beginn im Naturschutzareal in dem sie sich aufhält, um Stecklinge zu stehlen. Diese muss sie unbeobachtet außerhalb der Kuppel bringen. Sie ist die Rebellin und hat einen stark abgekühlten Charakter und ist durch und durch berechnend.

Bea lernen wir gleich im nächsten Kapitel kennen. In diesem bestreitet sie die Prüfungen um ins BREATHE-Führungskräfteprogramm zu gelangen. In diesem wird klar, was einen Second und einen Premium unterscheidet. Zudem nutzt Autorin Sarah Crossan dieses Kapitel um das Szenario innerhalb der Glaskuppel zu verdeutlichen. Ein geschickter Zug, um den Leser in den Bann zu ziehen und ihm relativ schnell klar zu machen, was BREATHE ausmacht.

Breathe_Gefangen unter Glas_Sarah Crossan_Spacer

Quinn ist der dritte Hauptprotagonist im Roman. Er ist wie Alina und Bea 16 Jahre jung und strebt eine Hohe Persönlichkeit, wie sie auch sein Vater ist, in der Gesellschaft an.

Dystopie Fans aufgepasst, denn hier liegt ein wirklich plausibler Beginn einer Trilogie vor, die absolute Pageturnerqualität hat und den Atem raubt. Zudem ist hier der Bezug zur Realität sehr nah, denn das Thema Umwelt, speziell Waldsterben, spielt eine große Rolle.

Zu diesem Roman sollte es gleich einen kleinen Setzling beim Kauf dazu geben, denn während des Lesens verspürt man einen inneren Drang, neues Baumleben in seinem Umfeld zu pflanzen, um möglichst nie an Sauerstoffknappheit zu leiden.

BREATHE - Gefangen unter Glas - dystopischer Pageturner
BREATHE – Gefangen unter Glas – dystopischer Pageturner

Ich selbst bin gleich auf der ersten Seite im Geschehen angekommen, da mir die Rebellin Alina gleich sympathisch war, ohne überhaupt zu wissen, welche Rolle sie spielt und wie sich ihr Charakter entwickelt. Die liebende Gefahr und ihr Drang etwas zu bewegen, bewegte auch mich. Innerhalb des Romans macht sie wohl die größte Entwicklung durch, welche einfach nur beachtlich ist.

Sarah Crossan findet zwischen all der Härte, der Gefahr und Berechnung poetische Zeilen und lässt hin und wieder die Gefühle die Oberhand gewinnen. Sogar der Name Charles Dickens und sein Romanheld Pip, taucht darin auf. Ihr braucht keine Angst zu haben, dass hier zuviel Platz für die Liebe ist, nein, die Angst ist unbegründet und doch gibt es tiefe Worte, die die Gedanken zum Kreisen bringen lassen.

Crossan schildert nicht nur ein mögliches Desaster, sondern lässt durch ihre Randfigur, welche den Namen Maude Blue trägt, das Gegen das Vergessen-Licht in mehreren Schüben aufleuchten.  Ein eigenwilliger alter Charakter, der weise Worte in sich trägt und zum Rückblicken und Innehalten bewegt. Ihr werdet merken, dass Maude auch euch nach einiger Zeit berühren wird.

Breathe_Gefangen unter Glas_Sarah Crossan_Spacer

Persönlich habe ich ein kleines Problem mit diesem Buch, was weder Inhalt noch Aufmachung betrifft. Dazu muss ich sagen, dass ich den Roman bereits im November, mit einem dazu entworfenen Flyer, in den Händen gehalten und gelesen habe. Bereits im letzten Jahr bin ich davon ausgegangen, dass Breathe ein Einzelband und keine Trilogie ist. Ich fand damals keinen Hinweis auf einen Mehrteiler und habe im Glauben an einen abgeschlossenen Roman gelesen und mich gefreut, euch eine Dystopie ans Herz legen zu können, bei der man nicht auf Folgebände warten muss.

Vor wenigen Tagen wurden mir dann bei der gründlichen und umfassenden Recherche die Augen geöffnet und ich musste heftig schlucken.

Hatte ich mich doch nun schon Monate lang mit dem Ende abgefunden, es für gut befunden und mir mögliche Fortsetzungen, die es hätte geben können, ausgemalt. Nun bin ich in einer persönlichen Zwickmühle, ob ich überhaupt eine Fortsetzung brauche und lesen sollte. Meine Erwartungen sind dadurch wohl ziemlich hoch und meine inneren Vermutungen schon tief verankert. Da habe ich mir irgendwie selbst ein literarisches Bein gestellt und doch finde ich es rückwirkend schlecht, dass nirgends ein Hinweis auf eine Reihe zu finden war.

BREATHE - Gefangen unter Glas - Sarah Crossan
BREATHE – Gefangen unter Glas – Sarah Crossan

Dennoch wurde mir beim Schreiben dieser Worte bewusst, dass ich dennoch gespannt bin, wie es laut Crossan weitergehen wird. Trotz Beas intensivem Gefühlsgedankenstrudel die ein wenig an die Lesersubstanz gingen, freue ich mich auf sie, genau wie auf Alina und Quinn. Vor allem Quinn hatte am Ende eine Begegnung mit seinem Vater, die mir schon beim Gedanken daran Gänsehaut bereitet. Ich sage nur groß, absolut groß.

Wagt euch an diese ökologisch angehauchte Dystopie, vergesst aber die Sauerstoffflaschen  und die  Setzlinge nicht einzupacken und betretet die Glaskuppel.

Und denkt dran – ATMEN!

Dark Destiny – Jennifer Benkau [Literatwo meets his & her books]

Dark Destiny
Dark Destiny – Literatwo meets his & her books

Dark Canopy und Dark Destiny (Script 5) – eine Dilogie (Zweiteiler), welche es in sich hat und nicht nur uns Literatwos absolut begeistert hat. Auch his & her books ist hin und weg und wir haben uns erneut miteinander verbündet, um eine Aktion zu starten. Unsere erste Aktion um den Roman „Die Bestimmung – tödliche Wahrheit“ hat uns riesigen Spaß gemacht und schreit nach einer Wiederholung.

Dark Destiny von Jennifer Benkau bietet sich dazu hervorragend an, darum aufgepasst!

Wir Literatwos sind zwei,  His & her books sind zwei und somit gibt es für euch zwei unterschiedliche Rezensionen und ihr könnt zwei Bücher gewinnen.

Na wie klingt das?

Gut? Dann öffnet jetzt eure Augen und passt gut auf, denn es wird dunkel. Die großen schwarzen Wolken bündeln sich am Himmel – Dark Canopy ist übermächtig und Joy schwebt in großer Gefahr.

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Die Bestimmung – „nur“ eine weitere Dystopie?

Die Bestimmung ~ Veronica Roth
Die Bestimmung ~ Veronica Roth

Trilogie – „Die Tribute von Panem“ – Trilogie um „Cassia & Ky“ und jetzt die Trilogie von Autorin Veronica Roth „Die Bestimmung“.

Alles Trilogien, alles Dystopien – sollten wir wirklich in eine weitere einsteigen?

Wir wollen ehrlich sein wie immer, denn sonst würden wir euch und vor allem auch uns betrügen. Große Skepsis machte sich in uns breit und seit 2011 überlegten wir, ob wir den Schritt wagen sollen oder nicht. Eine lange Zeit des Überlegens und um das Buch schleichen liegt nun hinter uns und wir können nun sagen, dass wir es getan haben.

Ja aber wir haben es getan! Aber dies nicht ganz unbefangen, wie ihr euch vorstellen könnt, denn die Inhalte und Handlungen der anderen Dystopien tobten in unseren Köpfen und spielten sich vor unseren Augen ab. Vergleiche bleiben und blieben nach unseren gemachten Leseerfahrungen einfach nicht aus.

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DER AUFRECHTE MANN von Davide Longo

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„Kurz vor dem Einschlafen hatte er den Eindruck, zum ersten Mal die ganze Schrecklichkeit dessen zu erahnen, was vorging. Eine neue Zeit begann, eine nackte Zeit, die Dauer verhieß und deren Schlüsselbegriff „ohne“ sein würde, wie der der vorangegangenen Epoche „mit“ gewesen war.“

An der Seite von Leonardo begeben wir uns in diese neue dauerhafte Zeit, in der nichts mehr ist, wie es einmal war. Schleichend aber unaufhaltsam beraubt das „Ohne“ jenes zur Gewohnheit gewordene „Mit“ jeglicher Grundlage und katapultiert den Menschen an den Boden der lehrbuchkonformen Bedürfnispyramiden.

Italien ohne Benzin, ohne funktionierendes Währungssystem, ohne staatliche Ordnung, ohne Internet und Telefon, ohne Güterverkehr, ohne jegliche Struktur… Ein Italien in nicht so ferner Zukunft, so ganz ohne alles, was Sicherheit und Leben verspricht.

Hier lebt Leonardo – 52, Schriftsteller, Intellektueller, gescheiterter Professor, geschieden – inmitten dieser um sich greifenden Leere und versucht sich abzufinden. „Es wird schon wieder gut“ – so sein Denken. „Ich komme schon damit zurecht“ – so sein Gefühl… „Es könnte schlimmer sein“ – so sein Trugschluss.

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